Jupiter Erstversuch, First Light und Fragen

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Chemikoer

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Hallo zusammen,

eigentlich bin ich ja bislang eher im Bereich Deep-Sky unterwegs, aber ich wollte auch mal Planetenfotografie ausprobieren.

Also habe ich am 06.09.2021 auf meiner Dachterrasse (Großraum Düsseldorf, Bortle 7) an meinen ESPRIT 120 Apo in den Zenitspiegel eine 4xPowermate (ergibt dann f/28) und daran zum ersten Mal (First LIght!) eine ZWO ASI 224mc (mit Optolong UV/IR-Cut Filter) angeschlossen (aber keinen ADC!). Dann zum ersten Mal überhaupt mit SharpCap gearbeitet, dort mit LiveView fokussiert, die Belichtungszeit auf 15ms bei passendem Gain eingestellt und 4000 Frames belichtet.
Das *.ser file habe ich durch Autostakkert genudelt, die 5% besten Frames ausgewählt, gedrizzelt (1.5x), dann in Registaxx nach einem Online-Tutorial quick&dirty geschärft.

Das Ergebnis: erfreulich und enttäuschend zugleich.
Jup_RGB.jpg

Erfreulich: Man sieht die Bänder, den GRF und auch die Bedeckung durch Io, sowie den Schattenwurf von Io.
Enttäuschend: die massiven Farbfehler. Am Jupiter selber gar nicht mal so schlimm, an Io und seinem Schatten aber gewaltig und deutlich ausgeprägter als ich ohne ADC erwartet habe.

Dann habe ich zwei Tage drüber geschlafen und nochmal einen Versuch gemacht, etwas am Bild zu retten. Also das Registaxx-Bild in PI in die RGB-Kanäle zerlegt, WinJUPOS installiert und im (schon wieder!) Ersteinsatz dieser Software die drei RGB Bilder wieder zur Deckung gebracht und in einem Aufwasch den Kerl in die Richtige Stellung gedreht.

Ergebnis: Deutlich besser! Und etwa so wie von mir erwartet. Wenn ich mir andere Aufnahmen mit ähnlichem Setup anschaue, ist da sicherlich noch Luft nach oben; für die ganzen "First time-" und "quick&dirty-" Ansätze aber für mein Empfinden gar nicht so schlecht.
2021-09-06-2235_0-RGB.jpg


Nun meine Fragen:
Ist der beobachtete Farbfehler nur auf die Atmosphäreneffekte zurück zu führen? (und dementsprechend mit einem ADC zu vermeiden?) Oder ist ja irgendwo anders ein Fehler, sei es im optischen System oder im SW Workflow?

Für Tipps bin ich jederzeit dankbar!

CS, Oliver
 
Hallo Oliver,

ich würde keinesfalls das Zenithprisma dazwischenschalten, da wird das Bild durch jede zusätzliche Glasfläche schlechter. Je weniger Glas, umso besser. Außerdem kann es zur Verkippung kommen. Zum Rest kann ich nichts sagen.

LG und CS Erich
 
Hallo Oliver,

Erstmal Glückwunsch zum ersten (und gleich gelungenen) Jupiter.
Obwohl sicher noch Antworten von Erfahreneren kommen werden von mir schon mal ein Gedanke: das fotografische Equipment direkt ans Teleskop (ohne ZS) anschließen ist bestimmt schon mal nicht verkehrt.

Viele Grüße
Peter
 
Hallo Oliver, wenn ich darf, hier Dein oberes Bild, in Photoshop die Kanäle zurechtgeschoben und den Farbstich rausgenommen, das sieht doch ganz gut aus. Wenn Du Dein unteres nimmst und die Farbbalance von gelb zu blau verschiebst, kommt dasselbe heraus. :)

Bildschirmfoto 2021-09-10 um 21.23.00.png



lg
NIki
 
Hallo Oliver, wenn ich darf, hier Dein oberes Bild, in Photoshop die Kanäle zurechtgeschoben und den Farbstich rausgenommen, das sieht doch ganz gut aus. Wenn Du Dein unteres nimmst und die Farbbalance von gelb zu blau verschiebst, kommt dasselbe heraus. :)

Den Anhang 213679 betrachten


lg
NIki
Hallo Niki,

Vielen Dank. Mir war das zu mühsam, in PS die Kanäle per Hand passend zu schieben, daher habe ich das WinJUPOS machen lassen ? aber klar das Ergebnis ist natürlich das Gleiche. Bzgl der Farbe: ich habe bewusst an dem Bild nix mehr gemacht, da ich ggf den ganzen Workflow nochmal von vorne optimiert durchziehen wollte.

Fandest Du denn den massiven Versatz der RGB Kanäle "normal "?

CS, Oliver
 
Hallo Oliver,

ich würde keinesfalls das Zenithprisma dazwischenschalten, da wird das Bild durch jede zusätzliche Glasfläche schlechter. Je weniger Glas, umso besser. Außerdem kann es zur Verkippung kommen. Zum Rest kann ich nichts sagen.

LG und CS Erich
Hallo Erich,

Das habe ich mir auch schon gedacht, ich müsste mir dann aber (wenn ich keinen Denkfahler mache) eine Verlängerung besorgen, um ohne ZS in den Fokus zu kommen. Daher habe ich erstmal mit ZS angefangen. Aber ich werde da mal bei Gelegenheit rumprobieren.

CS, Oliver
 
Zuletzt bearbeitet:
Also das mit dem Zenitspiegel ist mit Sicherheit nicht das Ausschlaggebende für die Abbildung, wenn es noch auf dem Level ist.

Ich habe einen zweilinsigen 125mm ED Apo und habe diese Aufnahme damit ohne ADC und durch ein Zenitprisma gemacht.
Jupiter_1_derotiert.jpg

Das mache ich meistens so, da ich vorher in der Regel erst mal visuell beobachte und dann einfach das Bino gegen die Kamera austausche. Die Bedingungen waren bei der Aufnahme eher mäßig. Daher würde ich vermuten, dass es an allem liegt, aber nicht am Zenitspiegel, außer der ist von der Qualität absolut unterirdisch. Wenn man sich aber einen Esprit egal welcher Größe leisten kann, wird man vermutlich auch nicht am Zenitspiegel sparen müssen.

Der Esprit 120 ist mit Sicherheit auch nicht schlechter als mein ED Apo. Im Roten wird er meinen ED schlagen. Richtig zentriert ist das Teil? Es war auch ausgekühlt?

Die ersten Probleme sehe ich in der EBV.
  • Man muss bei OSC Kameras erst die Farbkanäle ausrichten und dann schärfen. Eigentlich macht das Autostackert bei der OSC automatisch, wenn man RGB align auswählt.
  • 100 Frames zum Stacken ist zu wenig. Wenn man so wenig Frames nimmt, dann muss jeder einzelne extrem gut Qualität haben. Das geht nur bei Sonne und Mond. Selbst da gilt aber je mehr je besser. Bei Planeten sind die Single Frames in der Regel verrauscht. Da sollte man schon mindestens mehrere Hundert nehmen. Für das Bild oben hatte ich pro Farbkanal 2500-3000 Frames von denen ich bei Grün und Rot 40% verwendet habe, bei Blau 25%. Bei Blau war das Problem aber nicht die Qualität, es waren Wolken durchgezogen.
  • Das Bild sieht dann noch so aus, als ob es mit großen Radien geschärft wurde. Wenn die Radien beim Schärfen größer als die Auflösung des Bildes sind, verstärkt das nur noch den Kontrast, bringt aber keine Details zum Vorschein. Ich fange bei kleinen Radien an und höre dann auf, wenn das Bild durch das Schärfen bei größeren Radien unnatürlich wird. Da Jupiter visuell keine starken Kontraste hat, schärfe ich den Planet nur mit kleinen Radien. Das ist natürlich Geschmacksache. Mir sind Jupiterbilder mit vollem Dynamikumfang allerdings ein Graus.
  • Das Bild wurde nicht entrauscht. Wer extrem schärft, muss auch entrauschen. Das geht mit Registax ganz gut mit den Wavelets. Hier gilt das selbe wie beim Schärfen: nicht übertreiben. Sonst kriegen die Bilder so einen unschönen Aquarelleffekt.
Ich habe für das Bild oben in dieser Reihenfolge Autostakkert, Registax, Winjupos und Gimp verwendet. Alles Freeware.

Ansonsten würde mir diese Sachen einfallen
  • Penibelstes Scharfstellen ist das A und O.
  • Nur um den Meridian aufnehmen. Der Planet sollte so hoch stehen wie möglich.
  • Welchen Wert man auf der Bortle Skala hat, ist egal. Der Standort ist entscheidend. Es sollte in der Nähe eine stabile Luftschichtung vorhanden sein.
  • F/28 ist zu viel. Dadurch gewinnt man nichts und muss mit der Belichtungszeit oder dem Gain unnötig hoch, was die Qualität der Einzelframes reduziert. Ich habe bei meiner Aufnahme aber auch etwas oversampled. Das ist nicht das entscheidende Problem, wenn man es durch mehr Frames ausgleicht.
  • Wenn man mehr als 1min Jupiter aufnimmt bei der Öffnung sollte man die Videos derotieren. Das verschmiert die Details aber nur in der Äquatorebenen. Da deine Aufnahme aber in beide Achsen eine geringe Auflösung hat, wird das nicht das Hauptproblem ein.
Scharfstellen, Jupiterhöhe und EBV Grundlagen sind am Anfang die Hauptsache. Der Rest ist Kür.
 
Vielen Dank für die vielen Tipps, genau das hatte ich mir erhofft!
Der Esprit 120 ist mit Sicherheit auch nicht schlechter als mein ED Apo. Im Roten wird er meinen ED schlagen. Richtig zentriert ist das Teil? Es war auch ausgekühlt?
Ja, der ESPRIT wurde von Tommy Nawratil zentriert und optimiert, Strehl 0.98...

Die ersten Probleme sehe ich in der EBV.
  • Man muss bei OSC Kameras erst die Farbkanäle ausrichten und dann schärfen. Eigentlich macht das Autostackert bei der OSC automatisch, wenn man RGB align auswählt.
Da werde ich mal nachschauen, gefühlsmäßig würde ich sagen, da lag schon mein.erstes Problem

  • 100 Frames zum Stacken ist zu wenig. Wenn man so wenig Frames nimmt, dann muss jeder einzelne extrem gut Qualität haben.....
Es waren 200, aber ich werde es mal mit mehr probieren. Hatte 4000 in einer Minute (wegen der Rotation....)

  • Das Bild sieht dann noch so aus, als ob es mit großen Radien geschärft wurde. Wenn die Radien beim Schärfen größer als die Auflösung des Bildes sind, verstärkt das nur noch den .....
Geschärft und entrauscht im Registaxx, aber vermutlich nicht gut gemacht (siehe oben: quick&dirty)
Ich habe für das Bild oben in dieser Reihenfolge Autostakkert, Registax, Winjupos und Gimp verwendet. Alles Freeware.
Hatte ich auch eingesetzt, bis auf den letzten Schritt, dafür wäre aber PS vorhanden.

Ich werde nächste Woche weiter probieren und hoffentlich auch nochmal neu aufnehmen können und dann berichten...

CS, Oliver
 
Vielen Dank nochmal an alle für Eure Tipps. Am Samstag (18.09.2021) hat dann das Wetter wenigstens etwas mitgespielt und mir klaren Blick auf Jupiter und Saturn beschwert. Das Seeing war zwar ziemlich schlecht, aber ich habe mein Glück gewagt. Fast gleiches Set-Up wie oben:

ESPRIT 120 auf EQ6R-Pro, Zenitspiegel, 4xPowermate, ZWO ADC, ASI224MC mit Optolong UV/IR Cut.
Aufnahme in Sharpcap, bearbeitet in Autostakkert!3, Registax und Lightroom.
Jupiter_20210918_2155.jpg

Was habe ich anders gemacht?

1. ADC verwendet
2. besser fokussiert (BTW: Gibt es irgendwo ein Tutorial, wo die Fokussierhilfe von SharpCap für Planeten beschrieben ist? Bei mir kam da nur Unsinn raus, also habe ich am Monitor bei 200% Vergrößerung rein optisch fokussiert)
3. Belichtungszeiten auf 12ms reduziert, dadurch waren bei 80fps etwa 3500 Frames in 45" möglich, davon 30% in AS!3 verwendet

Ich finde das Ergebnis deutlich besser (nur diesmal leider ohne Io und Io-Schatten, aber man kann nicht alles haben). Nur die Farbe gefällt mir noch nicht so richtig und vermutlich kann man noch etwas kräftiger schärfen.

CS Oliver
 
Moin Oliver,
versuche mal abschließend in deiner Bildbearbeitung das Tool „Fitswork“.

Ein Rechtsklick in ein helles Band und Auswahl „Umgebung (15x15) als Weißwert“ liefert überraschende Ergebnisse:
1632099883289.png


Nachschärfen würde ich übrigens nicht, da du bei der Aufnahme offensichtlich nicht optimal den Fokus erwischt hast!
Aber für knapp 5"-Öffnung kannst du mehr als zufrieden sein! :y:
 

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    1632099739271.png
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Hallo Frank,

danke für den Farbkorrektur-Tipp, geht in Fitsworks tatsächlich einfacher (automatischer) als in LR, wobei bei der hier gezeigten JPG Datei farblich eh etwas nicht gestimmt hat, war mir nur die Nacht gar nicht aufgefallen (irgendwas war wohl beim Export "komisch", mein eigentliches Ergebnis auf dem Rechner war deutöich näher an Deinem. Trotzdem unten jetzt mal meine Fitswork Varianbte.....).

Hast Du denn noch einen Tipp zum besseren fokussieren für mich? Wie oben beschrieben, komme ich mit der SharpCap Fokussierhilfe nicht klar...

CS, Oliver

Jupiter_20210918_2155_FW.jpg
 
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