IC 2574 - Ein Schimmer im Staubfeld

Dane Vetter

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

ich möchte hier eine Aufnahme von IC 2574 zeigen, für die ich im vergangenen Jahr die Daten gesammelt habe. Gleichzeitig möchte ich eine Frage in die Runde geben, bei der ich selbst noch unschlüssig bin: Und zwar den Umgang mit dem schwachen Staubumfeld dieser Galaxie.

IC 2574 empfinde ich als ein anspruchsvolles Objekt mit sehr geringer Flächenhelligkeit und wenig klarer Struktur. Gerade das diffuse Umfeld mit dieser diffusen Galaxie macht sie für mich zur Herausforderung, hierzu eine geeignete Balance zu finden. Genau deshalb habe ich ursprünglich bewusst fast 30 Stunden RGB aufgenommen, mit dem Ziel, dieses schwache Staubsignal möglichst gut sichtbar zu machen. Für meinen Himmel hätte es wohl auch noch mehr sein können. :)

Die Bearbeitung von diesem staubigen Umfeld war etwas zäh, genauso aber auch das Herausarbeiten der relativ kleinen Ha Gebiete. Um den Staub überhaupt gut sichtbar zu machen, musste der Hintergrund stark gestreckt werden. Die Strukturen liegen sehr nah an der Rauschgrenze und mussten entsprechend vorsichtig, teils auch leidvoll, herausgearbeitet werden. Ich habe da auch ordentlich mit dem Bügeleisen drübergeglättet... Aber irgendwie wirkt es im Gesamten immer etwas "dirty". Ich bin mir nicht sicher, was hier letztlich harmonischer wirkt. Lässt man den Staub deutlich sichtbar, wirkt das Bild schnell unruhig. Nimmt man ihn konsequent zurück, bleibt eine ruhigere Darstellung der Galaxie, aber genau dieser zusätzliche Kontext des staubigen Umfelds geht verloren. Em Ende gehört er a auch irgendwie dazu.

Aktuell sehe ich drei Ansätze. Ihn bewusst stärker zu zeigen und dafür eine rauere Bildwirkung in Kauf zu nehmen. Den Staub wie in der ursprünglichen Fassung kaum sichtbar zu lassen, oder ein Mittelding zu finden. Technisch ist das Staubsignal vorhanden und ich habe es mir so eingerichtet, dass ich es entsprechend dosieren kann. Ästhetisch bin ich mir aber unsicher, welcher Weg mir am besten gefällt. Wie so üblich gibt es wohl für alle Varianten einen passenden Geschmack.

Mich würde interessieren, wie ihr das seht. Würdet ihr die Aufnahme lieber "ohne" deutlich sichtbaren Staub sehen, mit klar erkennbarem Staub oder als Mittelweg mit nur leicht reduziertem Staubanteil? Oder soll ich es noch mehr stauben lassen? :LOL:

Hier mit etwas deutlich sichtbarem Staub. Ich habe die Staubfläche zu 35% eingeblendet.

IC2574_dust.jpg


Hier ganz ohne die zusätzliche Staubschicht, in der ursprünglichen Version.

IC2574.jpg


Die entsternte Variante der ursprnglichen Variante. Man erkennt hier schon, wenn auch recht schwach, den herumschwebenden Staub.

IC2574_starless_dustless.jpg


Und hier noch als Annotated und das Finding Chart

IC2574_annotated.jpg
IC2574_FindingChart.jpg


Die Aufnahmedaten:
Aufnahmedatum: 05.03 / 06.03 / 07.03 / 18.03 / 19.03 / 02.04 / 03.04 / 04.04.2025
Belichtung:
RGB 29 h 30 min, Gain 100, −10 °C
Ha 25 h 35 min, Gain 100, −10 °C

Montierung: Skywatcher EQ8-R
Teleskop: Celestron C11 EdgeHD
Brennweite: 2800 mm
Kameras: ZWO ASI 2400 MC Pro / ZWO ASI 6200 MM Pro mit Astronomik 6nm H-alpha Filter
Software: ASIAIR, PixInsight, Photoshop
 
Hallo Dane,

Erstmal farblich und in der Auflösung eine tolle Aufnahme. In der zweiten Aufnahme kommt der Staub ja auch schon leicht durch.

Sicher der Schwierigkeit den Staub raus zu arbeiten geschuldet, finde den zu sehr
Glatt gebügelt, was nicht zu einem harmonischen Gesamteindruck beiträgt und das Bild wolkig erscheinen lässt, wenn du weißt was ich meine und das dann in Kombination mit der recht „crispy“ Galaxie und Sternen ist vielleicht das ist, was dich stört. Versuch doch den Staub mal etwas körniger zu lassen, dürfte beim Zusammenfügen natürlicher wirken.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Dirk und Alex,

danke für eure Meinung. Je länger ist das Bild anschaue, desto mehr gefällt mir das 2. Bild auch immer mehr.

Ich habe nun mal eine neue Version ausprobiert. Ich habe beim Staub das glattbügeln ganz weg gelassen, damit die ursürngliche Körnigkeit bestehen bleibt. Ebenfalls habe ich die herausgearbeitete Staubebene etwas abgemnildert, in dem ich ihr etwas Klarheit und Struktur und Kontrast genommen habe, damit die Staubstrukturen leicht weicher werden.

Es ist nun nicht mehr so extrem wie in der ersten Variante ganz oben, was mir auch besser gefällt. Ob das nun besser wie die Variante ohne herausgearbeiteten Staub ist, kann ich irgendwie noch nicht sagen. :sneaky: :)

IC2574_dust_V2.jpg

Wenn man es anklickt, kann man mit den Pfeiltasten direkt zwischen der ersten Version wechseln
 
Hey Dane,
mit Staub, ohne Staub, egal - hammer Aufnahme ;)! Nein im ernst, die Auflösung und Tiefe sind großes Kino und ich kann mich Alex seinen Ausführungen hier anschließen. In der ersten Version wirkte der Staub etwas galert-Artig. Das ist in der dritten Version deutlich deutlich besser gelungen und wirkt jetzt viel harmonischer! So gefällt mir die dritte Variante eindeutig am besten, auch wenn ich finde man könnte den Staub auch hier noch einen mini Ticken raus nehmen. Aber sehen darf man den schon so deutlich!
Cs Ben
 
Hallo Dan

Hast du ja doch noch ein fu ktionierendes Apochen.
Ich finde die erste Version eigentlich gut, der Staub müsste die Galaxie weniger unterdrücken wenn das wirklich schwarze einen niedrigeren Wert bekäme, da ist untenrum etwas Dynamikumfang verschenkt.... das aber Stark von den Bildschirmeinstellungen abhängig und wird dann auch nicht jedem gefallen

Gruß Frank
 
Hallo Dane,

ich finde den Staub zwingend notwendig, stimme aber auch Alex zu, dass er idealerweise etwas körniger dargestellt sein sollte. Allerdings gefällt er mir auch so ganz gut. Besser als ohne Staub. Er gehört da hin, also sollte er auch sichtbar sein, wenn die Daten das hergeben - so meine generelle Einstellung dazu. Deine Überarbeitung gefällt mir sehr gut!

CS Olaf
 
Hallo Leute,

vielen Dank für die Antworten und euere Meinungen. Ich denke auch, der Staub ist zwingend notwendig, auch wenn sich etwas negativ auf die Erscheinung der Galaxie auswirkt.

Ich habe den Schwarzwert für die dunkelsten Stellen im Hintergrund noch leicht mehr geschwärzt.

Ich habe mal zum Vergleich eine Reihe gemacht, in der ich den Nebel von 10% bis 80% in 10er Schritten einblende. Im Titel der Datei sollte man den Wert sehen. Wenn es klappt, kann Mann dann einfach per Pfeiltasten mal stufenweise durchzappen, und die Veränderung beobachten.
 

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Hallo Dane,

da hat man ja die Qual der Wahl 🤔
Ich mache es pragmatisch und würde sagen volle Pulle ist zuviel und 10 % zu wenig, von daher passt für mich so um die 40-50% am besten.
CS
Franz
 
Hallo Ben und Franz,

ich habe es jetzt einfach mal auf 35% gesetzt, das deckt sich mit eurer sowie meiner Sichtweise. Das sollte ein gutes Mittelmaß sein. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, und man kann es als Staub deuten. :y:

Danke euch!
 
Mal wieder ein beeindruckendes Beispiel, mit welchen Freiheitsgraden wir heutzutage Aufnahmen bearbeiten können. Sterne X%, Saub Y%, selektive Farbsättigung, gezielte HDR-Histogramm Anpassung, etc.

Wenn man sich die Zeit genommen und Rückschläge auf der steile Lernkurve in Kauf genommen hat und am Ball bleibt, ist die zur Verfügung stehende Klaviatur beeindruckend - umso mehr, wenn in fähigen Händen @Dane Vetter und vielen weiteren Mitstreitern hier.

Wenn man in dem Kontext bedenkt, dass einige Kollegen hier, die heutzutage auch fantastische Bilder präsentieren, noch zu Analogzeiten unterwegs waren - wo es so ziemlich keine/kaum (korrigiert mich gerne) Möglichkeiten zur späteren Bearbeitung/Einflussnahme gab - was noch nicht soooo lang her ist.
 
Hallo

gefühlt würde ich sagen ab 40% leidet die Formerkennbarkeit der Galaxie weil es mit dem Nebel verschmilzt.

was für Nebel ist das jetzt? wäre es nur Staub müsste sich ja wie bei jedem Dunkelnebel mal die hellbraune Farbe zeigen? das würde es von den Galaxiearmen farblich trennen. aber das ist für uns mehr Theorie als erreichbar. will wohl niemand 10x so lang belichten

Gruß Frank
 
Hallo Alexander und Frank,

die heutigen Möglichkeiten der Bildbearbeitung sind enorm und sie entfalten ihren Wert erst dann wirklich, wenn man sie versteht und bewusst einsetzt. Das fasziniert mich selbst immer wieder. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, diese Werkzeuge kontrolliert und konsistent anzuwenden. Mein zu starkes Glätten zu Beginn war ein kleines Paradebeispiel. Dazu gehört auch das richtige „Sehen“ oder Einschätzen, wie ein Objekt am Ende wirken soll. In der klassischen Fotografie entwickelt man mit etwas Übung eine recht klare Vorstellung davon, wie eine Landschaft oder ein Sonnenuntergang aussehen soll, und kann diese Erwartung in die Bearbeitung einfließen lassen.

Bei astronomischen Objekten empfinde ich das persönlich oft als deutlich schwieriger. Galaxien, Nebel oder feine Staubstrukturen sieht man nicht mit dem eigenen Auge in der Form, wie sie später dargestellt werden. Man arbeitet also an etwas, das man selbst nie direkt so wahrgenommen hat. Für mich erklärt das auch, warum sich solche Aufnahmen in ihrer Darstellung teils stark unterscheiden.

Der Punkt mit dem Staub und die übliche Hellbraune Farbe ist ein guter Hinweis. Ich muss gestehen, ich hatte den Staub etwas entsättigt, da durch das starke Strecken ein Hauch von unnatürlichen wirkenden Farben zum Vorschein kamen. Wenn hier ein Braunton vorhanden ist, dann sehr schwach. Ich will mir das aber noch mal anschauen, ob ich nicht etwas mehr Farbe zulasse. Wobei ich das eher für die Detailtreue mache würde, da ich weniger denke, dass dadurch die Galaxie besser getrennt wird - jedenfalls bei einem schwachen Braunton.
 
Hallo

Es wäre schon ein Apod hoch3 wenn der Nebel sich farblich von den Galaxieausläufern trennen würde.
Wenn man das Galaxieentfernungstool nimmt und den Hintergrund im 2x bin extra..... Scherz, aber Sternet gibt es ja schon.

Gruß Frank
 
Hallo Dane,
ich würde mal einen anderen Blickwinkel reinbringen und mal provokant die Frage stellen, ob wir nicht inzwischen schon zu Staub-Fetischisten geworden sind - mich selbst natürlich ausdrücklich mit eingeschlossen. Der Nachteil, wenn man den Staub prominent rausarbeiten will, sind Höfe rund um die Sterne, die nicht vom Staub, sondern vermutlich von der Feuchtigkeit in der Atmosphäre erzeugt werden. Und die finde ich eben nicht so schön.

Ich würde tatsächlich den Staub zugunsten klar umrissener Sterne lieber nur ganz schwach ausprägen. Auch wenn es natürlich reizt, denn es ist ja definitiv Signal zu sehen. Die Galaxie ist eindeutig der Star in Deinem Bild, und nicht die paar Staubkrümel drumherum. Aber wie immer: Geschmacksache...
VG Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

danke auch für deinen Hinweis was die Höfe an den Sternen angeht, da bin ich auch bei dir. In den Varianten im Ersten Beitrag - mit - und ohne Staub ganz gut zu sehen, wenn man hin und her wechselt. Es stört mich auch etwas, ich hatte damals such schon probiert, das irgendwie abzumildern, was nicht so ganz hinhaut. Nebenbei gefällt mir generell die Darstellung der helleren Sterne nicht so toll, es ist halt ein SCT und kein Apo.
 
Hallo Dane

Jetzt haben wir an den oberen Halpha Gebieten einen s förmigen Schweif. Die Frage Staubnebel? Oder Gezeitenchweif aus Sternen?
Oder malen wir es wie wir wollen.
Wir wissen nicht wirklich was es ist, das bestimmt ja auch das Aussehen. Soll doch jemand mit mehr Lichtstärke nachgucken, wir mach lieber schöne Bilder, das ganze versauen für ein Detail ist nix.
Mal mit einem Epsilon nachsehen, Sterne samt Spikes gehen ja raus.
Gruß Frank
 
Hallo Frank,

ich habe mehrfach hin und her gewechselt, ich erkenne keinen plötzlich auftreten S-Förmigen Schweif. Die Annahme, ich würde hier bewusst etwas hineinmalen, empfinde ich jedoch als unpassend. Ich verstärke oder schwäche vorhandes ab, oder gib vorhandenen etwas Farbe wie aktuell dem Staub. Die leicht eingebräunte Variante wirkt in den Staubschwaden etwas heller, das deswegen irgendwo ein Schweif zum Vorschein kommt, sehe ich nicht.

Es steht selbstverständlich jedem frei, mit einem Epsilon ein besseres Ergebnis zu liefern.
 
Hallo Frank,

hah, Apod hoch3! Das wäre wohl die neue Krönung. :LOL:

Ok, ich habe den Staub mal eine leichte Bräune gegeben. Einmal ursprünglich und dann bräunlich zum hin und her wechseln mit den Pfeiltasten.

Den Anhang 531286 betrachtenDen Anhang 531287 betrachten

Zu viel, zu wenig? Zu schlecht? :)


Ich finde beide Versionen gleich gut. Betonung liegt auf „gut“. Auch die Sterne. Hier sehe ich keine störenden Halos. Aber das ist eben Geschmacksache. Aber Sterne kann man ja auch getrennt bearbeiten, den Zusammenhang zwischen der Sterndarstellung und den Staubbändern verstehe ich nicht.

LG Olaf
 
Ich verstehe die ganze Diskussion hier nicht. Es geht doch um pretty Pictures und nicht um einen Wettbewerb mit fragwürdigen Rahmenbedingungen. Schön ist was gefällt und das kann mannigfaltigkeit sein und liegt im Auge des Betrachters.
CS
Franz
 
Guten Morgen zusammen,

es ist völlig in Ordnung, wenn unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen. Unterm Strich waren die Einwürfe durchaus bereichernd. Dank der Hinweise wurden einige kleinere Punkte angepasst, die ich selbst so nicht mehr auf dem Schirm hatte, und einschätzen konnte.

1. Staub war zu stark entrauscht
2. Reduzieren von Kontrast und Struktur im Staub
3. Reduzierung der Sichtbarkeit des Staubs
4. Leichte farbliche Anpassung des Staubs

Im Zuge dieser Anpassungen hatte ich selbst noch kleine im Hintergrund durchgeführt, wie leichte Reduzierung des H-alpha Kanals, Korrektur an den äusseren Rändern, leichtes entsättigen der Galaxie die anfangs etwas zu blau war.

Am Ende ist dadurch jedoch kein grundlegend anderes Bild entstanden, was ja für mich auch zeigt, dass ich nicht komplett auf dem Holzweg war. :D
 
Hallo Dane,
Ich finde deine Bilder haben eine wirklich hohe Qualität und ich bin beeindruckt von deiner Akribie, hier das letzte Quentchen an Harmonie dem Bild zu entlocken.
Ich denke diesen Aufwand treiben hier die wenigsten. Du entscheidest was auf deinem Bild sichtbar sein soll und was davon weniger. Ich hatte in der Vergangenheit häufig auf den IFN Anteil in meinen Bildern verzichtet, da es mir (in meinen Augen) den Gesamteindruck zerstört hatte und das Ganze dadurch 'schmutzig' wirkte.
Wenn allerdings feine Nebelstrukturen der Star sein sollen, dann wird auch die Bildbearbeitung eine Andere sein.

CS,
Franz
 
Hallo Franz,

es freut mich wirklich, dass die Sorgfalt in der Bearbeitung wahrgenommen wird, denn genau dieser letzte Schritt in Richtung Harmonie ist mir wichtig - Naja, auch wenn es nicht immer so hinhaut wie ich es gerne hätte. Aber mal ehrlich, ich habe da insgesamt 55 h an Aufnahmezeit investiert, da muss man sich doch auch etwas in der Bearbeitung bemühen. :)

Deinen Punkt zum IFN-Anteil kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es ja im Grunde aktuell ziemlich ähnlich, weil ein zu starker Einsatz schnell unruhig oder schmutzig wirken kann. Das hat mich ja hier in diesem Beispiel auch gestört. In diesem Bild wollte ich die feinen Nebelstrukturen bewusst in den Vordergrund stellen und habe die Bearbeitung entsprechend darauf ausgerichtet, aber das Ergebnis hat mich ja dann auch zu diesem Thread getrieben.
 
Aber irgendwie wirkt es im Gesamten immer etwas "dirty".
Ja, aber das wirkt nicht nur so, das ist tatsächlich so. Der Galaktische Zirrus ist in etwa so wie wenn man aus größerem Abstand durch eine dreckige Fensterscheibe fotografiert.

Wenn es dir beim Fotografieren um das Objekt hinter der Scheibe geht, versuchst du den Dreck möglichst zu kaschieren. Wenn du den Dreck an sich fotografieren willst, dann versuchst du ihn herauszustellen. Was die meisten in der Astrofotografie machen, ist sowohl den Dreck als auch das Objekt hervorzuheben.

Ich habe auf dieses Thema eine...vermutlich...etwas eigene Sicht. Warum sollte ich das Objekt fotografieren und mich bei der Bearbeitung dann abmühen um auch den Dreck auf der Scheibe hervorzuheben? Also obwohl der so schwach ist, dass er eigentlich nichts hergibt. Keine Struktur, keine Farbe. Das kann man einmal machen, um zu zeigen dass es geht. Aber auf jeder Aufnahme? Der Zirrus ist praktisch überall irgendwie nachweisbar. Mal mehr mal weniger. Aber eigentlich will ich mich doch auf mein Objekt konzentrieren. Daher deute ich persönlich den Zirrus nur an um zu zeigen, dass da noch was anderes ist. Aber den Fokus lege ich immer auf das Objekt.

Oder halt auf den Zirrus. Aber wenn, dann ist der Zirrus das Objekt, das ich darstellen will. Als eigenständiges Motiv. Idealerweise mit kleiner Brennweite, damit man auch die übergeordnete Struktur erkennen kann. Denn das ist ja eigentlich das Interessante am Zirrus. Der Zirrus ist nichts anderes als Ausläufer der dichteren Galaktischen Staubwolken, die sich durch Gravitationseffekte weit von der Galaktischen Ebene entfernt haben und entsprechend ausgedünnt sind. Also ist eigentlich nur die übergeordnete Struktur und die Farbe interessant. Da die Dichte sehr gering ist und gleichzeitig dort nur wenige Sterne sind, wird der Galaktische Zirrus von der Gesamtheit der Milchstraße angeleuchtet. Und das darzustellen, wäre dann schon interessant. Das macht aber kaum einer. Im Gegenteil wird das Teil eigentlich immer komplett entsättigt und selbst bei großer Brennweite als verschwommene Flecken extrem stark hochgezogen. Bei großer Brennweite finde ich den Zirrus eher uninteressant. Da ist es für eher Dreck auf der Fensterscheibe. Wenn auch einer der prinzipiell aus astronomischer Perspektive durchaus interessant sein kann. Aber nur in seiner Gesamtheit.

Mag nicht jeder so sehen. Gibt halt weniger Likes und Kommentare. Aber so what. Astrofotografie macht man ja nicht um das so zu machen, wie es alle machen bzw. wie es die Mehrheit erwartet. Da will man doch seinen eigenen Stil entwickeln. Ist zumindest mein persönlicher Ansatz.

Ansonsten zum eigentlichen Motiv. Coddingtons Nebel ist nicht einfach. Ich denke, dir ist da die beste Darstellung gelungen, die ich bisher im Forum gesehen habe. Sowohl von der Dynamik als auch der farblichen Darstellung.

Grüße
Joachim
 
Hallo Joachim,

vielen Dank für deine ausführliche Sichtweise zu dem Thema.
So habe ich das tatsächlich noch nicht betrachtet, nämlich dass man sich bei einer Aufnahme bewusst entscheiden "kann", ob der Fokus auf dem Objekt oder auf dem „Dreck auf der Scheibe“ liegt. Mein eigener Anspruch war hier eher, das Objekt so einzufangen, wie es sich in der Aufnahme tatsächlich darstellt, also inklusive des Zirrus in dem Maß, in dem er gemeinsam mit dem Objekt erfasst wird.

Mein Ziel ist dabei keine bewusste Hervorhebung des Zirrus, sondern eine möglichst unverfälschte Darstellung des eigentlichen Objekts. Das ist natürlich ein schwieriger Anspruch, vielleicht sogar ein ziemlich theoretischer, weil ich selbst nicht wirklich sagen kann, wie „unverfälscht“ hier überhaupt aussieht. Ich weiß weder, wie stark der Zirrus an dieser Stelle real ist, noch wie viel davon durch Bearbeitung, Streckung und Farbwahl zwangsläufig interpretiert wird. Deswegen auch etwas die Einschätzung durch andere Augen über diesen Thread hier. Die Bilder im Netz variieren auch stark, und haben teilweise nicht einmal ansatzweise den Dreck drauf, weshalb die oftmals auch nicht als Referenz helfen.

Den Punkt mit dem weiten Feld kann ich aber gut nachvollziehen. In großem Bildwinkel lassen sich Struktur, Verlauf und Zusammenhang des galaktischen Zirrus natürlich deutlich besser erkennen. In einem engen Ausschnitt, wie bei meiner Aufnahme, wirkt er dagegen schnell wie ein diffuser Schleier ohne Aussage. Insofern verstehe ich, warum er im Weitfeld als eigenständiges Motiv interessanter ist, während er im engen Feld für mich eher Begleiterscheinung bleibt. Ob ich ihm aber deswegen keine Bühne geben möchte, wohl weniger.

Darauf bin ich auch nicht wirklich aus. Spätestens nach der Bekanntschaft mit Astrobin hatte ich gelernt, dass man hier drauf keinen Wert legen sollte. :) Ich finde es aber dennoch wichtig, nicht nur mein eigenes Ding durchzuziehen, sondern tatsächlich auch mal etwas auf die Reaktionen auf meine Arbeit zu achten. Und ja, ich vergleiche da auch mal etwas. Wie z.B. mein M101 weniger Reaktionen hervorbringt, wie hier IC 2574, dann mache ich mir durchaus Gedanken, was dort vielleicht nicht gut gelaufen ist. Das ist ja auch ein kleiner Bestandteil um sich zu verbessern.

Astrofotografie macht man ja nicht um das so zu machen, wie es alle machen bzw. wie es die Mehrheit erwartet. Da will man doch seinen eigenen Stil entwickeln. Ist zumindest mein persönlicher Ansatz.
Da bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich das speziell in der Astrofotografie einordnen soll. Aus der fotografischen Richtung, aus der ich komme, ist ein eigener Stil sinnvoll und sogar essenziell. Dort geht es stark um Interpretation, Bildsprache und persönliche Handschrift.

In der Astrofotografie stellt sich für mich jedoch die Frage, ob nicht primär das Ziel ist, ein Objekt möglichst realitätsnah abzubilden. Also so, wie es vermutlich tatsächlich aussieht oder aussehen würde, wenn unser Auge empfindlicher wäre. Der Spielraum für einen individuellen Stil scheint mir hier enger zu sein und stärker an physikalische Gegebenheiten, Datenaufbereitung und wissenschaftliche Plausibilität gebunden zu sein.

Ansonsten zum eigentlichen Motiv. Coddingtons Nebel ist nicht einfach. Ich denke, dir ist da die beste Darstellung gelungen, die ich bisher im Forum gesehen habe. Sowohl von der Dynamik als auch der farblichen Darstellung.
Danke dir, das freut mich. Und ja, ich stimme dir zu, dass das Objekt ist nicht einfach. Aber umso schöner ist es zu hören, dass Dynamik und Farben für dich stimmig wirken. Nach meinem inneren Konflikt bei der Bearbeitung ist dieses Feedback, ebenso wie das der anderen, für mich eine wichtige Bestätigung, die ich sehr zu schätzen weiß. Ich habe das Projekt nun nach den hier erwähnten Änderungen für mich auch abgeschlossen, und einen Haken dran gesetzt.
 
Zuletzt bearbeitet:
weil ich selbst nicht wirklich sagen kann, wie „unverfälscht“ hier überhaupt aussieht. Ich weiß weder, wie stark der Zirrus an dieser Stelle real ist, noch wie viel davon durch Bearbeitung, Streckung und Farbwahl zwangsläufig interpretiert wird.
In der Astrofotografie stellt sich für mich jedoch die Frage, ob nicht primär das Ziel ist, ein Objekt möglichst realitätsnah abzubilden.
Da hast du dir schon selbst die Antwort gegeben ;)

Natürlich ist Astrofotografie hier etwas anders, da man ja immer die selben paar Objekte hat, die jedes Jahr praktisch die selben Eigentschaften haben. Außer vielleicht mal eine Supernova oder Nova. Aber selbst ein S-Kurven-Stretch beendet praktisch schon die realistische Darstellung. Spätestens wenn man noch einen H-alpha Layer drüber legt, war es das. Auch wird der Hintergrund entsättigt, wenn ZIrrus da ist, wird der stärker gestreckt als der Rest. Du sagst ja selbst, dass du nicht mal weißt, ob das alles real ist. Das zeigt schon wie grenzwertig solche Sachen bearbeitet werden, weil es mit KI halt mittlerweile einfach möglich ist aus praktisch nichts eine sauber entrauschte Struktur hinzubekommen.

Aber ganz so entkoppelt von der normalen Fotografie finde ich Astrofotografie auch wieder nicht. Die Grundsätze bleiben gleich. Z.B. wählt man in der Regel eine blau-organgene oder blaue-rote palette für Schmalband. Die Farben sind komplementär und wirken fürs Auge angenehm, solange das Verhältnis stimmt. Das reale Türkis will kaum einer sehen. Das beißt sich. Auch die Farbkalibration ist darauf ausgelegt, dass genau dieses blau und orange auch in Galaxien optimal rüber kommt. Das passiert genau dann wenn man den Weißpunkt auf den Mittelwert einer normalen Spiralgalaxie setzt. Das ist aber nicht das was wir wahrnehmen würden. Das ist einfach eine willkürliche Entscheidung, die man trifft um eine möglichst angenehm wirkende Palette zu bekommen. Selbst G2V als Weißwert ist nicht realistisch, weil das einem bewölkten Himmel entspricht. Der reale Himmel streut die kurzwelligen Anteile heraus. G2V ist eher wie es außerhalb der Erdatmosphäre wirkt. Spiralgalaxie ist aber nicht G2V.

Also realistisch kann sich nur auf die Strukturen beziehen. Bei den Farben geht es nur um das Verhältnis und selbst das nur bei Aufnahmen ohne Filter.

Ein Galaxienbild ist für mich analog zu einem Portrait in der Tageslichtfotografie oder in der Malerei. Ja der Hintergrund spielt eine Rolle, aber da nimmt man nicht umsonst eine große Blende um das Motiv freizustellen. Der Hintergrund ist der Akzent. Wichtig, aber nicht zentral.

Ich finde, da kann man sich ruhig seinen eigenen Stil entwickeln. Der kann sich natürlich dem Zeitgeist anschließen. Das ist ja nichts negatives. Es muss aber nicht sein. Aber wie gesagt, habe ich da eine eigene Perspektive darauf, da ich nicht über Astrofotografie zur Astronomie gekommen bin, sondern umgekehrt. Mich interessiert weniger das Foto als mehr die Physik dahinter.
 
Ich verstehe deinen Ansatz und bin da in vielem bei dir.

Also realistisch kann sich nur auf die Strukturen beziehen. Bei den Farben geht es nur um das Verhältnis und selbst das nur bei Aufnahmen ohne Filter.
Strukturell sollte Astrofotografie so nah wie möglich an den realen Daten bleiben. Das Generieren nicht vorhandener Strukturen – egal ob durch KI oder durch manuelle Eingriffe – sollte dabei aus meiner Sicht immer vermieden werden, was sich sicher mit deiner Aussage deckt. Mit den heutigen Tools muss man da durchaus auch etwas vorsichtig sein. Meine damals hier gepostete Nadelgalaxie war da sicher ein gutes Negativbeispiel. :) Bei den Farben bewegen wir uns dagegen zwangsläufig im Bereich bewusster, teils ästhetischer Entscheidungen, das ist schon so. Und wie man das auch immer wieder sieht, gehen diese teiwleise recht weit auseinander. :)

Ein Galaxienbild ist für mich analog zu einem Portrait in der Tageslichtfotografie oder in der Malerei. Ja der Hintergrund spielt eine Rolle, aber da nimmt man nicht umsonst eine große Blende um das Motiv freizustellen. Der Hintergrund ist der Akzent. Wichtig, aber nicht zentral.
Ok, daa unterscheiden sich unsere Sichtweisen. :) Die Freistellung welche ich bei Portaits ja selbst gerne schätze, um den Hintergrund absichtlich zu verschmieren, und das eigentliche Motiv in den Fokus zu setzen.... das auf die Astrofotografie zu übertragen, kann ich mir persönlich schwer vorstellen. Für mich ist bei Astrofotografie das gesamte Bildfeld relevant – also nicht nur die Hauptgalaxie oder ein mottiger Nebel u.s.w. sondern auch das umgebende Sternenfeld, kleine/winzige Hintergrundgalaxien und die großräumige Struktur. Gerade diese Einbettung liefert Kontext und macht den Reiz vieler Aufnahmen aus. Ich mag es ja selbst auch immer meine Aufnahmen unter der Lupe zu betrachten, um kleinste Details im Hintergrund zu finden. Man könnte hier auch weitere Techniken aus der Fotografie nehmen, wie z.B. über Hell/Dunkel den Blick des Betrachters steuern, wie z.B. bei einer Vignettierung - welche wir ja in der Astrofotografie auf natürlichen Wege dank Flats aus dem Weg gehen. :) Aber ja, es gibt da sicher die verschiedensten Sichtweisen, was ja auch gut ist. :y:
 
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