Canonist
Aktives Mitglied
Hallo zusammen.
Ein paar Tage wolkenloses Wetter, das war arg selten in letzter Zeit. Umso mehr hatte ich mich darauf gefreut, nun endlich mal wieder an den Planeten was machen zu können.
Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten, denn - wie befürchtet - gab es bei der Kälte nur schlechtes Seeing, von einem kurzen abendlichen Zeitfenster um den Sonnenuntergang herum einmal abgesehen. Davon profitierte aber allenfalls kurz Saturn, für Jupiter standen die Zeichen mies.
Am Montagabend ging so am C14 an Jupiter gar nichts. Ein fließender Seeingschleier machte alles komplett unscharf, kein Detail zu erfassen.
Um nicht gänzlich einpacken zu müssen, habe ich mich des Siebenzöllers besonnen, der bei solchen Bedingungen manchmal noch zu Ergebnissen verhelfen kann. Viel besser war es da aber auch nicht, so dass die Überlegungen weiter schweiften, was sonst machbar wäre. Kometen aktuell gerade Mangelware.
So kam eine länger gehegte Idee ins Spiel: Jupiter hat ja einen gewaltigen Zoo an Monden um sich herum. Welche und wieviele davon könnte man eigentlich mit Amateurmitteln greifen?
An sich würde ich da auch eher an das C14 denken, weil ich mir davon mehr Grenzgröße versprechen würde, aber angesichts der Bildverschmierung bei S 4/10 bin ich beim Refraktor geblieben. Zum Einsatz kam die ASI1600MMpro gekühlt, bei der niedrigen Umgebungstemperatur war der Chip bei -36,5 Grad. Bei 1600mm Brennweite gab das zudem ein angenehm großes Feld bei trotzdem guter Auflösung. Der Starfire Refraktor hat zudem einen hohen Kontrast bei extremer Schärfe und einem gut flachen Feld. Tatsächlich erwies sich das im Weiteren alles zusammen als die beste Wahl.
An sich hätte ich chronologisch am Jupiter selbst begonnen, aber Thebe als Ziel war zu der Zeit noch zu schwierig, da zu dicht am Planeten. Daher habe ich als erste Monde die am nächsten nördlich des Planeten stehenden Elara (J7) und Himalia (J6) aufgesucht. Zum Zeitpunkt der Aufnahme stand Elara bei 16,9 mag ungefähr 15,5 Bogenminuten nördlich Jupiters. Himalia bei 14,9 mag bei fast 24 Bogenminuten ein gutes Stück nördlicher. Beide sollten trotz der Helligkeit des nahen Jupiters leicht nachweisbar sein.
Dem war auch so, und ich konnte die zwei auch in einer Aufnahme abgreifen. Dabei machte sich der Einsatz des Refraktors zusätzlich in der geringeren Streustrahlung von Jupiter bezahlt. Beide waren schon in den 20 sec. langen Einzelbildern klar auszumachen. Länger als 20 sec. sollten die Belichtungen nicht sein, weil ich leider in der Nachführung Fehler habe, die zu leichten Hin-und Herschwenks führen. Auch da machte sich die kürzere Brennweite positiv bemerkbar, ich musste nur wenige Bilder aussortieren, in denen die Sterne zu eirig geworden waren.
Das Ergebnis ermunterte mich, weiter durch den Zoo zu streunen. Nächstes Ziel J 9 Sinope. Mit 18,2 mag schon eine kleine Herausforderung. Doch auch das war einfacher geschafft als befürchtet. Sinope ließ sich exakt und zweifelsfrei an der Stelle nachweisen, wo sie laut Guide 9 sein sollte.
Weiter ging es nordwestlich des Planeten, wo als nächster Stopp J12 Ananke wartete. Sie sollte mit 18,9 mag auch noch zu knacken sei, war ich nach den vorangegangenen Aufnahmen sicher. Trotz eines Abstandes von inzwischen 1,5 Grad zu Jupiter waren immer noch Spuren des Riesen im Bild durch Reflexstrahlen. Ich nehm das nicht als ästetischen Mangel, sondern Anbindung an den Ort, um den Ananke schließlich kreist. Dafür braucht der gerade einmal 15 Kilometer große Felsklotz 631 Tage! Tatsächlich gelang der Nachweis des Mondes problemlos, die Grenzgröße des Bildes lag etwa bei 19,4 mag.
Da war noch ein Stück weiter nördlich J8 Pasiphae ja mit seinen 16,9 mag schon fast eine leichte Übung und nur zehn Minuten später schon eingesackt. Zusammen mit den vier großen galileischen Monden hatte ich also die Zahl der beobachteten Monde Jupiters an diesem Abend bereits auf neun hochgetrieben.
Aber da geht ja noch einiges mehr!
Erst einmal zurück zu Jupiter, Goto ist dabei natürlich hilfreich und macht die Sache sehr viel schneller, aber man hätte sich zu den Positionen auch ohne weiteres händisch durcharbeiten können. Das als Anregung für alle, denen das zu schwierig erscheint. Zum Aufsuchen der Felder habe ich die Kamera mit 1sec-Belichtungen gefahren, da weiß man schnell und sicher, wo man ist.
Von Jupiter aus ging es dann weiter nach Süden. Hier wartete J10 Lysithea in nur 27 Bogenminuten Entfernung auf den erfolgreichen Abschuss. Mit 18,4 mag zwar anspruchsvoll, aber am Ende problemlos, zumal Jupiter während meiner Beobachtungen noch stetig am Himmel höher stieg und die Durchsicht etwas besser wurde.
Der nächste Schwenk ging nach Osten. Dort lockte mich J11 Carme mit ihren 17,9 mag als leichter Fang. Damit war Nummer elf eingefahren.
Aber noch nicht das das Ende des Monde-Raids.
Von ganz weit draußen zu ganz nah: Amalthea und Thebe standen noch auf dem Speiseplan. Um sie zu greifen, braucht es Elongationen, um sie weit genug aus der Strahlung Jupiters weg zu bekommen. Dazu musste ich am Montag etwas länger warten, weil Thebe erst Richtung westlicher Elongation auf dem Weg war, als ich begann, und Amalthea hinter Jupiter stand. Sie tauchte dann im Osten wieder auf. Beide konnte ich dann noch zum Ende der Beobachtung gegen 22 Uhr MEZ erlegen. Schwer zwar, weil sie noch nicht optimal standen. Die beiden sind in aller Regel tatsächlich besser am C14 zu packen, weil ich da einfach mehr Abstand im Bild habe. Amalthea war auch noch dicht am Planeten und erst auf halbem Wege zu ihrer östlichen Elongation. Das geht ansonsten viel leichter. Um Thebe sicher zu packen, musste ich die Kamera so drehen, dass die Position in einer Strahlenlücke fiel. Dann klappte es auch mit J14 bei 15,7 mag nah am Planeten.
Summa summarum also 13 Monde in einer Nacht.
Und wie kann ich sicher sein, dass es auch die in den Bildern markierten Punkte waren?
Nun, einerseits gab es bei Guide keine Objekte heller als 19. oder 20. Größe an ihren Positionen, andererseits ist der beste Beweis natürlich ihre Bewegung. Und deswegen habe ich den selben Raid einen Abend später, also am, Dienstag, 20. Januar, noch einmal so wiederholt.
Es hätte auch eine Stunde oder weniger gereicht (war mir aber zu kalt bei den Minusgraden). Von Elara und Himalia aber gibt es zwei Aufnahmen vom 19. Januar, die nur elf Minuten auseinander lagen. Schon das reichte, um die beiden Monde zu animieren, im Blink springen sie beide sichtbar nach Westen. Gleichermaßen übrigens, was nicht ihrer Eigenbewegung, sondern dem Shifting des gesamten Jupitersystems in retrograder Bewegung in der Oppositionsschleife geschuldet ist. Deshalb ist der Tagesunterschied aktuell ein ziemlich beträchtlicher. Nur die Eigenbewegung würde am besten am Wendepunkt der Jupiterbewegung dokumentieren können, wenn es zu einem Fast-Stillstand kommt.
So, das ist jetzt ein bisschen länger geworden, aber es es sind ja immerhin auch sehr viele Monde. Die meisten übrigens, die wir wohl mit sehr gängigen Amateurmitteln an einem Plant unseres Sonnensystems selber aufsuchen können. Und mit der eher durchschnittlichen 7"-Größe möchte ich deshalb auch andere ermuntern, es doch einfach mal zu versuchen. Auf jeden Fall eine Erweiterung der eigenen Beobachtungsgrenzen.
Die sind bei mir auch noch nicht erreicht. Wenn ich mit 20 sec-Belichtungen bei mäßiger Durchsicht schon 19,4 mag erreiche, sind 20 und drüber mit längerer Integtrationszeit und genug gut nachgeführten Aufnahmen auch drin. Und da gäbe es wohl noch mindestens drei Objekte, die damit greifbar werden. Vielleicht, wenn mal wieder am Planeten nichts geht...
CS
Rudolf
Ein paar Tage wolkenloses Wetter, das war arg selten in letzter Zeit. Umso mehr hatte ich mich darauf gefreut, nun endlich mal wieder an den Planeten was machen zu können.
Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten, denn - wie befürchtet - gab es bei der Kälte nur schlechtes Seeing, von einem kurzen abendlichen Zeitfenster um den Sonnenuntergang herum einmal abgesehen. Davon profitierte aber allenfalls kurz Saturn, für Jupiter standen die Zeichen mies.
Am Montagabend ging so am C14 an Jupiter gar nichts. Ein fließender Seeingschleier machte alles komplett unscharf, kein Detail zu erfassen.
Um nicht gänzlich einpacken zu müssen, habe ich mich des Siebenzöllers besonnen, der bei solchen Bedingungen manchmal noch zu Ergebnissen verhelfen kann. Viel besser war es da aber auch nicht, so dass die Überlegungen weiter schweiften, was sonst machbar wäre. Kometen aktuell gerade Mangelware.
So kam eine länger gehegte Idee ins Spiel: Jupiter hat ja einen gewaltigen Zoo an Monden um sich herum. Welche und wieviele davon könnte man eigentlich mit Amateurmitteln greifen?
An sich würde ich da auch eher an das C14 denken, weil ich mir davon mehr Grenzgröße versprechen würde, aber angesichts der Bildverschmierung bei S 4/10 bin ich beim Refraktor geblieben. Zum Einsatz kam die ASI1600MMpro gekühlt, bei der niedrigen Umgebungstemperatur war der Chip bei -36,5 Grad. Bei 1600mm Brennweite gab das zudem ein angenehm großes Feld bei trotzdem guter Auflösung. Der Starfire Refraktor hat zudem einen hohen Kontrast bei extremer Schärfe und einem gut flachen Feld. Tatsächlich erwies sich das im Weiteren alles zusammen als die beste Wahl.
An sich hätte ich chronologisch am Jupiter selbst begonnen, aber Thebe als Ziel war zu der Zeit noch zu schwierig, da zu dicht am Planeten. Daher habe ich als erste Monde die am nächsten nördlich des Planeten stehenden Elara (J7) und Himalia (J6) aufgesucht. Zum Zeitpunkt der Aufnahme stand Elara bei 16,9 mag ungefähr 15,5 Bogenminuten nördlich Jupiters. Himalia bei 14,9 mag bei fast 24 Bogenminuten ein gutes Stück nördlicher. Beide sollten trotz der Helligkeit des nahen Jupiters leicht nachweisbar sein.
Dem war auch so, und ich konnte die zwei auch in einer Aufnahme abgreifen. Dabei machte sich der Einsatz des Refraktors zusätzlich in der geringeren Streustrahlung von Jupiter bezahlt. Beide waren schon in den 20 sec. langen Einzelbildern klar auszumachen. Länger als 20 sec. sollten die Belichtungen nicht sein, weil ich leider in der Nachführung Fehler habe, die zu leichten Hin-und Herschwenks führen. Auch da machte sich die kürzere Brennweite positiv bemerkbar, ich musste nur wenige Bilder aussortieren, in denen die Sterne zu eirig geworden waren.
Das Ergebnis ermunterte mich, weiter durch den Zoo zu streunen. Nächstes Ziel J 9 Sinope. Mit 18,2 mag schon eine kleine Herausforderung. Doch auch das war einfacher geschafft als befürchtet. Sinope ließ sich exakt und zweifelsfrei an der Stelle nachweisen, wo sie laut Guide 9 sein sollte.
Weiter ging es nordwestlich des Planeten, wo als nächster Stopp J12 Ananke wartete. Sie sollte mit 18,9 mag auch noch zu knacken sei, war ich nach den vorangegangenen Aufnahmen sicher. Trotz eines Abstandes von inzwischen 1,5 Grad zu Jupiter waren immer noch Spuren des Riesen im Bild durch Reflexstrahlen. Ich nehm das nicht als ästetischen Mangel, sondern Anbindung an den Ort, um den Ananke schließlich kreist. Dafür braucht der gerade einmal 15 Kilometer große Felsklotz 631 Tage! Tatsächlich gelang der Nachweis des Mondes problemlos, die Grenzgröße des Bildes lag etwa bei 19,4 mag.
Da war noch ein Stück weiter nördlich J8 Pasiphae ja mit seinen 16,9 mag schon fast eine leichte Übung und nur zehn Minuten später schon eingesackt. Zusammen mit den vier großen galileischen Monden hatte ich also die Zahl der beobachteten Monde Jupiters an diesem Abend bereits auf neun hochgetrieben.
Aber da geht ja noch einiges mehr!
Erst einmal zurück zu Jupiter, Goto ist dabei natürlich hilfreich und macht die Sache sehr viel schneller, aber man hätte sich zu den Positionen auch ohne weiteres händisch durcharbeiten können. Das als Anregung für alle, denen das zu schwierig erscheint. Zum Aufsuchen der Felder habe ich die Kamera mit 1sec-Belichtungen gefahren, da weiß man schnell und sicher, wo man ist.
Von Jupiter aus ging es dann weiter nach Süden. Hier wartete J10 Lysithea in nur 27 Bogenminuten Entfernung auf den erfolgreichen Abschuss. Mit 18,4 mag zwar anspruchsvoll, aber am Ende problemlos, zumal Jupiter während meiner Beobachtungen noch stetig am Himmel höher stieg und die Durchsicht etwas besser wurde.
Der nächste Schwenk ging nach Osten. Dort lockte mich J11 Carme mit ihren 17,9 mag als leichter Fang. Damit war Nummer elf eingefahren.
Aber noch nicht das das Ende des Monde-Raids.
Von ganz weit draußen zu ganz nah: Amalthea und Thebe standen noch auf dem Speiseplan. Um sie zu greifen, braucht es Elongationen, um sie weit genug aus der Strahlung Jupiters weg zu bekommen. Dazu musste ich am Montag etwas länger warten, weil Thebe erst Richtung westlicher Elongation auf dem Weg war, als ich begann, und Amalthea hinter Jupiter stand. Sie tauchte dann im Osten wieder auf. Beide konnte ich dann noch zum Ende der Beobachtung gegen 22 Uhr MEZ erlegen. Schwer zwar, weil sie noch nicht optimal standen. Die beiden sind in aller Regel tatsächlich besser am C14 zu packen, weil ich da einfach mehr Abstand im Bild habe. Amalthea war auch noch dicht am Planeten und erst auf halbem Wege zu ihrer östlichen Elongation. Das geht ansonsten viel leichter. Um Thebe sicher zu packen, musste ich die Kamera so drehen, dass die Position in einer Strahlenlücke fiel. Dann klappte es auch mit J14 bei 15,7 mag nah am Planeten.
Summa summarum also 13 Monde in einer Nacht.
Und wie kann ich sicher sein, dass es auch die in den Bildern markierten Punkte waren?
Nun, einerseits gab es bei Guide keine Objekte heller als 19. oder 20. Größe an ihren Positionen, andererseits ist der beste Beweis natürlich ihre Bewegung. Und deswegen habe ich den selben Raid einen Abend später, also am, Dienstag, 20. Januar, noch einmal so wiederholt.
Es hätte auch eine Stunde oder weniger gereicht (war mir aber zu kalt bei den Minusgraden). Von Elara und Himalia aber gibt es zwei Aufnahmen vom 19. Januar, die nur elf Minuten auseinander lagen. Schon das reichte, um die beiden Monde zu animieren, im Blink springen sie beide sichtbar nach Westen. Gleichermaßen übrigens, was nicht ihrer Eigenbewegung, sondern dem Shifting des gesamten Jupitersystems in retrograder Bewegung in der Oppositionsschleife geschuldet ist. Deshalb ist der Tagesunterschied aktuell ein ziemlich beträchtlicher. Nur die Eigenbewegung würde am besten am Wendepunkt der Jupiterbewegung dokumentieren können, wenn es zu einem Fast-Stillstand kommt.
So, das ist jetzt ein bisschen länger geworden, aber es es sind ja immerhin auch sehr viele Monde. Die meisten übrigens, die wir wohl mit sehr gängigen Amateurmitteln an einem Plant unseres Sonnensystems selber aufsuchen können. Und mit der eher durchschnittlichen 7"-Größe möchte ich deshalb auch andere ermuntern, es doch einfach mal zu versuchen. Auf jeden Fall eine Erweiterung der eigenen Beobachtungsgrenzen.
Die sind bei mir auch noch nicht erreicht. Wenn ich mit 20 sec-Belichtungen bei mäßiger Durchsicht schon 19,4 mag erreiche, sind 20 und drüber mit längerer Integtrationszeit und genug gut nachgeführten Aufnahmen auch drin. Und da gäbe es wohl noch mindestens drei Objekte, die damit greifbar werden. Vielleicht, wenn mal wieder am Planeten nichts geht...
CS
Rudolf
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