Kleines Firstlight Skywatcher 80/600 ED

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Delyon

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Guten Morgen,

seit zwei Tagen steht nun mein neuer Skywatcher 80/600 ED zuhause, doch erst heute hatten die Wolken ein Erbarmen und gaben mir die Gelegenheit, einmal einen ersten Eindruck davon zu gewinnen, was im kleinen Refraktor steckt. Wegen des Mondlichtes machte ich mir heute nicht die Mühe, an einen dunklen Standort herauszufahren, sondern begnügte mich damit, vom Stadtrand aus an Mond und Saturn einen ersten Test durchzuführen. Montiert habe ich das Teleskop auf einer AZ4, als Okulare kamen ein 32mm Erfle, ein 12mm Magellan und eine 6mm Goldkante zum Einsatz.

Zunächst zum Eindruck, den Teleskop und Zubehör bei einer ersten Begutachtung zuhause machten. Gekauft habe ich den 80/600er im Komplettpaket mit Alu-Transportkoffer, Zenitspiegel mit 99% Reflektion, 9x50-Sucher, 1:10 Mikrofokus und einem 28mm Apex 2"-Okular (Das ich allerdings kaum nutzen werde, da ich gleich ein 32mm Erfle mit wesentlich größerem Gesichtsfeld dazugekauft habe). Der Transportkoffer macht einen stabilen und wertigen Eindruck, darin transportiere ich das nicht ganz billige Teleskop jedenfalls lieber als ungeschützt im Rucksack. An den Rohrschellen gibt es auch nichts auszusetzen, sie machen einen stabilen Eindruck, und beim Probeaufbau auf der AZ4 saß alles bombenfest.
Einen Kritikpunkt gibt es allerdings bei Sucher und Sucherschuh: Einmal ist ein 9x50-Sucher für einen kurzbrennweitigen Richfielder, der locker Vergrößerungen im Fernglasbereich erreicht, natürlich völlig überdimensioniert und bedeutet nur störendes Extragewicht, zudem sitzt der Sucherschuh so ungünstig, dass der Einblick in den Sucher bei zenitnaher Beobachtung sehr unangenehm wird, wenn man das Stativ nicht voll ausfährt, was aber wieder die Stabilität verringert. So habe ich mich gleich entschieden, statt des 9x50-Suchers den viel leichteren und angenehmeren Leuchtpunktsucher zu verwenden, den ich noch von meinem kleinen Maksutov habe - umgekehrt kann ich den 9x50 sicher gut für den Mak benutzen, der ja ein sehr enges Gesichtsfeld hat, sodass ein optischer Sucher mit größerer Öffnung dort gute Dienste leisten wird.
Wegen der nicht einschiebbaren Tauschutzkappe erreicht das Teleskop für 600mm Brennweite doch schon eine beachtliche Länge, und durch den ziemlich dicken Tubus kommt es auch auf ordentlich Gewicht, besonders mit schwerem 2"-Zubehör - andererseits macht es dadurch einen sehr robusten Eindruck, was bei einem ständig über Stock und Stein transportierten Rucksackgerät nicht verkehrt sein kann. Die AZ4 trägt den Refraktor problemlos, allerdings gibt es bei 2"-Okularen und zenitnaher Beobachtung schon eine gewisse Ausschwingzeit, was bei 18-facher Vergrößerung aber nicht weiter stört - mit den 1,25"-Okus für höhere Vergrößerungen ist die Ausschwingzeit sehr niedrig, obwohl ich der besseren Transportierbarkeit halber nur das Alu- statt des Stahlstativs verwende.
Das Ganze - Teleskop, Sucher, Zenitspiegel und Okulare im Transportkoffer, Stativ und Montierung im Trekkingrucksack - ist noch gut zu Fuß transportierbar, aber einiges an Gewicht kommt schon zusammen, neben dem 90/1250-Maksutov ist der Refraktor mit dem nötigen Zubehör jedenfalls schon ein Brummer. Eine Weile hatte ich zwischen dem 80/600er und dem 100/900er ED geschwankt, bin nun aber froh, mich für den Kleinen entschieden zu haben - als Rucksackgerät würde ich etwas deutlich Längeres und Schwereres nicht unbedingt zu Fuß über längere Distanzen schleppen wollen.

Aber genug der Vorrede - zur optischen Leistung! Erstes Beobachtungsobjekt war heute natürlich der Mond. Erst einmal bei 18x im Erfle, wobei es sehr ungewohnt war, dass der komplette Mond innerhalb des riesigen Gesichtsfeldes fast verschwindet - ich hatte vorher noch nie ein Teleskop mit 2"-OAZ, und im Vergleich zum engen Gesichtsfeld meines Maksutov sieht der Blick durch so ein langbrennweitiges 2"-Okular aus, als würde man aus einem Fenster schauen. Bei 50x im 12mm Magellan ist der ganze Mond immer noch komplett im Blickfeld mit komfortabel viel Raum drumherum - ein sehr ästhetischer Anblick, noch dazu nach einer Auskühlzeit von nur ein paar Minuten ein absolut knackscharfes Bild, der Mak bräuchte mindestens 30-40 Minuten, um am Mond sein Potential zu entfalten. Dann Detailbeobachtung bei 100x mit der 6mm Goldkante, immer noch ein gestochen scharfes, unglaublich kontrastreiches Bild, mit scharf konturierten Schattenwürfen am Terminator, wie ausgestanzten Kleinkratern und Bergen und Kraterränder, die sich in hunderte feinste Details auflösen, einfach nur absolut fantastisch - das Bild scheint mir definitiv sogar besser zu sein als beim 90mm-Maksutov, der ja immerhin ein ausgewiesener kleiner Mondspezialist ist. Von Farbfehler ist ebenfalls nichts zu sehen, am Rand des Mondes auch bei 100x nicht die leiseste Spur eines noch so kleinen Farbsaums, überall nur neutrales Weiß ohne jeden Farbstich, der da nicht sein sollte. Mehr Farbkorrektur würde in dem Vergrößerungsbereich wohl auch ein Vollapo nicht können. Besonders beeindruckte mich aber die Weite des Gesichtsfeldes: Ich hatte drastisch unterschätzt, wie enorm viel Zugewinn an Gesichtsfeld mir ein kurzbrennweitiges Teleskop auch bei höheren Vergrößerungen im Vergleich zum Mak mit seinen 1,25m Brennweite bringt: Beim 80/600er hat man selbst bei 100-facher Vergrößerung noch fast den ganzen Mond gleichzeitig im Blick, und die Mondoberfläche voller feiner Details mit dem Auge abgrasen zu können, ohne ständig nachführen zu müssen ist einfach ein ganz anderes Gefühl als das Herumstochern mit dem kleinen Gesichtsfeld des Mak, wo man bei höheren Vergrößerungen immer nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Mondes sieht. Diese Weite musste ich minutenlang einfach nur genießen.

Copernicus war atemberaubend, der zerklüftete Kraterrand wird mit feinsten Details abgebildet, plastisch zeichnen sich die einzelnen Schichten des Kraterrandes und die Geländeverwerfungen um Copernicus gestochen scharf ab. Südlich von Copernicus blitzen einzelne Berge hell aus dem dunklen Untergrund des Inselmeeres hervor, und zwischen Gambart A und B konnte ich schön den großen Dom beobachten. Im südlichen Bereich des Mondes war Clavius mit seinen zig Kleinkratern atemberaubend - auch hier wurden wieder definitiv mehr Kleinkrater aufgelöst als jemals im 90mm-Mak, mit dem ich in den letzten Monaten ja viel Mondbeobachtung getrieben habe.

Nach dem Mond stand noch Saturn an, der zwar schon sehr tief steht und kaum noch vernünftig beobachtbar ist, den ich aber doch einmal im neuen Teleskop sehen wollte. Wegen des horizontnahen Standes kriegt man ihn kaum noch scharf, aber der Refraktor scheint mir weniger seeinganfällig als der Mak, jedenfalls hielt sich das Gewaber in Grenzen, und auch bei 100x bekam ich ein recht ruhiges Bild, bei dem in guten Augenblicken die Cassiniteilung am Rand des Rings erahnt werden konnte, auch hier ist der Refraktor wieder mindestens genauso gut wie der 90mm-Mak. Vor allem erleichtert das deutlich größere Gesichtsfeld aber enorm die Beobachtung bei manueller Nachführung auf azimutaler Montierung: Wenn ich den Saturn im Mak bei 104x beobachte, muss ich fast ununterbrochen nachführen, so schnell zieht er wieder aus dem kleinen Gesichtsfeld heraus - im 80/600er hingegen bleibt Saturn auch bei 100x mit der 6mm Goldkante so lange im Blick, dass das Nachführen ganz entspannt und stressfrei läuft, der Spaß an der Beobachtung steigt dadurch wirklich stark. Ein 5mm-Okular für 120-fache Vergrößerung kann man wohl auch noch problemlos einsetzen, ohne dass es mit azimutaler Montierung Nachführungsschwierigkeiten gäbe.

Wegen aufziehender Wolken und allgemein dunstiger Luft konnte ich leider nicht den Monduntergang abwarten, um auch die Deep Sky-Fähigkeiten des ED zu testen, aber ein bisschen Himmelabgrasen in Zenitnähe mit dem 32mm Erfle ging schon, wobei mich das riesige Gesichtsfeld und die typischen Refraktor-Nadelsterne in Begeisterung versetzten. Auf richtiges Richfielden und einen ersten Deep Sky-Test in mondloser Nacht unter Landhimmel bin ich jedenfalls schon sehr gespannt.

Fazit: Mit dem 80/600er habe ich wohl tatsächlich das für mich ideale Kompaktteleskop gefunden, das die Möglichkeiten eines Großfernglases mit denen eines kleinen Maksutov vereint. Die Deep Sky-Fähigkeiten des Refraktors habe ich leider noch nicht testen können, aber von der Kombination aus herrlich weitem Gesichtsfeld und hervorragender Mond- und Planetenabbildung ohne den geringsten sichtbaren Farbfehler bin ich schon einmal begeistert. Dass ein primär als Richfielder konzipiertes Teleskop an Mond und Planeten einen Mak schlägt hätte ich wirklich nicht erwartet (Womit mein kleiner Travelmak wohl überflüssig wird). Ebenso überrascht bin ich davon, dass die großen erreichbaren Gesichtsfelder nicht nur für Richfield toll sind, sondern auch die Mond- und Planetenbeobachtung enorm erleichtern, wenn man manuell an zwei Achsen nachführen muss. Auf jeden Fall ein Teleskop, das sehr viel Spaß macht, sich toll zum Transport auch ohne Auto eignet und von dem ich im Gefühl habe, dass ich es sicher nicht mehr hergeben werde. Mit dem notwendigen Zubehör kostet die kleine 80mm-Röhre zwar fast schon soviel wie ein 10"-Dobson, aber mir scheint, dass sie tatsächlich jeden Cent davon wert ist.

CS,
Fabian
 
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Zitat von Delyon:
Besonders beeindruckte mich aber die Weite des Gesichtsfeldes: Ich hatte drastisch unterschätzt, wie enorm viel Zugewinn an Gesichtsfeld mir ein kurzbrennweitiges Teleskop auch bei höheren Vergrößerungen im Vergleich zum Mak mit seinen 1,25m Brennweite bringt: Beim 80/600er hat man selbst bei 100-facher Vergrößerung noch fast den ganzen Mond gleichzeitig im Blick, und die Mondoberfläche voller feiner Details mit dem Auge abgrasen zu können, ohne ständig nachführen zu müssen ist einfach ein ganz anderes Gefühl als das Herumstochern mit dem kleinen Gesichtsfeld des Mak, wo man bei höheren Vergrößerungen immer nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Mondes sieht. Diese Weite musste ich minutenlang einfach nur genießen.

Hallo Fabian,

gratuliere zu dem schönen Gerät, man hört ja nur gutes über den kleinen ED - auch bei mir steht der auf dem Wunschzettel :)

Aber ich verstehe das nicht ganz - der ED zeigt dir genau dasselbe Gesichtsfeld bei 100x Vergrösserung wie der 90/1250 Mak, vorrausgesetzt die Okulare haben dasselbe scheinbare Gesichtsfeld. Der Durchmesser des Gesichtsfeld was du siehst hat einzig und allein mit der Vergrösserung und dem scheinbaren Gesichtsfeld des Okulares zu tun, von Vignettierung mal abgesehen. Da hat die Brennweite oder das ÖV direkt nichts mit zu tun. Irgendwann tritt am Mak halt Vignettierung auf und du bräuchtest sehr niedriegbrennweitige Okulare mit grosser Feldblende um bei den niedriegen Vergrösserungen mit dem ED mitzuhalten.

Aber in dem Bereich von 100x wo du beschreibst hat das wie gesagt nur mit den Okularen zu tun.

Gruß, Gerry
 
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Hallo,

das Okular, das ich am Mak für hohe Vergrößerungen einsetze, hat in der Tat ein geringfügig kleineres scheinbares Gesichtsfeld, aber nur so wenig, dass es meinen Eindruck eigentlich nicht erklären kann. Ich weiß nicht, was es ist, was meine subjektive Wahrnehmung da zu täuschen scheint - aber wenn ich Mond und Planeten im Mak bei 104x beobachte, habe ich den Eindruck, fast ununterbrochen nachführen zu müssen, wohingegen mir das beobachtete Objekt bei 100x im Refraktor viel länger im Gesichtsfeld zu bleiben scheint. Vielleicht wird mein Empfinden hier davon irritiert, dass ich am Mak i.d.R. eine kleinere und deutlich instabilere Montierung verwende, mit der die Ausschwingzeit höher ist, sodass ich bei höheren Vergrößerungen immer nur recht kurz ein ruhiges Bild habe.

CS,
Fabian
 
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Hi Fabian,
irgend so etwas wird es sein. Das GF muss gleich sein, nach dem was Du beschreibst.

Insgesamt eine schöne Einschätzung, die ich abgesehen vom GF-Thema, 2003 als diese Geräte als Volksapo auf den Markt kamen, weitgehend auch so erlebt habe.
Am Ende ist es dann bei mir so ausgegangen, dass ich ein Wiiliams FPL53 Gerät mit 80mm gekauft und alle anderen Kleingeräte verkauft habe. Nur der Travelmak 90 mit EQ1, der steht immer noch hier - weil ich ihn einfach g.. finde :)

Gehe ruhig noch auf mehr Vergrößerung am Planet oder Mond.
160-180 kann das Gerät normal gut ab

Viel Spaß mit dem Teil
CS
 
Hallo,

ein gutes 5mm-Okular für 120-fache Vergrößerung werde ich wohl auf jeden Fall noch nachkaufen (Hatte überlegt, gleich beim Teleskopkauf ein Baader Hyperion 5mm zu nehmen, wollte aber erst einmal mit einem günstigeren Okular testen, ob es bei 100x schon irgendwelche Schwierigkeiten gibt), aber ist mehr als 150x nicht doch etwas zuviel des Guten für 80mm Öffnung? Ich würde ja erwarten, dass da auch bei Planeten schon so ziemlich das Licht ausgeht, zumal ich glaube, dass ich mir 160-180-fache Vergrößerungen bei manueller Nachführung auf azimutaler Montierung nicht würde zumuten wollen.

CS,
Fabian
 
Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Gerät und viele, viele schöne Stunden damit!

Gruss von Anette
 
Hallo,

hm, dann werde ich wohl darüber nachdenken, mir statt eines 5mm-Okulars etwas noch Kurzbrennweitigeres zu kaufen. Nachdem der ED mich an Mond und Planeten so positiv überrascht hat, wäre es doch ganz nett, auch ein Okular zu haben, mit dem er in die Nähe seiner Leistungsgrenze kommt.

CS
 
Nach dem bestandenen Mond- und Planetentest hatte der 80/600 ED diese Nacht nun übrigens auch sein Deep Sky-Firstlight. Ich habe die absolut wolkenfreie Nacht genutzt, mit dem Teleskop in den Wienerwald rauszufahren, wo es nach Monduntergang ordentlich dunkel wurde für einen Standort nur wenige Kilometer außerhalb einer Millionenstadt - Grenzgröße dürfte in die Nähe von 5,5 mag gekommen sein, die Milchstraße war ziemlich hell und schon etwas strukturiert, die Andromeda-Galaxie mit bloßem Auge ein recht helles Objekt. Unter richtig dunklen Landhimmel weit außerhalb der Stadt wird er dann bei Neumond kommen.

Beobachtet wurde heute eine Reihe Standardobjekte, die ich überwiegend auch schon im Fernglas, im 90mm-Mak und neulich im alten 114/900er bei meinen Eltern gesehen habe: M13, M92, M57, M56, M27, h&chi, M31, M32, M110, M33, M81, M82, M71, M15, M76, in der Morgendämmerung schon ein erster Blick auf M42 sowie Albireo und ein paar weitere einfache Doppelsterne (Nur M15 und M76 habe ich heute zum ersten mal überhaupt beobachtet und somit keine Vergleichsmöglichkeit zu anderen Teleskopen). Insgesamt würde ich - die frischen Eindrücke vom Vixen R114M noch im Gedächtnis - sagen, dass der kleine 80/600er ED praktisch dieselbe Deep Sky-Leistung erzielt wie ein guter 114/900 Newton. Alle Details, die ich kürzlich im 114/900er gesehen habe, konnte ich heute auch problemlos im ED sehen, und meist war das Bild im Refraktor einfach ästhetisch schöner, insbesondere bei den hellen Kugelsternhaufen, bei denen die Sprenkelung der Randbereiche besser ausgeprägt war als im größeren Newton.

Überrascht hat mich auch, dass ich bei hellen, kompakten Deep Sky-Objekten bis zu 100-facher Vergrößerung hochgehen kann, ohne dass das Bild allzu dunkel wird, und die Vergrößerung bringt auch tatsächlich noch Gewinn, so kommt die Ringform von M57 bei 100x schon bei direktem Sehen gut zur Geltung, wohingegen sie bei 50x noch erahnt werden muss. Auch an M15 hat die hohe Vergrößerung eine Verbesserung gebracht und zeigte den Randbereich schon etwas strukturierter, wenn auch noch ohne aufgelöste Einzelsterne.

Aber am Großartigsten ist natürlich das Richfielden im 32mm-Erfle (Vielleicht wechsle ich noch auf ein 38mm, um noch mehr Gesichtsfeld zu kriegen), bei dem einem schon bekannte Deep Sky-Objekte aus ganz anderer Perspektive erscheinen - bspw. beim Hantelnebel oder M81/82 schon in ihrer Form gut erkennbar, aber eingebettet in ein riesiges, von gestochen scharfen Sternen übersätes Feld. Nur das ständige Ein- und Ausschrauben der 1,25"-Reduktion, wenn man mit 1,25"-Okus ein Deep Sky-Objekt etwas größer haben will, nervt ein wenig.
Mit der Andromeda-Galaxie und h&chi sind zur Zeit ja auch zwei Richfielder-Paradeobjekte besonders gut beobachtbar, insbesondere die Andromeda-Galaxie war der Wahnsinn: Das Gefühl von Weite wie in einem Fernglas, aber genug Öffnung, um einen deutlich größeren Teil des Halos wahrnehmen und M32 und M110 schon klarer sehen zu können als im 10x50-Fernglas - ein majestätischer Anblick. H&Chi natürlich ebenfalls großartig: Wie im Fernglas in ein riesiges Feld eingebettet, aber schöner durch die viel, viel größere Zahl von aus den zwei Nebelwolken hervortretenden aufgelösten feinen Einzelsternen. Überrascht hat mich auch, M33 so klar sehen zu können, hätte ich von einem so stadtnahen Beobachtungsplatz aus nicht erwartet.

Und in der Morgendämmerung gab es schließlich auch noch einen Blick auf Jupiter, auf dem man trotz des tiefen Standes schon einiges sehen kann: Die beiden Hauptwolkenbänder schon einfach bei 50x, und bei 100x treten in luftruhigen Sekunden schon einige Details innerhalb der Wolkenbänder sowie die dunklere Färbung der Polregion hervor. Insbesondere zwei längliche, dunkelbraune Flecken innerhalb des nördlichen Wolkenbandes waren schön zu sehen, auf die erste GRF-Beobachtung im ED bin ich schon gespannt.

Fazit dieser Beobachtungsnacht: Bei Deep Sky hat der kleine ED etwa dieselbe Leistung wie ein guter 114/900 Newton, und das in einer etwas schöneren Abbildung. Innerhalb des Segments Kompaktteleskop ist der 80/600er eine kleine eierlegende Wollmilchsau: Richfield wie in einem großen Fernglas, Mond und Planeten wie in einem kleinen Mak und Deep Sky wie in einem 114/900 Newton, vereint in einem rucksacktauglichen Teleskop. Auch wenn ich mir später einen Spezialisten mit mehr Öffnung zulegen werde, habe ich im Gefühl, dass der kleine ED wohl dauerhaft mein meistbenutztes Teleskop sein wird.

CS,
Fabian
 
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Hallo Fabian,

Ein sehr schöner Beobachtungsbericht, den ich gut nachvollziehen kann.
Ich habe auch einen 80/560er ED-Refraktor, den ich auf einer Vixen Porta ganz ähnlich einsetze wie Du. Grade Deepsky bringt eine Menge Spaß mit dem Instrument und da der Refraktor komafrei abbildet, kann man ein Erfle bei f/7 auch gut einsetzen. Ich verwende ein Williams 40mm SWAN, da komme ich auf eine AP von 5,7. Unter dunklem Himmel perfekt.
Ein Tipp: besorge Dir mittelfristig einen guten 2"-Nebelfilter. Und lasse Dir nicht einreden, dass bei der kleinen Öffnung ein OIII schlechter wäre als ein UHC. Ich verwende einen Lumicon OIII und H-Beta. Die großflächigen Nebel wie Nordamerika, California und die Nebel im Schützen sind ein toller Anblick bei niedrigen Vergrößerungen.

Viel Spaß mit Deinem "Kleinen":
Marcus
 
Moing Fabian,

auch von mir ein Dankeschön für den netten Bericht. Da können wir uns alle auf mehr von Dir freuen in Zukunft denke ich. :)

Dass Du Deinen Mak nun loswirst, war abzusehen :biggrin:
der ist einfach nichts für Deepsky. Man muss auch einfach mal am Tage einen 4" Mak neben einen ähnlich großen Refraktor antreten lassen. Bei letzterem ist das Bild um Längen klarer.

Schön, dass Du die richtige Wahl und so viel Freude an Deinem Neuzugang hast :super:

Jetzt fehlt nur noch ein Bericht von Alpen, Brandenburg&Co :biggrin:

Schöne Grüße und Clear Skies

Norman
 
Hallo Marcus,

danke für die Rückmeldung! Ja, es ist wirklich erstaunlich, was mit 80mm bei Deep Sky gehen kann, sogar bei nur mittelmäßigem Himmel wie ich ihn vergangene Nacht hatte, wobei mich insbesondere der Vergleich mit dem kürzlich benutzten Vixen 114/900er überrascht, den der ED wirklich in jeder Disziplin schlägt - bei Deep Sky knapp, was Kontrast und Schärfe an Mond und Planeten angeht dagegen deutlich. Die im Vergleich zu einem ähnlich großen Newton bessere Leistung an Mond und Planeten hatte ich ja bei einem obstruktionsfreien Teleskop erwartet, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass ein 80mm-Refraktor einen 114mm-Spiegel auch bei Deep Sky in die Tasche steckt, wo es ja nur auf das Lichtsammelvermögen ankommen sollte. Im ED erschienen mir alle beobachteten Deep Sky-Objekte allerdings fast genauso hell wie im 114er Newton, aber dank der schärferen Abbildung strukturreicher. Nach diesem Erlebnis scheint mir, dass die Apo-Jünger, die behaupten, dass ihr 120- oder 130mm-Apo einen 200er Newton toppe, vielleicht doch nicht ganz verrückt sind.

Ein Nebelfilter steht auf jeden Fall auf meiner Einkaufsliste, schließlich ist so ein Richfielder ja wie geschaffen für die komplette Abbildung großer Gasnebel, die man in anderen Teleskopen nicht mehr voll ins Blickfeld bekommt, und gerade bei der Beobachtung von nicht so optimalen stadtnahen Beobachtungsplätzen aus könnte ein Nebelfilter ja schon über den Unterschied zwischen gerade-noch-sichtbar und gerade-nicht-mehr-sichtbar entscheiden.

CS,
Fabian
 
Hallo Norman,

den Tipp mit Geitau habe ich sogar befolgt und bin mit 114/900er und Fernglas im Gepäck gut 300 Kilometer mit dem Zug hingefahren, war allerdings leider ein kurzes Vergnügen: Nach etwa einer halben Stunde zogen dichte Wolken auf und versauten den ganzen Rest der Nacht, ein Beobachtungsbericht würde deswegen ziemlich knapp ausfallen - in der Zeit, in der es klar war, schien mir der Himmel aber wirklich sehr, sehr gut, und beim Beobachten seinerseits von bimmelnden Kühen beobachtet zu werden hat auch was ;-)
Aus Brandenburg wurde nix wegen des Bahnchaos durch die Überschwemmungen in Deutschland, An- und Abreise von Südwestdeutschland nach Berlin und von dort weiter nach Brandenburg hätten sich dadurch um mehrere Stunden verlängert, und über zehn Stunden Anreiseweg für eine Beobachtungsnacht waren mir dann doch zuviel. Aber dafür gab es einige sehr schöne Beobachtungsnächte in von Baden-Württemberg aus leichter erreichbaren dunklen Plätzen - zwei Nächte im Odenwald und eine in Hessen im Vogelsbergkreis.

Der Mak bleibt übrigens auf jeden Fall bei mir - der ist zwar eigentlich in der Tat vom Refraktor überflüssig gemacht worden, der eine deutlich bessere Deep Sky-Leistung und eine etwa gleich gute Planetenleistung hat, andererseits ist es reizvoll, ein NOCH kompakteres Mini-Teleskop zu haben. Wenn ich bspw. mal eine mehrtägige Bergwanderung unternehme, könnte ich die Kombination Fernglas für große Gesichtsfelder und Mak für kompakte, helle Objekte noch im Rucksack mitnehmen, da würde der ED schon einen Tick zu schwer und sperrig.

CS,
Fabian
 
Hallo Fabian,

ach, da schau her - warste echt in Geitau :cool:

Ganz schön weite Anreise...manoman. Schade, dass es nicht länger geklappt hat mit dem Beobachten. Stimmt, mit den Kühen ist immer witzig. Das hat einfach Atmosphäre...

Warst Du direkt am Segelfluglatz oder anderswo?

Schönen Gruß,
Norman
 
Hi,

wollte eigentlich zum Flugplatz gehen, habe mich aber - nur mit einer Rotlichtfunzel ausgestattet - ein wenig verirrt, bin dann in den Ort zurückgekehrt und habe meinen Kram auf einer großen Wiese ein bisschen außerhalb des Dorfes aufgebaut, die Lichtglocke von Geitau hält sich ja in Grenzen ;-) Leider ging nur ein erster Blick auf zwei, drei Standardobjekte, dann wurde mir die Regengefahr durch anziehende Wolken zu groß, sodass ich lieber zusammenpackte, um Teleskop und Zubehör am Bahnhof wenigstens regensicher unter einem Schutzdach unterstellen zu können. Naja, für die wenig ergiebige Beobachtungsnacht wurde ich dafür immerhin durch einen großartigen Alpen-Sonnenaufgang entschädigt.

CS,
Fabian
 
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