Gutes Einsteiger Teleskop?

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Hallo Leute,

ich hoffe, dass ein paar grundsätzliche Gedanken die ich schon in einem anderen Thread äußerte,
die Tonart etwas besänftigen könnten.
Mir ist bewusst, dass es schwierig ist GRUNDSÄTZLICHES zu schreiben, gerade weil sich Grundsätze
häufig ändern, dennoch denke ich der Ansatz ist richtig.

>>>>Warum ist Fotografie und visuelle Beobachtung so schwer unter einen Hut zu bringen?

Nun, stell Dir vor, Du siehst im 4-Zöller einen nebligen Fleck. Du kannst ihn stundenlang betrachten,
es bleibt ein nebliger Fleck, Dein Auge sieht immer nur das Licht des Augenblicks, höhere
Vergrößerungen helfen nicht, es wird zu dunkel, niedrigere Vergrößerungen bringen nichts, das
Fleckchen wird zwar heller, aber zu klein.
Dann tauschst Du das Okular gegen eine Kamera und lässt sie 30 Minuten Licht sammeln. Heraus kommt
ein in unzählige Sterne aufgelöster Sternenhaufen.
Der Film oder der Chip sammelt eben so lange das Licht, bis Du meinst, es reicht. Letztlich kannst
Du aus einem visuell grauen Fleck mit Fototechnik einen schneeweißen, überbelichteten Fleck machen.

Willst du nun visuell erkennen, was sich hinter dem grauen Fleck verbirgt, hilft nur größere Teleskopöffnung,
also mehr Lichtsammelleistung und Auflösung, eine Steigerung der "Augenblickswahrnehmung".
Das leistet dann bei unzähligen Objekten unseres Universums ein 8-Zöller. Was eine perfekte 4" Öffnung nicht
auflösen kann, zeigt auch ein weniger perfekter 8-Zöller absolut sicher mit erkennbarer Struktur.
Die Natur des Objekts, sei es nun ein kompakter offener Sternhaufen, ein Kugelsternhaufen, ein diffuser
Gasnebel oder ein PN wird sichtbar/erkennbar.

Warum diese Schwelle für so viele Objekte gerade bei 6-8" Öffnung liegt ist wohl in den "zufälligen"
Gegebenheiten unseres Universums begründet, jedenfalls ist man mit 8" gut bedient und für wesentlichen
Wahrnehmungsgewinn werden ab dieser Marke immer größere Steigerungen der Öffnung nötig.

Will man nun Fotografie und visuelle Beobachtung unter einen Hut bringen ist 8" also sehr häufig
die Untergrenze für detailreiche visuelle Objektbeobachtung und die Obergrenze für bezahl- und handhabbare
fotografische Montierbarkeit.
Unterhalb von 8" muss man visuell häufig genug auf Detailerkennung verzichten und mit
sehr schönen Übersichtsbeobachtungen zufrieden sein.
Für die Hobbyfotografie kann die ganze Ausstattung etwas leichter gehalten werden, infacher wird die Sache allerdings dadurch noch nicht, das ist dann eher (wie alles) Sache des eigenen Anspruchs.

Ich selbst habe, unter ähnlichen Beobachtungsbedingungen wie Du sie für Dich schilderst,
von 4,5" auf 8" gesteigert. Es war ein Offenbarung. Endgültige Zielvorgabe ist ein 12-16 Zöller,
aber das ist ein ganz anderes Thema.

CS
*entfernt*

Nachsatz: Warum viele Hobbyastronomen neben der Beobachtung von Objekten die im optimalen Leistungsbereich
ihers Teleskops liegen, fast exzessiv immer wieder an den Obergrenzen von Auflösung und Lichtsammelleistung
ihres Teleskops herumkratzen und fuzzeligen Nebelfetzchen an der Wahrnehmungsgrenze nachjagen ist mir
völlig schleierhaft.
Aber ich mache voller Begeisterung mit.<<<<<

Den ganzen Thread gibts auch.
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/410452/an/0/page/17#410452

Das Ganze ist letztlich dann auf den einfachen Nenner zu bringen, dass Nebel und Galaxieen sehen
mit dem genannten finanziellen Einsatz geht.
Das ganze dann auch zu fotografieren fordert höheren (nicht nur finanziellen) Einsatz.

CS
*entfernt*
 
Hallo,

ich bin jetzt zu faul mir alles durchzulesen, möchte aber trotzdem mal meine Meinung kund tun.

Ich kann für den Einstieg auch nur den 8" Galaxy Dobson empfehlen. Er ist leicht zu handhaben, bringt eine Menge Öffnung fürs Geld und hat eine gute Grundausstattung. Später kann man ihn dann immer noch zum Fotografieren auf eine EQ-6 schnallen, das müsste die eigentlich schaffen.

Allgemein genießen die Galaxy Dobsons einen guten Ruf und bei ICS bekommt man auch eine gute Beratung (wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann).

Für den Einstieg ist Fotografie eh nicht zu empfehlen. Man sollte erstmal visuelle Erfahrungen sammeln und den Himmel kennen lernen, bevor man die Kamera ans Teleskop schnallt. Ich verstehe auch nicht, warum hier jeder meint, sofort Bilder machen zu müssen. Der Sternenhimmel ist für mich so schön und vielseitig, dass mir allein die visuelle Betrachtung noch für viele Jahre genügen wird. Außerdem wäre mir die Aurüstung für richtige Langzeitfotografie einfach zu teuer. Aber das muss jeder selbst wissen und wem es Spaß macht, der soll es tun.

Viele Grüße

Carsten
 
... Ich verstehe auch nicht, warum hier jeder meint, sofort Bilder machen zu müssen.

Ich, als (Bald-) Anfänger, schon: Weil ich Beweisfotos haben möchte. Und weil ich sonst die durch Zufall gesehenen Objekte sonst nie wiederfinde, da ich mich am Himmel überhaupt nicht orientieren kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
 
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so ich nochmal:

das liegt eben an unserer Generation. Alles muss im Bild festgehalten werden weil wir eh unter einer reizüberflutung leben. Am Tage interessiert sich doch kaum einer dafür das du die Nacht diese und diese Galaxie gesehn hast und den und den nebel. Wenn sie bilder sehen - und selbst wenn sie im Stil "mein erster M42" sind - sieht das schon anders aus.

Und wie es oben schon geschrieben wurde: weil die Augenblickswahrnehmung bei einem 4.5"er viel geringer ist als die einer Digiknipse mit 10 minuten Belichtungszeit. Bei meinem Auge gibt es halt nicht den Modus "Bulb". Dh. wo der "Reinschauer" nen 8-10 Zöller braucht steht der Fotograf mit nem 6 Zöller da und freut sich (vom "können" will ich jetzt nicht reden). Dieser sitzt dann aber länger - und sicher kann es auch zur argen enttäuschung führen wenn man (wie von Sven empfohlen) bei nem chemischen Film 2-3 Nächte durchsitzt und nach der Entwicklung (2-3 Tage) sieht "oh gott sieht das rotze aus" weil Schlecker&Co aus schwarz und grau halt dunkelgrau machen. Im Zeitalter der Digiknipsen sitzt der typische DSLR Benutzer mitm Lappi daneben und wenns nix geworden ist kann er direkt eingreifen und Belichtungszeit, ASA, Fokus ändern. Dafür sieht er die ganze Sache aber nicht mit blosem Auge und kann sich nur an irgendwelchen Leitsternen orientieren...
 
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Hallo Olaf, Tim und all den anderen!

Olaf90:
Weil ich Beweisfotos haben möchte. Und weil ich sonst die durch Zufall gesehenen Objekte sonst nie wiederfinde, da ich mich am Himmel überhaupt nicht orientieren kann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Genau das ist der Knackpunkt bei der ganzen Geschichte. Wie will man wissen, um welches Objekt es sich handelt wenn man sich nicht am Himmel orientieren kann? Man lernt das nur durch die visuelle Beobachtung. Abgesehen davon, wie will man die wirklich interessanten Objekte fotografieren, wenn man sie nicht findet? Viele die Einsteiger dazu raten sich erstmal visuell ein Bild vom Himmel zu machen tun das nicht ohne Grund. Auch von mir den Hinweis, sich erstmal am Himmel zurecht zu finden, bevor man an Fotografie denkt.

Ein Beispiel von mir: NGC 2419 - ein Kugelsternhaufen im Luchs, das entfernteste Milchstraßenobjekt mit 294.000Lj Entfernung. Ich habe VIER Anläufe gebraucht, um diesen Kugelsternhaufen zu finden. Beim FÜNFTEN habe ich ihn gefunden. Mit einen kleinen Freudentanz bin ich auf der Wiese rumgedobst, die Kollegen: "Hey, krieg dich mal wieder ein!". Das Teleskop - ein Celestron 150/750 Newton unter einen 5,6mag - 5,8mag Himmel.

Ein Objekt zu suchen, sich an ihm die Zähne auszubeissen und dann das Erfolgserlebnis es endlich gefunden und gesehen zu haben ist ein goiles Gefühl.

Grüsse,
Matthias
 
Beobachten für "innere Freude" oder zum prahlen?

Hallo Olaf,

Beweisfotos? Wer will die sehen?
Wenn ich da draußen ein Nebelfleckchen gesehen habe und vielleicht sogar an seiner Struktur erkennen konnte, was für eine Art "Nebelfleck" das war, dann brauche ich das niemandem zu Beweisen. Ich habe das beobachtet für mich, für meine eigene Freude. Ich muss diese "Leistung" niemandem gegenüber Beweisen wie den Ausdruck der Rundenzeit auf der Cart-Bahn!

Wenn mich Freunde oder Bekannte darauf ansprechen, dann lade ich sie ein, mich mal beim Beobachten zu besuchen. "Zieht Euch warm an!", ist dann mein gut gemeinter Rat und von meinem Teleskop ist noch niemand unzufrieden wieder abgewandert. Die meisten Leute waren fasziniert - nicht vom Teleskop, sondern von den Bildern die sie gesehen haben. Mit den eigenen Augen 3 Millionen Jahre altes Licht zu sehen, oder eine prachtvoll leuchtende Sternenwiege, das hat sie wirklich interessiert.
Natürlich freut es mich im Stillen, wenn ich Bewunderung dafür ernte, "mal eben so M 13" einzustellen, aber noch mehr freut es mich, wenn ich mit einem gekritzelten Zettel losgezogen bin und später beim Beobachtungsbuch-Schreiben wieder ein paar für mich selbst neu entdeckte, schwache Funzeln eintragen kann.
Wenn ich mit der Truppe netter Leute, zu der ich gehören darf, unterwegs bin, haben wir immer ungeheuren Spaß. Wir brauchen uns nichts zu beweisen. Die Frage ist nicht, wer gerade das größte Teleskop am Start hat, sondern wir pilgern hin und her zu dem Teleskop, welches Objekt XY gerade am besten zeigt, und so kann jeder teilhaben daran und nimmt schöne Bilder für sich mit nach Hause.

Wer Beweisfotos machen muss, womöglich für "Freunde", denen er was vormachen muss, der verpasst das eigentliche und der wird sich immer unnötig unter Druck setzen und aus meiner Sicht nie den richtigen Spaß an diesem Hobby finden können.

Clear Skies
Sven
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

Hallo Sven, hallo Olaf,
...aber das mit den Beweisfotos...
Ich habe schon viele "Beweisfotos" geschossen in der Astronomie. Will damit sagen, ich habe schon einige gemacht, wenn ich die dann aber gegen Remann oder Binnewis antreten lasse, dann bleiben`s eben nur Beweisfotos und nicht mehr. Hier stimmt die Nachführung nicht 100%, da war mal die Polhöhe nicht ganz genau eingestellt u.s.w.
Und Jetzt? - Freue ich mich über die Nachführung des Meade`s am Saturn, zeig`s meinen Bekannten und dann schubsen wir gemeinsam Dobsons. Nachdem ich das diesen Laien mal gezeigt habe, macht denen das auf einmal auch Freude und sie versuchen, nach so ner halben Stunde das, was wir da beobachtet hatten, im Übersichtsokular (40mm) wiederzufinden. - Und sind dann übergrücklich über ihren Erfolg.
So macht Astronomie Spaß. Und ein guter Schoppen steht immer auf dem Tisch, auch das darf sein...

Gruß Winfried
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahlen?


Na, ich!
Wie Du sicher bemerken konntest, hing an meiner Bemerkung eine klitzkleine Grafik, nämlich ein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Und da Du ja auch schon "meinen eigenen" Thread gut beackert hast, sprich gut darauf geantwortet (und sicher auch vorher gelesen), solltest Du wissen, daß ich diese Fotos niemandem zeigen muß, da sich sowieso keiner dafür interessieren würde.
Aber warum eigentlich keine "Beweis"fotos? Hm, ich mache auch von meiner Frau und von meiner Tochter Fotos - obschon ich beide jeden Tag sehe ... Liegt vielleicht daran, daß man sich solche Fotos gerne anschaut?
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

... dann bleiben`s eben nur Beweisfotos und nicht mehr. ...

Hm, genau das ist ja der Knackpunkt:
Denke nämlich schon, daß niemand (na ja, fast ...) davon ausgehen wird, mit einer astronomischen Ausrüstung für, sagen wir mal, 500 EURonen solche Fotos hinzubekommen, wie man sie in Zeitschriften etc. zu sehen bekommt. Ich meine, wozu hätte man das Hubble-Teleskop in den Weltenraum schießen sollen, wenn es möglich wäre?
Wenn jemand mit einer Ausrüstung für 500 EURonen auch Fotos schießen möchte, so soll man es ihm doch erlauben! Es gibt da ja nur zwei Möglichkeiten des Ergebnisses: Entweder es gefällt demjenigen oder aber nicht.

Es soll ja auch Menschen geben, die mit einer Ritsch-Ratsch-Klick-Kamera (Genau, die mit dem Roten Punkt!) ihr ganzes Leben lang zufrieden sind, weil sie damit ganz tolle Erinnerungsfotos schießen können - "die Kamera macht tolle Bilder"! Andere müssen unbedingt eine Leica M6 haben - und schießen damit auch tolle Bilder.
Um in der Fotografie zu bleiben: Hatte mir mal für meine F90 ein sündhaft teures Portrait-Objektiv gekauft - und es verstaubte lange bis zum Wiederverkauf. Warum? Weil ich es nicht immer nutzen konnte und zugleich mit den Ergebnissen mit anderen (Zoom-) Objektiven auch zufrieden war.

Ich glaube Euch, daß das mit dem Fotografieren mit "Billig"-Lösungen nicht gerade der wahre Jakob ist, aber wenn doch die einzige Möglichkeit?

Hm, vielleicht liegt die Abneigung mancher gegenüber einem Dobson vielleicht auch eher daran, daß es im Gegensatz zu einem parallktisch montierten nicht sexy aussieht?
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

Pah, du glaubst garnicht, wie sexy mein Dobson ausschaut. Und wenn ich erst noch nebendrann stehe, dann wirst du blass vor Neid!
Willst'n Beweisfoto?

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
Matthias
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

... Refek hat mir übrigens zwei Fotos zugeschickt - nein, ich verrate jetzt nicht was es daaaaa alles so zu sehen gibt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

Hallo Leute,

also gut, "Beweisfoto" von mir geschossen im Anhang. Mit der Digiknipse meiner Frau, einfach am
8" F/6 Dobson hinter das Okular gehalten. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/blush.gif" alt="" />
Ich habe, das sieht man, Null Ahnung von Fotografie und mit etwas mehr Aufwand sollte mehr gehen.

CS
*entfernt*
 
Re: Beobachten für "innere Freude" oder zum prahl

nett <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />
 
Beobachten kommt viel zu kurz!

Hallo Leute,

solche Threads lese ich ja sehr gern.

Und ich erinnere mich an meine Anfangszeiten zurück. Damals, als es noch kein Internet und keine Billig-China-Optik gab ... Ich habe mein Wissen damals aus zwei Optik-Experimentierkästen und einer Menge Büchern bezogen. Erste Blicke "nach oben" erfolgten mit den "Spielzeug-Optiken", mit einem Brillenglas-Fernrohr und später mit dem Familienheiligtum, einem 7x50 CZJ Fernglas. Mein Traum war damals ein 50/540 Bausatz von Zeiss Jena und es war ein großer Moment, als der endlich eintraf. Jahre später kaufte ich mir einen 114/900er Newton auf einer etwas wackligen Montierung. Die ganze Angelegenheit war allerdings im Vergleich zur "perfekten" CZJ Optik ein Schritt zurück. Der Newton war vermutlich alles andere als kollimiert, die Okulare waren grenzwertig und wie geschrieben hat auch alles gewackelt ... deshalb wurde alles wieder verkauft. Wieder Jahre später kam dann ein TAL1 ins Haus, das war - ähnlich dem CZJ seinerzeit - geradezu eine Offenbarung. Bis dahin habe ich jede Menge beobachtet und war noch lange nicht bei 6, 8 oder 10" Öffnung angekommen. 2004 kam dann ein 10" Newton ins Haus, als Dobson ... und es gab eine weitere Offenbarung: Da ich nichts fotografiere, sondern ausschließlich visuell beobachte, ist die einfache azimutale Montierung für mich "besser" als die (sehr gute) Montierung des TAL. Zwischenzeitlich kam auch noch ein ED80 in meine Sammlung, auf Astro5. Die Astro5 habe ich inzwischen verkauft und der ED80 fühlt sich auf einer Giro2 sehr wohl ...

Ich kann absolut nicht verstehen, wieso hier immer und immer wieder über Fragen wie GoTo und genaue Nachführung diskutiert wird, wenn gleichzeitig jemand null Erfahrungen in Fotografie hat und das Budget obendrein auch noch begrenzt ist. "Früher" wäre man über die heutigen Angebote im Bereich Optik froh und glücklich gewesen. Die meisten dieser Anfragen kommen von relativ jungen Sternfreunden, denen auf der Jagd nach der "besten und billigsten fototauglichen DeepSky-Ausrüstung" eine ganze Menge an Freude verloren geht, die man nur durch das eigene Beobachten erlangen kann.

Ich erinnere mich auch noch an meine eigenen fotografischen Erstlingswerke. Aus ein paar Brettern und einer langen Schraube wurde eine recht primitive Nachführeinrichtung gebastelt und mit dieser "Kiste" konnte ich bis zu 20 min. recht exakt nachführen. Natürlich nur die Kamera, gewissermaßen piggy back. Die Bilder sind in keinem Vergleich zu dem was heute möglich ist, haben aber damals meine Experimentierfreude durchaus in lichte Höhen getrieben ... Die Nachführeinrichtung sah übrigens überhaupt nicht sexy aus.

In den letzten 25 Jahren habe ich viele Sternfreunde kommen und auch wieder gehen sehen. Und oft war es so, dass die, welche zu Beginn sehr großen Aufwand Aufwand betrieben hatten und mit ambitionierter Technik "an den Start" gegangen sind, nach einiger Zeit das Hobby aufgegeben haben. Oft hieß es dann "zu wenig Zeit" ... gemeint war: Die Freude an den technischen Spielereien ist vorbei und wirklich interessantes sieht man ja "da oben" sowieso nicht. Schade, aber nicht zu ändern. Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.

Philosophische Grüße
Adson
 
Re: Beobachten kommt viel zu kurz!

Hallo Adson,
genau das, was Du da geschrieben hast, versuche ich (und andere auch) den Einsteigern klar zu machen. Dafür erntet man dann von manchen "Greenhorns" auch noch Hähme. Das merken die aber erst, wenn sie eine solche Billigtüte, die alles kann, gekauft haben.
Wir hatten hier in meider Sternwarte mal ein Mädchen, so um die 14, die hatte sich so ein GOTO-Gerät für 198 Euro gekauft. - Macht alles von selbst - (was stimmte). Mit diesem (Meade-Teil) haben wir uns köstlich amüsiert. Man konnte draufdrücken, wo man wollte - es machte alles von selbst. Nur sich nicht dorthin richten, wo man es haben wollte.
Das kann man bei diesem Preis ja auch nicht erwarten, aber sag`das mal einem jungen Menschen, der nur Geiz ist geil kennt.

Trotzdem: ich gebe das "beraten" auch weiterhin nicht auf. Diejenigen, die nicht hören wollen, die zahlen eben doppelt. - Selbst Schuld.

Gruß
Winfried
 
Re: Beobachten kommt viel zu kurz!

Ich als ein absoluter Greenhorm möchte mich jedenfalls für die unermüdlichen und hilfreichen Ratschläge herzlich bedanken! Ich finde eure Geduld und Hilfsbereitschaft ganz erstaunlich und bemerkenswert, zumal immer wieder die gleichen Fragen gestellt und immer wieder die gleichen Diskussionen geführt werden.

Diesem Forum habe ich v.a. zu verdanken, dass ich nicht voreilig irgendein ganz toll und verführerisch beworbenes Teleskop gekauft habe.
Diesem Forum habe ich v.a. zu verdanken, dass ich die Fotoambitionen doch recht bald eingesteckt habe, wenn auch zunächst nicht ganz 100%ig überzeugt.

Nun bin ich aber so froh, dass das Fotografieren für mich erst mal kein Thema ist:
Nach vielen unbefriedigenden Fernglasbeobachtungen von meinem Balkon in Frankfurt aus bin ich nämlich vor zwei Tagen zum ersten mal aus der Stadt raus auf den Sandplacken im Taunus gefahren und bin aus dem Staunen nicht heraus gekommen: So viele Sterne! Ich hatte zum Teil Schwierigkeiten, die Sternbilder wiederzuerkennen, weil es so viele Sterne zu sehen waren! Von Gemini kannte ich nur Castor und Pollux, und plötzlich konnte ich die Zwillinge tatsächlich als solche erkennen! Die Plejaden, die Praesepe und der Comahaufen prächtig mit bloßen Augen, h und chi mit bloßen Augen als länglicher Fleck wahrnehmbar: Einfach unglaublich. Dann der Blick durch mein 8x40 8° Fernglas!!! Zum ersten Mal habe ich endlich den immer wiederkehrenden Ratschlag zu einem Fernglas als erstes astronomisches Instrument verstanden. Das machte so wahnsinnig Spaß! Die Beobachtung mit dem geliehenen Teleskop (150/750 GSO-Newton) war auch sehr schön, machte mir aber auch zum ersten mal, obwohl schon so viele male gehört, deutlich erfahrbar, was eine wacklige Montierung bedeutet: Anscheinend hatte ich die Giro mini-Montierung nicht fest genug aufs Stativ draufgeschraubt und sie löste sich unbemerkt ein wenig, so dass obwohl am Tubus selbst kein Wackeln erkennbar war aber das Bild so zitterte, dass das Ein- und Scharfstellen sehr schwierig wurde. Das machte einfach keinen Spaß mehr: Als Brillenträger muß ich immer neu scharfstellen, wenn jemand anders vorher durchgeschaut hat. Aber das Scharfstellen ist fast unmöglich, wenn das Bild wackelt, weil dann alles unscharf aussieht. Zum Glück fand ein erfahrener Kollege schnell heraus, was los(e) war.

Was ich eigentlich sagen will (abgesehen von meinem Mitteilungsbedürfnis nach der ersten richtigen Beobachtungsnacht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />):
Das Suchen, Selbst-Auffinden und Beobachten macht mir so viel Spaß, dass ich froh bin, dass ich mich nicht die halbe Nacht mit komplizierter Technik im Dunklen abgeben muß, damit dann doch irgendein I[zensiert]t mit Scheinwerfer durchs Bild fährt, und dass mir keine Go to-Steuerung die Freude raubt, die Objekte zu suchen, zu finden und den Himmel kennenzulernen. Dass sich dann doch irgendwann bei mir die Fotoambitionen einstellen werden, will ich nicht ausschließen. Aber im Moment will ich nur gucken, gucken und nochmals gucken!

In dieser einen kurzen Nacht habe ich fast alle gängingen Ratschläge und Hinweise bestätigt gefunden.
(Zum Glück konnte mich der Blick durch ein 100er Apo doch nicht so beeindrucken und verführen, ansonsten alles sehr teuer werden würde. Die Nagler- und Panopticokulare dagegen!!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/shocked.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/tongue.gif" alt="" />)

Vielen Dank nochmals!
Vielen Dank auch an Mario für die schöne praktische Einführung vor Ort!

Gruß und CS
Je
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Beobachten kommt viel zu kurz!

Hallo Jelee,

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />

Dein euphorischer Bericht gefällt mir sehr gut und es freut mich, dass dir der Ausflug zum Sandplacken so viel Spass gemacht hat. Bei mir war es ähnlich, dass sich erst nach einer gewissen Zeit alle Ratschläge die man ohne Erfahrung gern mal ignoriert, plötzlich bestätigen.

Viele Grüße Benny
 
Re: Beobachten kommt viel zu kurz!

Noch als kleiner Nachtrag:

Die Astronomie ist über 5000 Jahre alt. Die ersten brauchbaren Fernrohre kamen vor reichlich 400 Jahren auf dem Markt. Messier hat mit einem Instrument beobachtet, welches wohl noch eine Klasse unter dem LIDLscope angesiedelt war. Die meisten technischen Entwicklungen im Teleskopbereich wurden von Praktikern vorangetrieben. Aus der Beobachtung ergab sich die Notwendigkeit und die Erfahrung, die in der Technik beim Bau von Teleskopen umgesetzt wurde.

Vor 20 Jahren wäre für mich und viele andere Sternfreunde ein 6" Newton ein Traum gewesen. Heute bekommt man brauchbare Qualität für 250 EUR. Wenn man bedenkt, wie schnell gerade junge Menschen die Kohle für Handy und MP3-Player raushauen, dann frage ich mich immer, wieso hier um 50 oder 100 EUR "mehr" für eine langfristige Investition diskutiert wird. Ich denke, die Ursache liegt, wie Winfried schon schrieb, in der Geiz-ist-geil-Mentalität, verbunden mit dem schnellen Konsum von allem möglichen. Sterne kann man aber nun mal nicht "zappen", auch nicht mit GoTo. Und das ist wirklich beruhigend <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Jelee, Dein Bericht ist TOP! Sollte Pflichtlektüre im Einsteiger-Bereich werden.

Sternfreundlich grüßt
Adson
 
Re: Beobachten kommt viel zu kurz!

Hallo Je,
danke für Deinen Beitrag. Es freut einfach, wenn man nach einem Beratungsmaraton mal so schöne Berichte sieht und liest.
Nun will ich Dich im schönen Taunus nicht erschrecken, sondern ganz kurz meine Bemerkung dazu anbringen:
Ich betreibe die Astronomie seit gut 25 Jahren. Von zuhause aus unter sehr guten Bedingungen (TBB). Als ich mit einem meiner Teleskope dann in Kärnten auf dem Treffen war, in 1800 m Hochgebirgsluft, überkamen mich Zweifel, ob ich mich am Himmel auskenne. Da gab es keine Cassiopeia mehr und keinen Großen Wagen. Da gab`s nur noch Sterne über Sterne. Und was einige von uns dann nach der Dämmerung als "aufziehende Nebelbank" bezeichneten, war dann die Milchstraße....

Ergo: mit einem Fernglas und dem Stativ darunter macht`s manchmal mehr Spaß als mit Teleskop! - Auch wenn ich immer beides mithabe.

Nochmals Dank für den wirklich ermutigenden Beitrag

Winfried
 
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