Hi Nico,
ich bin mal ganz brutal: beides ist falsch! Warum?
1. weil die Sichtbarkeit von Punktquellen kein geeigneter Indikator für die Wahrnehmbarkeit flächiger Quellen (wie es Deep Sky Objekte i.A. sind) ist und
2. weil das freiäugige Sehen und das teleskopische Sehen unterschiedlich ablaufen (im Teleskop kannst du Störlicht besser abschirmen, die Vergrößerung hat einen direkten Einfluss auf die Grenzgröße).
3. weil die Frage, wie lange man den Stern halten kann (also dauernd zu sehen oder nur zu 50% oder 10% der Zeit) direkt mit der Detektionsschwelle zu tun hat, wie Dr. Stepputat das beim DST in Bebra 2005 referiert hat. Somit kann der Beobachter mehr oder weniger seine eigene Schätzung "steuern".
Folge: während mehrere erfahrene Beobachter bzgl. der Sichtbarkeit eines flächigen Objekts im selben Teleskop unter demselben Himmel weitgehend gleiche Wahrnehmung haben, kann ihre freisichtige GG-Bestimmung um bis zu eine Magnitude abweichen. Wohlgemerkt: auch bei Experten, nicht nur bei Einsteigern!
Mein Standpunkt: es sind nur direkte Messungen der Himmelshelligkeit sinnvoll (mit dem "Sky Quality Meter" von Unihedron oder dem Okularphotometer nach Stepputat, siehe dazu interstellarum) oder eine Skala, die flächige Objekte einbezieht (Bortle-Skala oder einige der Testobjekte im Deep Sky Reiseführer).
Es wäre wünschenswert, die Bortleskala mit Zwischenwerten zu verfeinern und dafür geeignete Testobjekte herausfinden, denn lt. Bortle unterscheiden sich eine sehr gute Nacht und eine mäßige an meinem Platz gar nicht. Das wäre aber ein eigenes Projekt, das der Zusammenarbeit mit vielen Sternfreunden bedarf - Freiwillige vor!
Eine andere Sache ist es, die teleskopische Grenzgröße zu bestimmen. Hierzu gibt Clark in seinem Buch "Visual Astronomy of the Deep Sky" mehrere GG-Karten für Offene Sternhaufen an. Mir erscheint das erheblich sinnvoller, aber ausprobiert habe ich es nicht.
Eine freisichtige Grenzgrößenbestimmung kann allerdings helfen, für sich selbst unterschiedliche Nächte zu vergleichen. Der Vergleich mit anderen Beobachtern ist wenig aussagekräftig: Wir hatten entsprechende Streuungen bei unserer KBA-Beobachtung am Nutscheid, ich habe sowas in Kärnten 2003 erlebt (Arndt schätze ganze 0,8 Mag besser als ich, wir sahen im Scope aber ähnlich viel). Dieses Problem ist bekannt und wurde auf dem DST 2005 in Bebra intensiv im Plenum diskutiert.
Aber: das SQM funktioniert prima und E&T rechnet bei Bedarf die Messwerte zurück in eine freisichtige Grenzgröße, die recht schön zu meiner Wahrnehmung passt.
Gruß,
Tom