Hallo Juri,
Dein bisheriges 76/350 Dobson-Teleskop ist ein Kinderspielzeug. Daß Du jetzt was besseres möchtest, ist verständlich.
Daß Du irgendwann fotografieren möchtest, ist auch verständlich. In der Astronomie gibt es 2 verschiedene Arten von Fotografie.
a) Sonnenflecken, Mondkrater und Planeten mit Webcam oder besserer Kamera mit kleinem Chip
b) Deepsky-Fotografie mit DSLR oder gekühlter CCD-Kamera
a) ist relativ einfach, setzt wegen der kurzen Belichtungszeiten im Millisekundenbereich die selben Ansprüche in Punkto Nachführungsgenauigkeit und "Wacklizität" wie visuelles Beobachten an eine Montierung. Das geht grad noch mit etwas Ausschuß mit einer Kombination 200/1000 er Newton auf einer in beiden Achsen motorisierten H-EQ5. Damit die fuzzelkleinen Planeten größer werden und Du Details auf ihnen fotografieren kannst, brauchst zusätzlich zum Teleskop und der Montierung noch ne gute Barlow-Linse oder ein Projektionsokular um die Brennweite auf ca. 4 Meter aufzublasen. Da nimmt man dann kurze Videos auf. So 30 Sekunden bis 2 Minuten. Mit Freewareprogrammen werden die Videos weiterbearbeitet (Gemittelt, geschärft, Kontast angehoben). Das bekommst zusammen für etwa 1.500 Euro. Oder Du nimmst für Planeten einen 6" Mak. Der kostet etwa so viel wie ein 8" Newton, hat aber weniger Hebel und geht wirklich gut auf der H-EQ5. Oder du filmst durch einen Newton auf Dobsonmontierung und Nachführungsplattform. Koscht in etwa auch so viel.
b) ist deutlich teurer, weil man viel Kleingruscht braucht, ehe überhaupt fotografiert werden kann und die Belichtungszeiten für die Bilder bei mehreren Minuten liegen. Damit dabei die Sterne rund bleiben, braucht man neben den Nachführmotoren an der Montierung noch einen Anschluß für ein ST-4 Kabel an der Steuerung für Autoguiding und eine Kamera, die an einem Leitrohr, Sucher oder Off-Axis-Guider sitzt und die ST-4 Autoguidingimpulse für die Steuerung erzeugt.
Diese Anforderungen erzwingen eine bessere Montierung als für visuelles Beobachten. Und auf alle Fälle eine parallaktische Montierung. Im Falle des 200/1000 eine EQ-6 oder besser. Mit den entsprechenden Motoren, Steuerung mit Autoguidingeingang, Stromversorgung, Guidingkamera, Laptop, Komakorrektor, Aufnahmekamera und weiterem Kleinkram bist da schnell bei über 3.000 Euro.
Wenn Du noch keine Erfahrung mit Deepsky-Astrofotografie hast (normale Fotografie ist was völlig anderes und zählt nicht!) dann würde ich Dir nicht empfehlen, gleich mit einer Brennweite von 1 Meter einzusteigen.
Sofern Du bereits eine DSLR hast würde ich an Deiner Stelle die mit Teleobjektiv bestückt auf die Montierung setzen. Helle Objekte fotografieren und mit diesen Bildern erstmal den Umgang mit Deepskystacker und Fitswork lernen. Parallel dazu oder auch als zweiten Schritt dann das Autoguiding zum Fliegen bringen und erst mit diesen Erfahrungen (dauert 1, 2 oder 3 Jahre bis alles so klappt, wie es soll) dann auf Fotografie durch den 200/1000 umsteigen. :Trost:
Wenn Du jetzt ganz naiv eine DSLR an den dicken Pott schnallst, erlebst Schiffbruch. Denn Dir fehlt im Moment jegliche Erfahrung mit der Montierung, dem Einnorden/Einscheinern und der Eingrenzung der unterschiedlichen Fehlerursachen (verkippter/nicht passender Komakorrektor, wackeliger Okularauszug, zu kleiner Fangspiegel, Leitsterndrift durch weiche Verbindung Leitrohr oder Verbiegungen innerhalb des Tubus, nicht passende Spiegeljustage...). :teufelgrr:
Ich vergleiche Astrofotografie mal mit dem Autofahren: Wenn Du bisher nur Fußgänger warst und noch keine Fahrpraxis mit nem Pkw hast, solltest nicht über Formel-1 Rennfahren oder Motorcross nachdenken.
Ich halte es für sinnvoller, das Geraffel für visuelle Beobachtung und Fotografie zu trennen.
Du könntest z.B. jetzt einen 8" Newton kaufen und den als Dobson montiert zum richtigen Kennenlernen des Himmels verwenden. Laß Dir dabei Zeit. Du wirst dann von ganz alleine merken, ob Du eher Planeten oder Deepsky möchtest. Und wenn Du dann weißt, wohin die fotografische Reise geht, legst Dir die passende Montierung zu und packst ein zum Motiv passendes Teleskop drauf...
Die ganzen Komplettpakete, die die Händler anpreisen wie Sauerbier sind kappes. Stell das Zeug individuell zusammen und lege Wert auf Qualität. Lieber ein bissy weniger Öffnung, dafür aber stabil montiert, die passenden Okulare dazu, nen Deepsky-Reiseatlas oder den Karkoschka, ne Rotlichttaschenlampe und ein Telrad statt nem untauglichen 6x30 Sucher. Denn Du möchtest ja was am Himmel finden und nicht stundenlang suchen...
Solange Du den Himmel nicht visuell kennengelernt hast, kannst Du ja garnicht wissen, was sich für Dich als Fotomotiv "lohnt".