Justage des Meade APO 127/1140

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Christian1969

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

es gibt ja im Netz einige Berichte über den Meade ED APO 127/1140 Refraktor. Manche nennen ihn Halb-APO, manche machen ihn ganz schlecht...

Störend ist, da sind sich alle einig, die fehlende Möglichkeit die beiden Linsen einzeln zu zentrieren.

Die 3 Madenschrauben, welche eigentlich auf dem Abstandsring drücken sollen, treffen gerne mal den empfindlichen unteren Rand der Zertreuungslinse und verursachen extrem häßliche Muschelbrüche.

Selbst wenn der Abstandsring genau getroffen ist, wer, oder was hält dann die beiden Linsen in Position? Ein paar kleine Klebstreifen? Zumal die Linsen seitlich ordentlich Platz haben.

Also: Linsenzelle runter vom Tubus, diesen vorsichtig geöffnet, Linsen raus und deren Dicke genau vermessen.

Anschließend habe ich auf Höhe der unteren (positiven) und des negativen Frontelemts jeweils 3 Löcher gebohrt und mit einem M5 Gewindeschneider ein entsprechendes Gewinde reingeschnitten.

Im Fachhandel habe ich dann 6 kurze Madenschrauben aus Messing gekauft und diese an der Spitze jeweils mit einem Tupfen Zweikomponentenkleber versehen und diesen aushärten lassen.

Anschließend kam die hintere Linse (und diverse ganz filigrane Abstandsringe) rein und wurde nach Augenmaß zentriert. Dann der Abstandsring, welcher genau von den serienmäßigen Madenschrauben getroffen wurde. Dann noch das Frontelemt, welches jetzt an unempfindlicher Stelle von den vorderen Madenschrauben zentriert wird.

Die Linsenzelle kam mittels längerer Justageschrauben mit leichtem Abstand auf den Tubus, so dass auch die hinteren Justageschrauben ohne Demontage zu erreichen sind.

Ein erster Test am Tag fiel vielversprechend aus. Jetzt steht noch die Endjustage am Stern aus, mal sehen.

Erstes Fazit: Operation gelungen.

Zum Meade APO nur soviel: Ein Vollapo ist er sicher nicht. Aber er schlägt sich wacker. Für 5" Öffnung ist die Farbe bei ca. 200 facher Vergrössereung sehr moderat.

Da kommt auch ein noch "langsamerer" Achromat bei weitem nicht hin.

Vielleicht konnte ich hiermit den einen, oder anderen Meade APO Besitzer inspirieren...

Viele Grüße, Christian

 

Anhänge

  • K640_DSC_6207.JPG
    K640_DSC_6207.JPG
    88 KB · Aufrufe: 1.013
  • K640_DSC_6217.JPG
    K640_DSC_6217.JPG
    85,1 KB · Aufrufe: 1.082
Hallo Christian,

sehr schöne Beschreibung deines Umbaus, durch die Fotos auch gut nachvollziehbar. Ich habe zwar keine Meade Refraktor, aber einen Vixen M102, der auch dejustiert ist. Vielleicht ist dein Umbau auch eine Möglichkeit meinen Refraktor justagefähig zu machen.

Viele Grüße Stefan
 
Hallo Stefan,

danke für das Kompliment.

Nur ein Tip für eine eventuelle Modifizierung des Vixen: schau doch mal nach, aus welchem Material die Linsenzelle des Vixen ist. Sollte es sich um Alu handeln (wie bei meinem Meade) dann ist die ganze Prozedur problemlos möglich. Sollte es sich aber um Grauguß handeln, dann müßte man mal einen "Metaller" fragen, nicht dass man in Endeffekt mehr schlimmer als besser macht.

Sag mir mal Bescheid, dann hole ich mir gegebenenfalls die Meinung eines Maschinenbaumeisters (guter Freund von mir) ein.

Viele Grüße, Christian
 
hallo,

gut gemacht!

Vorschlag: Nimm lieber Madenschrauben aus Nylon/Polyamid, und je nach Möglichkeit (Zellendicke) mache die Gewindegänge nahe der Linsen weg. So kommst du zu einer zumindest teilweisen Temperaturkompensation, denn Metallzelle und Glas sind weit auseinander beim Koeffizienten. Polyamid wirkt gegenläufig.

lg Tommy
 
Hallo Tommy,

vielen Dank für den Tip. Ich hatte ursprünglich selbstgefertigte Madenschrauben aus Kunststoff verwendet. Diese liesen sich aber nicht sehr feinfühlig verdrehen, bzw. ich hatte nie ein Gefühl dafür, wann die Schraube an der Linsenkante ist. Ich werde mir aber mal einen Satz Schrauben aus Nylon besorgen und testen. Abgesehen von der Temperaturkompensation sind mir die Messingschrauben auch hinsichtlich einer potentiellen Glasbruchgefahr nicht so ganz geheuer, obwohl ich die Spitze mit 2-Komponentenkleber versehen habe, so dass nicht dierekt das Messing auf das Glas trifft.

Ich werde nachberichten.

CS Christian
 
Hallo Tommy,

ich habe Deinen Tipp in die Tat umgesetzt und alle Schrauben zur Justage durch Madenschrauben aus Nylon ersetzt. Dank eines grossen Internetkaufhauses das mit A anfängt habe ich diese Schrauben aus Frankreich bekommen.
Es ist ein beruhigendes Gefühl diese Nylonschrauben hineinzudrehen, genau wissend, dass diese den Linsen keinen Schaden zufügen können (zumindest nicht so leicht).
Dennoch ist ein exakter Druckpunkt auszumachen, wenn die Schraube auf die Linsenkante trifft, so ist die Justage gut zu bewältigen.
Nach einer ersten Justage, mit Hilfe eines Kollimationsokulares und der Zentrierung nach Gefühl, kam der Praxistest.
Der Ronchitest am Stern lieferte gerade, unverbogene Linien. Das war natürlich schon mal sehr ermutigend.
Der Blick auf die Venus war dann schlicht fantastisch.
Es war ein bei ca. 100x Vergrösserung ein kleiner, heller "Halbmond" zu sehen, mit klar definierten Rändern und so gut wie farbfehlerfrei. Bei einer ca. 180x Vergrösserung war dann schon ein grösserer "Halbmond" zu sehen, immer noch weitgehend farbfehlerfrei. Es gab definitiv keine klar erkennbaren rote/grünen, oder gelben/blau-violetten Farbsäume.
Auch die Unschärfescheiben intra- und extrafokal lieferten subjektiv empfunden ein gutes Bild.
Fazit: Fasinierend, was aus einem ED Zweilinser mit 127mm freier Öffnung rauszuholen ist.
Ich denke aber, dass dabei sicherlich auch einiges an Glück im Spiel gewesen ist...

CS Christian
 
Hallo Christian

Ich hätte eine Frage: wie hast du die Linsenzelle geöffnet? Wir haben das Teleskop und wurden gerne den selben mod machen. Du bietest uns praktisch eine fertige Lösung an, und danke dafür erst mall! Wir haben die Zelle ausgebaut können es aber nicht aufschrauben, mindestens in den Händen…

Mit freundlichen Grüßen

Kris und Franz
 
Zitat von omus22:
Ich hätte eine Frage: wie hast du die Linsenzelle geöffnet? Wir haben das Teleskop und wurden gerne den selben mod machen. Du bietest uns praktisch eine fertige Lösung an, und danke dafür erst mall! Wir haben die Zelle ausgebaut können es aber nicht aufschrauben, mindestens in den Händen…
Sorry, wenn ich mich einmische, aber so habe ich es gemacht:
1. Kreisrundes Papier ausgeschnitten und über die Frontlinse gelegt, damit da nichts drankommt
2. Kleine Stückchen doppelseitiges Montageklebeband auf den Frontring geklebt, Siebdruck-Schrift freigelassen
3. Linsenzelle kopfüber auf eine glatte Tischplatte gedrückt und gedreht. Vorsicht, wenn der Frontring weg ist, könnten die Linsen herausfallen. Der Frontring klebt jetzt auf der Tischplatte und muss vorsichtig abgelöst werden (ich habe nicht den guten Wohnzimmertisch benützt)
4. Bei mir sassen die Linsen fest bis die seitlichen Madenschrauben entfernt wurden (6 Stück, jeweils eine Schraube und eine Konterschraube pro Loch)

Gruss, Martin
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Kris und Franz,

sofern Ihr Euch noch nicht an das öffnen der Zelle herangetraut habt, hier meine Beschreibung.

Ihr legt die Linsenzelle auf eine glatte Fläche (Tischplatte) und dreht den beschrifteten Frontring einfach (kein grosser Kraftaufwand und auch kein Werkzeug nötig) raus.

Ich habe einen ca. 10cm hohen Holzblock mit reichlich Papier von einer sauberen Küchenrolle bedeckt und die Linsenzelle daraufgesetzt. Der Holzblock muß kleiner sein als der Linsendurchmesser.

Anschließend habe ich die Zelle sanft runtergedrückt, so dass die beiden Linsen mit den Zwischenring auf dem Block liegengeblieben sind und ich habe die Zelle einfach runterrutschen lassen.

Jetzt waren die Linsen frei und ich konnte zum einen die Zelle bearbeiten (vorher habe ich die Linsen vermessen, um die Gewinde auf richtiger Höhe bohren zu können) und ich konnte mich auch um die Linsen kümmern. Die wahren nähmlich samt Zwischenring einfach mit reichlich Klebstreifen umwickelt. Also Linsenränder gereinigt, neu geschwärzt (wasserfester Edding...) und dann ganz sachte in die fertig bearbeitete und gereinigte Zelle wieder eingesetzt (natürlich ohne Klebstreifen...).

PS: Die Nylonschrauben leisten immer noch gute Dienste. Die Zentrierung hält einwandfrei und ich bin echt happy, dieses Projekt verwirklicht zu haben.

Ich bin gespannt, was Ihr beide für Erfahrungen gemacht habt, oder noch machen werdet.

Gruß und CS, Christian
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben