Hauptspiegel-Heizung für Newton

sterne-jaeger

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Hallo zusammen,
bei dem feuchten Wetter habe ich bei meinem 10"F4 Newton das Problem, dass der Hauptspiegel nach ein paar Stunden anläuft. Vermutlich wird die Situation nicht besser, dass der Spiegellüfter im Einsatz habe.
Daher meine Frage an euch: hat jemand Erfahrung mit den angebotenen Fangspiegel-Heizungen, z.B. von Kendrick? Oder würde es reichen, den Spiegellüfter runterzuziehen?

VG
Wolfgang
 
Ich meine es war nur der Hauptspiegel.
 
Hallo Wolfgang,
das mittlerweile HS Heizungen angeboten werden befremdet mich ein wenig, wo man doch weiß wie empfindlich diese Optiken auf Temperaturveränderungen reagieren. Vor allem wenn nicht an allen Punkten die gleiche Temperatur herrscht und dadurch Gradienten entstehen.
Aber Versuch macht kluch. Vielleicht bringt man es ja mit geschickter Anordnung und Regelung irgendwie verzerrungsfrei hin.
Ich finde aber das es in diesem Jahr auch besonders feucht ist durch den vielen Regen den es hier, zumindest in Südbayern, gab.

CS,
Franz
 
Hallo Wolfgang,

abgesehen von der erwähnten Auswirkung auf die Optik selbst, hätte ich hier auch noch zusätzliche bedenken, was die Auswirkung auf die Thermik im Tubus angeht. Ich habe da ziemlich sonderbare Erfahrungen gesammelt: Kleiner Schweif an den Sternen

Als ich noch Newtons hatte, habe ich nie mit einem aktiven Lüfter gearbeitet, weshalb ich hier keine Erfahrung habe. Aber wie im verlinkten Thread zu sehen, ist mir auch schon mal der HS vereist. Ich dachte da zu der Zeit über die Anschaffung einer aktiven Belüftung nach. Aber mal zum blöde hinterfragen: Bläst der Lüfter hinten die Luft herein, oder saugt er die Luft von der oberen Öffnung an? Ich habe mir damals mal sagen lassen, dass das eher kontraproduktiv wäre, wenn er die Luft von vorne ansaugt. Die Feuchtigkeit fällt von oben herab, und wird dadurch noch aktiv in den Tubus hineingesaugt.
 
Hallo zusammen,

eine HS-Heizung halte ich für kontraproduktiv, da über der HS-Oberfläche aufgrund des Temperaturgefälles zusätzliche Schlieren in der Grenzschicht entstehen. Die Beobachtung wird dabei nicht gerade gefördert. Die manchmal nur nach längerer Zeit erreichbare vollständige „Auskühlung“ des Systems + Temperaturanpassung wird dadurch eher ins Gegenteil verkehrt.

Bei großer Feuchte und Erreichen des Taupunktes + tiefe Temperaturen macht es wohl mehr Sinn, die Beobachtung abzubrechen. Zusätzlich besteht bei Erreichen des Taupunktes die Gefahr, dass je nach Konstruktion des Geräts Nässe auf den HS tropfen kann (ist mir auch schon passiert). Das möchte man natürlich nicht haben, zumal dann meist eine zusätzliche HS-Reinigung ansteht.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo,

ich hatte vor ein paar Tagen morgens den Dobson aus der Garage geholt und wollte den Jupiter aufnehmen. Beim Livebild gleich die erste Verwunderung:
Warum ist der denn so dunkel ?
Aber da ahnte ich es schon, ein Blick in den Tubus und der HS war komplett zugetaut.

So kam ich auf die glorreiche Idee mal von hinten mit dem Fön den HS anzuwärmen um ihn aufzutauen.
Das hat auch prima funktioniert bis ich anschließend den Jupiter eingestellt hatte.
Wo ist denn der Fokus geblieben ???

Eigentlich muss ich mit ADC & Barlow den OAZ ca. 6-7mm ausfahren, da war der Jupiter jetzt aber unscharf.
Ich musste weiter rein aber selbst komplett eingefahren noch nicht im Fokus !
Durch das Erwärmen des HS ist der Fokus also über 6mm nach innen gewandert !

Die ganze Aktion war also ein Reinfall denn jetzt musste ich wieder ca. 30 Min. warten bis alles normal war.

Gruß,
Holger
 
Hallo!
Ich habe das Problem immer wieder, vor allem bei Gitterrohr-Dobsons.
Daher habe ich seit mehreren Jahren eine Hauptspiegelheizung im Einsatz.

Ja, es kommt zu etwas Tubusseeing, wenn es ein geschlossener Tubus ist. Gerade für niedrige Vergrößerungen / Deep Sky ist es aber kaum bemerkbar und mir ist es in solchen Nächten immer noch lieber mit etwas Tubus-Seeing zu leben als die Beobachtung auf Grund des Taus ganz abbrechen zu müssen. In den Gitterrohrdobsons ist das Tubusseeing dann natürlich kein Problem, da durch die seitliche Durchlüftung so gut wie keines entsteht.

Ein Abbildungsproblem das durch einen erwärmten Spiegel entstehen würde, konnte ich optisch bis jetzt nie feststellen. Die Erwärmung ist ja auch nur minimal (und nicht wie bei einem Föhn), so dass der Spiegel 1-2° über der Umgebungstemperatur bleibt.

Ich bringe bei Bedarf als Hauptspiegelheizung einfach eine Heizplatte für Reptilien-Terrarien unten auf dem Hauptspiegel an. Das reicht aus, damit er nicht zutaut.
Also etwas in der Art: https://amzn.to/4fhrhrQ oder https://amzn.to/3C7xVCD

Ich bin damit zufrieden.

Grüße, Mario
 
Bläst der Lüfter hinten die Luft herein, oder saugt er die Luft von der oberen Öffnung an? Ich habe mir damals mal sagen lassen, dass das eher kontraproduktiv wäre, wenn er die Luft von vorne ansaugt. Die Feuchtigkeit fällt von oben herab, und wird dadurch noch aktiv in den Tubus hineingesaugt.
Er saugt von der oberen Lüftung an - so habe ich es verstanden, dass das besser ist, weil dadurch der Luftstrom ruhiger ist. Blasen macht meines Wissens deutlich mehr Turbulenzen.

Ich hatte auch lange keinen Lüfter, bis ich einmal gesehen habe, wie krass der Unterschied ist. Ohne Lüftung war der Stern schwabbelig, mit Lüftung sehr viel ruhiger.

Vermutlich muss ich mal experimentieren, mit wie wenig Lüfterleistung ich auskomme, denn vermutlich ist es genau so wie ihr sagt, ich schaufle über Nacht enorm viel Luftvolumen auf den Hauptspiegel. Der Fangspiegel ist davon nicht betroffen, da die Luft quasi von hinten kommt.
 
Ja das scheint wohl wirklich so zu sein, dass der Lüfter saugen sollte. Jedenfalls macht das die Konstruktion von Lacerta ebenfalls so:

...um dort an der Hauptspiegelseite die (warme) Luft abzusaugen

Herkömmliche Teleskop-Ventilatoren blasen den (staubigen) Luft auf die hintere Spiegeloberfläche, welche nur langsam abkühlt und gleich verstaubt. Saugende Ventilatoren haben kaum Wirkung, weil das nötige Unterdruck am Tubusende fehlt.
 
Hallo Wolfgang,
ich glaube den Hauptspiegel zu beheizen ist wohl mit das schlechteste was man an einem Spiegelteleskop machen kann, Stichwort Grenzschichtbildung und Tubusseeing.
Ist das ein Volltubus und verwendest du eine Taukappe?
Vielleicht solltest du den Lüfter auch Zeitnah ausschalten oder runter regeln, so ein 10" ist ja je nach Lüfter in ca. 30-60min angepasst.
Du kannst auch den Tubus isolieren mit Iso-Tapete aus ALU beschichtetem Graphit, dass macht das Teleskop im Auskühlverhalten träger.
Der nackte Blechtubus kühlt durch die große Oberfläche vor allem auf der Oberseite sehr schnell runter.
Vielleicht ist das auch nur eine Herbsterscheinung, immerhin wechselt gerade die ganze Feuchtigkeit der Vegetation in die Atmosphäre, oder du wohnst an einem sehr feuchten Ort?
Mir ist auch schon 2-3x der Hauptspiegel angelaufen, allerdings erst spät in der zweiten Nachthälfte und ich habe vergessen die Lüfter auszuschalten, von daher ist das für mich eher ein seltenes Phänomen.
Eine Fangspiegelheizung habe ich bisher noch nicht gebraucht, da ich nur Volltubus mit Taukappe verwende.

Im Sterntest kann man übrigens mit etwas Übung relativ leicht erkennen ob der Hauptspiegel noch zu warm ist, du wirst jedoch vermutlich eine Kamera dran haben und nicht selber gucken können?
Hier habe ich das mal Exemplarisch mit Aberrator dargestellt.
LG
Unterscheidung zwischen Grenzschicht und atmosphärischem Seeing.jpg
 
Hallo Quanten(?),
es ist ein Carbon-Tubus, und ich habe eine Taukappe. Seit ich die Taukappe habe, läuft mir der Fangspiegel nicht mehr an. Und ja, es war diese Woche, es ist furchtbar viel Wasser in der Luft.

Ich habe gar nicht dran gedacht, den Lüfter irgendwann auszuschalten, bei mir läuft er die ganze Nacht. Spannend, hab wieder viel gelernt...

@Dane Vetter, ich habe zwar nicht das Teil von Lacerta, aber ich habe was sehr ähnliches einfach selbst gebaut.

VG
Wolfgang
 
Hallo Quanten,

die Situationen 1-5 sind in der Realität sogar noch dahingehend schlimmer, dass der äußerste Fresnelring nicht nahezu „rund“ wie auf den Fotos erscheint sondern im Abkühlprozess oft deutlich und schnell wechselnde Einbuchtungen und Auswüchse zeigt. Das würde in einem Video natürlich besser sichtbar werden als auf den Fotos.

Nähert sich der HS/das Teleskop dem ausgekühlten Zustand sehen wir v.a. den äußersten Ring wesentlich konstanter und ungestörter in seiner Form.

Viele Grüße
Werner
 
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