Hallo Thomas,
ich mische mich hier mal in die Diskussion ein:
Super Bild! Natürlich ein Superbild, könnte man fast schon anmerken.
Zur Farbgebung ist nichts negatives zu sagen, finde ich. Allerdings habe ich mich neulich wieder gefragt, was denn die 'wirkliche' Farbe von Jupiter ist. Wir hatte das ja schon ausführlich mit Mars diskutiert. Bei Jupiter scheint das viel einfacher zu sein, denn mit gleichmäßig ausgeregeltem Histogramm ergibt sich schon ein brauchbarer Weiß- und Schwarzwert. Ein tolles Feature gibt es dafür übrigens in Torsten Edelmanns Firecapture - ich weiß nicht, ob Du schon damit gearbeitet hast. Im Histogramm ist die Einstellung für die jeweiligen Farbfilter markiert und wenn Du beispielsweise rot belichtetes, kannst Du an der Marke sehen, wo der Regler bei Blau stand. Wirklich hilfreich! (ich warte ja nur noch darauf, dass Torsten E. das ganz automatisiert und die Regler selbst auf einen Nennwert hochfahren lässt

).
Obwohl das bildbestimmende Weiß oder Hellgrau der Zonen einen angenehmen und natürlichen Eindruck macht, sehe ich im Teleskop Jupiter immer viel gelblicher und die Bänder eher bräunlich als rötlich. Aus dem Stand kann ich aber nicht sagen, woran das liegt und will nicht ausschließen, dass diese eine sehr subjektive Wahrnehmung ist. Andererseits steht Jupiter im Okular auch nie so groß und ruhig wie im Foto.
Ich möchte die Bermerkung jetzt aber nicht als Kritik verstanden wissen, zumal Deine Bearbeitung eh besser ist als das, was ich so mache. Mich würde interessieren, ob Du (und andere) Dich an Bildern der Raumfahrtagenturen orientierst oder am visuellen Eindruck durch das Teleskop. Wir werden ja in Kürze wohl Gelegenheit habe, ausführlich zu diskutieren.
Zu den IR-LRGB ist mir folgendes aufgefallen:
Zum Einen, dass Dein 20er Spiegel den Nachteil der geringeren Auflösung im IR (mit 742 bist Du ja fast schon im roten Bereich - (kleiner Scherz)) über die größere Öffnung gut kompensiert. Bei meinem "kleinen" 12er lohnt sich IR ab einem bestimmten Seeing (so ab 6 würde ich schätzen) nicht mehr, d.h. ich erhalte zwar gute Kontraste, aber auch gröbere Details. Mit dem R-Filter für die Luminanz fahre ich dann besser. Ich könnte mir vorstellen, dass auch Deine Bilder bei gutem Seeing ohne IR als L-Kanal mehr Details (mit weniger Kontrast) zeigen. Wenn nicht, müsste hier noch ein großes Potential Deines Gerätes liegen.
Das "lohnt nicht mehr" beziehe ich ausdrücklich auf die wellenlängenabhängige Detailauflösung. Das nahe IR kann durchaus interessant sein im Hinblick auf Farbveränderungen, Wärmedetails etc geht.
Zu den "Top-Bedingungen" hierzulande eine Anmerkung: Klar, dass man begeistert ist, wenn sich endlich mal lange vermißte Strukturen bei den Aufnahmen herausschälen. Ich sehe bei mir selbst, wie nervig und frustrierend es ist, wenn einfach nichts gehen will.
Dabei sollte man nicht übersehen, dass wir hierzulande immer noch mit - ich formuliere das einmal absichtlich etwas abschätzig - dem ganzen Filterschnickschnack und Verarbeitungstricks arbeiten müssen. Überspitzt formuliert: Wenn das Bild einmal ohne irgendwelche Filter ruhig steht für einen L-Kanal, haben wir Top-Seeing á la Go, Wesley und Kollegen. Bisher habe ich nur ein einziges Bild gesehen, das vielleicht in diese Richtung ging. Das war die Aufnahme, die Jan Fremerey kürzlich gepostet hatte. Leider aber etwas klein für mich (bitte jetzt aber keine Debatte darüber, ich fühle mich ausreichend informiert über das für und wieder :neinnein: ). Auch seine Beschreibung der Bedingungen klang gut.
Viel Glück und weiteren Erfolg bei der Planetenjagd
Gruß Ralf