Anette_Aslan
Aktives Mitglied
Liebe Astrogemeinde,
ich hatte mal wieder die Enkelbuben zu Besuch. Mittlerweile 10, 15 und 17 Jahre alt. Allesamt leider nicht mit Omas Astrovirus infiziert, ich hoffe diese Leidenschaft entwickelt sich bei den Enkelinnen, aber das hat Zeit, die sind noch im Kindergarten oder Wiege und die Mondsichel dient in dieser Lebensphase der Maus als Knabberkäse.
Letzten Freitag den 01. November sollte des Nachts eine schwache Kaltfront Österreich überqueren, die Dämmerung wurde von einem tiefen Abendrot bei teilweise bewölktem Himmel und dunstigem Horizont eingeleitet und dieser nahm vorerst zu, so dass ich Verdacht auf Nebel hatte. Eigentlich hatte ich vor, den Jungs den Jupiter zu zeigen, vor allem deswegen, weil der Kleine (10) in der 5. Klasse das Planetensystem durchnimmt. Die Zuordnung nach dem Merkspruch: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachtwandler konnte er schon und dass der Jupiter nuuuur aus Gas besteht wollte er sich nicht ausreden lassen.
Ich haderte mit meinem inneren ... Ihr wisst schon, das Teleskop hinten im Garten aufzubauen, weil ich mit dem Wetter nicht sicher war und weil die drei auf unserer sehr einladenden neu angeschafften, ominösen Wohnlandschaft wie ein Rudel Wölfe tobten. Kreischend, schreiend, ächzend und fluchend musste der Kleine da gegen die Großen seine Kräfte messen, die Kissen flogen, die Bude wackelte, ich hatte irgendwie jetzt keinen Nerv mehr, um mühsam da allein im Garten mich der Einordnungs-und Auskühlungsprozedur meines C8 hinzugeben.... und ja der Dunst schmeichelte meinem Gewissen.
Gegen 21h dann - die Drei waren mittlerweile in Höchstform ihrer Rangelei auf dem Sofa (weil bei Oma händyfreie Zone ist), schaute ich vom Nordostbalkon ob Jupiter zu sehen sei und dieser überraschend klare Himmel motivierte mich sofort den 120/900 ed Refraktor auf die Säule, die schon ewig am Geländer installiert ist zu wuchten, denn der Planet hatte schon 15 Grad überm Nordosthorizont geschafft und strahlte knackscharf herüber, selbst der Stier und die Plejaden sahen wie ausgestanzt aus, solch eine Vorderseite einer Kaltfront hat doch meist die beste Transparenz! Ich informierte die Jungs schonmal, was sie gleich erwarten wird, sie überhörten das in ihrem Kampfeseifer und als ich Jupiter dann mit seinen vier Monden in schönster Schärfe im 42er Weiwinkel 2" Oku hatte, musste ich mehrmals mit begeisternd verlockender Aufregung in der Stimme rufen, um die Buben ans Teleskop zu locken, es brauchte ja nur 3m vom Kampfsofa bis zum Balkon .... der älteste (17) kam schnell: oh, cool Omi und ist gleich wieder zurück ins Gerammel, dann befehle ich mir den kleinen etwas energisch herbei und er bemühte sich nicht sonderlich neugierig mal doch zu gucken, ich fragte ihn, ob er denn die vier Monde sehen könne und wollte so erzählten, wie Galilei diese auch erstmals als erster Mensch überhaupt durch sein Teleskop sah ...
"Ja, ich kann sie sehen Omi ... aber der ist ein Gasball ....!!!! Und nix wie ab zurück in die Kampfarena. Der mittlere (15) kam herbeigeschlurft und hatte so diese Probleme richtig durchs Okular zu schauen, bis er endlich was sah.....oh, ich sehe ihn, voll cool ey Omi .... und abgetreten.
Dann vergrößerte ich den Anblick bis ins 8mm Okular und man konnte trotz Horizontnähe schon ganz gut die roten Bänder des Planeten sehen. Ich war über diese Transparenz doch schwer begeistert, das wäre die Nacht der Nächte gewoden. Ich rief mir den Hals bald kratzig und zitierte mir alle drei wieder ans Okular, damit sie diese Bänder sehen .... der mittlere sah wieder nix, der kleine konnte damit nichts anfangen und der Große war erstaunt, dass man die durchs Teleskop doch sehen kann.
Dann zeigte ich den Matschfleck der Plejaden und löste diese im 42mm okularfüllend auf, ein prachtvoller Anblick, nadelscharf auf tiefschwarzem Grund, mein Astroherz schlug höher .... die Buben fanden diesen Anblick auch schön, vor allem weil die Plejaden mit bloßem Auge eben nur ein Matschfleck sind. Ich erklärte dem ältesten Buben, dass die bei Langzeitbelichtung in einem magisch blauem Nebel erscheinen und aus ihm sprudelten dann allerlei Informationen bezüglich der Spektralanalyse des blauen Lichts heraus, dass man mit Hilfe der Spektralanalyse auch die Entfernung der Sterne im Weltraum messen könne und welche Wellenlängen welche Lichtfarben so haben .... Jungs!!!! Sie sind anders als Mädels, vollkommen! Ich war freudig überrascht und total verblüfft.
Der Kleine wollte dann noch Aliens sehen, weil ich damit aber überfordert war, landete er gleich wieder auf der ominösen Wohnlandschaft zum weiterkämpfen .... ich packte den Refraktor ein, den ich für solche schnellen Sachen hoch schätze, der C8 wäre am Planeten allemal besser gewesen, doch war ich mir nicht sicher, was mit dem passiert wäre, wenn der da nun 2h auf dem Geländer zur Auskühlung hätte warten müssen.
Sonntagfrüh um 3h in aller Herrgottsfrühe mussten die Drei zum Flughafen gebracht werden, Orion, der große Hund, die Plejaden, der Fuhrmann, die Zwillinge, Jupiter und Mars standen wie ausgestanzt bei schönstem, traumhaften Astronomen-KaltfrontrückseitenWetter .... müde bis in die Knochen wollte ich den Jungs noch freudig erklären, was da oben so kristallklar auf uns herabstrahlt, doch wirkten die irgendwie wie ferngesteuerte Hüllen ...
Mit müden Grüssen von Anette
ich hatte mal wieder die Enkelbuben zu Besuch. Mittlerweile 10, 15 und 17 Jahre alt. Allesamt leider nicht mit Omas Astrovirus infiziert, ich hoffe diese Leidenschaft entwickelt sich bei den Enkelinnen, aber das hat Zeit, die sind noch im Kindergarten oder Wiege und die Mondsichel dient in dieser Lebensphase der Maus als Knabberkäse.
Letzten Freitag den 01. November sollte des Nachts eine schwache Kaltfront Österreich überqueren, die Dämmerung wurde von einem tiefen Abendrot bei teilweise bewölktem Himmel und dunstigem Horizont eingeleitet und dieser nahm vorerst zu, so dass ich Verdacht auf Nebel hatte. Eigentlich hatte ich vor, den Jungs den Jupiter zu zeigen, vor allem deswegen, weil der Kleine (10) in der 5. Klasse das Planetensystem durchnimmt. Die Zuordnung nach dem Merkspruch: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachtwandler konnte er schon und dass der Jupiter nuuuur aus Gas besteht wollte er sich nicht ausreden lassen.
Ich haderte mit meinem inneren ... Ihr wisst schon, das Teleskop hinten im Garten aufzubauen, weil ich mit dem Wetter nicht sicher war und weil die drei auf unserer sehr einladenden neu angeschafften, ominösen Wohnlandschaft wie ein Rudel Wölfe tobten. Kreischend, schreiend, ächzend und fluchend musste der Kleine da gegen die Großen seine Kräfte messen, die Kissen flogen, die Bude wackelte, ich hatte irgendwie jetzt keinen Nerv mehr, um mühsam da allein im Garten mich der Einordnungs-und Auskühlungsprozedur meines C8 hinzugeben.... und ja der Dunst schmeichelte meinem Gewissen.
Gegen 21h dann - die Drei waren mittlerweile in Höchstform ihrer Rangelei auf dem Sofa (weil bei Oma händyfreie Zone ist), schaute ich vom Nordostbalkon ob Jupiter zu sehen sei und dieser überraschend klare Himmel motivierte mich sofort den 120/900 ed Refraktor auf die Säule, die schon ewig am Geländer installiert ist zu wuchten, denn der Planet hatte schon 15 Grad überm Nordosthorizont geschafft und strahlte knackscharf herüber, selbst der Stier und die Plejaden sahen wie ausgestanzt aus, solch eine Vorderseite einer Kaltfront hat doch meist die beste Transparenz! Ich informierte die Jungs schonmal, was sie gleich erwarten wird, sie überhörten das in ihrem Kampfeseifer und als ich Jupiter dann mit seinen vier Monden in schönster Schärfe im 42er Weiwinkel 2" Oku hatte, musste ich mehrmals mit begeisternd verlockender Aufregung in der Stimme rufen, um die Buben ans Teleskop zu locken, es brauchte ja nur 3m vom Kampfsofa bis zum Balkon .... der älteste (17) kam schnell: oh, cool Omi und ist gleich wieder zurück ins Gerammel, dann befehle ich mir den kleinen etwas energisch herbei und er bemühte sich nicht sonderlich neugierig mal doch zu gucken, ich fragte ihn, ob er denn die vier Monde sehen könne und wollte so erzählten, wie Galilei diese auch erstmals als erster Mensch überhaupt durch sein Teleskop sah ...
"Ja, ich kann sie sehen Omi ... aber der ist ein Gasball ....!!!! Und nix wie ab zurück in die Kampfarena. Der mittlere (15) kam herbeigeschlurft und hatte so diese Probleme richtig durchs Okular zu schauen, bis er endlich was sah.....oh, ich sehe ihn, voll cool ey Omi .... und abgetreten.
Dann vergrößerte ich den Anblick bis ins 8mm Okular und man konnte trotz Horizontnähe schon ganz gut die roten Bänder des Planeten sehen. Ich war über diese Transparenz doch schwer begeistert, das wäre die Nacht der Nächte gewoden. Ich rief mir den Hals bald kratzig und zitierte mir alle drei wieder ans Okular, damit sie diese Bänder sehen .... der mittlere sah wieder nix, der kleine konnte damit nichts anfangen und der Große war erstaunt, dass man die durchs Teleskop doch sehen kann.
Dann zeigte ich den Matschfleck der Plejaden und löste diese im 42mm okularfüllend auf, ein prachtvoller Anblick, nadelscharf auf tiefschwarzem Grund, mein Astroherz schlug höher .... die Buben fanden diesen Anblick auch schön, vor allem weil die Plejaden mit bloßem Auge eben nur ein Matschfleck sind. Ich erklärte dem ältesten Buben, dass die bei Langzeitbelichtung in einem magisch blauem Nebel erscheinen und aus ihm sprudelten dann allerlei Informationen bezüglich der Spektralanalyse des blauen Lichts heraus, dass man mit Hilfe der Spektralanalyse auch die Entfernung der Sterne im Weltraum messen könne und welche Wellenlängen welche Lichtfarben so haben .... Jungs!!!! Sie sind anders als Mädels, vollkommen! Ich war freudig überrascht und total verblüfft.
Der Kleine wollte dann noch Aliens sehen, weil ich damit aber überfordert war, landete er gleich wieder auf der ominösen Wohnlandschaft zum weiterkämpfen .... ich packte den Refraktor ein, den ich für solche schnellen Sachen hoch schätze, der C8 wäre am Planeten allemal besser gewesen, doch war ich mir nicht sicher, was mit dem passiert wäre, wenn der da nun 2h auf dem Geländer zur Auskühlung hätte warten müssen.
Sonntagfrüh um 3h in aller Herrgottsfrühe mussten die Drei zum Flughafen gebracht werden, Orion, der große Hund, die Plejaden, der Fuhrmann, die Zwillinge, Jupiter und Mars standen wie ausgestanzt bei schönstem, traumhaften Astronomen-KaltfrontrückseitenWetter .... müde bis in die Knochen wollte ich den Jungs noch freudig erklären, was da oben so kristallklar auf uns herabstrahlt, doch wirkten die irgendwie wie ferngesteuerte Hüllen ...
Mit müden Grüssen von Anette