Industrielle Spiegelproduktion

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Moriarty

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Hallo,

mich würde interessieren, wie große Stückzahlen von Spiegeln in der Praxis hergestellt werden. Ist das weitgehend automatisiert, oder stehen da 100 Chinesen und schleifen per Hand (was ich fast vermute) ?

Gruß
Moriarty
 
Hi,


Handschliff koennen sich wohl auch die Chinesen kaum leisten. Normalerweise hast Du entweder eine Maschine mit Schalen (das sind die Schleifwerkzeuge), pro Schale ein Spiegel und der wird automatisch beschickt. Ich glaube, auf der MEADE-Homepage gibts Bilder dazu. Die Alternative sind Kalotten, insbesondere bei kleineren Spiegeln. Hier befinden sich mehrere Rohlinge auf einem grossen runden Kopf - dergestalt dass ihre Kruemmungsradien zusammenfallen. Fuer Konkavoptik muss die Innenseite des Kopfes verwendet werden. Aus geometrischen Gruenden koennen die Optiken auf Kalotten nur sphaerisch poliert werden, eine Retusche muss danach noch stattfinden. Und dabei KANN noch Handarbeit gefragt sein.


 
Mich würde in diesem Zusammenhang mal interessieren, warum man Spiegel überhaupt aufwändig in Parabolform schleift, statt einfach flüssiges Glas rotierend abkühlen zu lassen. Die Rotationsgeschwindigkeit legt dabei die genaue Parabelform über die Fliehkraft fest. Dauert das Abkühlen zu lange, oder ruinieren die Kapillarkräfte den Rand, oder ???

zzzip
 
Hi,

bei grossen Spiegeln wird dies so gemacht. Spin-Casting heisst das Verfahren, die SCHOTT-Zerodurspiegel fuers VLT sind so entstanden. Entwickelt hat die Technik Roger Angel vom Steward Mirror Lab, Tucson, Arizona. Und er hat ja seine Spiegelfabrik mit Groessen bis zu 8.4 Meter.

Die Motivation ist hierbei, hinterher weniger Glas abtragen zu muessen. Dennoch muss die Oberflaeche nach der Kuehlung nachbearbeitet werden, denn die Politur der erstarrten Oberflaeche reicht aufgrund ihrer Rauhigkeit nicht aus. Warum dies genau so ist, darueber kann ich nur vermuten. Einerseits duerfte es schwer sein, einen zig Tonnen schweren Ofen vibrationsfrei rotieren zu lassen, sodass sich wahrscheinlich "Ripples" auf der Oberflaeche bilden. Die Quecksilberleute, die Zenitteleskope bauen, sind wesentlich leichter und koennen hier Luftlagerung und Riemenantrieb verwenden, wobei Cassettentapes (kein Witz!) zur Anwendung kommen.

Andererseits ist eine Volumenaenderung des Glases beim Erstarren nicht auszuschliessen, sodass selbst bei langsamer Kuehlung (Tempern) die Oberflaeche riefig wird. Wer einmal einen gegossenen Rohling gesehen hat, der ja auch in Theorie "optisch plan" sein sollte, weiss was ich meine.


 
Hallo,
danke schön.

Natürlich hast Du recht; selbst in chinesischer Kinderhandarbeit wäre das wohl noch zu aufwändig (kleiner Scherz am Rande).
Ich stelle mir das gar nicht so leicht vor, genug "Zufall" in einen mechanischen Schliff reinzukriegen, damit da keine systematischen Fehler entstehen.

Gruß
Moriarty
 
Hallo,

selbst in chinesischer Kinderhandarbeit wäre das wohl noch zu aufwändig

... und wer würde außerdem dann die ganzen billigen Klamotten und Schuhe und den ganzen billigen Plastikschrott herstellen, wenn die Kinder alle mit Spiegelschleifen beschäftigt sind.

Nieder mit Chinaware! (Jemand der ziemlich genervt ist, weil er gerade einen bestimmten Artikel im Spiegel gelesen hat!)
 
Hm, also das dolle an Glas ist doch, daß es keinen Volumensprung bei irgendeiner Erstarrung gibt, weil eben idR nix kristallisiert...
-und bei den ganzen float-Gläsern klappt es ja auch (wobei die Frage gerechtfertigt ist, ob selbst die überhaupt optischen Ansprüchen genügen...).
Ich denke der Hauptgrund liegt in der schwierigen Lagerung wie Du schon gesagt hast.
Ich hab mal zum Spaß eine Schüssel Wasser auf einer Töpferscheibe in ordentliche Drehung versetzt. Man glaubt gar nicht, wie ruckelig ein - meiner Einschätzung nach gut gelagerter - Antrieb noch ist. Das Bild von der Deckenlampe war arg deformiert, schnief.

desillusionierte Grüße...
 
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