konfokal
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Hallo.
Ich finde diese Liste mit den Empfehlungen für die angeblich häufigsten sinnvollen Kombinationen ziemlich einseitig. Die Auswahl orientiert sich in erster Linie an der m.E. fragwürdigen Devise "maximale Öffnung für's Geld". Das sieht dann so aus, als käme für Einsteiger im unteren Preisbereich außer Newtonbauweise vernünftigerweise kaum was anderes in Frage. Dass man sich mit einem Newton jedoch auch Nachteile einhandelt, die nicht jedem schmecken, bleibt ebenso unerwähnt wie die Alternativen, bei denen man für etwas Verzicht auf Öffnung in anderer Hinsicht Vorteile gewinnt:
Refraktoren z.B., oder auch Spektive, die überhaupt nicht vorkommen, können gerade die für Leute ideal sein, die auf unkomplizierte schnelle Einsatzbereitschaft wert legen. Kein Justieren, kein Auskühlen, kein umständliches Visieren und kein um-die-Ecke-Durchgucken, keine Spikes. Im Fall eines Spektivs kommen neben seitenrichtiger und aufrechtem Bild meist auch noch Robustheit und Wasserfestigkeit hinzu. Außerdem kann man mit solchen Systemen auch auf Reisen und Wanderungen mal Tagbeobachtungen machen und Schiffe, Flugzeuge, Vögel, Bergsteiger beobachten.
Ein kleiner achromatischer Refraktor 80/640 z.B. bildet erstaunlich knackig ab und der Farbfehler hält sich auch im höheren Vergrößerungsbereich noch sehr in Grenzen. Mit halbwegs vernünftiger Monti ist da auch unter 200 Euro schon was zu bekommen. Wer die Länge nicht scheut, kann auch einen 90/900 mal in Augenschein nehmen, wen der Farbfehler nicht groß stört, kann vielleicht an einem achromatischen 102/500-700 Gefallen finden.
Auch und gerade für Kinder als Einsteiger finde ich ein kleineren Refraktor ideal: der Skywatcher 80/400 z.B. ist kurz, leicht, schnell aufgebaut, passt gut ins Gepäck, liefert weite Felder mit schöner Übersicht und zeigt auch an Planeten schon das ein oder andere Detail - Farbfehler hin oder her. der ist nämlich ab >120fach so lichtschwach, dass er dann kaum noch stört. Der Kleine funktioniert auch auf einer EQ1 Tischmonti stabil genug, die man außerdem zwischen azimutal und parallaktisch umstellen und später auch noch motorisieren kann - dann lassen sich damit sogar erste fotografische Erfahrungen sammeln.
Die Alternative Mak kann beim Einstieg z.B. in Hinblick auf Transport, Handhabung, oder Brillanz und Hochvergrößerungsmöglichkeit und günstigere Okularausstattung gegenüber einem vergleichbaren Newton punkten. Wer Sonnensystem und Tagbeobachtung anpeilt, weil DS mit kleinen Öffnungen eh nicht so prickelnd ist, wird mit einem 102/1300 oder 127/1500-1900 nicht schlecht bedient. Bei mehr Budget oder späterem Upgrade ergänzen die sich auch mit einem Weitfeldrefraktor gut, der dann das Übersichts-Defizit ausgleicht.
Bei den Montierungen würde ich ebenfalls nicht nur kompromisslos stabile klassische Rockerbox oder parallaktische EQ3/EQ5 Klasse empfehlen. Ich würde nachfragen, wer Spaß an GoTo und Steuerung mit einem Mobilgerät hat, und den Strombedarf nicht als Problem sieht, ob er/sie bereit wären dafür auf etwas Stabilität oder zu Öffnung verzichten, oder auch auf eine justierbare HS-Zelle bei einem Newton - die ist m.E. bei Systemen bis 6" und > ca. f/5 nicht zwangläufig nötig, wenn der Spiegel ab Werk richtig justiert verklebt ist.
Dafür können solche Kompromiss-Geräte dank elektr. Nachführung später leicht mit einer Videokamera für EAA ausgestattet werden - was gerade mit kleinen Öffnungen unter lichtverschmutztem Himmel sehr viel Spass machen kann. Auch Rockerbox-Varianten mit einem Pointierungssystem ("Pushfix", "Intelli-Irgendwas" usw.) sind m.E. nicht per se zu verteufeln. Die etwas größere Wackelei gegenüber einem schwereren stabileren Unterbau sollte man die Leute individuell ausprobieren lassen, nicht jeder Einsteiger ist Grobmotoriker, einem anderen wiederum kann es gar nicht stabil genug sein.
Es kommt halt darauf an, wie sich ein interessierter Einsteiger das Beobachten unter seinen speziellen Umständen vorstellen kann. Da haben solche gut gemeinten Standardlisten wie oben m.E. nur sehr begrenzten Nutzen - ganz davon abgesehen, dass man solche Standardempfehlungen auch überall anderswo leicht finden kann.
Und bevor das jetzt falsch rüberkommt: ich bin nicht dagegen, empfehlenswerte Geräte und Kombis aufzulisten, würde aber auf mehr Alternativen und Auswahlmöglichkeiten hinweisen, und auch nicht die jeweiligen Nachteile unterschlagen, die jede Empfehlung nunmal zwangsläufig mit sich bringt. Kein Teleskoptyp hat nur Vorteile oder ist alternativlos, es geht immer um Kompromisse und darum, wer sie wo machen kann.
Gruß,
Mathias
Ich finde diese Liste mit den Empfehlungen für die angeblich häufigsten sinnvollen Kombinationen ziemlich einseitig. Die Auswahl orientiert sich in erster Linie an der m.E. fragwürdigen Devise "maximale Öffnung für's Geld". Das sieht dann so aus, als käme für Einsteiger im unteren Preisbereich außer Newtonbauweise vernünftigerweise kaum was anderes in Frage. Dass man sich mit einem Newton jedoch auch Nachteile einhandelt, die nicht jedem schmecken, bleibt ebenso unerwähnt wie die Alternativen, bei denen man für etwas Verzicht auf Öffnung in anderer Hinsicht Vorteile gewinnt:
Refraktoren z.B., oder auch Spektive, die überhaupt nicht vorkommen, können gerade die für Leute ideal sein, die auf unkomplizierte schnelle Einsatzbereitschaft wert legen. Kein Justieren, kein Auskühlen, kein umständliches Visieren und kein um-die-Ecke-Durchgucken, keine Spikes. Im Fall eines Spektivs kommen neben seitenrichtiger und aufrechtem Bild meist auch noch Robustheit und Wasserfestigkeit hinzu. Außerdem kann man mit solchen Systemen auch auf Reisen und Wanderungen mal Tagbeobachtungen machen und Schiffe, Flugzeuge, Vögel, Bergsteiger beobachten.
Ein kleiner achromatischer Refraktor 80/640 z.B. bildet erstaunlich knackig ab und der Farbfehler hält sich auch im höheren Vergrößerungsbereich noch sehr in Grenzen. Mit halbwegs vernünftiger Monti ist da auch unter 200 Euro schon was zu bekommen. Wer die Länge nicht scheut, kann auch einen 90/900 mal in Augenschein nehmen, wen der Farbfehler nicht groß stört, kann vielleicht an einem achromatischen 102/500-700 Gefallen finden.
Auch und gerade für Kinder als Einsteiger finde ich ein kleineren Refraktor ideal: der Skywatcher 80/400 z.B. ist kurz, leicht, schnell aufgebaut, passt gut ins Gepäck, liefert weite Felder mit schöner Übersicht und zeigt auch an Planeten schon das ein oder andere Detail - Farbfehler hin oder her. der ist nämlich ab >120fach so lichtschwach, dass er dann kaum noch stört. Der Kleine funktioniert auch auf einer EQ1 Tischmonti stabil genug, die man außerdem zwischen azimutal und parallaktisch umstellen und später auch noch motorisieren kann - dann lassen sich damit sogar erste fotografische Erfahrungen sammeln.
Die Alternative Mak kann beim Einstieg z.B. in Hinblick auf Transport, Handhabung, oder Brillanz und Hochvergrößerungsmöglichkeit und günstigere Okularausstattung gegenüber einem vergleichbaren Newton punkten. Wer Sonnensystem und Tagbeobachtung anpeilt, weil DS mit kleinen Öffnungen eh nicht so prickelnd ist, wird mit einem 102/1300 oder 127/1500-1900 nicht schlecht bedient. Bei mehr Budget oder späterem Upgrade ergänzen die sich auch mit einem Weitfeldrefraktor gut, der dann das Übersichts-Defizit ausgleicht.
Bei den Montierungen würde ich ebenfalls nicht nur kompromisslos stabile klassische Rockerbox oder parallaktische EQ3/EQ5 Klasse empfehlen. Ich würde nachfragen, wer Spaß an GoTo und Steuerung mit einem Mobilgerät hat, und den Strombedarf nicht als Problem sieht, ob er/sie bereit wären dafür auf etwas Stabilität oder zu Öffnung verzichten, oder auch auf eine justierbare HS-Zelle bei einem Newton - die ist m.E. bei Systemen bis 6" und > ca. f/5 nicht zwangläufig nötig, wenn der Spiegel ab Werk richtig justiert verklebt ist.
Dafür können solche Kompromiss-Geräte dank elektr. Nachführung später leicht mit einer Videokamera für EAA ausgestattet werden - was gerade mit kleinen Öffnungen unter lichtverschmutztem Himmel sehr viel Spass machen kann. Auch Rockerbox-Varianten mit einem Pointierungssystem ("Pushfix", "Intelli-Irgendwas" usw.) sind m.E. nicht per se zu verteufeln. Die etwas größere Wackelei gegenüber einem schwereren stabileren Unterbau sollte man die Leute individuell ausprobieren lassen, nicht jeder Einsteiger ist Grobmotoriker, einem anderen wiederum kann es gar nicht stabil genug sein.
Es kommt halt darauf an, wie sich ein interessierter Einsteiger das Beobachten unter seinen speziellen Umständen vorstellen kann. Da haben solche gut gemeinten Standardlisten wie oben m.E. nur sehr begrenzten Nutzen - ganz davon abgesehen, dass man solche Standardempfehlungen auch überall anderswo leicht finden kann.
Und bevor das jetzt falsch rüberkommt: ich bin nicht dagegen, empfehlenswerte Geräte und Kombis aufzulisten, würde aber auf mehr Alternativen und Auswahlmöglichkeiten hinweisen, und auch nicht die jeweiligen Nachteile unterschlagen, die jede Empfehlung nunmal zwangsläufig mit sich bringt. Kein Teleskoptyp hat nur Vorteile oder ist alternativlos, es geht immer um Kompromisse und darum, wer sie wo machen kann.
Gruß,
Mathias
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