Zitat von watkin:
Hi André,
macht die Befestigung zwischen Spiegel und Spiegelzelle, die Auflagepunkte nicht obsolet?
Oder anders gefragt: warum der Aufwand mit den Auflagepunkten, wenn flächig unter dem Spiegel das Alu als Auflage dient?
Feste Körper berühren einander mikroskopisch gesehen nur an 3 Punkten, bis der obere Körper auf den anderen sackt.
Da Glas nachgibt, würde der Spiegel wie eine Pizza aufs Blech absacken, sich dabei verziehen und ein unscharfes Bild wäre die Folge (auch bei einem z.B. 5cm dicken 16" Spiegel).
Man könnte natürlich einen dickeren Spiegel nehmen, aber die Auskühlzeiten wären absolut inakzeptabel.
Mit dem bloßen Auge sieht man diese Verzerrungen auf der Oberfläche natürlich nicht, aber es reicht schon wenn der Spiegel sich um wenige hundert Nanometer verbiegt.
Daher muss man das Gewicht des Spiegels auf eine bestimmte Anzahl Auflagepunkte gleichmäßig verteilen, damit sich der Spiegel nicht verbiegen kann und keine Verzerrungen auftreten. Wie viele Punkte sinnvoll sind kann man berechnen (mit dem Programm "Plop").
Mehr Infos dazu findest Du z.B.
hier.
Was das Durchspülen des Spiegels angeht, sehe ich das kritisch, denn ich frage mich, was das mit dem Material machen würde, wenn der Spiegel unterschiedliche Dicken (bedingt durch die Kanäle) hätte und dadurch deren Oberflächen eventuell unterschiedlich absacken würden. Ich glaub das würde sehr viel mehr Probleme bringen als es lösen würde, besonders bei großen Spiegeln.
Ich denke die klassischen Lösungen sind immer noch die Besten:
- möglichst dünner Spiegel (bedingt eine exakt gearbeitete Spiegelzelle mit vielen Auflagepunkten)
- offenes Spiegelboxdesign um Luft zirkulieren zu lassen
- Lüftersystem
- möglichst vorher schon Anpassung an die Umgebungstemperatur (z.B. Lagerung des Teleskops im Jetbag auf Dachgepäckträger und anschließende Fahrt zum Standort)
Viele Grüße,
Sebastian