Hallo,
für die Euro-Einführung gab es sicherlich eine ganze Reihe von Gründen. Darunter auch Annahmen, die darauf gründeten, dass Europa historisch gesehen sehr lange Zeit die Zentren des weltweiten Handels und der Finanzen beheimatete. Das waren immer mal andere Städte von Genua bis London. Rückblickend fragte man dann irgendwann, warum sich z.B. Asien oder Afrika so viel langsamer entwickelten, obwohl da oft riesige Reiche anzutreffen waren.
Entsprechende Forschung deutete darauf hin, dass in Europa die Konkurrenz zwischen den vielen kleinräumigen Staaten die Machthaber disziplinierte. Wenn da einer auf die Idee kam, die Marktteilnehmer im Land zu sehr zu schröpfen, dann gingen die eben zum Nachbarn und zahlten dort geringere Abgaben. Anreize seitens der Herrscher haben sich für beide Seiten also sehr gelohnt. Einfach so überfallen konnte man das Nachbarland auch schlecht, denn wenn die übrigen Länder sahen, dass da einer die Finger nach dem Land eines Anderen ausstreckte, schlossen sie sich zusammen um den Aggressor wieder in die Schranken zu weisen, damit da nur bloß keiner zu viel Gewicht bekam.
So konnte sich privater Wohlstand bilden und man durfte davon ausgehen, dass Investitionen und innovative Erfindungen einem nicht einfach entrissen werden. Es war anzunehmen, dass in einem so disziplinierten Umfeld bald jemand eine Lösung für Probleme und Engpässe finden würde. Dabei kam z.B. in England die Industrielle Revolution mit all ihren technischen Neuerungen heraus. (Wo habe ich eigentlich meine Dampfmaschine hin getan? Die muss ich unbedingt mal wieder in Betrieb nehmen.)
In der Folge bildeten sich dann aber immer mehr Handelshemmnisse durch Zölle und andere Beschränkungen - bis eben jemand auf die Idee kam, die ursprünglich so lukrative Konkurrenzsituation wieder herzustellen. Heute haben wir den Schengen-Raum - und damit auch die Hemmnisse durch unterschiedliche Währungen oder gar Wechselkurse nicht stören, gibt es den Euro. Zumindest auch deswegen.
Dass bei einer solch heftigen Umwälzung ganze Sektoren innerhalb der Mitgliedsstaaten erschüttert werden ist auch kein Wunder. Produktion und Industrie hat sich sicherlich hier und da verlagert. Verwerfungen sind da erwartbar und wurden akzeptiert - oft durch die Hoffnung auf eine Stärkung z.B. des Dienstleistungssektors. Zugegebenermaßen wäre es aber zynisch, zu sagen, dass die EU für alle Staaten ein Heilsbringer gewesen ist. Was blieb denn Staaten wie Portugal oder Griechenland schon übrig, als "Ja" zu sagen? Und heute liegen sie in der Peripherie und kommen mehr schlecht als Recht über die Runden. Da hat man als Deutscher, der mitten Im Zentrum der EU sitzt sicher eine besondere Verantwortung.
Eine Krise erst dann einzuräumen, wenn auch der Letzte seinen Maserati in Zahlung gegeben hat, ist vielleicht etwas spät. Europa hat sowieso einen Haufen Probleme, auch weil so grundlegende Zusammenhänge wie oben genannt nicht beachtet werden. Durch den Brexit, die Pandemie, spätestens aber durch den Krieg und seine Folgen muss man eine echte Krise jetzt wirklich einräumen.
Eine Preisverdoppelung durch die Euro-Einführung gab es natürlich nicht. Ich werde nie vergessen, wie meine Schwiegermutter entrüstet aus dem Aldi kam, weil dort einer vergessen hatte, die Preisauszeichnung des Zwiebelmetts auszutauschen... bis heute behauptet sie darum steif und fest, die Supermärkte hätten durch die Bank weg einfach das "DM" durch "€" ersetzt.

Der Euro war eben als Killer der geliebten DM extrem unbeliebt. Das ist aber nicht ganz fair, finde ich.
Gruß
Sebastian