Lotz
Aktives Mitglied
Hallo Sternenfreunde,
hier mal ein interessanter Aspekt zum Thema Interferogramme:
1. Vorgeschichte
Ich wollte unbedingt einen 6" f/8-Fraunhoferrefraktor haben auf meiner
EQ-6, aber bitte einen wirklich guten, als schönes Planetengerät.
eine Weile gesucht, und tatsächlich, fündig geworden: ein Händler bietet
einen 150/1200er Celestron FH mit 95% Strehl an. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Ich hab mir also die Interferogramme schicken lassen, für mich als
Nicht-gerade-Interferogramm-Vollprofi schien das in Ordnung, zumal
von wohlbekannter Instanz geprüft wurde. Zur Sicherheit hab ich mich auch
nochmals telefonisch rückversichert:
Ja, die Optik wäre gut, nur etwas unterkorrigiert im Roten, aber das hätten alle Fraunhofer. Der minimale Astigmatismus würde nicht stören, eine im Phasenkontrast sichtbare "Scharte", um die es mir ging, hätte keinen
sichtbaren Einfluß, da der Flächenanteil sehr gering wäre.
Ich hab daraufhin bei meinem Finanzministerium Fördermittel beantragt, diese
auch bewilligt bekommen und freudig meinen neuen Refraktor abgeholt und mit
Sekt auf den Namen Segafredo getauft. Die Welt war in Ordnung...
2. Die Beobachtungspraxis
Nach der ersten Nacht der Euphorie, des aah, ooh und toll wollte ich dann mal genauer an Planeten ran, auch an den Mond. Der Refraktor war nicht wirklich übel, allerdings, für 6" Öffnung meines Dafürhaltens nach nicht Spitze, es fehlte ihm das letzte Quentchen Schärfe. Also 3 Abende Sterntest, der eine rechte Unterkorrektur der Optik zutage förderte und auch ansonsten aufgrund
der recht verschmierten und ausgefransten Beugungsringe nicht wirklich die 1A-optik erwarten ließ. Zweifel machen sich breit. Wurde etwa der Tubus verwechselt??? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" />
Als ich bei einem anderen Händler war, um mir ein gutes 10mm-Okular zu suchen,
hab ich meinen Refraktor einfach mitgenommen und am künstlichen Stern und mit Ronchigitter kurz überprüft. Wieder: wenn, dann nur ein Durchschnittssynta!
Und die 95% Strehl????????????
Mit der Prüfinstanz und meinem Händler vereinbarte ich einen Termin, die Optik und den zweiten Tubus nochmals vermessen zu lassen. das geschah heute.
3. Freitag, der 13. oder: Die Stunde der Wahrheit
Der Test mit Ronchi und am künstlichen Stern ergab sofort, der zweite Tubus war nicht der Gute! Keine Verwechslung also. Nun wurde meiner durchleuchtet, Phasenkontrast, Spalttest, Interferogramm.
Und nun wird es richtig spannend: Das Interferogramm ergab im Wesentlichen ähnliche Werte wie das damalige, ebenfalls über 90%. Allerdings nur bei einer aus der Mitte beschnittenen Fläche des Refraktors. Darum schaut die Topographie auch "rechteckig" aus. Hier die ursprüngliche Auswertung:
Link zur Grafik: http://mitglied.lycos.de/ntlpages/4a075750.jpg
Allerdings über die gesamte Öffnung ergab sich ein Strehl von lediglich 76%!!!
Das hatte keiner vorher gesagt, weder Händler noch Prüfer. Gut, ich hatte auch nicht damit gefragt, mir war nicht klar, daß obiges I-Gramm nur einen Teil der Optik einbezieht. jetzt hab ich auch dessen Form verstanden. Allerdings existierte auch von der Ursprungsmessung ein I-Gramm über die Gesamtfläche, und das hatte auch nur knapp über 80% Strehl erreicht. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich diesen Refraktor NICHT genommen.
4. Das End der Gschicht
Ich hab heut den Refraktor gegen Erstattung des Kaufpreises + Interferogrammkosten zurückgegeben; da gabs mit dem Händler nicht den Ansatz einer Umstimmigkeit, das möchte ich ausdrücklich erwähnen. Ich hab mir heut ein Angebot machen lassen für einen Refraktor mit Mindestresultaten gemäß meiner Spezifikation; bei deren Messung werde ich anwesend sein. Soweit, so gut.
5. Die Moral von der Geschicht
Meine Warnung an alle, die ein Interferogramm eines Fraunhoferrefraktors in Händen halten, das so aussieht wie meines: Explizit nach einem I-Gramm über die GESAMTFLÄCHE fragen, man sieht das als Laie dieser Darstellung nun wirklich nicht an, daß sie einiges zu viel verbirgt.
Also: Augen auf beim Refraktorkauf!
____________________________________________________
Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________
DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]
Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
D-93073 Neutraubling
Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de
hier mal ein interessanter Aspekt zum Thema Interferogramme:
1. Vorgeschichte
Ich wollte unbedingt einen 6" f/8-Fraunhoferrefraktor haben auf meiner
EQ-6, aber bitte einen wirklich guten, als schönes Planetengerät.
eine Weile gesucht, und tatsächlich, fündig geworden: ein Händler bietet
einen 150/1200er Celestron FH mit 95% Strehl an. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Ich hab mir also die Interferogramme schicken lassen, für mich als
Nicht-gerade-Interferogramm-Vollprofi schien das in Ordnung, zumal
von wohlbekannter Instanz geprüft wurde. Zur Sicherheit hab ich mich auch
nochmals telefonisch rückversichert:
Ja, die Optik wäre gut, nur etwas unterkorrigiert im Roten, aber das hätten alle Fraunhofer. Der minimale Astigmatismus würde nicht stören, eine im Phasenkontrast sichtbare "Scharte", um die es mir ging, hätte keinen
sichtbaren Einfluß, da der Flächenanteil sehr gering wäre.
Ich hab daraufhin bei meinem Finanzministerium Fördermittel beantragt, diese
auch bewilligt bekommen und freudig meinen neuen Refraktor abgeholt und mit
Sekt auf den Namen Segafredo getauft. Die Welt war in Ordnung...
2. Die Beobachtungspraxis
Nach der ersten Nacht der Euphorie, des aah, ooh und toll wollte ich dann mal genauer an Planeten ran, auch an den Mond. Der Refraktor war nicht wirklich übel, allerdings, für 6" Öffnung meines Dafürhaltens nach nicht Spitze, es fehlte ihm das letzte Quentchen Schärfe. Also 3 Abende Sterntest, der eine rechte Unterkorrektur der Optik zutage förderte und auch ansonsten aufgrund
der recht verschmierten und ausgefransten Beugungsringe nicht wirklich die 1A-optik erwarten ließ. Zweifel machen sich breit. Wurde etwa der Tubus verwechselt??? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/blush.gif" alt="" />
Als ich bei einem anderen Händler war, um mir ein gutes 10mm-Okular zu suchen,
hab ich meinen Refraktor einfach mitgenommen und am künstlichen Stern und mit Ronchigitter kurz überprüft. Wieder: wenn, dann nur ein Durchschnittssynta!
Und die 95% Strehl????????????
Mit der Prüfinstanz und meinem Händler vereinbarte ich einen Termin, die Optik und den zweiten Tubus nochmals vermessen zu lassen. das geschah heute.
3. Freitag, der 13. oder: Die Stunde der Wahrheit
Der Test mit Ronchi und am künstlichen Stern ergab sofort, der zweite Tubus war nicht der Gute! Keine Verwechslung also. Nun wurde meiner durchleuchtet, Phasenkontrast, Spalttest, Interferogramm.
Und nun wird es richtig spannend: Das Interferogramm ergab im Wesentlichen ähnliche Werte wie das damalige, ebenfalls über 90%. Allerdings nur bei einer aus der Mitte beschnittenen Fläche des Refraktors. Darum schaut die Topographie auch "rechteckig" aus. Hier die ursprüngliche Auswertung:
Link zur Grafik: http://mitglied.lycos.de/ntlpages/4a075750.jpg
Allerdings über die gesamte Öffnung ergab sich ein Strehl von lediglich 76%!!!
Das hatte keiner vorher gesagt, weder Händler noch Prüfer. Gut, ich hatte auch nicht damit gefragt, mir war nicht klar, daß obiges I-Gramm nur einen Teil der Optik einbezieht. jetzt hab ich auch dessen Form verstanden. Allerdings existierte auch von der Ursprungsmessung ein I-Gramm über die Gesamtfläche, und das hatte auch nur knapp über 80% Strehl erreicht. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich diesen Refraktor NICHT genommen.
4. Das End der Gschicht
Ich hab heut den Refraktor gegen Erstattung des Kaufpreises + Interferogrammkosten zurückgegeben; da gabs mit dem Händler nicht den Ansatz einer Umstimmigkeit, das möchte ich ausdrücklich erwähnen. Ich hab mir heut ein Angebot machen lassen für einen Refraktor mit Mindestresultaten gemäß meiner Spezifikation; bei deren Messung werde ich anwesend sein. Soweit, so gut.
5. Die Moral von der Geschicht
Meine Warnung an alle, die ein Interferogramm eines Fraunhoferrefraktors in Händen halten, das so aussieht wie meines: Explizit nach einem I-Gramm über die GESAMTFLÄCHE fragen, man sieht das als Laie dieser Darstellung nun wirklich nicht an, daß sie einiges zu viel verbirgt.
Also: Augen auf beim Refraktorkauf!
____________________________________________________
Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________
DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]
Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
D-93073 Neutraubling
Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de