Interstellarum - Grossferngläser Test....

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Vergil
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Re: Test besser absagen?

Hallo Frank,

angenommen, ein (rein hypothetischer) Test kritisiert ein (rein hypothetisches) Produkt. Es gibt zwei Moeglichkeiten:

1) Die Kritik ist berechtigt und der Test ist fair.
2) Die Kritik ist ueberzogen und der Test somit unfair.

Wie wuerde der Vertreter des Produktes reagieren?

Im Falle 2) wuerde er doch versuchen, die Kunden von der (tatsaechlich vorhandenen) Qualitaet des Produktes zu ueberzeugen, indem er Aktionen startet, die den Leuten dieses Produkt bekannt machen. Das muss er in jedem Falle so handhaben, denn auch die Konkurrenz wird natuerlich versuchen, die Ueberlegenheit des ihrigen Produktes zu suggerieren. Falls er damit nicht zum Ziel kommt, dann ist das die Konsequenz eines falschen Marketings, denn es gelingt ihm ja nicht, ein eigentlich gutes Produkt zu verkaufen.

Im Falle 1) muss er abwaegen: Er weiss, dass das Produkt nicht so toll ist, denn der Test hat zu Recht einige Schwachpunkte gefunden. Lohnt es sich jetzt, trotzdem noch in Marketing zu investieren, um das Produkt virtuell aufzumotzen, oder ist es besser, die mangelnde Qualitaet einzugestehen und den Preis zu senken? In diesem Falle hat der Test genau das erreicht, was er sollte: Er hat den Verbraucher vor einem (auf die Qualitaet bezogen) ueberhoehten Preis gewarnt und den Verkaeufer im Endeffekt zu einer Korrektur veranlasst. Der Markt hat sich also selbst geregelt.

Noch besser waere es natuerlich, wenn es auch noch einen Feedback zwischen Haendler und Hersteller gaebe: Die neue Version des Geraetes wuerde dann vielleicht korrigiert sein. Dann hat der Test erst recht sein Ziel erreicht.

Gruss,
Holger
 
Re: Test besser absagen?

Hi Frank,

sehe ich nicht anders und das Posting von Holger bringt es auf den Punkt.

Mängel sind da und bei diesem Fernglas ist es zumal äußerst pikant, da es ehemals
für 1198 Euro über den Ladentisch ging - soviel zur "günstigen" Chinaware.

Die Anzeige mit dem Verweis auf den Test, finde ich geschmacklos.
Das Glas verkauft sich nicht, da es ernste Mängel hat - Punkt. Und nicht weil
ein sachlicher und sehr sehr fairer Bericht darüber geschrieben wurde - im Gegen-
satz zu dem, was hier (vorallem zwei) übereifrige Händler hier vom Himmel loben
oder schreiben.

Viele Grüsse
Thomas
 
Re: Test besser absagen?

> doch als Leser mit Kaufabsicht sollte man sich eh nicht auf einen einzigen Bericht verlassen und kaufen, ohne das Gerät je vor den Augen gehabt zu haben

Hallo Torsten,

na klar doch. Die wenigsten Kunden werden auf Basis eines einzelnen Berichts ihre Entscheidung fällen. Man bekommt aus so einem Bericht ein paar Hinweise und Anregungen und macht sich dann sein eigenes Bild. Ist die Optik exzellent und der Preis unschlagbar, dann wird eingekauft und fertig. Wenn ich als Händler der Meinung bin, dass ein Produkt ein überdurchschnittliches Preis-Leistungs-Verhältnis und eine exzellente Qualität hat, dann würde ich den Vertrieb doch nicht einstellen. Oder doch?

Frank.
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Thomas,

dem, was Holger geschrieben hat, kann ich nur zustimmen. Entweder oder ...

> da es ehemals für 1198 Euro über den Ladentisch ging

Falls der Abverkaufspreis von 595 Euro keine Verluste mit sich bringt, dann wäre die Preisdifferenz zwischen Einführung und Abverkauf ja nicht gerade gering. Sind das übliche Preisspannen?

Frank.
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Frank,

Kann man so pauschal nicht sagen, aber bei Chinaware ist einiges drin.

Grundsätzlich:
Ein Händler handelt, damit er was verdient und seine Mitarbeiter gut bezahlen
kann. Daher bin ich persönlich gerne bereit entsprechend der Qualität gutes Geld
auszugeben. Wenn die Qualität und die Beschreibung eines Teiles immer so am Rand
des rechtlich legitimen liegt und im Endeffekt nicht paßt haben wir (Kunde /
Händler) ein Problem, vor allem dann am Ende der Händler.

Daher:
Es stünde diversen Händlern sehr gut an, an ihrer Glaubwürdigkeit zu arbeiten,
auch im Sinne ihrer Mitarbeiter.

Mal so nebenbei:
Wie müßte man sich eigentlich fühlen, wenn man z.B. als Einsteiger sich dieses
Teil damals für die besagten 1198 Euro gekauft hat?
Der Wiederverkauf macht da richtig Freude...

Viele Grüsse
Thomas
 
Re: Test besser absagen?

Freundliches Hallo,

ich lese sehr viel hier in diesem Forum und finde die Beiträge in der Regel immer sehr interessant und hilfreich.

So fch fand den Test im der Fachzeitschrift in Ordnung und besitze das TS Glas auch schon seit etwa einem Jahr. Ich bereue den Kauf nicht, da der 90° Einblick für mich ein Kaufargument war. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Für die erste Orientierung finde ich zukünftige Testbeschreibungen schon wichtig und auch hilfreich. Selbst zu einem späteren Zeitpunkt ist ein Vergleich für mich sehr interessant. Das Miyauchi gibt es ja schon etwas länger als das TS-Glas.

Mein Fazit:

Ein sehr großer Nachteil beim TS Glas ist sicherlich das Gewicht. Für 595 Euro aber doch recht günstig und somit günstiger als das Miyauchi Glas.

Ich finde nur die Preisspanne sehr merkwürdig und ärgere mich schon über den überhöhten Preis im letzten Jahr. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" />

Mein Glas werde ich weiterhin behalten. Ausserdem ist die optische Leistung im Vergleich zum Miyauchi in etwa gleich(Laut Testbeschreibung). Es hat ja auch vor dem Test super funktioniert. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Aber ich werde nie wieder zum Einführungspreis irgendwelche Artikel kaufen. Anscheinend sind Einführungspreise immer etwas teurer. Wirklich Schade. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" />

Albert
 
Re: Test besser absagen?

Wie müßte man sich eigentlich fühlen, wenn man z.B. als Einsteiger sich dieses
Teil damals für die besagten 1198 Euro gekauft hat?
Hallo Thomas,

gute Frage. Also ich würde mich irgendwie vera..... fühlen.

Deine Bemerkungen zum Verhältnis zwischen Händler und Kunde kann ich unterschreiben. Wenn man das nötige Vetrauen zu einem Händler hat, dann kauft man gern und möglicherweise auch viel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />. Dazu gehört nach meinem Geschmack auch eine vernünftige Produktwerbung. Muß ich mich jedesmal fragen, was bekomme ich denn wirklich, wenn ich das Produkt X, Y oder Z bestelle, dann war's das irgendwann ...

Frank.
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Frank,

> Wenn ich als Händler der Meinung bin, dass ein Produkt ein
> überdurchschnittliches Preis-Leistungs-Verhältnis und eine
> exzellente Qualität hat, dann würde ich den Vertrieb doch nicht
> einstellen. Oder doch?

Wohl kaum. Das funktioniert vielfach sogar ohne die exzellente Qualität, wie wir wissen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
 
Re: Test besser absagen?

Da ich ebenfalls gern den einen oder anderen Erfahrungsbericht schreibe, stelle ich mir die Frage: wie soll man mit Kritikpunkten umgehen? Soll man sie besser weglassen und nur Positives berichten? Soll man sie vorsichtig umschreiben?

Da ich selbst eine mehr als 30jährige Test-Erfahrung habe, kann ich zu diesen Fragen etwas antworten.

1. Ich war in der 70er Jahren Ressortleiter für Test und Technik beim Verbrauchermagazin DM (damals im Verlag Bärmeier & Nickel, dann Bärmeier allein). DM führte damals noch mit einer großen Mannschaft eigene Tests durch - wie heute nur noch die Zeitschrift „test” der Stiftung Warentest (bei der einige ehemalige Kollegen später gelandet sind und heute noch arbeiten). Etwa 1972 oder 1973 hatte ich einen Test aller damals in Deutschland erhältlichen ca. 35 verschiedenen Farbdia-Kleinbildfilme durchgeführt, in dem die Revue-Diafilme von Foto-Quelle u.a. wegen gravierender Mängel bei der Entwicklung (deutliche Streifenbildung nahe der Perforation) schlecht abschnitten. Mir wurde mit einer Klage gedroht (übrigens auch noch von einen anderen Filmanbieter), ich vereinbarte in Treffen in Nürnberg-Langwasser, kam mit allen meinen Belegen, mehreren Festfilmen mit normalen und Testtafel- sowie Farbtafelaufnahmen und meinen Aufnahme- und Auswertungsprotokollen, diskutierte schätzungsweise 5 bis 6 Stunden mit ebenso vielen Fachleuten von Foto-Quelle, und als ich ging, bedankte sich der Ranghöchste (ich weiß micht mehr, wer es war und welche Funktion er hatte) dafür, daß ich geholfen hatte, Mängel in der Filmverarbeitung aufzudecken und die Fehlerursachen zu finden. Wenige Tage später kam ein Brief von der obersten Etage von Foto-Quelle mit der Anfrage, ob ich evtl. interessiert sei, die Qualitätskontrolle bei Foto-Quelle zu übernehmen. Ich war daran nicht interessiert, weil das eher ein Job für einen Chemiker ist, aber ich freute mich über diese 180-Kehrtwendung vom der Klageandrohung zum Jobangebot.

2. Bereits während meiner DM-Zeit hatte ich damit begonnen, für die Fotozeitschrift ColorFoto Beiträge zur professionellen Großformatfotografie zu schreiben, dann zusätzlich über neue fototechnische und optische Entwicklungen, und als das sehr gute Resonanz fand, erhielt ich vom Verlager Joachim F. Richter das Angebot eines (später mehrfach verlängerten) 5-Jahres-Vertrages, Objektivtests für diese Zeitschrift zu machen. Ich bestand darauf, daß mir niemand - weder die Anzeigenabteilung, noch die Redaktion - hineinpfuscht, also meine Texte und Bilder inkl. Layout 1:1 übernommen werden, auch dann, wenn das Testergebnis negativ sein sollte. Im Gegenszug bot ich an, die volle Verantwortung zu übernehmen, wenn der betroffene Hersteller oder Vertrieb gerichtlich klagen sollte und/oder Schadenersatzforderungen stellte. Richter willigte ein, und es begann eine ca. 14 Jahre andauernde, für beide Seiten sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Einer meiner ersten Tests beurteilte ein Vivitar-Zoom ziemlich negativ. Es kam zur ersten Klage- und Schadenersatzandrohung. Der damalige Vivitar-Verkaufsleiter (später bei Ilford und heute im Ruhestand) war bereit zu einem Gespräch im Verlag, bei dem dann nach Vorlage meiner umfassenden Beweise, ein Bericht des Verkaufsleiters nach Santa Monica (Vorort von Los Angeles) an die Vivitar-Zentrale geschickt wurde. Folge dieses Berichts war ein 2tägiges Treffen mit mehreren Vivitar-Experten, u.a. dem damaligen Optikentwickler, in Santa Monica, an dessen Ende ich mit reichlichen Dankesworten verabschiedet wurde. Ich erhielt keinerlei Zahlungen oder sonstige „Entlohnung”, sondern es wurden nur die Flug-, Hotel- und Verpflegungskosten übernommen. Spätere Tests anderer Vivitar-Objektive fielen deshalb aber keinen Deut weniger kritisch und zum Teil ebenfalls recht negativ aus.

3. In der weiteren Folge beurteilte ich ein Zoom der heute nicht mehr existierenden Marke „Optigon” sehr negativ (Zitat: „katastrophale Schärfe”). Einen Tag nach Erscheinungstermin des Tests stand der Firmenboß des deutschen Importeurs auf der Matte und beschwerte sich bei J.F. Richter. Das Problem war, daß ein Kaufhauskonzern 2000 Stück dieses Zooms bestellt hatte und diese Objekte schon mit dem Schiff unterwegs waren, die Bestellung aber aufgrund meiner Testbeurteilung storniert wurde. Ich hatte aber, nachdem das getestete Zoom so schlecht war, ein zweites als Ersatz angefordert und erhalten, und als dieses wieder genauso schlecht war, auch noch ein drittes. Da dieses aber nicht besser als die anderen beiden war und die Seriennummern sich deutlich unterschieden (so daß auszuschließen war, daß sich bei drei auf dem Fließband aufeinanderfolgenden Objektiven derselbe Fehler wiederholt hatte), hatte ich keinen Grund mehr gesehen, die miserable Qualität auch als solche in meinem Testbericht zu benennen, der übrigens immer mit einer Vielzahl an normalen Tageslicht-, Nacht- und Testtafelaufnahmen sowie Auflösungsdiagrammen illustriert war. Die Importfirma hat als Folge der nach diesem Test auch nicht anderweitig verkäuflichen Zoomobjektive Pleite gemacht. Ich hatte das bedauert, aber sah und sehe keine Schuld bei mir. Wer miese Qualität anbietet, braucht sich nicht zu wundern, wenn das im Test nicht mit dem Mäntelchen des Schweigens zugedeckt, sondern klar und deutlich angeprangert wird.

4. Als in einem meiner weiteren Tests die hochlichtstarken Normalobjektive 1,2/50 mm, 1,2/55 mm und ähnlich getestet wurden und dort das Leica Noctilux 1,0/50 mm zur damaligen Leica M5 nicht gerade berauschend (relativ zu seinem stolzen Preis) abschnitt und ich u.a. die extreme Vignettierung bei weiter Blendenöfnung und die sehr kontrastarme Wiedergabe kritisierte und mit Bildern und Meßwerten belegte, bekam ich Ärger mit Leica, und da wurde J.F. Richter dann doch ein wenig kribbelig, denn bei dieser Firma hätte er zu fürchten gehabt, daß mir mit der geballten Kompetenz eines der auf dem Weltmarkt angesehensten Fotoherstellers das Lebenslicht als Fototester ausgeblasen werden könnte. Nun, ich fuhr von München nach Wetzlar (damals war der Umzug nach Solms noch nicht erfolgt), verbrachte dort einen vollen Tag mit ca. fünf oder sechs Optikrechnern und Managern, und Punkt um Punkt wurde mir nach Vorlage meiner Belege, zugestimmt und recht gegeben. Nur wurde jetzt ins Feld geführt, das sei ja ein Spezialobjektiv für besondere Lichtverhältnisse wie sie z.B. bei Bühnenaufnahmen, in der Available-Light-Fotografie usw. auftreten, und es dürfe daher nicht mit derselben Elle gemessen werden wie „normale” Standardobjektive. Doch ich konnte daraufhin einen Leica-Prospekt aus der Tasche ziehen, in dem dieses Noctilux als „das ideale Universalobjektiv” bezeichnet wurde. Damit war auch das letzte Argument gegen meine Testergebnisse vom Tisch, und die Stimmung blieb zwar noch ein wenig gedrückt (denn das alles mußte erst verdaut werden), aber als ich zurück in München mit dem Verleger über diese Treffen sprechen wollte, sagte es, daß er schon angerufen worden sei und man volles Vertrauen in meine Tests habe und die Sache in gutem Einvernehmen beigelegt sei. Seither stand ich mit einigen Leica-Männern in stets gutem Kontakt, nicht immer geliebt (denn es gab noch weitere Tests von Leica-Produkten, die nicht immer so gut ausfielen, wie man es sich erhoffte), aber respektiert und nie mehr nach weniger guten Testresultaten kritisiert.

Ich könnte weitere Beispiele nennen, aber das sollte schon für folgendes Fazit reichen: Wenn Tests sorgfältig und verantwortungsbewußt durchgeführt werden, darf man nicht nur, sondern man muß die festgestellten Mängel klar benennen (und freilich auch im Notfall beweisen können!). Der Tester ist nämlich nicht pimär dem Hersteller oder der Vertriebsfirma, sondern dem Leser seiner Tests zur wahrheitsgemäßen, fachgerechten, fachkundigen, sorgfältigen und eben auch kritischen Berichterstattung verpflichtet. Leider war das bei früheren Fototests nicht der Fall; da gab es gute, sehr gute und exzellente Objektive als Qualitätsabstufung, aber so gut wie nie ein mittelmäßiges oder gar ein schlechtes. Ich hatte es damals radikal und mit einem mutigen Verleger im Rücken, der mir diese Freiheit zuließ, geändert, und der Verleger wurde für seinen Mut damit belohnt, daß schon bald nach meinen ersten derartigen „Praxistests” ca. 80 bis 90% aller Leserzuschriften sich nur auf meine Tests bezogen (die im Heft aber nur monatlich ca. 10 bis 16 Seiten von weit über hundert füllten) und die verkaufte Auflage binnen etwa eines Jahres sich von ca. 80000 auf ca. 160000 verdoppelte! Der Leser hat es honoriert, die Industrie mußte sich damit abfinden, und wer mit Anzeigenentzug drohte, hatte nicht nur keine Chance der Einflußnahme, sondern mußte zum eigenen Nachteil in anderen Zeitschriften mit geringerer Auflage und geringerem Aufmerksamkeitswert inserieren.

Leider gibt es derart kritische Tests heute nicht mehr, weil der damit verbundene Aufwand nicht mehr von den Verlagen bezahlt wird. Die Tests sind dank den heute möglichen elektronischen Mitteln und Meßgeräten automatisiert und vereinfacht worden und jetzt leider ein großes Stück weiter weg von der Praxis, die wiedergegebenen Meßkurven für viele Leser sehr abstrakt, zudem auch sehr unvollständig, weil (nicht oder nur schwer automatisierbare) Messungen mancher wichtiger Parameter fehlen. Aber die heutigen Tester können immer noch von der damals von mir mit großem Aufwand erarbeiteten Freiheit der Kritik profitieren und sich mehr „herausnehmen”, als das vor meinen Tests möglich und Usus war. Leider hat aber die Schärfe der Formulierungen nachgelassen, sicher nicht zuletzt, weil manche erkannte Mängel nicht ausreichend abgesichert und belegt werden können, wenn es Spitz auf Knopf kommen sollte.

Ich möchte alle, die als Redaktuere oder freie Mitarbeiter von Astro- und sonstigen Zeitschriften Tests machen, dazu ermuntern, nicht mit Kritik zu sparen und klare Worte in den Beurteilungen zu finden. Denn das will der Leser haben, nicht um den heißen Brei reden und sich so verrenken, daß aus „schlecht” ein „nicht besonders gut“ wird. Haben denn Tests überhaupt noch eine Berechtigung, oder dürfen sie diesen Titel noch tragen, wenn sie nur positives Gelabere mit Auslassung sämtlicher Schwachpunkte sind?

Natürlich sollte man, wenn auch nur der geringste Verdacht besteht, daß ein getestetes Produkt ein Ausreißer ist, einen Defekt haben könnte o.ä., den Lieferanten kontaktieren und anhand eines oder mehrerer weiterer Exemplare sicherstellen, daß man ein für die normale Serie repräsentatives und nicht ausgerechnet das einzie Montagsprodukt unter tausend Exemplaren getestet hat. Bleibt das Ergebnis negativ, muß der Leser das als solches erfahren, auch wenn's dem Hersteller/Vertrieb weh tut.

Zum Schluß, weil vom horrenden „normalen Preis” von 1198 Euro des Apogee-Fernglases die Rede war: ich habe dieses Modell noch nie irgendwo zu diesem Preis angeboten gesehen, sondern immer nur in der Größenordnung um 700 Euro. das gilt auch für die nach wenigen Monaten unglaubwürdig gewordene Werbung in Sky & Telescope, wo als auf wenige Monate begrenzte Zeit ein Einführungspreis von, wenn ich mich recht erinnere, 699.95 $ angegeben war, der auch nach Ablauf der ursprünglich angegebenen Frist („bis Weihnachten”) unverändert blieb und noch lange Zeit danach als Einführungspreis bezeichnet wurde. Heute hat man bei immer noch 699.95 $ eine andere Floskel: „Due to the high demand we've extended the promotion. We will honor the $699.95 price with a FREE pair of eyepieces till 6-30-05”. Na also, nicht Preiserhöhung nach Ablauf der Einführung, sondern noch ein Okularpaar zusätzlich zum unveränderten Preis! Leider finde ich in meinem derzeitigen Büro-Chaos nicht das neueste, erst vor wenigen Tagen erhaltene Heft, wo das anders formuliert oder der Termin erneut hinausgeschoben oder gar noch ein zweites Paar Okulare draufgelegt sein müßte, denn der 30.6.2005 ist ja inzwischen vorbei.

Die große Nachfrage („high demand”) steht mir allerdings in gewissem Widerspruch zur Aussage von Markus Ludes, daß „der publizierte Test” (welcher eigentlich, vielleicht spricht er von einem ganz anderen, als hier allgemein vermutet wird?) den Verkauf „zerstört” habe. Sollte wirklich in den USA die Begeisterung riesig, bei uns aber auf dem Nullpunkt sein? Auszuschließen ist es nicht, aber es erscheint mir doch etwas unwahrscheinlich.

Walter E. Schön
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Herr Schön,

ein sehr lesenwertes Posting, danke.

Zum Schluß, weil vom horrenden „normalen Preis” von 1198 Euro des Apogee-Fernglases die Rede war: ich habe dieses Modell noch nie irgendwo zu diesem Preis angeboten gesehen, sondern immer nur in der Größenordnung um 700 Euro.

Da irren Sie sich leider. Das Glas wurde mit 1098 Euro eingeführt mit dem
Hinweis, daß es dann regulär 1198 Euro kosten wird. Dann kostete das Glas auch
eine Zeit 1198 Euro. Auch wurde damals, u.a. auch von mir, gefragt, warum es hier
in D 1198 Euro kostet, obwohl es in den USA bei Apogee 695$ kostet.

Zu dem horrenden Preis:
In diesem Thread wurde der Preis nicht als horrend bezeichnet. Wenn das Glas
eine dem Miyauchi mind. ebenbürtige Leistung bringen würde, wäre der Preis ja
m. E. ok. Aber es hat eben nicht diese Qualität, auch wenn es ehemals bei der
Einführung hier in einem langen Thread gerne auf diese Qualitätsstufe von mir
nicht näher bekannten Usern (oft temporäre User mit ein paar Postings)
herbeigeredet werden wollte.

Viele Grüsse
Thomas
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Frank,

auf die Gefahr hin Argumente von einigen Vorrednern zu wiederholen - meines Erachtens war der Artikel von Andreas sehr sachlich und ausgewogen geschrieben. Sollte man Fakten wie eine reduzierte Öffnung oder beschnittene Austrittspupillen nicht nennen können, bzw. vorsichtig umschreiben müssen, macht dies einen Test aus meiner Sicht überflüssig. Für potentielle Kunden sind derartige Informationen interessant und letztlich muß sich jeder selbst ein Urteil vor dem Erwerb eines Geräts bilden.

Also, bitte bleibt dran und versorgt uns weiter mit solchen Testberichten!

Uwe
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Walter,

herzlichen Dank für diesen Exkurs in die Welt der professionellen Testberichte! Ich habe Deinen Beitrag mit einem Schmunzeln und mit Interesse gelesen.

> Im Gegenszug bot ich an, die volle Verantwortung zu übernehmen, wenn der betroffene Hersteller oder Vertrieb gerichtlich klagen sollte und/oder Schadenersatzforderungen stellte.

Um das zu können, muß man über die nötige Erfahrung und ein solides Fachwissen verfügen, um sich seiner Sache auch sicher zu sein. Und das ist der Punkt, wo sich unsere Amateurzeitschriften mit ihren oft von "Laien" geschriebenen Erfahrungsberichten doch etwas von einer Zeitschrift wie Color Foto und Autoren wie Dir unterscheiden. Aufwändige Tests mit geeigneten Messverfahren sind für kleinere Zeitschriften kaum realisierbar und nicht jeder Autor ist Physiker oder Optiker, um die gemachten Erfahrungen auch theoretisch oder zumindest plausibel begründen zu können. Daher sind es dann oft Erfahrungsberichte und keine Testberichte. Aber das hat auch Vorteile, denn zu trockener Lesestoff ist auch nicht gut für die Auflagenhöhe einer Astro- (Amateur-) Zeitschrift.

> Der Tester ist nämlich nicht pimär dem Hersteller oder der Vertriebsfirma, sondern dem Leser seiner Tests zur wahrheitsgemäßen, fachgerechten, fachkundigen, sorgfältigen und eben auch kritischen Berichterstattung verpflichtet.

Das werde ich mir nachher ausdrucken und über den Monitor hängen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Klarer kann man es kaum ausdrücken und das gilt für unsere Erfahrungsberichte natürlich genauso wie für Deine Testberichte. Man sollte sich wirklich hüten, einem Hersteller, Händler oder was auch immer einen netten Bericht schreiben zu wollen. Das geht irgendwann nach hinten los und dann ist die Glaubwürdigkeit im Eimer. Gerade in Foren wie unserem könnte man so schnell Gegenstand einer Diskussionsrunde werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
„Horrender” Preis des Apogee-Fernglases

Da irren Sie sich leider. Das Glas wurde mit 1098 Euro eingeführt mit dem
Hinweis, daß es dann regulär 1198 Euro kosten wird.
Nur der Korrektheit halber: Ich habe nicht geschrieben, daß dieses Fernglas nicht zu dem hohen Preis von 1198 Euro angeboten oder verkauft worden sei, sondern nur, daß ich nicht derartige, sondern nur deutlich niedrigere Angebote gesehen habe. Ich habe mich also nicht geirrt, sondern mir sind möglicherweise die hohen Preisforderungen entgangen.

In diesem Thread wurde der Preis nicht als horrend bezeichnet.
Ich habe auch nicht gesagt, daß „in diesem Thread” der Preis als horrend bezeichnet worden sei, sondern ich selbst habe ihn so bezeichnet. Ich begründe das einerseits mit dem fraglichen Gegenwert (der ja mittlerweile hier und anderwo schon mehrfach attestiert wurde) und andererseits damit, daß ich einen seit ca. einem Jahr und nicht nur anfangs über vier Wochen noch immer als Einfühungsangebot deklarierten Preis von unter 700 Euro für wirtschaftlich möglich halte (welche Händler will sich denn selbst durch Verkaufspreise unter Einkaufspreis ruinieren), wenn gleichzeitig der reguläre, „normal” kalkulierte Preis bei 1198 Euro oder gar noch höher liegt.

Übrigens ist das Spiel mit solchen Mondpreisen in den USA wohl sehr üblich. Da werden Ferngläser, die kein einziger Laden auf der ganzen Wert für mehr als 1500 $ anbietet, skrupellos mit einem „Street Price" von z.B. 1999 $ angegeben und als eigener Preis z.B. 1399 $ mit dem Zusatz „Sie sparen 600 $” genannt. Wer's glaubt, wird selig. Mancher Händler scheint sich diese Methoden auch bei uns zu eigen machen zu wollen und erhofft sich daraus wohl Vorteile für sein Geschäft. Aber hier dürfte das weniger gut gelingen, weil man bei solchem Geschäftsgebaren das Vertrauen in die Seriosität des Händlers verliert.

Walter E. Schön
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Walter,

Die große Nachfrage („high demand”) steht mir allerdings in gewissem Widerspruch zur Aussage von Markus Ludes, daß „der publizierte Test” (welcher eigentlich, vielleicht spricht er von einem ganz anderen, als hier allgemein vermutet wird?) den Verkauf „zerstört” habe. Sollte wirklich in den USA die Begeisterung riesig, bei uns aber auf dem Nullpunkt sein? Auszuschließen ist es nicht, aber es erscheint mir doch etwas unwahrscheinlich.

mich irritiert in dem Zusammenhang das Prädikat "Hot Product 2005", das Sky & Telescope dem Fernglas verliehen hat. Wurde in S&T ein Test veröffentlicht?

c.s.

Gerrit.
 
Re: Test besser absagen?

Hallo Gerrit,

mich irritiert in dem Zusammenhang das Prädikat "Hot Product 2005", das Sky & Telescope dem Fernglas verliehen hat. Wurde in S&T ein Test veröffentlicht?

Jeweils im Dezember (Januarausgabe von S&T) werden die neuen "Hot Products" von den S&T Redakteuren vorgeschlagen. Die Veröffentlichung eines entsprechenden Test- oder Erfahrungsberichtes ist meines Wissens dafür nicht zwingend erforderlich. Ob es zum Apogee 20x88 einen Bericht in S&T gab, ist mir nicht bekannt.

Uwe

 
Zu „Hot Products“ von S&T gibt's selten Tests

Die in S&T jährlich vorgestellten „Hot Products” sind vermutlich seitens der Redaktion mit dem vordergründigen Ziel veröffentlicht, interessante (nicht notwendigerweise qualitiv gute oder gar herausragende) neue Produkte bekannt zu machen, sehr wahrscheinlich aber auch mit dem hintergründigen Ziel, die betreffenden Hersteller und Vertriebsfirmen sowie den Handel bei der Einführung dieser Produkte zu unterstützen und die Chancen für Inserate in S&T zu verbessern, ohne daß dies wie plumpe Werbung aussieht – man gibt ja keine Qualitätsbeurteilung ab! – und ohne daß S&T, wie es im Falle von Tests nötig wäre, wenn Sie dasselbe Ziel hätten, eventuell Gefahr liefe, ein mäßiges Produkt gegen besseres Wissen positiv darstellen zu müssen. Also eine, wie ich vermute, aber nicht beweisen kann, geschickte Idee (der Anzeigenakquisition?) zur „Kundenpflege".

Die allerwenigsten als „Hot Product” vorgestellten Neuheiten wurden vorher oder werden danach auch getestet. Im Falle des Apogee 20x88 kann ich mich an einen solchen Test nicht erinnern.

Walter E. Schön
 
Re: Test besser absagen?

Hallo zusammen,

weil Markus Ludes zur Zeit gesperrt ist, kann er an der Diskussion nicht teilnehmen. Ich bitte Euch, dies zu beachten. Ich habe ihm angeboten, über mich zu der Diskussion Stellung zu nehmen, was er angenommen hat. Wer gerne persönlichen Kontakt zu Markus aufnehmen möchte, kann dies auch weiterhin über PNs machen.

Clear Skies,
Stefan




Posting von Markus Ludes (MLudes):

-----------------------------------------------------------

Hallo Leute,

da ich wegen Regelverstoss gesperrt bin, ermöglicht mir Stefan auf diesem Weg meinen Kommentar abzugeben, der wie folgt aussieht.

Meine Abverkaufsanzeige , soll um Gotteswillen kein´Schuß gegen den Testberichtverfasser sein, ganz im Gegenteil, auch ich bin dafür das saubere Berichte mit allem Negativen und Positiven Info's verfasst werden, was heute leider bei viel zu wenigen Produkten geschieht, denn dann würden einige andere Dinge aufgedeckt werden.
Als das Glas durch TS auf den Markt kam, haben wir es auch ins Program aufgenommen und haben heute noch eines auf Lager , welches uns ebenfalls deutlich mehr im EK kostet als der mittlere reduzierte Preis, sodaß auch wir beim eventuellen Kauf zu den Geschädigten zählen, aber das ist nichts neues, dieses Spiel haben wir öfters bei Tele Vue erlebt und insgesamt gesehen, passiert dies gelegentlich jedem Händler der von einem Mitbewerber einkauft, damit müssen wir nun mal leben.Zurück zum Thema:

Wir kennen Scheldon Faworski, Besitzer von Apogee schon ziemlich lange und treffen ihn jedes Jahr auf der Winterstarparty. Dort sprach ich ihn wegen seines schwarzen Modelles an , wo er mit mitteilte das er die Vertretung für Deutschland bereits an V. übergeben hat, scheinbar kam jedoch nie ein Geschäft zwischen diesen beiden Parteien zustande. Vor wenigen Monaten kontaktierte mich nun Jason Faworski und fragte mich an, ob ich nun die Vertretung für diese Apogee 88 mm Gläser übernehmen wolle. Zu diesem Zeitpunkt war die Abschattung durch zu kleine Prismen bereits bekannt, sodaß ich ihn geziehlt darauf ansprach , ob sein Glas genau wie das TS Modell ebenfalls zu kleine Prismen besitzt und dadurch abschattete. Er verneinte dies und sagte Ihre Gläser haben keine Abschattung. Hier der Auszug aus meiner Frage und seiner Antwort vor Bestellung:

APM Frage:
Telescope Service sell yours and till today his one have to small prisms, so effective used aperture is less then 88 mm , are yours to small too ? or use larger prisms with no on axis vigneting ?

Apogee antwort:
Also these binoculars are set for infinity focus so there is no vignetting with these units unless the eyep is pulled out of the housing but, if that is done they are no longer set at infinity focus.


Okay ich glaubte Ihm und bestellte eine erste Sendung, die Wochen später eintraf , wonach ich dann feststellen mußte das die Gläser doch abschatten und darüberhinaus noch das Prismengehäuse los war, sodaß ich jedes Glas aufmachen mußte um innen das Prismengehäuse wieder festzuschrauben, da die Schrauben lose waren.

Als Antwort auf meine Reklamation erhielt ich folgende Antwort plus Bilder als Hilfestellung zur Fixierung der Prismengehäuse:

In order to fix the problem you have go into the prism housing and remove the prism to tighten the screws that hold the housing in place. I am checking with them on using larger prisms as well.

Wie mann sieht, hat Apogee nun zugegeben ( nachdem wir die Gläser bezahlt haben und erhalten haben) das die Prismen zu klein sind und er wollte sich drum kümmern , leider ist bis dato heute nichts geschehen.

In unserem 100 mm 45° APM Fernglas war zu Beginn ebenfalls zu kleine Prismen eingebaut, wir konnten jedoch bei unserem Hersteller durchboxen, das wir größere Prismen eingebaut bekamen, die nun nicht mehr auf der Achse vignetieren.

Nun zur Anzeige : In Rücksprache mit TS kam klar hervor , das der Verkauf der Gläser gleich null war und zwar seit dem Zeitpunkt als der Mangelbericht erschien ( nochmals ,hier kein Vorwurf an den Tester). Nun als Händler kaufen wir ein und müssen mit Gewinn verkaufen, um die Kosten zu decken, Mitarbteiter zu bezahlen etc.(nichts neues). Ein Produkt das nicht mehr verkauft werden kann , macht keinen Sinn weiter anzubieten und es macht auch keinen Sinn solche Gläser die Geld kosteten ewig auf Lager zu halten. Also macht mann einen Abverkauf, bei dem mann auf EK Niveau oder gar im schlimmsten Falle unter EK geht, denn je schneller die Investition zurückkommt, desto schneller kann mann mit dem Geld wieder Gewinne erwirtschaften und den schlamassel schnell vergessen.

Daher meine Bitte : Faire Berichte sind immer willkommen und helfen auch uns Händler Produkte zu verbesseren , zumindest solange der Hersteller mitzieht, dennoch bemängelt bitte nicht , wenn mann sich von einem Produkt trennt und dies zu einem Abverkaufspreis abgibt. Mir ist klar, das solche Abverkäufe solche Kunden schwer trifft, die zuvor teurer eingekauft haben, das gleiche Problem haben wir Händler aber auch oftmals. Wie oft kauft mann heute was alltägliches ein, was mann morgen woanders deutlich günstiger sieht.

Sollte Apogee es fertigbringen irgentwann mal das Glas ohne Vignetierung zu bekommen, lassen wir wieder mit uns reden

danke für euer Verständniss

grüße
Markus Ludes
 
Re: Test besser absagen?

Guten Morgen!

Die Diskussion hat mich sehr nachdenklich gemacht, besonders die Beiträge von Walter. Letztendlich hat sie mich dazu gebracht, den Test endgültig abzublasen und die Geräte am Samstag zurück zu schicken.

Warum?

Schon beim letzten Test der kleinen Großferngläser ist ziemlich massiv Einfluss genommen worden, und zwar genau wie Walter es geschildert hat, nämlich scharfe Formulierungen, wie z.B. "schlechte Abbildungseigenschaften" in glattere Worte zu fassen. Mir ist auch angedeutet worden, dass Druck auf IS ausgeübt worden sei, speziell im Anzeigengeschäft. Dies möchte ich aber nicht als Tatsache, sondern als Vermutung verstanden wissen, da ich es nicht beweisen kann.

Ich habe dem Druck nachgegeben und den Text in vielen Passagen geändert und gekürzt, heute bereue ich das. Vermutlich hat das Ego eine Rolle gespielt, den Bericht veröffentlicht sehen zu wollen. Natürlich kann man zwischen den Zeilen immer noch die Wahrheit erkennen, aber klare und verständliche Aussagen wären sicher für den Leser nützlicher gewesen.

Jedenfalls brauche ich solche Spielchen in meinem Privatleben nicht und möchte mich davon distanzieren.

Viele Grüße
Andreas



 
Mumm!

Hallo Walter!

Wie immer ist dein Beitrag trotz der Länge
höchst interessant und informativ.

Ein Zitat will ich hervorheben:

Ich bestand darauf, daß mir niemand - weder die Anzeigenabteilung, noch die Redaktion - hineinpfuscht, also meine Texte und Bilder inkl. Layout 1:1 übernommen werden, auch dann, wenn das Testergebnis negativ sein sollte. Im Gegenszug bot ich an, die volle Verantwortung zu übernehmen, wenn der betroffene Hersteller oder Vertrieb gerichtlich klagen sollte und/oder Schadenersatzforderungen stellte.
Hier in Spanien würde man sagen:
"¡Este hombre tiene cojones!"
Auf deutsch (etwas "entschärft") so viel wie:
"Der Mann hat Mumm!"

Wirklich bedauerlich ist, dass man sowas heutzutage
nur noch sehr selten findet, alle schauen nur danach,
dass ihnen jaa nix passieren kann.

Mehr Leute wie Walter täten dem Land gut!

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten

PS: Habe gerade erst den Beitrag von Andreas gesehen.
Kommentar: Respekt!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Test besser absagen?

Hi Frank,

ich finde die Abverkaufsbegründung überzogen.

Schon gar nicht würde mir dies das Schreiben von Erfahrungsberichten vermiesen.
Im Gegenteil, denn diese Erfahrungsberichte sollen ja informieren. Und wenn ein Produkt ein Manko hat, so soll man es auch nennen.
Wie dann der Dealer damit umgeht, entscheidet er. Nimmt er es negativ auf, feuert er die Bestände auf den Markt und fertig ist. Nimmt er die Kritik hingegen positiv gesehen an, so kann er ggf. bei Herstellern darauf aufmerksam machen und Produktverbesserungen anregen, wenn er ein entsprechendes Standing hat.

Natürlich ist keiner begeistert, wenn sein Produkt mängelbehaftet ist. Mir stellt sich bei sowas eher die Frage, ob der Mangel bekannt war oder nicht bemerkt wurde. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

CS
 
Re: Respekt!

Hallo Andreas,

ähnliches geschah mal vor einigen Jahren mit einem Testbericht über eine CCD-Kamera von Gerd Neumann, der dann im Sternkieker erschien...

Es ist schade, daß Dein Fortsetzungsartikel nicht zustande kommen wird, aber ich kann Dich auch verstehen.

Wenn Du möchtest, kannst Du gerne das Forum und/oder die Testberichtseite von astronomie.de mit dem von Dir ursprünglich geschriebenen Bericht und den ersten Erfahrungen über die Großbinos bereichern :-)

Schöne Grüße,
Stefan

 
Ebenfalls Respekt!

Hallo Andreas,

es ist schade für Interstellarum und für die Leser, dass die Diskussion zu dieser Entscheidung geführt hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />. Auf der anderen Seite kann ich Dich gut verstehen, auch mich hat der Beitrag von Walter ziemlich nachdenklich gestimmt. Wenn einem als Autor das Manuskript nicht so abgenommen wird, wie es ist, dann ist das keine besonders angenehme Situation. Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, dass von aussen Einfluss auf die Formulierung der Testergebnisse genommen wird. Was anderes ist es, wenn fachliche Fehler bemängelt werden. Aber das trifft bei Deinem Bericht nicht zu. Ich werde mir in Zukunft auch sehr genau überlegen, zu welcher "Kategorie" astronomischer Optik man noch was schreiben kann und bei welcher man die Tastatur besser in Ruhe läßt ...

Deine Entscheidung bedaure ich, für Deine offene und ehrliche Stellungnahme hast Du meinen Respekt!

Für den Fall, dass Du Dir noch ein größeres Großfernglas zulegst, schreib doch einfach einen Bericht für das Forum. Da redet Dir keiner rein und Du kannst Deine Aussagen so klar formulieren, wie Du es möchtest.

Viele Grüße, Frank.
 
Re: Test besser absagen?

>>>>>Jedenfalls brauche ich solche Spielchen in meinem Privatleben nicht und möchte mich davon distanzieren.

----------------------------------------------------------

Hallo Andreas,

selbstverstaendlich! So etwas macht man nur, solange es auch Spass macht, und der wuerde mir auch vergehen, wenn mir die Redaktion allzu sehr dazwischenfunkte. Auf einmal bist Du, der sich freundlicherweise bereit erklaert hat, den Test umsonst durchzufuehren, zwischen den Muehlsteinen. Ich hoffe nur, dass auch die Zeitschriften aus solchen Vorfaellen etwas lernen, dass naemlich die Fixierung auf Sponsoren zu Lasten der Tester (und somit der Leser) auch nach hinten losgehen kann. Wenn die das nicht checken, dann koennen sie auch gleich ein reines Werbeblatt herausgeben und das Ding umsonst in der Hauptstrasse verteilen.

Gruss,
Holger
 
Re: Ebenfalls Respekt!

Hallo Frank,

einen Bericht für das Forum kann ich nicht schreiben. Die Gläser wurden mir ja überlassen, um einen Bericht im IS zu veröffentlichen. Jetzt woanders etwas "unkontrolliert" zu präsentieren, wäre nicht fair.

Viele Grüße!
Andreas
 
Re: Test besser absagen?

Die Diskussion hat mich sehr nachdenklich gemacht, besonders die Beiträge von Walter. Letztendlich hat sie mich dazu gebracht, den Test endgültig abzublasen und die Geräte am Samstag zurück zu schicken.

Lieber Andreas,

ich bedaure es, daß du deinen Test nicht ausführst. Sowohl wir Amateure als auch die Händler brauchen solche Testergebnisse. Die Amateure, weil sie sonst ganz ohne Informationen dastehen. Die Händler, weil unentschlossene Kunden am Ende gar nichts kaufen.

Zur Einflußnahme: Wir sollten unterscheiden zwischen wirklichen Meßergebnissen (hierzu zählt auch gesehen/nicht gesehen) und subjektiven Empfindungen. Über die Formulierung letzerer muß man auch mal sprechen können zwischen Autor und Lektorat. Freilich sollte der Autor das letzte Wort haben.

Ich schreibe auch für die is (aber nicht im Testbereich) und finde, es ist eine gute Zusammenarbeit.
 
Re: Ebenfalls Respekt!

Hallo Andreas,

hier hast Du mich wohl falsch verstanden. Es ging mir nicht um den Vergleich der drei Großferngläser. Falls Du auf den Geschmack gekommen bist und ein größeres Exemplar bei Dir Zuhause einziehen sollte, kannst Du ja einen Erfahrungsbericht hier ins Forum stellen. Die Erfahrungsberichte zum eigenen (selbst gekauften) Equipment sind fürs eigene Wohlbefinden ohnehin die gesünderen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Ich will es nochmal klar sagen. Man braucht schon eine gesunde Portion Selbstbewußtsein und die nötige Courage, sich einen vergleichenden Erfahrungsbericht wie den mit diversen, aktuellen Großferngläsern aufzuladen! Die Gefahr, bei irgendwem kräftig ins Fettnäpfchen zu treten, ist nicht gerade gering. Sollte sich ein Anbieter oder wer auch immer genötigt sehen, Druck auf den Ausgang eines solchen Erfahrungsberichts ausüben zu müssen, dann wäre das dem Autor, der Zeitschrift und den Lesern gegenüber unfair und - wie man an der Diskussion sieht - auch viel zu kurz gedacht. Irgendwann spricht sich sowas rum und geholfen ist damit niemandem. Walter E. Schön hat es mit seiner Erfahrung auf den Punkt gebracht:
Ich möchte alle, die als Redaktuere oder freie Mitarbeiter von Astro- und sonstigen Zeitschriften Tests machen, dazu ermuntern, nicht mit Kritik zu sparen und klare Worte in den Beurteilungen zu finden. Denn das will der Leser haben, nicht um den heißen Brei reden und sich so verrenken, daß aus "schlecht" ein "nicht besonders gut" wird.
Berichte, die so "tiefschürfend" geschrieben sind, dass sie den Leser eher an platte Händlerwerbung erinnern, will doch nun wirklich keiner lesen. Mit dem Artikel in IS warst Du auf dem richtigen Weg - also laß Dich nicht unterkriegen! Ich fand Deinen Bericht fachlich sehr gut und es wäre schade, wenn Du wegen der Diskussion hier im Forum das Schreiben komplett aufgibst. Aus Fehlern lernt man und falls Du beim nächsten mal mit Deinem Manuskript nicht so landest, wie Du es für richtig hälst, such Dir eine Alternative, bau Dir eine Homepage oder schreibe was fürs Forum.

Bei der Gelegenheit: die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Erfahrungsberichten im VdS-Journal gibt es auch noch! Hier in den Foren wird soviel Werbung gemacht, da kann man auch mal für eine andere gute Zeitschrift werben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> ...

Frank.
VdS-Fachgruppe Amateurteleskope/Selbstbau
 
Re: Test besser absagen?

Hallo,

freut mich, dass hier mal diskutiert wird, über was man sich als Fachgruppenleiter der FG Amateurteleskope / Selbstbau laufend Gedanken macht. Wie man am Durchblättern der VdS-Journale sehen kann, gibt es dort kaum Testberichte zu finden. Schwerpunktmäßig sind es Berichte von Selbstbauern, die dort abgedruckt sind. Ich bin froh, dass Frank Schäfer redaktiontionell die Rubrik "Amateurteleskope und Ferngläser" übernommen hat und gelegentlich einen Erfahrungsbericht schreibt, sonst würde es zu diesem Thema so gut wie nichts geben.

Ich mache mir schon lange Gedanken, wie man das Problem mit den Test- und Erfahrungsberichten in den Griff bekommen könnte. Das beste wäre eigentlich doch, wenn die Leute, die solche Berichte verfassen wollen, sich in einer Fachgruppe organisieren - auch wenn sie für andere Zeitschriften wie für das VdS-Journal schreiben. Sie können sich dann untereinander austauschen und über persönlche Erfahrungen berichten, wie das z.B. hier Walter E. Schön so treffend darstellte (vielen Dank, Walter!). Warum sollten Testberichteschreiber weiterhin Einzelkämpfer sein? Warum sollten sie sich nicht einer Fachgruppe zusammenschließen? Dann werden hoffentlich nicht immer wieder die selben Fehler gemacht. Irgendwie bin ich zuversichtlich, dass sich auch solche heiklen Themen in einer Fachgruppenzusammenarbeit in den Griff bringen lassen.

Bin mal gespannt, was es hierzu für Meinungen dazu gibt.


Mit freundlichen Grüßen,
Herbert Zellhuber
www.vds-astro.de/fg-selbstbau (Fachgruppe Amateurteleskope / Selbstbau)
 
Probleme?

> Ich mache mir schon lange Gedanken, wie man das Problem mit den Test- und Erfahrungsberichten in den Griff bekommen könnte.

Hallo Herbert,

welches Problem meinst Du? Dass zu wenig Leute Berichte schreiben oder dass es Fälle gibt, wo von aussen Druck auf Zeitschrift und/oder Autor ausgeübt wird? Ich glaube nicht, dass man eins der Probleme in einer Art Fachgruppe für Autoren lösen kann. Die öffentliche Diskussion an dieser Stelle hat schon mal eins erreicht: die Leute werden aufmerksam und wissen, dass hier auch mal was im argen liegen kann. Im Zeitalter des Internet spricht sich sowas schnell herum und wenn jemand der Meinung ist, einem Autor den Bericht "verbiegen" zu müssen, so kann das ganz schnell nach hinten losgehen. Wenn solche Diskussionen Autoren helfen, ihre Meinung so schreiben zu können, wie sie das fachlich (!) für richtig erachten, dann ist doch was gewonnen.

In irgendeiner Form braucht wohl auch jede Zeitschrift eine Art "Lektor", so dass man im Fall von Schleichwerbung oder bei fachlichen Fehlern den Bericht seinem Autor zur Korrektur zurückgeben kann. Der "Lektor" kann der Redakteur selbst aber nicht der Händler sein, der das Equipment zur Verfügung stellt. Das sicherzustellen, ist eigentlich die Aufgabe der Zeitschrift oder auch eines Internetangebots wie astronomie.de. Eine Art Fachgruppe könnte insofern helfen, dass sich Leute mit der nötigen Erfahrung auf einem bestimmten Gebiet (Teleskope, Montierungen, Zubehör, ...) bereiterklären, einer Zeitschrift beim Korrekturlesen zu helfen. Dafür könnte auch die Fachgruppe Amateurteleskope/Selbstbau ein Ansprechpartner sein. Wenn ich mir unsere Mitgliederliste anschaue, so sollte es an erfahrenen Sternguckern nicht mangeln. Die Frage ist nur, wer sich für so eine Aufgabe bereiterklärt, aber das müssten wir in der Fachgruppe klären.

Wie wir zu deutlich mehr Erfahrungsberichten in den Zeitschriften kommen, weiß ich auch nicht so recht. Hier hilft wohl fürs erste nur die Werbetrommel (die für die Zeitschrift <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />) und wenn es sich endgültig herumgesprochen hat, dass das VdS-Journal für fachlich solide und händlerunabhängige Berichte bekannt ist (was ja so ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />), dann kommen hoffentlich auch mehr Autoren ...

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben