Kaufberatung Doppelrefraktor

Hallo,

vielleicht eine Anmerkung zum Aufbauaufwand eines Doppelrefrakors. Mein FC100-Doppeltak wiegt mit BB-131 Plattform und L-Winkel knapp 10 kg. Den kann ich ohne Probleme am Stück zusammengebaut bewegen und montieren. Da man das Gerät fix zusammengebaut lassen kann, verkürzt sich die Aufbauzeit erheblich und eine Grundausrichtung der beiden OTAs zueinander muss nur einmal bei der ersten Benutzung gemacht werden und dann erst wieder, wenn man einen oder beide OTA demontiert hatte. Nur das Fine-Tuning auf die eigenen Augen geschieht eigentlich jedes Mal an den Umlenkeinheiten, ist aber eine Sache von wenigen Augenblicken. Ich hatte den Doppeltak in Spanien zur Sofi dabei und trotz meiner Bedenken war die Ausrichtung auch nach dem Urlaub und über 6000 km Autofahrt noch unverändert. Fazit für mich: wenn die Grundausrichtung einmal gemacht ist, ist das Grundhandling nicht anders als bei meinem 120er APM Großfernglas. Beide wiegen in etwa dasselbe, nur der Formfaktor ist etwas anders.

Klar, bezüglich Volumen und Gewicht wachsen Fernrohre leider in der dritten Potenz zur Öffnung. Und Doppelteleskope nochmal mit Faktor 2... Somit ist ein 130er Triplett-Apo etwas vollkommen anderes als ein 100er Dublett, erst Recht als Doppelrefraktor.

Und noch etwas: speziell der FC100-Doppeltak ist mit Plattform, EZM-Einheiten und mittelgroßen Okularen so ausbalanciert, dass die Tubusringe praktisch ganz hinten am Rohr sitzen. Der Schwenkradius der Okulare ist also minimal, fast wie bei einem SC, was ich sehr angenehm finde ;-)

VG,
Andreas
 
Hallo,

vermutlich bin ich mit meinem Setup am nächsten an den ursprünglichen Wünschen des Themenstarters dran.

Angefangen hatte ich mit einem Borg 71FL Doppelrefraktor auf Basis einer AOKSwiss BB-130. Das Gerät erlaubte so schon tolle Beobachtungen, gerade auch aus städtischem Gebiet, wobei mein Hauptinteresse eher bei offenen Sternhaufen, größeren Deep-Sky-Objekten, Mond und hin und wieder auch Planeten liegt. Dabei habe ich oft bis 120-fach vergrößert, ab und zu auch bis 160-fach, was immer noch schöne Anblicke produziert hat.

Schon damals hatte ich aber im Hinterkopf, irgendwann auf 90FL-Objektive umzubauen. Das habe ich inzwischen realisiert, auch wenn es ein etwas langwieriger Prozess war und finanziell recht herausfordernd… :oops:

Inzwischen funktioniert alles wie gewünscht und im Prinzip exakt so, wie Du es Dir vorstellst. Ein paar Erfahrungen würde ich Dir daher gern mitgeben.

Soll es angenehm handhabbar bleiben, liegt die Obergrenze für ein Doppelteleskop aus meiner Sicht irgendwo um (2x) 100mm Öffnung. Damit begrenzt sich das Feld von beobachtbaren Objekten bzw. den daran erkennbaren Details. Einen Kugelsternhaufen werde ich nie so detailreich sehen können wie im C14 eines Kollegen. Für mich passt das, ich bin halt eher ein Fernglasblick-Geniesser als ein Öffnungsfan.

Eine Untergrenze gibt es allerdings aus meiner Sicht auch. Für ein 71er (oder heute 72er) Doppelteleskop sind aus meiner Sicht sowohl die BB-130 als auch die neue BM-100 etwas überdimensioniert. Zudem werden dann gute Okulare auch schwerer als die Objektive. Für mich liegt ein gewisses Optimum aus Handhabbarkeit und Leistung zwischen 80 und 90mm Öffnung.

So, jetzt mal konkret an meinem Beispiel:

90mm Objektive, Zentralarmmontierung vom APM 100mm Großfernglas, AOKSwiss BB-130 Binoplattform (oben montiert), EMS-UM Umlenksysteme mit 30mm Spiegeln, 2“ Okularhalter.

Ich habe mich gegen klassische Okularauszüge entschieden, weil die üblicherweise nicht selbsthemmend sind, sondern per Klemmung fixiert werden müssen. Meine Helikalfokussierer bleiben einfach da stehen, wo ich sie eingestellt habe. Leider konnte ich die leichteren Helicals aus dem 71er Bino nicht weiter nutzen, die hatten deutlich mehr Verstellweg (34mm statt jetzt nur noch 19), waren aber mit dem Gewicht von EMS + Okularen überfordert. Am 71er Bino fokussierte ich damit die Objektive…

Aber so passt jetzt alles, die neuen Fokussierer haben auch einen größeren Durchlass und ich bekomme meine Okularpaare alle in den Fokus.

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Aktuell verwende ich vier bis fünf Okularpaare:
- 20mm Nagler T5 für den Überblick. Größere AP kann ich Stadtnähe eh nicht gebrauchen.
- Docter/Noblex UWA 12,5mm 84° Okulare für 40-fache Vergrößerung. Hier passt alles am besten: Bequemlichkeit des Einblicks und Überblicks, AP, schon ordentliche Vergrößerung für viele Objekte am Himmel.
- Tele Vue Ethos 6mm für ca. 80-fach. Hier sehen diverse Nebel sehr schön aus, ohne zu dunkel zu werden. Einblick schon schwieriger, weil die Nase nicht gut dazwischen passt. Die 100° sind auch nicht mehr wirklich überschaubar, zumindest nicht ohne Verrenkungen. Das ist aber OK, man steht quasi in der Szene. Mit den 3,7mm Ethos passt es dann leider nicht mehr für meine Gesichtsgeometrie.
- Derzeit nutze ich stattdessen Siebert StarSplitter 3 mit 3,4mm Brennweite. Die haben so 60° scheinbares Gesichtsfeld, das dürfte gern noch etwas mehr sein… Selten kommen auch noch die Tele Vue Nagler 2,5mm zum Einsatz. Heute würde ich meine Obergrenze wohl mit 3,5mm Naglern oder Siebert StarSplitter 4 mit 2,9 oder 3,1mm Brennweite setzen. Vielleicht investiere ich da nochmal etwas…

Die Okulare habe ich in einer Laptop-Tasche untergebracht. Ich will mich zukünftig auf vier Okularpaare beschränken. Mehr Optionen sorgen sonst nur für mehr Unruhe beim Beobachten. Hier ein älteres Foto mit 6 Pärchen.

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Als Unterbau hängt alles an der tatsächlich etwas mickrig wirkenden APM Einarmgabel. Ich kann aber keine besondere Schwingungsanfälligkeit dieses Teils feststellen. Da waren die Beine des Carbonstativs eher mal für etwas Wackelei verantwortlich. Ich habe zwei Teile anfertigen lassen, um eine schnell lösbare Verbindung zwischen Plattform und Einarm herzustellen. Jetzt kann ich das Teleskop mit ein paar händischen Umdrehungen an der Schwalbenschwanzklemme vom Unterbau lösen.

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Ich hatte zwischenzeitlich auch mal einen Videoneiger (Manfrotto N12) probiert, weil ja viele von dieser Art der Montierung schwärmen. Für mich spricht aber zu viel dagegen, zum einen der hohe Schwerpunkt und die entsprechend verschobene Höhendrehachse, zum anderen die ausladende Bauform. Mit der Einarmgabel passt mein Teleskop noch in einen Fotorucksack in Handgepäck-Größe, das geht mit einem Fluid-Neiger nicht mehr.

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Das Genze steht dann auf einem Berlebach Report 292, also zwei Beinsegmente und der Einsatz mit der 40mm Kurbelsäule. Das ist die gleiche Säule wie im UNI, aber das Stativ ist leichter. Der große Segen dieser Kurbelsäule ist die Hemmung. Sie rutscht nicht von alleine durch, wie z.b. die von meinen früheren Carbonstativ Slik 723 Pro. Dort muss man eine Klemmschraube halbfest anziehen, damit die Säule gerade noch bedienbar ist (und weniger schwingt). Mit dem Berlebach Report gibt es insgesamt deutlich weniger Schwingungen, auch wenn man mal irgendwo anstößt. Hier ein nostalgisches Foto mit dem 71FL Bino…

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Insgesamt kann man sicher stabilere Lösungen realisieren, aber mir geht es ja immer auch um eine gute Transportabilität.

Wenn ich jetzt losziehe, habe ich den Fotorucksack mit dem 90FL Bino und der Montierung (plus etwas Werkzeug für alle Fälle und einem Beobachtungstuch). Ich muss nochmal nachwiegen, aber das sollten so knapp 10 Kilo sein. Dazu die Okulartasche (aktuell ca. 5-6 kg) und das Berlebach in einer gepolsterten Stativtasche von Manfrotto.

Und jetzt die Frage: War es den ganzen Aufwand wert? Für mich auf jeden Fall. Ich bin aber kein semiprofessioneller Hobbyastronom, der schon mehrere Geräte hat und noch was „für zwei Augen“ will. Für mich ist das mein Hauptgerät und neben ein paar kleinen Spielereien auch mein einziges ordentliches Astrogerät. Damit geht nicht alles, aber alles was geht, macht mir sehr viel Spaß und wenig Frust.

Ich würde niemandem nahelegen, so viel zu investieren, aber wenn Du Deine Wünsche irgendwann umsetzen willst, könntest Du bei einem recht ähnlichen Gerät landen. :)

Viele Grüße
Sebastian
 
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