Hallo Winfried,
eigentlich ging es darum, daß manche Spiegel nicht richtig bedampft wurden und Fehlstellen aufwießen.
So? Ging "Es" "Eigentlich" darum? Nicht Du definierst die Inhalte von Themen und Threads, sondern diejenigen, die sich an einer Diskussion beteiligen. Mein Posting wandte sich an Wolfgangs Beiträge. Auf seine Fragen hin und mit thematisch passenden Gedanken und Erläuterungen zu anderen im Thread aufgelaufenen Punkten erweiterte ich Diskussion. Zum Thema GSO-Spiegel steuerte ich bei, daß die mir bekannten mehreren GSOs keine Bedampfungsprobleme aufweisen. Das ist meine Erfahrung, die ich genauso mitteile, wie andere ihre hier (sozusagen zur Erhöhung der Fallzahl in Hinsicht auf höhere Objektivität).
Fakt ist, daß Massenware (China, Taiwan) geliefert wird und der Endkunde, in dieser Preisklasse meist ein Anfänger, vor einem nicht optimalen Gerät steht und dies kaum bemerken wird.
Ob es meist ein Anfänger ist, sei dahingestellt. Ein Hauptspiegel, der an manchen Stellen nicht perfekt bedampft ist, also an diesen Stellen erhöhte Transmission und verringerte Reflexion aufweist, ist nicht perfekt. Bei "Durchleuchtung" mit einer Taschenlampe ist dies wohl bemerkbar. Allerdings könnte man mal überschlagen, was es in der Abbildung ausmacht und wie es sich auswirkt. Wenn wenige Prozent der Spiegelfläche (<10%, vermutlich <4%) nur den "Fehler" geringerer Reflektivität von wenigen Prozent haben, ist schnell ersichtlich, daß es in der Abbildung praktisch nichts ausmacht. Das Auge ist ja ein Sensor mit logarhythmischer Empfindlichkeit. Ein Vergleichstest zweier baugleicher Geräte, wovon nur eines diesen Bedampfungsfehler aufweist, ist in etwa abschätzbar. An hellen Objekten kein Unterschied. Allein bei den allerschwächsten wahrnehmbaren Objekten würde sich der fehlerfreie Dobson ganz knapp durchsetzen, aber nur wenn sehr viele Objekte verglichen würden, ein solcher Test mit signifakanter Aussagekraft würde wegen der nötigen Fallzahl von Objekten schon enorme Zeit in Anspruch nehmen. Vergleiche mal an ein und demselben Gerät das Aussehen eines Objekts im "Normalbetrieb" und mit einer winzigen zusätzlichen Obstruktion. Und der Bedampfungsfehler führt ja nicht einmal zu echter Obstruktion, sondern nur zu ein bisschen weniger Licht von einem kleinen Teil der Spiegelfläche. Der Fehler und dessen Auswirkung ist sicher geringer als der bei einer unobstruierten Öffnung, die mit ganz wenigen (klar einstellig) Prozent obstruiert wird und das ist schon nicht bemerkbar (Literatur, Diskussionen hier, Praxis, alles mehrfach und durch viele bestätigt). Das ganze Aufhebens um diesen Fehler ist meiner Einschätzung nach daher absolut nicht nachzuvollziehen. Damit will ich nicht sagen, daß ein mit Taschenlampe in "Durchleuchtung" bemerkbarer Bedampfungsfehler kein Grund zum Austausch sei - je nach Kundenwunsch - allerdings ist dessen Auswirkung mehr als marginal. Um ein passendes Beispiel aus dem Leben zu bringen: wenn der Rahmen meines Autos um 20 µm auf seiner Länge verzogen ist, ist er auch nicht perfekt, es macht aber gar nichts und wäre nur durch sehr schwierige Messung überhaupt herauszufinden. Beim Teleskop geht das mit der Taschenlampe halt leichter. Im Vergleich zu fehlerfrei bedampften Geräten ist es aber praktisch nicht zu bemerken.
Darüber hinaus ist bei der Masse und den Preisen derartiger Geräte eine differenzierte Prüfung auf etliche mögliche Mängel den Händlern gar nicht möglich. Eine solche Prüfung würde allein wegen dem Aufwand (Zeit) die Preise erheblich nach oben treiben (wurde alles schon in den Foren hier auseinanderklamüsert). So besehen, kann ich mir schon marktmargenmäßig große Händler vorstellen, die zu relativ niedrigen Preisen hohe Stückzahlen verkaufen und dann lieber im Bedarfsfall nachbessern oder austauschen. Auch denkbar sind für mich Händler, die tatsächlich etliche Prüfungen und Tests mit durchaus den Geräten von der Stange durchführen, allerdings müssen dann zwangsläufig die Preise erheblich höher sein, es darf ja kaum ein Verlustgeschäft werden.
Kaum vorstellen kann ich mir hingegen einen Anbieter, der für nur geringen Aufpreis (relativ zum Best-Price-Anbieter) umfangreiche Tests anbietet. Das wäre dann eher ein leerer Marketingspruch ohne Realitätsbezug. Ein imaginärer Kunde würde dort dann einfach mehr zahlen.
Ferner ist für den informationshungrigen Anfänger keinerlei Statistik ableitbar. So mögen bei marktmargenmäßig großen Händlern einige Fehlergeräte hier diskursiv in den Foren auftauchen, doch ist die Gesamtzahl abgesetzter Geräte unbekannt. Gleichzeitig ist nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit und Statistik kaum davon auszugehen, daß ein Anbieter mit viel geringerer Absatzzahl hier mit Problemgeräten überhaupt zur Sprache kommt.
Aber der ahnungslose Amateur arbeitet sich in das Thema Astronomie ein (wir hoffen das jedenfalls alle) und wird nach einiger Zeit feststellen, daß er "angeschmiert" wurde.
Wie ich oben bereits darstellte, wird er - nach Einarbeitung - feststellen, daß die Abbildung von einer möglichen perfekten Abbildung praktisch nicht zu unterscheiden ist.
Damit ist dieser Händler (hoffentlich) bald weg vom Fenster.
Andere Händler sind zwar etwas teurer, verkaufen aber dem Einsteiger nicht jeden Schrott.
Die Geräte kommen aus derselben Schmiede, weisen daher auch dieselbe Fehlerquote auf, bei allen Händlern, die sich aus diesem Pool versorgen. Da ferner, wie ich oben bereits ausführte, zu den üblichen Preisen der Standarddobsons keine gewissenhafte und ernstzunehmende Prüfung auf zahlreiche Fehlerquellen machbar ist, ist daher auch die Fehlerquote bei den Kunden genauso, wie im Pool der Schmiede. Ein zahlenmäßig großer Anbieter soll also deshalb "bald weg vom Fenster sein"? Eher nicht. Er kann rationeller arbeiten, mehr Werbung schalten etc. Das könnte eher für mehr Bekanntheit sorgen.
Vergleiche hier manche Aussagen, die Kunden von Händlern wiedergeben, wie z.B. über eine Gerätekombination, bei der sich bei uns die Haare sträuben, die der Händler aber als durchaus "iseal" einstufte.
Diesen Punkt muß ich unterstreichen, er betrifft meiner Ansicht nach alle Händler, die mir bekannt sind. Im Zuge massiver Konkurrenz, aggressiver Werbung, überzogenen Kundenerwartungen gepaart mit der heute häufigen unbesonnenen und leichtfertigen Anschaffungsneigung können leider solche Phänomene beobachtet werden.
Wir haben es hier in den Foren mit Einsteigern zu tun, die noch nichts wissen...
Im Einsteigerforum schon. In den anderen erwarte ich themenorientierte Erklärung des Wissensstands bzw. Fragen und Nachfragen.
man muß denen erst mal den Unterschied zwischen Werbung und Realität erklären, was oftmals sehr schwer fällt
Ich stimme absolut zu, daß das heute eine der Aufgabe von Beratenden hier ist, mit der Zielsetzung von unabhängiger Aufklärung über Zusammenhänge für nachhaltige Freude am schönen Hobby Freizeitastronomie. Allzu schwer fällt es mir aber nicht. Warum fällt es Dir schwer?
Klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.