Grossfernglas Innenschwärzung

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Hallo zusammen,

hat jemand Erfahrung bezüglich der nachträglichen Innenschwärzung eines Grossfernglases?
Mein TS Optics 20 x 80 TRIPLET hat innen einen stark glänzenden, geriffelten Tubus- evtl. handelt es sich dabei um Fett? Soll vielleicht Stabteichen binden... Auf jeden Fall würde man bei jedem Teleskop die Hände über den Kopf schlagen, bei so einem hell glänzenden Tubus...
Beim TS 25x100 sihts ähnlich aus, auch wenn hier nicht ganz so schlimm. Hat aber auch direkt hinter den Objektiven einen stark glänzenden Bereich. Sieht man sogar auf dem TS Foto:
TS 25x100
Hat jemand seine Grosferngläser dahingegend schon mal optimiert?
Grüße, Marius
 
Hallo Marius,

Schau doch mal kritisch bei Tag von hinten durch das Instrument um Streulichprobleme zu identifizieren. Idealerweise ohne Okular. Du solltest dann nur den hellen Himmel vor dem Objektiv sehen, aber keine spiegelnden, glänzenden Teile aus dem Inneren des Instruments. Oder schwenke doch mal bei Nacht rund um denn Vollmond, dann ist die Lichtquelle kompakter.

Je nachdem was dir hier auffällt kannst du dann entscheiden ob das bei deinen Beobachtungen relevant ist. Wie es von vorne aussieht ist nicht sooo wichtig, denn du schaust ja von hinten durch, nicht von vorne.

Frohe Grüße,
Martin
 
Hallo Martin,

stimmt natürlich, das man normalerweise nicht von vorne in das Fernglas schaut.
Jedoch wird bei Teleskopen auch immer auf eine gute Innenschwärzung geachtet, am schwärzesten (Blenden mal außer Acht gelassen) wirkt wohl entfusselte Veloursfolie.

Ein Teleskoptubus der auch nur annähernd so stark glänzt wie der genannte Fernglastubus ist mir noch nicht unter gekommen. Würde man sicherlich auch sofort verbessern wollen.

Werde demnächst mal versuchen die Objektive vom Fernglas zu trennen um im Tubus die Veloursfolie einzukleben. Schlechter kann es ja dadurch nicht werden :-)
Werde berichten.
Hat denn noch niemand sein Fernglas auf diese Art verbessert?

Folgend nochmal ein Bild vom glänzenden Tubus, zwar mit Blitz, ohne sah es aber auch nicht wirklich besser aus.


Link zur Grafik: http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/p1070795qj8bf67rap.jpg

Grüße, Marius
 
Hallo Marius,
Streulicht in Ferngläsern ist ein verbreitetes Problem. Ich habe mich mal mit der Streulichtreduzierung von Zeiss-Jena 8x30 Gläsern beschäftigt (hier: http://www.stern-freund.de/index.php?id=43). Die Streulichtreduzierung habe ich vor allem vorgenommen, da ich die Gläser auch am Tage benutzen möchte. Für DS kann man mit Streulicht leben. Streulicht tritt ja nur auf, wenn ein helles Objekt auf die Tubusflächen (bzw. ein anderes Gehäuseteil) strahlt. Wenn das nicht der Fall ist, dann können nur der Himmelshintergrund und Sterne wesentliches Streulicht erzeugen.
Ich habe ein 25x100 von Celestron. Bei diesem Glas glänzen die Tuben auch, wenn man von vorn in das Glas schaut. Wenn man sich am Tag die Pupille hinter dem Fernglas ansieht (wie hier auch von Martin schon vorgeschlagen), dann sieht man fast kein Streulicht. Die Prismenhalterungen scheinen hier als Streulichtblende zu wirken. Das TS 25x100 kenne ich nicht. Ich würde es mir aber überlegen, an dem Glas rumzuschrauben, wenn die Fusion stimmt. Mein 25x100 habe ich mal billig bei eBay geschossen. In der Beschreibung war angegeben, dass die Fusion nicht stimmt. Ich dachte, dass ich das leicht justieren kann. Justieren kann man die Gläser an den Prismenstühlen, wenn man die hinteren Abdeckungen entfernt. Obwohl ich schon einige Erfahrung mit Ferngläsern habe, ist es mir bisher nicht gelungen, das Ding ordentlich zu justieren (vielleicht baue ich mit den Objektiven mal ein 90° Bino). Das kann natürlich beim TS anders sein, auch kann es speziell an meinem Exemplar liegen, dass mir das nicht gelungen ist, ich möchte aber trotzdem auf das Risiko hinweisen.

CS. Frank
 
> das Ding ordentlich zu justieren

Das geht einfach. Es gibt zwei Arten der Dejustierung:
- Die Austrittspupillen liegen in unterschiedlicher Höhe
- Das Glas schielt nach innen oder außen
Der erste Fall führt zu deutlichen Doppelbildern, den zweiten merkt man fast nicht, das gleicht das Auge leicht aus
Man justiert, in dem man aus etwa 20 cm Entfernung auf die Austrittspupilen schaut. Also nicht durch das Glas schauen, sondern auf das Glas. Die unterschiedlich hohen Pupillen fallen sofort auf. Man justiert so, dass sie auf einer Höhe liegen.
 
Hallo,

Uwe, was Du mit dem leicht ausgleichen der Augen im 2. Fall schreibst, stimmt leider nicht so ganz. Wenn die Tuben nach innen schielen, wandern die Bildfelder nach außen, das können die Augen nicht ausgleichen, denn Auswärtsschielen geht nicht (außer in pathologischen Fällen). Deshalb muß diese Fehljustage unbedingt vermieden werden, weil sonst keine deckungsgleichen Bilder zustandekommen!

Schielen die Tuben dagegen etwas nach außen, so dass die Sehfelder nach innen wandern, können die Augen das durch Einwärtsschielen in gewissen Grenzen kompensieren, denn die Konvergenz der Augenstellung, d.h. das natürliche zunehmende Einwärtsschielen beim Nahesehen, funktioniert ja immer nur nach innen. Allerdings verschmelzen dabei die Sehfeldbegrenzungen nicht deckungsgleich zu einem Kreis sondern werden etwas versetzt als eine Art liegende Acht gesehen. Was nicht nur ästhetisch weniger ansprechend ist, sondern auch dazu führt, das man nicht mehr zentrisch entlang der optischen Achsen durch die Strahlengänge blickt, sondern zum Rand hin versetzt, wodurch die Bildfehlerkorrektur leidet, weil Bildfehler normalerweise lateral zunehmen. Außerdem strengt dieses unwillkürliche Einwärtsschielen mit zunehmender Beobachtungsdauer an und ermüdet.

Justage ist zwar kein Hexenwerk, muß aber mit zunehmender Vergrößerung immer genauer erfolgen, und wenn man die Tuben bei einem Großfernglas ab- und wieder einschraubt, ist wegen des Gewindespiels fast immer eine gewisse Justagekorrektur nötig. Manchmal nicht nur über die Prismen, sondern insbesondere bei mechanisch einfacheren Chinamodellen auch über die Tubenstellung, die man mit vorsichtigem, aber kräftigem Biegen leicht korrigiern muß. Ich würde empfehlen das vorher an einem alten Glas zu üben, damit man weiß, wann man wohin biegen oder schrauben muß...

Es ist auch nicht ganz richtig, dass die von vorn sichtbaren stark glänzende Innenwände keine negativen Auswirkungen hätten, weil dieses Licht ja nur nach vorn, also aus dem Glas heraus reflektiert würde, was hinter dem Okular unbemerkt bliebe. Denn ein wenn auch kleiner Teil dieses rückreflektierten Lichts wird an jeder der davor liegenden Glasoberflächen nicht nach draußen durchgelassen, sondern zurückreflektiert nach hinten in den Strahlengang, da keine Vergütung perfekt ist. Auch wenn das pro Glasoberfläche bei einer MC-Vergütung nur ca. 0,5% ausmacht, überlagert dieses Streulicht das Bild diffus und hellt es ganz leicht auf, m. a. W. es senkt den Kontrast. Wenn man weiß, worauf man achten muß, kann man diesen hauchzarten "Schleier" durchaus manchmal bemerken, besonders natürlich bei hellen Objekten, wie z.B. dem Mond.

Ich habe bei einigen meiner Gläser die Innenschwärzung verbessert, mit sichtbarem Erfolg. Allerdings muß man vorsichtig sein, und dabei möglichst keine der optischen Oberflächen innen verschmutzen, weil das Reinigen sonst sehr schwierig werden kann. Nicht nur, weil dann oft eine noch weitergehende Demontage fällig ist, sondern auch, weil selbst hauchdünne Fettschlieren o.ä. den Kontrast unter Umständen stärker vermindern können, als er durch die bessere Schwärzung angehoben wird. Außerdem muß man die Farbe sehr gut und lange trocknen lassen, sonst können sich im Lauf der Zeit Ausdünstungen auf den innern Glasflächen niederschlagen und alles zunichte machen: wenn z.B. solche Beläge zwischen den mit Luftspalt verklebt montierten Prismen auftreten, müsste man zur Reinigung die Prismen herausbrechen... Richtiges Reinigen ist auch alles andere als trivial und sehr zeitaufwändig. Passgenau geschnittenes Velours würde ich daher eher empfehlen, aber diese Kegelschnitte durch womöglich enge Öffnungen konischer Tuben korrekt zu platzieren, ohne mit der Klebeschicht der Folie die oft fest im Tubus verklebten Objektive zu berühren und zu verschmieren, wird auch nicht ohne sein.

Ich habe ein United Optics (gelabelt als Celestron Skymaster, oder TS LE usw.) 20x70 und ein 15x70 deren Innenwände beide genauso extrem spiegeln. Es hat einige Zeit gekostet, das 20x70 innen mit Farbe zu mattieren, der Kontrastgewinn und das deutlich bessere Gegenlichtverhalten sind sichtbar. Trotzdem werde ich mir beim 15x70 diese Mühe nicht wieder machen, weil es sehr umständlich ist, mit einem gebogenen Pinsel die konischen und sehr langen Tuben durch eine kleine Öffnung innen und auch noch von unten kommend vorsichtig anzumalen, was nötig war, weil die verklebten Objektive nicht von den Tuben getrennt werden konnten...

Alles in allem glaube ich nicht, dass sich der Aufwand lohnt, wenn man so etwas noch nie vorher gemacht hat; das Risiko sein Glas zu verschlimmbessern ist groß...

Gruß


PS.: Noch was, aus gegebenem Anlass: Wenn man bei Tag ohne Okulare das Glas am Himmel herumschwenkt, um die Herkunft von Streulichtproblemen zu ermitteln, wie es oben jemand empfiehlt, muß man dabei

H Ö L L I S C H AUFPASSEN NICHT IN DIE SONNE ZU GERATEN; AUCH NICHT KURZZEITG!

Denn das ist brandgefährlich. Wenn kein Okular mehr hinter den großen Objektiven sitzt, wirken sie wie starke Brenngläser, deren Bündelungskraft das Auge in Sekundenbruchteilen zerstören kann!
 
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@Uwe: "Das geht einfach."
Ich gebe Dir recht, in der Regel ist das kein Problem ein Fernglas zu justieren. Ich habe es aber bei meinem 25x100 nicht hinbekommen, obwohl ich schon einige Ferngläser, sowie Binoansätze justiert habe, und inzwischen mein viertes 90°Bino gebaut habe. Deshalb mein Hinweis an Marius.

CS. Frank
 
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@ konfokal, du schreibst:
Passgenau geschnittenes Velours würde ich daher eher empfehlen, aber das durch die engen Öffnungen korrekt zu platzieren, ohne die Linsen mit der Klebeschicht der Folie zu berühren und verschmieren wird auch nicht ohne sein.

--> Wenn die Objektive abgeschraubt sind, ist doch eigentlich keine Gefahr mehr da, die Linsen mit der Folie zu kontaminieren. Die Objektive sollen ja erst nach vollendeter Arbeit wieder reingeschraubt werden. Oder meinst du die Prismen am ende des Tubus/ zu den Okularen hin?

Grüße, Marius
 
Hallo Marius,

ich schrieb ja, dass die Objektivlinsen bei meinen United Optics Gläsern fest in den Tuben verklebt waren. D.h. die Objektive lassen sich nicht von den Tuben abschrauben! Wenn man da an das Tubusinnere herankommen will, geht das nur, indem man die Tuben samt fest verbauten Objektiven direkt am Prismengehäuse abschraubt. Und an diesem Ende sind die Tuben nur eng geöffnet, weshalb die "Innenarbeiten" in ziemliches Gefummel ausarteten. Und weil diese Gewinde so weit von den Objektiven entfernt sind, gibt's nach dem Wiedereinschrauben auch öfter Justageprobleme...

Vielleicht ist das bei Dir anders, und die Objektive lassen sich vorne aus den Tuben rausdrehen. Trotzdem würde ich das Ganze nur versuchen, wenn es aus Spass an der Freud' geschieht und Du einen evt. Fehlschlag leicht verschmerzen kannst.

Gruß,
Mathias
 
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Hallo,
den Einwand von Mathias
Alles in allem glaube ich nicht, dass sich der Aufwand lohnt, wenn man so etwas noch nie vorher gemacht hat; das Risiko sein Glas zu verschlimmbessern ist groß...
halte ich schon für relevant. Chinesische Großferngläser sind optisch meist recht gut, mechanisch sind die öfter nicht so steif gebaut. Das mag einerseits daran liegen, dass diese kostengünstig gebaut werden müssen, andererseits scheint die Gewichtseinsparung ein wesentlicher Grund dafür zu sein (ich habe schon einige 90° Binos aus Großferngläsern gebaut, überrascht war ich danach immer vom relativ hohen Gewicht meiner Eigenbauten, wo doch das ursprüngliche Glas so leicht war). Deshalb halte ich Basteleien an diesen offenbar kosten- und gewichtsmäßig optimierten Gläsern (wie gesagt, guckt Euch die Preise und das Gewicht dieser Gläser an, da haben die Chinesen sicher viel Geist reingesteckt) schon für riskant. Wenn so ein Glas o.k. ist sollte man sich an dem Glas erfreuen, und eventuelle Unzulänglichkeiten tolerieren, ist jedenfalls meine Meinung.

C.S. Frank
 
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