"Kaufberatung" zu einem Coma Corrector f/4 Newton

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

GalileoGalilei

Mitglied
Hallo allerseits,
kann ich hier ein wenig "Kaufberatung" bekommen zum Thema Coma-Corrector? Meine Ausrüstung soweit:

* ein Bresser Messier PN203-800, d.h. 8" Newton mit f/4, 2" Okular-Auszug
* Canon EOS 350D

Ich habe derzeit folgende Coma Correctors im Auge, weiß aber nicht so recht weiter. Ich liste sie erstmal auf, weiter unten dann meine bisherigen Gedanken dazu:

(1) Multi Purpose Coma Corrector Visuelle & Fotografische Version (MPCC-VIP), siehe zum Beispiel pdf Dokument bei Baader
(2) Paracorr - Newton Komakorrektor für f/3,5 bis f/8 - PLU-1106, siehe zum Beispiel Paracorr bei Teleskopexpress
(3) TeleVue Paracorr Visual Coma Corrector, siehe zum Beispiel bei Skiesunlimited

Folgendes geht mit dabei im Kopf herum:
* Die Dinger unterscheiden sich preislich sehr €169/€275/US$319+Zoll. Wodurch sind diese Unterschiede gerechtfertigt?
* Zum MPCC gibt es eine sehr gute technische Beschreibung.. toll.
* Der MPCC behauptet, der einzige zu sein der die Brennweite nicht verlängert. So what? Wozu ist das interessant?
* Sollte es mir zu denken geben, daß er billiger ist als die TeleVue?
* Paracorr PLU-1106: Nachteil daß man noch einen Kameraadapter braucht (€47) weil er kein T2 hat
* "Hebt den Fokus um 20mm raus" ... ist das gut oder schlecht?
* "Einfache Korrektoren haben kameraseitig leider immer den Engpass T2 - damit ist der freie Durchlass auf unter 40mm beschränkt, gerade bei lichtstärkeren Systemen kommt es zu einer Randabschattung" .. würde das auf den MPCC zutreffen und ist das ein Argument für den Paracorr?
* TeleVue Paracorr Visual: Es wird dort explizit gesagt, daß er auch mit einem 35mm Kamerabody funktioniert. Damit müsste ich doch mit meiner 350D auf der sicheren Seite sein. Es wird zwar nicht klar wie man den anschließt, aber bitteschön.. Spricht etwas entscheidend gegen diese Lösung vielleicht weil sie gerne visuell und fotografisch sein will?

Vielen Dank im Voraus an alle Experten hier,

André
:)
 
Hallo André,

es gibt da schon diverse Unterschiede. Der Paracorr ist m.W. vierlinsig aufgebaut und kann bei ca. 15% Brennweitenverlängerung Koma gut korrigieren. Der MPCC ist ein Zweilinser (wie auch der Vixen Komakorrektor II) und die können Koma nur unter Einführen einer leichten Überkorrektur korrigieren. Es heißt, dass der Vixen R200SS einen absichtlich unterkorrigierten Spiegel hat, um das zu kompensieren - ob es stimmt lässt sich schwer nachprüfen, auch wenn es "Indizien" gibt.
Jedenfalls erzeugt ein Zweilinsiger Komakorrektor eine leichte Unschärfe bzw. auf Kosten leicht größerer Sternpunkte wird ein großes Feld mit diesen leicht größeren Sternpunkten abgeliefert.

Sehr teuer ist dann ein Korrektor wie er von Keller zu haben ist, basierend auf einem Wynne Korrektor (m.W.). Der wäre über ASA zu beziehen. Fotografisch sicher sehr edel, stellt aber auch Ansprüche ans Teleskop, z.B. mechanische Genauigkeit oder Backfokus=>Fangspiegelgröße.
Von Meade Europe soll (unter welchem Label auch immer) bald ein weiterer Vierlinser erscheinen, der mit weniger Brennweitenverlängerung als der Paracorr auskommt und vom Optikdesign her im Hinblick auf moderne Chips mit größen bis ca. APS-C Format durchoptimiert wurde, was nebenbei auch für noch größere Chips durchaus gute Korrektur bringt, es vignettiert dann jedoch (müsste ein Paracorr auch, abgesehen vom anderen Verlängerungsfaktor). Das Ding wird fotografisch und visuell nutzbar sein und mir scheint es lohnt, mit der Anschaffung zu warten, bis dieses Ding in Serie verfügbar ist.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Andre,

ich möchte zur Verwirrung noch ein wenig beitragen, indem ich noch einen billigen Koma Korrektor erwähne. Ich hab gestern Nacht die ersten Tests mit dem Skywacher Komakorrektor gemacht.

Er dürfte von der Optik dem Baader sehr ähnlich sein, hat aber zum Okular oder zur Kamera eine M48 Adaption, und damit 6mm mehr freie Öffnung. Leider hat er im Gegensatz zum Baader einen fixen Kragen, aber den werde ich vermutlich wegfräsen. Dann kann ich ihn auch im Okularauszug versenken.

Bei den einfachen kurzen 2 Linsigen Korrektoren (Baader, Lumicon, Skywacher, Vixen) wird durch den Korrektor spärische Aberration eingeführt, das Bild also auch auf der Achse unscharf. Der Effekt wird mit schnellerem Öffnungsverhältnis stärker, und ist abhängig von Kamera Auflösung und Okularbrennweite sichtbar.

Bei 3 oder 4 linsigen Korrektoren kann dieser Fehler korrigiert werden, damit zeichnen sie auf der Achse schärfer.

Zu den Fragen:
- Randabschattung und keine Brennweitenverlängerung sind mir wichtig, ich will aus meinem 31mm Nagler Okular weder ein 26mm Nagler machen, noch am Bildfeldrand deutlich abschatten.
- Beim visuellen Paracorr hab ich übrigens auf der Televue Seite keinen Hinweis auf eine Kameraadaption gefunden, ich fürchte, da hat sich in der Werbung von Skies Unlimited ein Fehler eingeschlichen. Wenn nicht, bin ich daran auch sehr interessiert.
- Rauslegen des Fokus kann interessant sein, da man mit der Kamera am Newton meist nur knapp in den Fokus kommt. Bei mir ist es sich mit der Canon gerade so ausgegangen, mit vielleicht 2-3mm Reserve. Der Skywatcher legt übrigens den Fokus etwa 4mm hinein, damit wird es knapper als mit einem T2 Adapter ohne Korrektor.

Von einem echten Eindruck werde ich leider erst berichten können, wenn ich wieder dunklen klaren Himmel sehe. In letzter Zeit war hier Hochnebel oder Wolken, und gestern war der Mond schon viel zu hell für eine Beobachtung.

Herzliche Grüße und CS
Arnold

 
Hi Arnold,

ich schrieb dieser Tage schon anderweitig, dass man vor diesem besonderen Wertlegen auf die Kameraseite mal schauen muss, wieviel man teleskopseitig an Feld hineinbekommt. Da haben die wohl alle um die 47mm Linsenöffnung und die Frage ist, was nach dem Korrektor-Weg dann hinten davon noch herauskommen kann.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven,

ich hab da mal mit Oslo für 2 verschiedene 2 linsige Komakorrektoren die Abschattung gerechnet, incl. Fangspiegel, Okularauszugsrohr, Eintritt Komakorrektor so wie M48 bzw T2 Anschluss. Da war in beiden Fällen am Rand des 31mm Nagler Okulars ein sehr deutlicher Unterschied in der Ausleuchtung zu sehen.

Ich hab leider die Daten derzeit nicht dabei, kann sie aber gerne zur Verfügung stellen, wenn ich am Wochenende wieder heimkomme.

Nach den Spots auf der Achse war mir allerdings auch klar, daß diese Korrektoren nur für Übersichtsokulare ausreichend sind. Ich brauche jetzt dringend einen klaren Himmel ohne Mond, um zu sehen wie die Theorie mit der Praxis zusammenstimmt!

Herzliche Grüße und CS
Arnold
 
Hallo Arnold,

meine Erfahrung ist, dass es auch bei Übersichtsokularen sichtbare Unterschiede gibt und zwar in einem Ausmaß, das nicht einfach durch die Brennweitenverlängerung erklärbar wäre.

Es wäre schön, die Daten zu sehen zu bekommen, mit den entsprechenden Angaben. Vielleicht machst Du Dir die Mühe, danke.

Clear Skies
Sven
 
Hallo André!

Ich habe vor kurzem auf den universal paracorr upgegradet, vorher hatte ich einen älteren Baader. Der Grund war eigentlich, dass ich eine schärfere Sternabbildung haben wollte, da der Baader-Korrektor einiges an sphärischer Aberration einführt, außerdem sollte die Ausleuchtung beim Baader besser sein. Nach einigen Tests mit meinem 8"f4 Newton habe ich folgende Eindrücke gewonnen:

Der Paracorr ist etwas (allerdings nicht soviel wie erwartet) schärfer auf der Achse, besonders gut mit Ronchi oder Messrschneide festzustellen, da sieht man beim Baader recht deutlich die sphärische Aberration. Der Baader bildet auf f4 mit dem T2-Adapter randscharf ab, beim Paracorr musst du mit dem Originaladapter den Abstand um knapp 2mm verlängern, damit er randscharf wird.

Von der Ausleuchtung geht der Baader gerade so für die 350, der Paracorr sollte eigentlich das KB-Format fast vignettierungsfrei ausleuchten. Ich glaube allerdings nicht, dass er das auch punktförmig schafft... In der Praxis bekommst Du mit f4 allerdings andere Probleme, da vignettiert nicht nur der Klappspiegel, sondern auch die 2 Anschläge vom Klappspiegel im Gehäuse der 350D (seltsamerweise beim Paracorr etwas stärker). Der Paracorr scheint empfindlicher auf Dejustage des Teleskops zu reagieren.

Soweit mir das bisher aufgefallen ist, macht der Paracorr keine Reflexe, bei den neueren Modellen des Baaders scheint es bei helleren Sternen einen recht lästigen REflex in Rot zu geben, der vermutlich durch Reflexion zwischen der 2. und 3. Linsenfläche entsteht. Bei meinem Baader wäre mir das jetzt noch nicht aufgefallen, aber der ist 20 Jahre alt, ev. wurde inzwischen was bei der Vergütung geändert.

Der Paracorr legt den Brennpunkt allerdings um 20mm heraus, daher kannst Du ein fotovisuelles Gerät mit einem kürzeren Verstellweg beim Okularauszug realisieren.

Unterschiede gibt es bei der Klemmung: Der Baader hat eine Sicherungsnut :krank: , wenn der Okularauszug nicht einen genau passenden Messingklemmring hat, halte ich es für höchst schwierig, eine rechtwinklige Klemmung zu realisieren. Der Paracorr hat einen glatten Hals, das sollte mit Messingklemmring eigentlich klappen (ich hab einen speziellen Adapter gemacht, der dieses Problem umgeht).

In Summe hängt die Entscheidung zwischen den beiden Korrektoren von deinen Qualitätsansprüchen ab. Der Paracorr macht um ca 30% kleinere Sterne, es ist in der Schärfe daher nicht viel Unterschied zwischen den beiden. So scharf wie in meinem 80/500mm REfraktor werden die Sterne allerdings nicht.

Grüße
Martin
 
Hallo Sven,

ich versuch mal die die Berechnungen kurz zusammenzufassen. Wenn Du Details haben möchtest, bitte ich um eine PM, dann sende ich sie Dir per Email mit PDF's und Oslo Dateien, hier im Forum ist die Darstellung etwas mühsam. Die Spots werde ich in einem eigenen Beitrag diskutieren, beides zusammen ist mit 3 Dateianhängen einfach nicht möglich.

Bitte nicht lachen, ich probier das erste Mal Anhänge hochzuladen, kann sie aber nicht als Bilder in den Text einfügen.

Da ich keine Daten von den Herstellern habe, hab ich den Ross Korrektor aus Telescope Optics Rutten/van Venrooij genommen und die Daten meines GSO Foto Newton Newton 200/1000 (also F5) um Spots und Vignettierung zu berechnen. Für einen skalierten Lumicon Korrektor sind übrigens ähnliche Spot Größen auf der Achse herausgekommen, Astigmatismus und Vignettierung war aber deutlich anders. Das ursprüngliche Ross Design zeigt dagegen ganz andere Spots, und fällt für einen kleinen Newton wegen Astigmatismus aus. Es war auch für viel keinere Felder an einem ganz großen Newton gerechnet.

Drei und vierlinsige Wynne Korrektoren hab ich nicht beachtet, die sind für meine Zwecke zu lang und würden einen 3" Okularauszug brauchen, oder stärker vignettieren. Die Spots sehen dort natürlich viel besser aus.

Der Skywatcher sieht dem Ross Korrektor von Rutten ähnlich, legt aber den Fokus ca. 3-4mm hinein, während der Rutten Korrektor den Fokus einige mm herauslegt.

Für den freien Durchgang eines T2 Anschlusses (M42) hab ich 37mm gemessen, für den M48 Anschluss 43mm.
Weiters wird die zentrale Abschattung durch Fangspiegelhalter (65mm) so wie Fangspiegel und der Okularauszug (50mm) in Oslo Lt modelliert.

In Bild 1 "Korrektions Kurven" werden die Schnittweiten ohne Vignettierung dargestellt, da sonst die unterbrochenen Kurven recht ungewohnt und verwirrend wären. In der Schnittdarstellung links unten sieht man, daß die Strahlenbüschel weit über die Linsen hinausgehen, also nur ein Teil der Kurven wirklich existiert.
Auffällig ist die starke sphärische Aberration, die alle 2-linsigen Korrektoren in ähnlicher Weise zeigen. Da ist zur Korrektur eine dritte Linse (Wynne Korrektor) oder ein hyperbolischer Hauptspiegel nötig.
Die Randkorrektur kann man mit dem Abstand Korrektor-Bildebene noch optimieren, die Spots in der Mitte bleiben praktisch gleich.

In Bild 2 "Schnittbild Korrektor T2" sind nur Eintritt OAZ (ganz links) dargestellt, so wie die Linsendurchmesser , der M42 Anschluss und die Feldblende des Nagler 31mm Okulars (42mm). Die Strahlenbüschel sind für 0%, 50% und 100% Bildfeld (unten) so wie 70% (oben) dargestellt. Der fehlende Mittelteil der Büschel ist durch den Fangspiegelhalter abgeschattet.

In Bild 3 "Vignettierung" werden die Durchstosspunkte der Lichtstrahlen durch die letzte Linsenfläche dargestellt, zur Illustration nur mit Vignettierung duch Fangspiegel gerechnet.
Die Strahlen ausserhalb des Kreises werden durch den Linsendurchmesser abgeschnitten (oder schon vorher durch den OAZ), die roten Strahlen innerhalb des Kreises durch die T2 Adaption. Nur die grünen Stralen erreichen die Bildebene.
Es sind die Strahlen für 100%, 90 %, 80% und 70% Bildfeld dargestellt. Okularauzug und Linseneintritt sind hier nicht berücksichtigt, um die Darstellung etwas klarer zu halten. Es gibt nur wenige Strahlen in den Ecken, die durch die letzte Linse passen, aber vom Okularauszug vignettiert werden.

Bei 70% Bildfeld (rechts) sieht man praktisch nur die Vignettierung durch den Fangspiegel( Pupille oben flach), nur wenige Strahlen (rot) erreichen den Korrektor aber nicht die Bildebene.
Von 80 bis 100% jedoch ist die T2 Adaption für die Vignettierung verantwortlich, bei 100% wird die Ausleuchtung von etwa 50% auf 25% gedrückt.

Da bringt die größere Adaptierung deutliche Vorteile, die Ausleuchtung fällt nicht so steil ab. Innerhalb von 70%, als ca 28mm Bildfelddurchmesser ist die Adaption dann egal. Damit ist sie nur für OAG oder lange Weitwinkelokulare wirklich nötig, das etwas größere Gewinde bingt aber andererseits keinen Zusatzaufwand.

Herzliche Grüße und CS
Arnold
 

Anhänge

  • Korrektur_Kurven.GIF
    Korrektur_Kurven.GIF
    14 KB · Aufrufe: 3.461
  • Korrektor_T2.GIF
    Korrektor_T2.GIF
    9,7 KB · Aufrufe: 3.692
  • Vignettierung_100_90_80_70_klein.gif
    Vignettierung_100_90_80_70_klein.gif
    28,6 KB · Aufrufe: 3.401
Hallo Sven,

ich will Dir die Spots natürlich nicht vorenthalten!

Wie bereits erwähnt, ist die Korrektur auf der Achse bei allen mir bekannten kurzen Korrektoren (Ross-Typ) sehr mäßig, es ist eine beachtliche sphärische Aberration sichtbar. Dagegen hilft nur eine dritte oder vierte Linse, ein hyperbolischer Hauptspiegel, oder eine Auslegung als Barlow Linse. Die zweilinsige Barlow aus Telescope Optics schafft es bis F4 ganz gut, innerhalb von 0.5° Bildfelddurchmesser die Koma zu korrigieren und die Spots fast auf das Airy Scheibchen zu berenzen, siehe Telecope-Optics.net . Ähnlich gut koma korrigierend wirkt der Fangspiegel beim klassischen Cassegrain, mit einer R-C Auslegung der asphärischen Flächen bringt man sie ganz weg, ohne sphärische Aberration einzuführen.

Für langbrennweitige Okulare so von 20-35mm bei F4.5 bis F5 dürfte aber der zweilinsige Korrektor gut zu gebrauchen sein, bei höherer Vergrößerung oder schnellerem Newton würde ich eher zu einem Parakorr oder zum neuen Meade Korrektor greifen. Da bringt auch die Brennweitenverlängerung etwas Entspannung für das Okular.

Die Spots auf der Achse haben bereits bei einem F5 Teleskop den mehrfachen Durchmesser des Airy Scheibchens, das Bild ist also nicht mehr beugungsbegrenzt.

Wie ich die Spots genau bewerten soll, ist mir nicht so klar, das Auge macht ja aus einem größeren Fleck mit scharf begrenztem Zentrum noch einen Punkt, damit ist der maximale Durchmesser der Spots vermutlich weniger wichtig als ein mittlerer (etwa rms) Durchmesser. Einige stark gestörte Strahlen bringen nur bei der Fotografie große Höfe um helle Sterne, während weniger helle scharf erscheinen.

Wenn man die Spots unten ansieht, fällt auf, wie viel von den Spots die Vignettierung beim T2 Anschluß wegnimmt, die Ausleuchtung am Rand sinkt auf etwa 25%. Mit M48 Adaption sinds doch noch etwa 50%, und in beiden Fällen steigt die Ausleuchtung stark an für kleinere Bildfelder.

Bei der Nachrechung anderer Korrektoren ist mir übrigens augefallen, daß die Neigung der Randbüschel sehr stark vom Korrektortyp abhängt, das könnte auch dazu führen, daß langbrennweitige Weitwinkel Okulare mit dem einen Korrektor besser zusammenarbeiten als mit dem anderen. Ähnliche Effekte treten ja auch hinter Barlows auf, die nicht telezentrisch sind. Damit ist die Beurteilung eines visuellen Koma Korrektors nur nach den Spots nicht möglich, man muß zumindest Abschätzen, wie weit stark geneigte Strahlenbüschel den Augenabstand verändern und die Abbildung verschlechtern.

Aber langsam hab ich genug von der Theorie, ich will wieder klaren Himmel sehen. Schneeflocken sind kein Ersatz für Sterne!


Herzliche Grüße und CS
Arnold

 

Anhänge

  • Spots.GIF
    Spots.GIF
    15,3 KB · Aufrufe: 3.340
  • Spots_M48.GIF
    Spots_M48.GIF
    13,4 KB · Aufrufe: 3.440
  • Spots_T2.GIF
    Spots_T2.GIF
    12,4 KB · Aufrufe: 3.465
Hallo Arnold,

danke für die Rechnungen und deren Ergebnisse. Wenn Du noch weiteren "Stoff" auf Deiner Platte dazu hast - meine Mailaddy steht im Profil, das wäre nett.

Tja, dieses Wochenende ist akuter Zeitmangel. Daher versuche ich mich kurz zu fassen und daher musste ich auch schnell lesen, kann einiges erst demnächst durchgrübeln.

Also zu den Zweilinsern wie ich sie kenne: Sie haben gegenüber Paracorr und dem neuen "Ich werde nicht Meade heißen"-Korrektor auch bei langbrennweitigen Okularen deutliche Nachteile. Ich war darüber doch recht erstaunt als ich eine ganze Reihe Okulare um 30mm an f/4 probiert habe. Dabei waren natürlich das 26mm Nagler T5 und das 28mm UWAN unkritisch, 31mm Nagler und 30mm Teleskopwerkstatt UWA (vermutlich ähnlich/gleich Meade S.5000) waren mit dem nominell nicht verlängernden Vixen Zweilinser kritisch, mit der Verlängerung der beiden anderen Korrektoren waren sie wieder "im Rahmen".
Das Ergebnis war nun, dass die Randabbildung dieser Okulare von den beiden viellinsigen Korrektoren stark profitierte. Paracorr und "Meade" lagen dabei gleich auf, wobei der Paracorr nach meinen Sterndurchlaufmessungen eben gut doppelt so stark verlängert (15%). Interessant war, dass die beiden Nagler am wenigsten profitierten (aber auch sichtbar), so dass die Okulare sich aneinander annäherten.
Besonders krass fiel der Leistungsunterschied beim Vergleich der Korrektoren mit einem 13mm Ethos und dessen 14mm Clone aus. Diese Okulare zeigen mit den aufwändigen Korrektoren geradezu Refraktorsterne über das ganze Feld, während die Randabbildung mit dem Zweilinser dann doch deutlich einbricht. Nicht so, dass die Okulare auf einmal schlecht wären, aber ein Klassenunterschied wird sichtbar.

Was die sphärische Korrektur angeht, so ist die Beurteilung mit 8" und 12" allein Seeingbedingt schwierig, aber auch die Justage spielt ihre Rolle. Dazu wird das ganze im Grenzbereich durch die unterschiedlichen Verlängerungsfaktoren einfach nicht mehr so leicht vergleichbar.

Übrigens, was Paracorr und "Meade" angeht, sie verschwinden problemlos in normalen Auszügen und der Backfokus unterscheidet sich auch nicht wesentlich. Lediglich wer einen flachen Helical nutzt und dabei die Tubusöffnung sehr knapp kalkuliert hat, wird dann mit dem Korrektor in den Strahlengang geraten. Aber da komme ich dann ins grübeln, ob es sich dann nicht um eine Fehlkonstruktion seitens des Teleskops handelt - fotografisch aus Sicht der Feldgröße und visuell bezüglich über Tubus-Seeing im Volltubus oder eben bei großen Geräten mit Gittertubus auch aus Sicht der relativ zur Öffnung kleiner werdenden Obstruktion.
Wird ein Gerät auf sehr kleine Obstruktion hin gebaut scheint es mir nicht sinnvoll, auf einen Korrektor mit sphärischer Fehlkorrektur zurückzugreifen. Die Nutzung ohne Korrektor ist bei großen, schnellen Geräten dann aufgrund des extrem kleinen komafreien Feldes dann auch wieder kritisch. Solange man also keinen kurzen Korrektor ohne Einführung einer Fehlkorrektur bekommen kann, ist die ganze Konzeption einer schnellen, großen Optik für Höchstvergrößerung in Frage zu stellen.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Kollegen,
das ist ja ein super guter wissenschaftlich fundierter Beitrag :).
Hier eine ganz praktische Fragen als Ergebnis für mich:
- für 350f4.5 Newton mit 21mm Ethos bzw. 35mm Panoptik besser 4-Linser?
- gibt es den Meade gelabelten Korrektor schon und wo?
- warum wird der Televue Corrector nur aus USA angeboten (jedenfalls hier im Beitrag)?

Grüße,
Robert
 
Hallo Robert,

21mm ist für mich etwa der Grenzbereich, darunter würde ich (entsprechend den Erfahrungen von Sven und auch meinen Rechnungen) auf 4 Linser setzen, wenns ganz scharf sein soll. Bei 21mm und F4.5 scheint könnte aber der 2-Linser am Rand etwas mehr Licht bringen, da wäre ein Vergleich in der Praxis sinnvoll.

Der HR Korrektor von Meade ist derzeit meines Wissens noch nicht erhältlich, den Televue Paracorr führen viele deutsche Händler (TS, VSTB, Astroshop, ...)

Meinen Skywatcher Korrektor hab ich jetzt schon ein Monat hier, ist schon ganz verstaubt. Aber erst für heute Abend hoffe ich auf einen klaren Himmel, damit ich ihn wirklich ausprobieren kann, wenn der Mond weg ist. Bisher war es immer zu dunstig, oder gleich ganz bewölkt.

Herzliche Grüße und CS
Arnold

 
hallo Arnold,

danke für deine fundierten Beiträge, ich muss errötend gestehen dass ich mit dem Baader MPCC und 8mm Planetary am f/4,7 Newton schon auf Kugelsternhaufen gezielt habe, und mir ist keine schlechte Sternabbildung aufgefallen - im Gegenteil, das Koma war weg. Am Planeten habe ich ihn allerdings nicht drin gehabt.

Bin auch gespannt wie der Skywatcher Komakorr sich macht, vielleicht magst du ein Rohbild posten? - ich teste sowas oft bei nicht idealem Wetter und Mond, die Randabbildung bei den Sterndln sieht man ja trotzdem.

Und auf den "Nicht-Meade" bin ich auch gespannt. Vielleicht machen sie ein Akronym a la "Linux Ist Nicht UniX".

lg Tommy
 
Hallo Tommy,

ich hab derzeit den Komakorrektor nur für visuelle Zwecke angeschafft, das letzte Foto hab ich vor fast zwei Jahren geschossen, mit Rohbild wirds also nichts (mangels passender Montierung ...). Daher auch das Warten auf dunkle mondlose Nächte, damit ich 6mm AP (mit 31mm Nagler) erreiche und den Eindruck im Okular beurteilen kann. Bin neugierig, ob ich eine deutliche Verbesserung sehen kann. Derzeit bin ich eher Schreibtischtäter und versuche Ordnung in meine Rechnungen zu bringen.

Im mittleren Bereich hab ich nur das 21mm Hyperion und eine 20mm Goldkante, da hilft kein Komakorrektor bei der Randabbildung. Aber das angepeilte Explore Scientific 20mm ist noch nicht erhältlich, und das Ethos hab ich mir aus finanziellen Gründen verkniffen.

Doch deinen Tipp, mal mit einem kurzen Okular die sphärische Aberration am Stern zu testen, werde ich heute Abend beherzigen. Leider geht heute der Mond erst spät unter, aber es ist für fast 2 Wochen die letzte Chance.

Wenn der Korrektor funktioniert, kommt der Kragen weg, und er wird im Okularauszug versenkt.

LG
Arnold
 
hallo,

am f/4,7 10" Newton mit 5mm Hyperion führt die Verwendung eines Baader MPCC eine UNTERkorrektur von geschätzt 1/4 bis 1/3 wave ein. Deutlich kommt Intrafokal der FS-Schatten sofort und ein heller Ring entwickelt sich, der bis zum Defokus von 10 wave (etwa 1mm) zum Scheibchen wird. Extrafokal kommt sofort ein diffuses Scheibchen, erst dann der FS Schatten.

Da der Komafehler beim f/4,7 aber im Feld sehr überwiegt, bringt der MPCC zur visuellen Beobachtung bis 1mm AP runter, wie ich es gerne für Kugelsternhaufen verwende (meist aber nur bis 2mm AP), auf jeden Fall sehr viel. Der Eindruck hat mich nicht getäuscht.

Am Planeten würd ich ihn aber nicht nehmen (ausser ich hätt ein so stark ÜBERkorrigiertes Röhrchen).

lg Tommy
 
Hi Tommy,

in etwa erwartungsgemäß. Ich nutze ja schon lange den Komakorrektor vom R200SS auch an 12" f/4. Tja und richtig gute Planetenbeobachtungen habe ich dann eher ohne den Korrektor machen können. Das ist aber nur so eine "gesammelte Beobachtung". Gestützt zum Beispiel auf diesen Saturn:
http://www.svenwienstein.de/Pics/Saturn4_b1.jpg
Man sieht ziemlich gut, dass die Aufnahme eigentlich prächtig wäre bis auf Koma. Ich hatte dummerweise vor dem Schwenk bzw. mit Tubus in der Waagerechten justiert.
Mit Vixen-Korrektor habe ich in den Aufnahmen einfach nicht diese Schärfe hinbekommen.
Nun hält sich ja das Gerücht, dass beim R200SS der Spiegel unterkorrigiert wäre so zu 25% (gegenüber der Abweichung zur Kugel). Das soll durch den Korrektur wieder bereinigt werden. Dafür gibt es aber keine Aussage von Vixen, nur Indizien. Und zwar handfest hat Alois Ortner einige R200SS auf der Bank gehabt, die recht genau immer wieder diese Unterkorrektur hatten. Dazu das spezielle Herstellungsverfahren bei dem die Parabolisierung des eigentlich kugelig geschliffenen Hauptspiegels über die Dicke der aufgesputterten Spiegelschicht geregelt wird. Man hat sich immer wieder gefragt, warum man da ein so seltenes Verfahren anwendet. Obwohl - in industriellem Maßstab ließe sich eine 75% Parabel sicher genauso mühsam schleifen wie eine 100%ige.

Jedenfalls - das praktische Problem ist halt, dass ich mit R200SS und dem 12" f/4 von Orion halt ein Vergleichsproblem habe. Beim 12" ist wetterbedingt der Vergleich seltenst möglich und Justage spielt bei dem Labbertubus eine ganz gewaltig übergeordnete Rolle, tja und beim R200SS hätte ich mit wie ohne den 4-Linser-Korrektor eine ähnliche Fehlkorrektor und nur mit dem R200SS-Korrektor optimale Spots. Da die Optik aber auch nicht belüftet ist...

Was mittlere bis schwache Vergrößerung angeht hingegen sind die Unterschiede deutlich. Da ist auf der Achse kein Unterschied zu bemerken (bis auf andere Bildfeldwölbung). Lediglich die Verlängerung der 4-Linser macht sich dann bei der Bildhelligkeit bemerkbar (vielleicht auch die Linsenzahl, aber man sollte da keine Aussage machen, weil man sich eben durch die andere AP täuschen lässt). Wenn man mal ein Verfahren zur Transmissionsmessung an der Hand hätte...
Die Verbesserung der Randabbildung ist aber dann im äußeren Feldbereich doch deutlich. Beim 13mm Ethos /14mm Explore Scientific macht das ganz wesentlich was aus. Und Vignettierung oder sonstige Abdunklung am Bildrand halte ich da für unerheblich, visuell fällt das viel weniger auf, als man allgemein annimmt. Auch beim 21mm Ethos oder 20mm Explore Scientific wird das so sein, denn die haben ja Felder die vergleichbar sind mit dem was ich an langbrennweitigeren Vergleichsokularen drin gehabt habe. 31mm Nagler, 26mm Nagler, 28mm UWAN und 30mm Teleskopwerkstatt. Und es gilt für alle vier, dass die Randabbildung nicht mehr perfekt ausfällt. Bei den beiden Nagler T5 meiner Meinung nach wegen Okularasti und bei den anderen wegen Okularasti im Mix mit Bildfeldwölbung (wodurch dann der Vorteil der Nagler entsteht).
Mit dem Zweilinser dann ist der Vorteil des 26mm Naglers deutlich größer aber die Randabbildung ist insgesamt deutlich schlechter. Das 31mm Nagler ist bei f/4 ja mit noch mehr Randunschärfe behaftet aber das ganze hat auch schon eine kritische AP. Da ist die Fehlermischung am Rand dann auch so dick angerührt, dass man vom Durchfokussieren her keine Idee mehr bekommt, was da nun dominiert.

Am geringsten sind die Unterschiede also am ehesten bei kleinen Feldern mit nicht zu hoher Vergrößerung. Also 2mm bis "8mm" AP. Mit einem 8mm Oku reicht der 2-Linser auch für 80° Feld - ob für 100° beim Ethos müsste man mal probieren. Und es kommt natürlich darauf an, wie sehr man mit dem Auge im Feld herum rührt und so die bessere Abbildung sehen und schön finden kann.

Clear Skies
Sven
 
hallo Sven,

jetzt sollten wir uns nur noch einigen: Führt der 2 linsige Korrektor eine Unter oder eine Überkorrektur ein?

Ich habe heute eindeutig eine Unterkorrektur mit MPCC gesehen, und dazu extra 2x im Suiter nachgeschlagen, weil ich das gern verwechsle. Aber da steht, der Ring kommt intra bei Unterkorrektur, das diffuse Scheibchen extrafokal bei Unterkorrektur (2.Aufl. S.30). Ohne Korrektor ist der Newton ziemlich gleich intra/extra :-)))

So einen Vixen R200SS habe ich auch mal sterngetestet, mit "oioioi" Ergebnis - vielleichts war es ja diese, hm, absichtliche Fehlkorrektur.

lg Tommy
 
Hallo Tommy,

entschuldige daß ich mich mit theoretischen Argumenten in die Diskussion einklinke:

Bei der Berechnung führen alle mir bekannten 2-linsigen Korrektoren (Rutten, Lumicon, Rosin Jones, Peoples Astrograph) eine Unterkorrektur ein, brauchen also einen überkorrigierten oder hyperbolischen Hauptspiegel um perfekte Spots abzuliefern.

Das passt gut zu Deiner Beobachtung.

CS
Arnold
 
Hi Zusammen,

ich gebe die Geschichte aus dem Gedächtnis wieder. Mag sein, dass Alois Überkorrektur feststellte.
Da ich vorsichtig damit wäre, an einem schnellen Spiegel absichtlich herum zu korrigieren, um zu einem Zweilinser passend zu werden, scheint es mir nicht so besonders wichtig. Es kategorisiert jedenfalls das Problem.

Clear Skies
Sven
 
Ein alter Thread...mal ne Frage - ich sehe bei meinem MPCC Celestron/Baader Korrektor rote Reflektionen - zugegeben nur mit einen rel. großen künstlichen Sternpunkt.
Das waren glaub 150µm auf 20m. 100% Crop.
Link zur Grafik: http://img189.imageshack.us/img189/4875/mpcc.jpg
Gibt es eine Möglichkeiten den Flare zu verringern?
Und wieso ist der immer an der gleichen Stelle?
Sollte der nicht um den Punkt wandern, wenn ich alle Ecken abfahre?

 
Hallo Peter,

ohne MPCC sind auch Reflexe zu erkennen.
Treten die Reflexe auch bei einem Fokus auf Unendlich auf? Bei 20m Entfernung hat man an einem 8" Hauptspiegel eine Parallaxe von 0,29° im System. Käme der Abstand zwischen Reflex und Punkt denn in die Nähe dieses Werts?

Gruß,
Markus
 
Hi Markus,
das oben sind keine Reflexe sondern eine Kante vom künstlichen Stern.
Das ist ein 6" SN - ob das in die Nähe kommt weiss ich nicht.
Bei einem Test mit 50µm auf 30m sieht man nix.

Link zur Grafik: http://img213.imageshack.us/img213/6268/mpccflare.jpg

Hatte den Test eigentlich gemacht um zu sehen ob mein Korrektor mit dem Schmidt-Newton funktioniert und wie die Abbildung ganz am Rand vom APSC-Chip ist.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Peter,

das dürfte eine Reflektion von irgendeinem Bauteil sein.
Rechts unten hat dieses Teil kein Licht abbekommen.
Das könnte die langwierige Suche etwas eingrenzen.

Gruß
*entfernt*
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben