Jupiter mit Io vom 8. März

#1
Hier ist verspätet die bereits im Zusammenhang mit den Mondkollagen vom 8. März angekündigte Jupiteraufnahme:



Bei der Auswertung der an dem Abend aufgenommenen Videos hatte ich das Hauptaugenmerk auf die Mondbilder gelegt, weil dort unter den gegebenen Sichtbedingungen bemerkenswerterweise keine nennenswerten Randartefakte an und in den Kratern aufgetreten waren. In Anbetracht der in dieser Hinsicht besonders günstigen Sichtbedingungen war ich dann bei der nachträglichen Bearbeitung der Jupiteraufnahmen ein wenig enttäuscht von der Farbe.

In Anlehnung an eine frühere Diskussion über die Farbwahrnehmung am Jupiter zeige ich hier das oben gepostete Bild nochmal in einer um 90° verdrehten Darstellung:



Für mein Empfinden treten hier die feinen Farbunterschiede zwischen den Bändern leichter ins Bewusstsein. Da sich die Bilder aber objektiv betrachtet in keiner Weise unterscheiden, muss man bei dem Versuch einer Erklärung für das Phänomen gewiss an die Möglichkeit einer optischen Täuschung denken. Dafür gibt es m.E. auch eine plausible Erklärung, die nämlich darauf beruht, dass wir die Bilder gleichzeitig mit zwei Augen betrachten, die nebeneinander und nicht übereinander angeordnet sind. Die Farbanregungen auf der Netzhaut beider Augen unterscheiden sich möglicherweise aus diesem Grunde bei seitlichem Versatz der Farben stärker als bei vertikalem Versatz.

Es würde mich natürlich interessieren, ob andere Betrachter den Unterschied der Farbwahrnehmung in ähnlicher Weise empfinden, oder ob ich die Jupiterfarben möglicherweise nur aufgrund meiner langjährigen Gewöhnung in der "Normalstellung" als "langweiliger" empfinde.

Gruß, Jan
 
#2
Hallo Jan,
die Aufnahme ist detailreich und scharf.
Mir erscheint spontan das obere Bild als deutlich detaillierter als das untere. Vielleicht kommen hier unsere Erfahrungen und Erwartungen , also subjektive Wahrnehmungen mit hinein.

 
#3
Zitat von moos:
Mir erscheint spontan das obere Bild als deutlich detaillierter als das untere.
Hallo Carsten,

das ist interessant und deutet für mich tatsächlich - wie auch Du vermutest - auf individuelle Sehgewohnheiten hin. Hinsichtlich der Detailauflösung sehe ich jetzt gar keinen Unterschied. Hier sollte allerdings das beschriebene visuelle Rechts-Links-Phänomen auch weniger eine Rolle spielen als bei der Wahrnehmung der Farben, da diese ja in Nord-Süd-Richtung ganz deutlich und in West-Ost-Richtung so gut wie gar nicht abgestuft sind.

Edit: Um nochml deutlich zu machen, was mir bei dem Vergleich der beiden Bilder auffällt, hier nochmal eine andere Beschreibung meiner Beobachtung: Wenn ich die Farbunterschiede zwischen den Polregionen in der Normalstellung des Planeten (oberes Bild) erfassen will, muss ich - wenn auch geringfügig - meine Augen in vertikaler Richtung bewegen, während ich diese Unterschiede im unteren Bild "mit einem Blick" erfassen kann. Das mit einem Blick erfasste Gesichtsfeld scheint mir also in horizontaler Richtung eine etwas größere Ausdehnung zu haben als in vertikaler Richtung, und genau dadurch - so vermute ich - wird die Wahrnehmung der Farbunterschiede bei seitlicher Abstufung der Farben erleichtert.

Dank und Gruß, Jan
 
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#4
Hallo,

ich muss mich dem anschließen, die waagrecht orientierte Version wirkt detailreicher.
Das begründet sich in der Wahrnehmung dahingehend, dass das Auge horizontal arbeitet und in der Hochachse weniger gut "Bilder verarbeitet".
Das sieht man sehr gut daran, dass man Längen und Breiten viel besser einschätzen kann, als Höhen! Die visuelle Wahrnehmung ist also nicht isotrop, sondern arbeitet in horizontaler Richtung deutlich feiner. Wäre dem anders, würden wir in der Tat von oben nach unten schreiben und Bücher entsprechend gedruckt sein (Spalten statt Zeilen).

Viele Grüße

Markus



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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
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#5
Hallo Markus,

Dank Dir für Deinen in diesem Zusammenhang - wie ich finde - in der Tat sehr hilfreichen Kommentar, den ich gleichzeitig als eine elegante Erklärung und Bestätigung der von mir beschriebenen Beobachtung betrachte: Es sind ja gerade die Farben, um welche es mir hier in erster Linie geht, die im zweiten Bild entlang der für unsere visuelle Wahrnehmung sensibleren horizontalen Richtung aufgereiht sind.

Gruß, Jan
 
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