Jungs und Jupiter

Anette_Aslan

Aktives Mitglied
Liebe Astrogemeinde,
ich hatte mal wieder die Enkelbuben zu Besuch. Mittlerweile 10, 15 und 17 Jahre alt. Allesamt leider nicht mit Omas Astrovirus infiziert, ich hoffe diese Leidenschaft entwickelt sich bei den Enkelinnen, aber das hat Zeit, die sind noch im Kindergarten oder Wiege und die Mondsichel dient in dieser Lebensphase der Maus als Knabberkäse.

Letzten Freitag den 01. November sollte des Nachts eine schwache Kaltfront Österreich überqueren, die Dämmerung wurde von einem tiefen Abendrot bei teilweise bewölktem Himmel und dunstigem Horizont eingeleitet und dieser nahm vorerst zu, so dass ich Verdacht auf Nebel hatte. Eigentlich hatte ich vor, den Jungs den Jupiter zu zeigen, vor allem deswegen, weil der Kleine (10) in der 5. Klasse das Planetensystem durchnimmt. Die Zuordnung nach dem Merkspruch: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachtwandler konnte er schon und dass der Jupiter nuuuur aus Gas besteht wollte er sich nicht ausreden lassen.

Ich haderte mit meinem inneren ... Ihr wisst schon, das Teleskop hinten im Garten aufzubauen, weil ich mit dem Wetter nicht sicher war und weil die drei auf unserer sehr einladenden neu angeschafften, ominösen Wohnlandschaft wie ein Rudel Wölfe tobten. Kreischend, schreiend, ächzend und fluchend musste der Kleine da gegen die Großen seine Kräfte messen, die Kissen flogen, die Bude wackelte, ich hatte irgendwie jetzt keinen Nerv mehr, um mühsam da allein im Garten mich der Einordnungs-und Auskühlungsprozedur meines C8 hinzugeben.... und ja der Dunst schmeichelte meinem Gewissen.

Gegen 21h dann - die Drei waren mittlerweile in Höchstform ihrer Rangelei auf dem Sofa (weil bei Oma händyfreie Zone ist), schaute ich vom Nordostbalkon ob Jupiter zu sehen sei und dieser überraschend klare Himmel motivierte mich sofort den 120/900 ed Refraktor auf die Säule, die schon ewig am Geländer installiert ist zu wuchten, denn der Planet hatte schon 15 Grad überm Nordosthorizont geschafft und strahlte knackscharf herüber, selbst der Stier und die Plejaden sahen wie ausgestanzt aus, solch eine Vorderseite einer Kaltfront hat doch meist die beste Transparenz! Ich informierte die Jungs schonmal, was sie gleich erwarten wird, sie überhörten das in ihrem Kampfeseifer und als ich Jupiter dann mit seinen vier Monden in schönster Schärfe im 42er Weiwinkel 2" Oku hatte, musste ich mehrmals mit begeisternd verlockender Aufregung in der Stimme rufen, um die Buben ans Teleskop zu locken, es brauchte ja nur 3m vom Kampfsofa bis zum Balkon .... der älteste (17) kam schnell: oh, cool Omi und ist gleich wieder zurück ins Gerammel, dann befehle ich mir den kleinen etwas energisch herbei und er bemühte sich nicht sonderlich neugierig mal doch zu gucken, ich fragte ihn, ob er denn die vier Monde sehen könne und wollte so erzählten, wie Galilei diese auch erstmals als erster Mensch überhaupt durch sein Teleskop sah ...
"Ja, ich kann sie sehen Omi ... aber der ist ein Gasball ....!!!! Und nix wie ab zurück in die Kampfarena. Der mittlere (15) kam herbeigeschlurft und hatte so diese Probleme richtig durchs Okular zu schauen, bis er endlich was sah.....oh, ich sehe ihn, voll cool ey Omi .... und abgetreten.
Dann vergrößerte ich den Anblick bis ins 8mm Okular und man konnte trotz Horizontnähe schon ganz gut die roten Bänder des Planeten sehen. Ich war über diese Transparenz doch schwer begeistert, das wäre die Nacht der Nächte gewoden. Ich rief mir den Hals bald kratzig und zitierte mir alle drei wieder ans Okular, damit sie diese Bänder sehen .... der mittlere sah wieder nix, der kleine konnte damit nichts anfangen und der Große war erstaunt, dass man die durchs Teleskop doch sehen kann.

Dann zeigte ich den Matschfleck der Plejaden und löste diese im 42mm okularfüllend auf, ein prachtvoller Anblick, nadelscharf auf tiefschwarzem Grund, mein Astroherz schlug höher .... die Buben fanden diesen Anblick auch schön, vor allem weil die Plejaden mit bloßem Auge eben nur ein Matschfleck sind. Ich erklärte dem ältesten Buben, dass die bei Langzeitbelichtung in einem magisch blauem Nebel erscheinen und aus ihm sprudelten dann allerlei Informationen bezüglich der Spektralanalyse des blauen Lichts heraus, dass man mit Hilfe der Spektralanalyse auch die Entfernung der Sterne im Weltraum messen könne und welche Wellenlängen welche Lichtfarben so haben .... Jungs!!!! Sie sind anders als Mädels, vollkommen! Ich war freudig überrascht und total verblüfft.

Der Kleine wollte dann noch Aliens sehen, weil ich damit aber überfordert war, landete er gleich wieder auf der ominösen Wohnlandschaft zum weiterkämpfen .... ich packte den Refraktor ein, den ich für solche schnellen Sachen hoch schätze, der C8 wäre am Planeten allemal besser gewesen, doch war ich mir nicht sicher, was mit dem passiert wäre, wenn der da nun 2h auf dem Geländer zur Auskühlung hätte warten müssen.
Sonntagfrüh um 3h in aller Herrgottsfrühe mussten die Drei zum Flughafen gebracht werden, Orion, der große Hund, die Plejaden, der Fuhrmann, die Zwillinge, Jupiter und Mars standen wie ausgestanzt bei schönstem, traumhaften Astronomen-KaltfrontrückseitenWetter .... müde bis in die Knochen wollte ich den Jungs noch freudig erklären, was da oben so kristallklar auf uns herabstrahlt, doch wirkten die irgendwie wie ferngesteuerte Hüllen ...
Mit müden Grüssen von Anette
 
Hallo Anette,

danke für diesen ausführlichen Bericht und ich kann dich so gut verstehen.
Selbst so begeistert aber die Jugend lässt sich da kaum mit beeindrucken.

Auch dieses übertriebene Herumtoben und auf Sofas herumspringen durften meine Kinder selbst zu Hause nicht und schon gar nicht bei den Großeltern.
Aber wenn ich da jetzt die aktuelle Elterngeneration mit den Kleinen sehe, meine Güte ....

Gruß,
Holger
 
Anstelle einer Wohnlandschaft, wie man ominöse Sofas heute nennt, wäre eine Hüpfburg wohl besser gewesen .... naja, sie kommen liebend gern und dürfen liebend gern auch wieder gehen, nix als Liebe von Anfang bis Ende....früher gabs die Omakissen mit dem deutschen Knick in der Mitte .... wehe, wehe das hat einer verrückt oder zerdrückt .... ich weis ... ich hätte lieber ne Omma mit einem Teleskop gehabt ... :love::ROFLMAO:
 
Hi,
woher weißt du das mit dem Knick im Omakissen ?? Wo du meine Oma doch gar nicht kennst :LOL: (bzw gekannt hast)
Ansonsten, tja, die Kids sind heute von den Games mit abgefahrener 3D Grafik einfach zu verwöhnt, da kann der -zudem noch ungeübte - Blick mit dem eigenen Auge nicht mehr mithalten. Tja, andere Zeiten, da kannste machen nix.
Aber das nächste Mal weißt du bescheid, du kannst dich dann seelenruhig in den Garten hinters Teleskop verkrümeln, während die Enkel in der guten Stube das Sofa zerlegen :)
VG CptB
 
In der Pubertät hatte ich null Bock auf Astro gehabt. Wir hatten Boxhandschuhe und den Boxsack vom Opa in der Bude hängen. Vorher und nachher ging's! Das lässt hoffen :)
 
Jau, heute haben die Kinder eh zu wenig Bewegung, die hängen ja nur vorm Computer oder am Smartphone. Wenn du also deine Wohnlandschaft opferst, um dieses Bewegungsdefizit auszugleichen, dient es dem guten Zweck. Und vielleicht gibt's dann auch von der Krankenkasse einen Bonus, bzw einen Zuschuss für eine neue Wohnlandschaft.
:cool:
VG CptB
 
Ich habe mir den Kleinen dann vors Stellarium - Programm beordert. Um ihm erstmal weg von der abstrakten Darstellung des Schulbuchsonnensystems zu bekommen, denn damit lernt man nicht den Sternenhimmel kennen und lieben. Den lernt man nur mit der sinnlichen Wahrnehmung kennen, dass man die Erde als das was sie einem eben sinnlich erscheint einzuteilen versteht, als Scheibe also, mit Himmelsrichtungen, Meridian und Ekliptik. Dann habe ich mal die Zeit vor und zurücklaufen lassen, um den Stand der Sonne, das Auf-und Untergehen der Sternbilder und Planeten zu verstehen. Wir hatten früher im Schulatlas zum Thema Astronomie auch nur die Abbildung des Sonnensystems, da lernt man nicht, wie man eine Sternkarte anwendet oder überhaupt ein Gefühl für den sphärischen Raum über uns. Auf diese Weise hielt er doch ein wenig inne und schaute sich das gerne an. Aber mit 10 ist das alles noch viel zu abstrakt, wenn überhaupt geht das ab 12 so los, wie bei mir damals, traurigerweise als einziger Mensch in meiner Klasse - mit dem Hobby war ich ganz einsam und allein, das hat niemanden interessiert.

Astronomie wurde in westdeutschen Schlulen sträflich vernachlässigt und nur am Rande gelehrt, manche Gymnasien hatten engagierte Lehrer, die dann den Bau einer Sternwarte organisierten. Aber das war rühmliche Ausnahme. In der alten DDR hatten viele Schulen den Telementor als Ausstattung und dort gab es gut aufgestellten Astronomieunterricht, sehr patriotisch der russischen Weltraum-Geschichte zu verdanken. Das befeuerte die Jugend auch, da mal aufzupassen. Aber was die heute alles so beherrschen: Gleichzeitig Trettroller fahren, mit einer Hand am Lenker, mit der anderen das Gesicht aufm Händy und die kleine Cousine steht da auch noch mit aufm Roller und hält sich in rasanter Fahr am Lenker fest. Das ist doch akrobatische Höchstleitung ;):eek::LOL: Vielleicht beherrschen die dann mal doch ein Raumschiff?
LG von Anette
 
Mit der Sternkarte aus dem Schulatlas habe ich mir mit 14 Jahren die Sternbilder beigebracht und diese dann auch am Himmel aufgesucht. Eine solche Sternkarte musste dann auch für meine ersten Bastelversuche für eine drehbare Sternkarte herhalten.
 
Genau, diese Sternkarte hinten im Buchdeckel, kopieren konnte ich sie ja nicht, nur ansehen .... und als die ersten Schulbücher rausgeschmissen wurden oder verschenkt an Schüler hatte ich dann schon die drehbare von Kosmos mit nachtleuchtenden Sternen, die fand ich ungemein praktisch, denn da in der Dunkelheit sieht man sie ja nicht und Rotlicht hatte ich keines. Was wäre ich abgehoben, wenn ich gesehen hätte, was es heute für Planetariumsprogramme gibt ..... und wenn man so völlig allein ist auf diesem Gebiet, ist man schon oft auch hinten dran....da bräuchte man einen Erwachsenen, der sich auskennt und einem ein paar Tips gibt .... das war leider nie der Fall. Dieses Forum hier hat mir vor vielen, vielen Jahren unglaublich auf die Sprünge geholfen. Wenn es sowas schon gegeben hätte, ach ... ich wäre einmal mit Sputnik um die Erde ....;):cool:
 
Hallo,

Boxen und Astronomie schließen sich nicht gegenseitig aus! Mit Boxen und sonstigem Leute hauen beschäftige ich mich seit gut 60 Jahren, da hing ich aber schon seit 2 Jahren regelmäßig in der Sternwarte. Heute betreibe ich beides noch gerne aktiv, weil es schön ist.

CS Gerhard
 
Ich hab seinerzeit die Weltkarte aus dem Atlas gepaust und das Blatt dann zu einer Tonne umgeschlagen und hinten im Pazifik zusammengeklebt..oben und unten Deckel drauf und fertig.
Die Erde ist eine Tonne!
Das zur Überbrückung bis ich zu Weihnacht einen Globus bekam.
 
Mit Kosmos-Sternkarten konnte ich mich nie anfreunden. Die schreiben Capella immer mit K, das kommt aber nicht von Kapelle, sondern von Ziege (Capra). Hier im Forum stört es mich auch, dass die Schreibweise mit C immer rot untermalt wird, als wäre es falsch geschrieben. Noch schlimmer finde ich Castor mit K, als würde es von Kasten kommen.
Der zweite Grund ist, dass deren Sternkarten immer auf den Weißwurscht-Äquator eingerichtet sind. Wega ist dann nicht zirkumpolar wie hier im Norden.
 
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Das ist mir noch nie aufgefallen Helmut. Ich habe noch diese alte, halb zerfallene, muss ich doch mal untersuchen. Meinst du den 50sten Breitengrad mit Grenze zu Bayern?
LG von Anette
 
Ja, den meine ich. Vielleicht bin ich da auch zu pingelig, aber Wega im Norden gehört für mich zum Winter. Die sehe ich sogar trotz starker Lichtverschmutzung durch Hamburg. Außerdem ist der 50. wirklich nicht die Mitte von Deutschland. Aber egal, bei selbstgebastelt, kann ich ja meinen Ort selbst bestimmen.

Aber zurück zum Thema. Eine Nichte von mir, so 12 Jahre alt, hat mal Interesse an der Astronomie gezeigt und ich habe ihr ein Spektiv überlassen. Sie wohnte damals in richtig dunkler Umgebung an der Nordseeküste. Aber weder von irgendwelchen astronomischen Sachen, noch vom Spektiv habe ich je wieder gehört.
 
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Hallo Helmut,
ich benutzte noch meine alte drehbare Sternkarte aus DDR Zeiten vom Verlag für Lehrmittel Pössneck. Die haben wir im Astronomieunterricht verwendet. Auch da sind beide C- Sterne mit K geschrieben.
Diese Sternkarte ist für die geographische Breite von Berlin gerechnet. Sie wurden aber auch in Westdeutschland vom Kosmos Verlag Stuttgart vertrieben. Vielleicht kannst du noch so eine bei ebay kleinanzeigen bekommen? Die originale DDR hat eine messingfarbene Niete und die westdeutsche eine kupferfarbene Niete.

VG Frank
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Abend in die Runde!

Zum Thema Astronomie mit Kindern möchte ich ein schönes Erlebnis teilen: Vor ein paar Wochen habe ich meinen beiden Kindern (4 und 6) im Urlaub durch einen Telementor bei 84x einen ziemlich kleinen Saturn gezeigt. Ich selbst konnte mit ein wenig Übung gerade so auf einer Seite durch den Ring schauen und auf dem Ring ein Stück Schatten sehen, ansonsten war es vor allem eine durchgestrichene Kugel. Mein sechsjähriger Sohn hat eine Weile durchs Okular geschaut, dann zu mir geguckt und mit einem Strahlen im Gesicht gesagt: „So habe ich das ja noch nie gesehen.“ Danach hat er geduldig weiter geschaut, bis er Titan, der ganz schwach zu sehen war, entdeckt hat. Beim Schlafengehen, hat er mich dann gefragt, ob die Planeten nicht auch Phasen haben müssten wie der Mond und warum die Gasplaneten rund sind…
Auch scheinbar unspektakuläre Bilder im Teleskop können also durchaus etwas bei Kindern auslösen und begeistern. :giggle:

Ich schreibe das auch, weil ich nicht mag, wenn immer gleich über die „Kinder von heute“ geschimpft wird. ;)

Freundliche Grüße,
Felix
 
Hi Felix,
für einen 6 jährigen Bub wirklich sehr bemerkenswert.

Eigentlich wollte ich ja nicht so verstanden werden, dass ich über meine Enkel oder die Jugend von heute nun schimpfe (Goethe meinte einmal: zu keinem Zeitpunkt wird über die Jugend von heute so sehr geschimpft wie in der Gegenwart), nur im Zusammenhang mit der Leidenschaft bezüglich der Astronomie, sowie das bei mir als Kind der Fall war und bei den meisten hier im Forum, kam von ihnen da leider kein Anzeichen rüber, was mich als Erbe der Großmutter natürlich sehr gerührt hätte. Ansonsten sind diese wilden Jungs ja wirklich in Ordnung. Sie dürfen ja auch rumtoben, sollen sie auch ganz unbedingt. Alle drei sind in Sportvereinen mit grosser Leidenschaft dabei. Da liegen die Interessen halt einfach wo anders. Aber wenn man so als Vorfahre so noch miterleben kann, dass einer der Sprösslinge irgendwie ähnliche Interessen hat, ist das schon sehr rührend und erfreut einen ja. Ich würd so gerne dann mein ganzes Astroequiptment vererben wollen. Bis die Enkelinnen mal so weit sind, werd ich wohl nicht mehr da sein.
LG von Anette
 
Liebe Anette,
meine Bemerkung bezog sich eher auf die Nachfolgenden Kommentare.

Wie Du selbst über Deine Enkel schreibst, finde ich ziemlich sympathisch. Auch dass sie auf Deinem Sofa toben dürfen. ;)

Und scheinbar war ja auch einiges an Wissen da und immerhin haben sie sich alle zu einem Blick durchs Okular hinreißen lassen. Dass die Interessen unterschiedlich sind, ist eben so.

Gerade darum finde ich es blöd von solchen Einzelerlebnissen auf den Charakter einer Generation zu schließen.

Weiter viel Freude beim Teilen Deiner Freude mit der nachfolgenden Generation!

Herzlich,
Felix
 
Hi,
hmm.. ich sehe hier nicht, dass über die "Kinder von heute" geschimpft wurde, es steht natürlich jedermann frei, selbiges in die Posts hineinzuinterpretieren ;)

Was meines Erachtens aber oft übersehen wird, ist, dass "die Kinder von heute" eben heute gross werden, und nicht zu der Zeit, in der ihre Eltern oder Grosseltern Kind waren. D.h. dass alles, was in der Zwischenzeit an neuen Entwicklungen passiert/entstanden ist, beeinflusst natürlich die Interessen der Heranwachsenden, bzw. noch mehr natürlich die Art, wie die Interessen dann heute betrieben und gelebt werden.
Parallel dazu ist es natürlich immer auch eine individuelle Frage, für was sich jemand interessiert, aber das versteht sich ja von selbst.

In die umgekehrte Richtung geschaut, sind die Erwachsenen -ob man's will od. nicht- ebenso durch ihre Zeit geprägt. Ein anderes, berühmte Beispiel ist ja die Modelleisenbahn. Wie viel Kinder (v.a. meiner Generation) haben eine geschenkt bekomme, weil eigentlich der Vater damit spielen wollte, er vielleicht in seiner Kindheit eine haben wollte und keine bekam, o.ä. :)

Es ist natürlich immer gut, Kinder grundsätzlich an vieles heranzuführen, einfach zeigen, was es alles gibt. Was sie davon aufnehmen, und wie, entscheiden sie allerdings selbst.

VG CptB
 
Wenn es nicht so gemeint war, umso besser!

Vielleicht könnten wir hier in Zukunft von Zeit zu Zeit Erlebnisse zum Thema „Astronomie mit Kindern“ teilen, oder Gedanken, wie man junge Menschen für das Thema begeistern kann.

Herzliche Grüße,
Felix
 
Schrägerweise war es übrigens bei mir ganz andersrum. Ein Nachbar hatte mal ein kleines Fernrohr auf dem Balkon stehen, wird wohl ein 60mm Refraktor gewesen sein, vermute ich heute rückblickend. Ich war neugierig, und mein Vater fragte, ob ich da auch mal 'rüber kommen und durchschauen darf.
Zu sehen gabs Saturn, eine kleine gelbe Kugel, mit Ring , ohne weitere Details wie z.B. Cassini-Teilung, zumindest nicht dass ich mich erinnere.
Damit war mein Interesse von 0 auf 100 geweckt, allerdings waren meine Eltern nicht so begeistert darüber. Sie befürchteten, dass ich ein "Nerd" werden könnte, auch wenn's den Begriff damals noch nicht gab :LOL:. Ich war also weitgehend auf mich allein gestellt, suchte mir mein Wissen aus Büchern zusammen, was nicht einfach war, weil z.B. schnell mathematisches Wissen nötig war, dass zu der Zeit in der Schule noch nicht dran war. In diesen Themen konnte mir meine Eltern auch nicht weiterhelfen.
Der Weg zum Nerd war also nicht mehr zu stoppen, irgendwann haben das auch meine Eltern gemerkt, aber es dauerte noch etliche Jahre, bis ich ein richtiges Fernrohr bekam.
Tja, alles lange her ...
Aber vielleicht erklärt das etwas meine Grundhaltung, dass ich immer schmunzle, wenn versucht wird, Kindern etwas nahe zu bringen, Interesse für etwas zu befördern . Es ist eben auch - sicher nicht nur bei mir- oft genug umgekehrt, Kinder finden etwas toll, auf das die Erwachsenen nie selbst gekommen wären.
VG CptB
 
Ich war mit 12, 13 auf Heinz Habers Sendung über unseren Blauen Planeten Anfang der 70er sowas von total abgefahren, will sagen bis in alle Poren fasziniert und so bekam ich zum Geburtstag das Buch "Unser Blauer Planet" von Heinz Haber. Allein der Geruch beim Auspacken dieses "NewPrints" lies mich glauben, dass Wissenschaft einen solchen Duft haben müsse, ich habe dieses Buch abgöttisch geliebt und das kurioseste ist, dass ich in diesem Buch zum ersten mal im Leben Sterne am Himmel wahrgenommen habe! Dort gab es Aufnahmen von der Milchstrasse und sonstige Grossfeldsternaufnahmen, welche mich in ihren Bann zogen. Neugierig schaute ich dann sehr spät Abends mal raus und sah die Sterne am Himmel funkeln, ich konnte es nicht fassen. Warum das so war, lag an der deutschen Sandmännchenkultur. Um Punkt 19h landeten brave deutsche Kinder nach dem Sandmännchen (Hüben wie Drüben) in der Kiste. Und als Mädel nach der Dämmerung noch raus ... unmöglich. Also habe ich das bis zum 12 oder 13. Lebensjahr total verpasst, was Nachts am Himmel abgeht. Alsbald bekam ich dann meinen ersten Quelle Weltblick 60/700 Refraktor und dieser Geruch dieses Refraktors zusammen mit Heinz Habers Buch umnebelten mich schon wieder mit wissenschaftlichem Odeur. Vom Taschengeld kamen dann diese kleinen Delphin Himmelskunde und Sternkunde Büchlein. Ich war also wirklich schon infiziert, unheilbar sogar. Aber als Mädel mit Brille und immer wissbegierig hatte man damals nicht viel Zuspruch unter Jugendlichen. Ich habe so mitbekommen, dass die meisten Astros eher introvertierte Leute sind und sich nicht gern zerstreuen mögen in der Masse, im Jubel und Trubel.
Auch das spielt bei diesem Hobby scheinbar eine Rolle. Es gab Leute, die hatten richtig Angst, durchs Okular zu schauen habe ich erlebt. Diese Tiefe und Stille des Weltalls hatte ihnen Furcht eingeflöst. Bei mir ist das genau umgekehrt, Krach und zuviel Hintergrundgeräusche wie unablässig Musik oder Glotze würden mich total verrückt machen. So ganz stille Kinder gibt es heute immer weniger, weil die modernen Medien ja jeden umspülen und in seinen Bann ziehen, bis zur Erschöpfung. Aber gut, die Zukunft braucht wohl solche um-modellierten Gehirne, die werden jetzt gebastelt und diese Kids drücken dann auf den Knopf ihres Smart-Teleskopes und haben DeepSky Fotos erster Klasse auf ihrem Screen, die sie nur noch in Hochglanz zum Poster ausdrucken müssen. Wie hätte ich das damals je träumen können - einfach auf einen Kopf drücken und millionen mal bessere Bilder als Heinz Haber in seinem Buch hatte, selbst herzustellen, vom Balkon aus.... nein, das hätte mir keiner erzählen können, das wäre absolut Science Fiction ....
LG von Anette
 
Selbst wurde ich mit 14 mit dem Astro-Virus infiziert. Ein Tasco 50/500 war da mit beteiligt. Nach zwei Jahren abgelöst durch einen 114/900 Newton.

Meine Erfahrungen mit Jungs sind durchwegs positiv. Eines der ersten Wörter, die mein Sohn schreiben konnte, und noch in den Kindi ging, war Hyakutake. Das Erlebnis dahinter mag sich jede(r) ausmalen. Es war der Blick durch ein C90 auf eben diesen Kometen. Er malte damals ein Bild davon. Mit allen Hintergrundsternen, die er gesehen hatte…. Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass es mehr waren als die von mir wahrgenommenen.

In den zurückliegenden Sommerferien war es dann mein 7-jähriger Enkel, der mich begleitet hat.
Als Equipment kamen zum Einsatz: 70/700 Celestron mit StarSense, Seestar S50 und die Relaxliege am Beobachtungsort.
Die Objekte, die ihn am meisten faszinierten waren: Perseiden, Saturn, M81/82 M33 und einige weitere DerpSky‘s. Er hat echt lange durchgehalten. Wir mussten auf den Aufgang von Saturn warten … Aber - er war voll dabei. Und wenn seine Eltern das o.k. geben, wechselt mein 70/700 Grab and Go den Standort zu ihm ;-)
 
Ja, an Heinz Haber kann ich mich auch noch erinnern. Hab zwar nicht viel Sendungen mit ihm gesehen, aber eine ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Da wurde die Kettenreaktion bei der Kernspaltung mit einem Tisch voller gespannter Mausefallen und aufgelegten Tischtennisbällen demonstriert. Ein Ball 'reingeworfen, und ruck zuck gings ab, bis die Bälle nur so sprangen und die Fallen zuschnappten. :love:
Da kommt einem schon das Gefühl, dass die Kinder heute 'was verpassen, wenn statt der ganzen analogen Spielereien in 3D zum Anfassen vieles heute über digitale Medien vermittelt wird, aber vielleicht trügt der Eindruck auch.
VG CptB
 
Hallo,

um euch mal eine lange Nase zu machen, Heinz Haber kenne ich noch persönlich. In Wiesbaden gab es einige Vorträge von ihm. Nach der Veranstaltung hat er sich dann auch noch mit uns Gestalten vom Verein ausgetauscht.

CS Gerhard
 
OMG, ich wär in die Knie Gerhard, dem persönlich damals begegnet zu sein. Was in der Jugend so schön ist, ist ja richtig gute Vorbilder zu haben, die man irgendwie vergöttert oder verehrt oder denen man vertraut (im positiven Sinne, kann ja auch extrem gefährlich sein). Mr. Spok gehörte schon auch dazu, doch der war immer so weit weg ...:cool:
 
Guten Abend in die Runde!

Zum Thema Astronomie mit Kindern möchte ich ein schönes Erlebnis teilen: Vor ein paar Wochen habe ich meinen beiden Kindern (4 und 6) im Urlaub durch einen Telementor bei 84x einen ziemlich kleinen Saturn gezeigt. Ich selbst konnte mit ein wenig Übung gerade so auf einer Seite durch den Ring schauen und auf dem Ring ein Stück Schatten sehen, ansonsten war es vor allem eine durchgestrichene Kugel. Mein sechsjähriger Sohn hat eine Weile durchs Okular geschaut, dann zu mir geguckt und mit einem Strahlen im Gesicht gesagt: „So habe ich das ja noch nie gesehen.“ Danach hat er geduldig weiter geschaut, bis er Titan, der ganz schwach zu sehen war, entdeckt hat. Beim Schlafengehen, hat er mich dann gefragt, ob die Planeten nicht auch Phasen haben müssten wie der Mond und warum die Gasplaneten rund sind…
Auch scheinbar unspektakuläre Bilder im Teleskop können also durchaus etwas bei Kindern auslösen und begeistern. :giggle:

Ich schreibe das auch, weil ich nicht mag, wenn immer gleich über die „Kinder von heute“ geschimpft wird. ;)

Freundliche Grüße,
Felix

Hallo Felix,

Auch meine Kinder (4, 7, 9...ok, die Kleine noch nicht so) sind auch mit 45 facher Spektivvergrößerung und Mond begeistert. Jupiter ist immer der Renner. Aber bitte immer mit den 4 großen Monden. Mehr als 132 fach geht bei mir nicht (hab ja ein FH 70/900). Aber muß auch nicht. Die Kinder finden es toll :)

VG Mark
 
Hallo Mark,

wie schön, dass Deine Kinder mit Freude dabei sind!

Als ich letzten Winter mit meinen Kindern (ebenfalls mit einem kleinen Refraktor) den Jupiter angesehen habe, hat der sechsjährige das Bild so beschrieben: „Der sieht aus wie verbunden.“ Er meinte die beiden Hauptwolkenbänder, die man schon ganz gut sehen konnte und die ihn an einen Verband erinnert haben :).

Am vergangenen Wochenende haben wir mal wieder das kleine „Kurbelplanetarium“ (so ein LEGO-Remake), das wir vor ein paar Monaten gebaut haben, vom Schrank geholt. Wir haben diesmal eine Sternbildpostkarte daneben gestellt und geschaut, zu welcher Tageszeit das Sternbild im Verlauf eines Jahres jeweils von einem bestimmten Punkt auf der Erde zu sehen ist. Das ist echt super für Kinder - und hilft auch mir, grundlegende himmelsmechanische Zusammenhänge zu verstehen :).

Viele Grüße,
Felix
 

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Hallo Felix,

Meine Großen finden Jupiter total spannend. Vor allem mit den Monden. Sie spielen auch gerne ein Planeten Quartett mit den Planeten, Zwergplaneten und Monden. So lernen sie die Abstände der Planeten zur Sonne und den Zusammenhang der Umlaufgeschwindigkeit und Abstand.
Lernen durch spielen.
Ich nutze 3 Instrumente:
FH 70/900 (selten mit den Kids),
Novalux 415 (geht bis 50fach ca.),
Zoom Spektiv 15-45 x 60, das ist am einfachsten zu handhaben. Toll finden sie alles.

VG Mark
 
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