Komet und zwei Kugelhaufen mit blossem Auge ...

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JSchmoll

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Was macht man, wenn man in einer klaren Nacht auf einem Observatorium weilt, aber noch keine Beobachtungszeit hat ? Natuerlich ist man versucht, alle Kraefte zu mobilisieren und den Himmel mit angesichts der fetten Kuppeln anachronistisch anmutenden Instrumentlein zu durchstoebern.

Ich bin heute nach einer zweistuendigen Autofahrt von La Serena aus auf Las Campanas angekommen. Zusammen mit einem Kollgen wollen wir mein "Baby", die IMACS-IFU, am 6.5m Magellan-1-Teleskop benutzen. Unsere drei Naechte beginnen morgen.

Die Nacht ist superklar, es weht ein eiskalter Wind. Der Sonnenuntergang war schnell und mit einem letzten Blitzen entzog sich die Sonne unseren Blicken. Der Erdschatten zog auf, und im Nu wurde es dunkel. Nur im Westen war noch der junge Mond dicht bei der Venus, um dann spaeter in einer eifoermigen Deformation zu verschwinden. Was blieb, war ein matter Lichtschimmer, der sich fast bis zu Jupiter hochzog - Zodiakallicht !

Ich machte mit meiner Digitalkamera ein paar Aufnahmen. Und ich hatte meinen 10x50-Feldstecher mit (Minolta Activa 10x50 WP) ...

Orion ging liegend unter, M42 war superhell und auch M78, die schwache Funzel, trotz der geringen Horizontdistanz noch erkennbar.

Sehr hoch am Himmel steht das Kreuz des Suedens. Im Feldstecher sticht der Kohlensack sofort ins Auge. Aber in der Umgebung gibt es noch weitere Dunkelwolken, ja ueberhaupt scheint jener Milchstrassenteil sehr viele Dunkelwolken zu enthalten, die teils schon blossen Auges erkennbar sind.

Die Magellanschen Wolken schicken sich zur unteren Kulmination an. Unweit der kleinen Wolke, die auch im Feldstecher keine Struktur zeigt, ist bereits mit blossem Auge 47 Tuc, der Kugelhaufen, zu erkennen. Im Feldstecher wirkt er wie ein fransiges Woelkchen.

Die grosse Magellansche Wolke zeigt im Feldstecher muehelos ihre Balkenstruktur und den Tarantelnebel als hellen Knoten.

Im Zentaurus erscheint ein Stern unscharf, und im Feldstecher entpuppt er sich als Omega Zentauri. Er erscheint bereits am Rand deutlich aufgeloest !

Schliesslich habe ich noch den Kometen Linear, der neulich unweit M44 vorbeizog, gesucht und unter dem kopfstehenden Loewen gefunden. Mit fortschreitender Adaption konnte ich einen knapp die Gesichtsfeldhaelfte durchziehenden Schweif erkennen, der also so um die 3 Grad lang sein musste. Und nach einiger Zeit wurde der Komet bereits mit indirektem Sehen deutlich erkennbar, zusammen mit einem Stern an dem er gerade vorbeizog.

Beenden will ich diese Schilderung mit der Beobachtung, wie der grosse Wagen kopfstehend am Nordhorizont entlang kroch wie von Europa aus der Skorpion. Der Suedhimmel ist schon einmalig ...


 
Hallo Juergen,

Neid kenne ich nicht, muß aber zugeben das ich doch ein bischen neidisch auf Dich und Deinen jetzigen Standort mit dem Eqipement bin <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Selber war ich in den siebziger Jahren einigemal in Asien, auch unterhalb des Äquators auf den Inselwelten unterwegs. Trotzdem ist es mir nicht geglückt das Kreuz des Südens jemals zu sehen. Immer Bewölkung. War halt immer zur falschen Zeit da. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" />

Wünsche Dir noch tolle Beobachtungsnächte

CS
Dietmar
 
Lieber Jürgen,

auch ich kenne "eigentlich" keinen Neid, doch was ich bei Deinem Bericht verspüre, kommt dem Gefühl sehr nahe ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Aber ich freue mich natürlich sehr, dass Du die Möglichkeit hast, solche Nächte zu erleben!
Wenn Du uns weiterhin mit auf Deine "Reise" nimmst, kommen wenigstens Deine Schilderungen - in Bildern umgesetzt - in meinem Kopf an. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Liebe Grüße aus Bad Salzuflen

Ilka
 
Re: Komet und zwei Kugelhaufen mit blossem Auge ..

Hallo Ilka,


danke fuer Dein Feedback ! Ironischerweise ist das, was ich hier oben vermisse, ein
ordentliches Teleskop. Entweder sind sie zu klein (10x50 Feldstecher) oder zu gross (ab 1 m aufwaerts und natuerlich nicht fuer neugierige Sterngucker zugelassen
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ).

Naja, immerhin habe ich ab heute nacht einen grossen Dobson (6.5m) zur Verfuegung, der auch noch Walter Baade heisst. Hoffentlich bekomme ich ein paar schoene Spektren von planetarischen Nebeln in Centaurus A ....

 
Re: Komet und zwei Kugelhaufen mit blossem Auge ..

Hi Dietmar,


das Kreuz des Suedens konnte ich 1998 erstmalig zu 75% von La Palma aus sehen. Nur ein Stern fehlte, als es sich ueber den Horizont quaelte.

Hier von Las Campanas aus muss es schon bewoelkt sein, um das Kreuz nicht zu sehen, ist es doch zirkumpolar ...


 
Nachtrag vom fruehen Morgen

Hallo,


ich bin nach 2 Stunden Schlaf nochmal morgens um vier Ortszeit zum grossen Teleskop
hochgepilgert, wo ich eine Kamera zwecks Polspuraufnahme (8 Stunden) positioniert hatte.

Inzischen kam die kleine Magellansche Wolke wieder hoch, den Kugelhaufen 47 Tuc wie einen Fussball vor sich herkickend.

Auch Omega Centauri ist sichtbar, M13 dagegen tief im Nordwesten bleibt ein Feldstecherobjekt.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen erkannte ich den kopfstehenden Wassermann wieder, und der Helixnebel war im Feldstecher als deutlicher Nebelfleck auszumachen. Um das Loch zu sehen, reichte allerdings die Aufloesung des 10x50 nicht aus ...

Mir war schon aufgefallen, dass ein saukalter Wind weht und die Luft feuchter geworden ist. Auch sind die Kuppeln trotz tollstem Himmel geschlossen. Ploetzlich ein helles Aufglimmen, die ueber mir befindlichen Kuppeln stehen in einer hellen leuchtenden Wolke. Ein Beobachter trat wohl den Weg zum Dormitorium an, und obwohl die Scheinwerfer seines Autos vorschriftsmaessig in Standlichtstellung waren, reichte die Streuung aus um zu zeigen, dass wir uns alle in einer Wolke befanden !!!



 
Re: Komet und zwei Kugelhaufen mit blossem Auge ..

>Naja, immerhin habe ich ab heute nacht einen grossen Dobson (6.5m) zur Verfuegung, der auch noch Walter Baade heisst.<

Hallo Jürgen,

noch mehr "Neid" <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Aber viel Glück mit dem "guten alten/neuen" Walter Baade!

Liebe Grüße

Ilka
 
Hallo Jürgen,
ich bin da schon sehr neidisch auf die Möglichkeit so einen Sternenhimmel erleben zu können, aber ich gönne es Dir natürlich, und ich lese Deine Berichte hier mit großem Interesse und Mitgefühl.

Frage: kannst Du mal versuchen in für den Laien verständlicher Kurzform zu beschreiben, was Du da mit Deinem "Baby" (die IMACS-IFU, am 6.5m Magellan-1-Teleskop) machst oder beobachtest ? M13 oder M57 anschauen wirds ja wohl eher nicht sein, oder ?

Liebe Grüße über den Teich und Äquator
 
Re: Komet und zwei Kugelhaufen mit blossem Auge ..

Hi Ilka !


Ja, der dicke Baade ist schon ausserordentlich, bin eben noch drauf herumgeklettert. Eigentlich koennte Carnegie den Albireos beitreten, ist der Baade doch ein getauftes Billigrohr. Zusammen mit dem auf "Clay" getauften Zwilling hat es 70 Millionen Dollar gekostet, was durchaus billig ist bei der Groesse.

Momentan habe ich ein neues Problem. Ich habe offenbar eine fuer die Astronomie aeusserst dumme Krankheit entwickelt - die persoenliche Wolke ! Es ist wie letztes Mal, superklare Naechte aber wenn ich dran bin zieht sichs zu. Wir haengen jetzt so ziemlich im Schmand ...


 
My Baby ...

Lieber Stephan,


um erstmal den Neid zu deckeln - hier sind WOLKEN aufgezogen !!! Wir haengen voll im Schmand, war ja klar, wo meine Teleskopzeit anfaengt. Weisst Du, was man gegen die Krankheit "Persoenliche Wolke" (nuba personificada) machen kann. Ich habe diese Infektion jetzt schon seit September, als es hier oben genauso war. Hoert das irgendwann auf, oder sollte ich alle meine Teleskope verkaufen und mir ein Mikroskop zulegen ? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Zu meinem Baby. IMACS ist ein Spektrograph, der einige Tonnen schwer ist und auf der seitlichen Nasmythplattform des 6.5m - Magellan-1-Teleskops "Walter Baade" ruht. Okay, ganz so sehr ist die Ruhe nicht, das Ding rollt wie ein Bierfass um die bei azimutalen Montierungen unvermeidliche Bildfeldrotation zu kompensieren.

Mein Baby, die IFU (= Integral Field Unit), ist eine ca. 10 kg leichte Struktur, die ein wenig UFO-foermig ausschaut und 666 mm im Durchmesser hat, bei einer Dicke von 110 mm. Diese Einheit wird anstelle einer Maske mit Schlitzen, mit denen normalerweise viele Galaxien auf einen Streich spektroskopiert werden koennen, in die Fokalebene gestellt. Zwei winzige Felder von 5 mal 7 Bogensekunden werden ausgeschnitten und durch 0.2 Bogensekunden grosse Spaxel (ein Kunstwort fuer "Spatial Pixel", also raeumliches Bildelement) gerastert. Das Licht eines jeden Spaxels wird via Mikrolinse, Glasfaser und weitere Mikrolinse in die Fokalebene des Spektrographen gebracht. Hier laufen die insgesamt 2000 Bildelemente in einen 520mm langen Spalt zusammen. Man erhaelt so 2000 Spektren pro Belichtung, wobei jedes Spektrum einem Spaxel entspricht. So wird ortsaufgeloeste Spektroskopie moeglich, man kann z.B. die Einzelpopulationen entfernter Galaxien untersuchen. Oder durch die Moeglichkeit, Hintergrundkontamination optimal abzuziehen, Einzelobjekte isolieren.

Mein beobachterisches Projekt ist die Beobachtung dreier planetarischer Nebel in Centaurus A (NGC 5128). Vor fuenf Jahren wurde hierzu schon eine Arbeit veroeffentlicht, am ESO 3.6 m Teleskop (von hier aus sichtbar!) mit konventioneller Spaltspektroskopie beobachtet. Und offensichtlich fuehrten Spaltverluste zu unbefriedigenden Resultaten. Hier moechte ich versuchen, durch die Vorteile der Integral-Field-Spektroskopie bessere Daten zu gewinnen. Ferner kann hierdurch gezeigt werden, dass die neue Beobachtungstechnik der Spaltspektroskopie ueberlegen sein kann ...


Was ich aber dafuer brauche, ist nunmehr gutes Wetter ... !


 
Re: My Baby ...

danke, lieber Jürgen, ich weiß nicht, ob ich das verstanden habe, ein bißchen vielleicht, aber sicher weiß ich, dass wer solche tolle Fotos (*) schickt, hat eine klaren wolkenlosen Himmel verdient, ich wünsch es Dir, Du wirst ihn bekommen !

(*) das von Mond und Venus über den albireo-Verteiler - genial, wie man den dunklen Himmel und den schnellen Übergang von hell zu dunkel in der Dämmerung erahnen kann, und gut gefällt mir auch der kopfstehende Orion

vlobg

 
Meine erste Nacht von dreien ... Woken !!!

Hallo,


leider haben auch StephanPsy's Wuensche nichts geaendert. Auf dem Weg zur Kuppel schossen Eisberge an mir vorbei, die manchmal bedrohlich nahe kamen und mit mir kolldierten. Irgendwie unheimlich, solche Wolkenfetzen mit hoher Geschwindigkeit auf einen zukommen zu sehen.

Nach einem kurzen Lichtblick auf eine wunderbare Daemmerung war es zeitweise klar,
und der Blick auf horizontnahe tischfoermige Sturmwolken wurde frei. Aus dem Tal im Norden kam irgendetwas weisses immer naeher. Die Messstation verriet dann irgendwann, dass es sich um mindestens 95 % Luftfeuchtigkeit handelte.

Dazu ein zu starker Wind, um die Kuppel zu oeffnen.

Die einzige Galaxie, die ich sehen konnte, war der Wolkenwirbel auf dem Satellitenfilm, der nach tagelanger Stationaritaet nun schnurstracks Kurs auf Las Campanas nahm.

Um zwei Uhr dreissig hatten wir genug und es ging durch das Mistwetter zurueck zum Dormitorium. Wo ich morgens um acht durch einen Wind geweckt wurde, der Regentropfen durch die Tuerritzen der Behausung nach innen schiessen liess.

Spaeter sah ich auf dem Meteomonitor, dass der Wind ueber 40 Meilen pro Stunde hinausging, um dann abrupt auf Null abzufallen - offenbar ist die Messstation jetzt reparaturbeduerftig.

Na, mal schauen was die naechste Nacht so bringt.


 
Nacht 2: Feuchte, Frost, Frust und Glykolskandal

Heute abend klarte es auf, aber die Luftfeuchte hielt sich bis 2 Uhr morgens hartnaeckig bei >95%.

Ich konnte wieder den Kometen sehen, bei Abblendung des Mondes sogar freiaeugig. Ansonsten habe ich mir die Objekte angeschaut, die ich schon beschrieben hatte.

Dank der Eiseskaelte konnte ich meine Digitalkamera selbst auf Gain 4 mit 1 min betreiben, ohne diese haessliche Ecke zu bekommen. Casio-QV5700-Besitzer wissen was ich meine. Also fleissig rumgeknipst, Kuppel mit galaktischem Zentrum, Kuppel mit Komet und Mond, Kuppel mit xyz, xyz mit ohne Kuppel und so weiter.

Zwischendurch kam ein Ingenieur aus der Kuppel, die dank der Feuchte ja zubleiben musste. Schlechte Nachricht: Es ist immer noch feucht. Noch schlechtere Nachricht: Die Fluessigkuehlung der Elektronik hat ein Leck, und das Glykol sabberte seit Stunden ueber die Elektronik ! Panik !!! Es setzt ein reger Autoverkehr ein, die unfreiwillig alkoholisierten Platinen werden zur Intensivstation gefahren. Nach einigen Stunden dann zaghaftes Wiedereinfahren ... puh, alles laeuft wie gehabt. Das haette ins Auge gehen koennen. Eine Fluessigkuehlung von Elektronik ist eben nicht ohne, aber sie ist fuer gutes Seeing unabdingbar. Zumindest bei solch grossen Spiegels wie dem 6.5er, wo winzigste Turbulenzen bereits in der Punktbildfunktion sichtbar werden.

Inzwischen ist die Luftfeuchte heruntergegangen. Also, Teleskop laeuft und Feuchte ist unter 80 %, also Kuppel auf. Nachtassistent kommt von draussen: Wird nix ! Er zeigt uns mit der Taschenlampe den dicken Eispanzer, der auf der Kuppel sitzt und erst abtauen muss, weil sonst entweder Eisstuecke auf den Spiegel ploesseln oder das abtauende Eis drauftropft ! So, jetzt sitzen wir seit zwei Stunden und schauen nicht Farbe beim Trocknen, aber Eis beim Abtauen zu. Hoffentlich kommen wir noch zum Schuss, denn meine IFU muss nach einer Modifikation geeicht werden, damit wir die Objekte auch auffinden koennen. Und wenn wir wenigstens diesen laestigen Schritt abarbeiten koennen, wuerden wir vielleicht in der dritten und letzten Nacht wirkliche, echte Daten sammeln ... !




 
Re: Nacht 2: Feuchte, Frost, Frust und Glykolskandal

Hallo Jürgen,

"Neid" beiseite, dafür tiefes Mitgefühl bei so viel Pech auf einmal! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />

Wenn ich an Las Campanas denke, entsteht vor meinem geistigen Auge das Bild eines tiefblauen Himmels mit einem unendlichen Blick ins Weite ...

Dass es nicht immer so ist, hast Du nun eindrucksvoll geschildert. Wenn dann auch noch technische Schwierigkeiten auftreten, ist es sicher schmerzvoll, wenn man gerade Beobachtungszeit hat ...

Mein Beobachtungsabend beschränkte sich angesichts der Wetterverhältnisse hier in Ostwestfalen auf einen tollen Filmabend bei Freunden. Wir ließen in dem Film "The Dish", die Apollo 11 Mission auferstehen. Erlebten die komisch-tragischen Minuten der Crew des Parkes-Observatorium und bangten mit ihnen um die Übertragungsbilder. Die Songs der späten Sechziger waren zudem ein Ohrenschmaus.
Als ich mich gegen 23:00 Uhr Richtung Heimweg machte, "segelte" exakt um 23:15 Uhr die ISS von West nach Ost. Drei Sternschnuppen folgten wenig später und ich konnte doch noch eine kleine "Ausbeute" mit nach Hause nehmen.

Dir drücke ich fest die Daumen, damit Dir in den nächsten Stunden das Glück zur Seite steht!

Liebe Grüße

Ilka
 
Re: Nacht 2: Feuchte, Frost, Frust und Glykolskand

Hallo Ilka !


Danke fuer Deine mitfuehlenden Worte.

Apollo 11 - habe die Uebertragung nie gesehen. Live hatte ich damit auch so meine Schwierigkeiten gehabt, war mein Alter doch noch leicht negativ.

Ich sitze hier immer noch und warte.


Anbei etwas Lyrik (Zeit hab ich ja genug):

Du denkst der Himmel der ist klar,
das gaebe Daten, wunderbar.
Doch scheinst Du raus die Leuchte,
siehst Du schon die Feuchte.
Und wird der Techniker dann blass,
ist das Instrument von innen nass.
Klemmt die Kuppel vor lauter Eise,
haben wie die schoene Sch.....

Na ich hoer besser auf. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />





 
Re: Nacht 2: Feuchte, Frost, Frust und Glykolskand

Hallo Jürgen,

"Neid" beiseite, dafür tiefes Mitgefühl bei so viel Pech auf einmal!
Dir drücke ich fest die Daumen, damit Dir in den nächsten Stunden das Glück zur Seite steht!

dito ! halte uns bitte auf dem Laufenden,

liebe Grüße
 
Lieber Jürgen,
Menschenskind! Und ich kenne DICH! Einen offensichtlich immer berühmteren Wissenchaftler!
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Hast Du schon eine Autogrammadresse?
Gar süße kleine Bildchen für die Spinde unzähliger Fans???
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Ich freue mich für Dich, DU darfst den Südhimmel bewundern, ich nur diese Tastatur und bald Schüler quälen.
WO nur bist DU, Gerechtigkeit???
Hast dich versteckt in englischen Landschaften?
Offensichtlich!
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Viele Grüße nach Chile und viele klare Nächte, auf das "Baby" über sich hinauswachse!
Der "Gekaufte"
Klarinetto
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Nacht 3 - Abenteuerliches

Heute nacht sollte es endlich so weit sein. Die Elektronik laeuft, das Wetter stimmt und bei dreissig Prozent Luftfeuchte tut sich ein wahnsinniger Sternhimmel auf. Also gleich nach der Daemmerung (nach vorheriger Beobachtung des gruenen Strahls beim Sonnenuntergang) ab in die Kuppel.

Ein "kleines Problem" gab es aber noch zu loesen. Integral-Field-Units haben naturgemaess winzigste Gesichtsfelder, in meinem Fall 5 mal 7 Bogensekunden. Damit kann man keinen vollstaendigen Jupiter aufnehmen - nur mal zum Vergleich.

Bei der Inbetriebnahme im Herbst zeigte sich, dass wir viel zu genau gearbeitet haben. Ohne Gitter im Strahlengang faellt das Licht aus dem Spalt genau in die Luecke des CCD-Mosaiks. Also wurde die IFU mehr und mehr in ihren Haltern verschoben, um den Spalt wenigstens so gerade auf dem Chip zu haben.

Dies wurde im Vorfeld unseres Runs geaendert, und zwar um radikale fuenf Millimeter ! Und natuerlich zeigten erste Pointingversuche, dass sich der Teststern nicht im Gesichtsfeld befand.

Nach mehreren zeitraubenden Versuchen, in 4"-Inkrementen um die theoretische Zielposition herumzuspiralen, zeigte sich der Stern immer noch nicht.

Ich hatte eine Idee. Wenn es gelingt, in den Spektrografen einzudringen und einen hellen Stern, sagen wir 5. Groesse, auf einem Blatt Papier aufzufangen, sollte er sich in die Apertur der IFU dirigieren lassen. Gesagt, getan. Einige Seitenwaende des Spektrografen (den man sich als eine rotierende Trommel auf einer Azimutplattform vorstellen kann - 2 m Durchmesser und 4 m Laenge) wurden entfernt und ein Ingenieur stieg vorsichtig in die Fokalebene vor. Er war ziemlich beeindruckt davon, wie hell der Stern 6. Groesse auf das Papier projeziert wurde.

Nach einigen Minuten hatten wir das Problem geloest - einfach ist machbar. Und es war schon ziemlich abenteuerlich, im Dunkeln auf der Nasmythplattform zu stehen, die Milchstrasse durch das Strebenwerk eines 6.5m-Teleskops hindurch aus dem Kuppelspalt hinaus zu bewundern. Dies sind Lichtblicke, die Astronomen normalerweise nicht mehr haben, der Kontrollraum ist eher nuechtern und ermuedend. Allerdings glaube ich nicht, dass wir in der Zeit in der wir uns in der Kuppel befanden, ein ausserordentlich gutes Seeing produzierten.

Schliesslich konnte es losgehen. Ich opferte meine planetarischen Nebel zugunsten der Starburstgalaxie meines Kollegen, da diese eine hoehere wissenschaftliche Relevanz hat. Gar so schlimm ist dieser Verlust fuer mich nicht, hatte ich doch gerade erfahren dass meine Objekte mit dem VLT-Instrument FORS beobachtet wurden und die Nichtbeobachtung von daher keinen allzu grossen Verlust darstellt ...

Morgen werde ich vom Berg geholt, um nach anderthalb Reisetagen und Zwischenstops in La Serena, Santiago und Paris wieder zuhause in Durham zu landen. Gemessen daran, dass die Reisezeit in etwa der Beobachtungszeit entspricht, ist die Ausbeute an Daten ernuechternd. Aber das gehoert zur beobachtenden Astronomie halt dazu. Und die mit dem Aufenthalt verbundenen Erlebnisse kann mir keiner nehmen ...




 
Re: Nacht 3 - Abenteuerliches

Hallo Jürgen,

ich fiebere jedesmal mit, wenn ich am Titel einen neuen Beitrag von Dir finde: wahrlich abenteuerlich, und um mit Klarinetto mitzusprechen "ich kenn Dich auch, will bitte auch ein Autogramm!"

"Ich hatte eine Idee. Wenn es gelingt, in den Spektrografen einzudringen und einen hellen Stern, sagen wir 5. Groesse, auf einem Blatt Papier aufzufangen, sollte er sich in die Apertur der IFU dirigieren lassen. Gesagt, getan. Einige Seitenwaende des Spektrografen wurden entfernt und ein Ingenieur stieg vorsichtig in die Fokalebene vor."

Ich bin stolz auf Dich, auf so eine geniale Idee kann auch nur ein albireotischer Hüter der Geheimschrauben kommen...

vlobg
 
Re: Nacht 3 - Abenteuerliches

Hallo Jürgen,

na nun hat's ja nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch geklappt! Wenn auch nicht so wie Du es Dir gewünscht hast - dafür mit wesentlich neuen und abenteuerlichen Perspektiven zwischen den Streben ins Weltall hinaus ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Übrigens noch Glückwunsch zu Deiner lyrischen Ader! Jetzt müsste ja eigentlich noch eine positive Fortsetzung kommen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Also ich denke, was Du bis jetzt erlebt hast, ist nicht jedem vergönnt und ich freue mich sehr für Dich! Darum reihe ich mich auch in die Runde der - "Mensch, und so jemanden kenne ich!!" - stolzen Sternfreunde ein. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Liebe Grüße und guten Heimflug

Ilka
 
Abflug

Hallo Ilka, Klarinetto und Stephan !



Danke fuer Eure Feedbacks. Ich fuehle mich geehrt, aber muss auch sagen dass ich einfach nur das Glueck habe, Astronomie studieren zu koennen. Und jeder von uns ist auf seine Weise wichtig <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Jetzt sitze ich im versmogten und lichtverschmutzten Santiago, mein Rueckflug ueber Buenos Aires, Paris (wenn dann von dem Airport noch was uebrig ist) und Newcastle wird morgen starten.

Es war eine erlebnisreiche Zeit, auch wenn ich nicht die erhofften Daten bekam. Astronomie ist halt ein High-Tech-Business, und waehrend man frueher die Kuppel einfach aufgemacht hat um zu beobachten, macht man sich heute ueber Wind, Luftfeuchte und Eis Gedanken. Weil die Geraete eben so kompliziert geworden sind. Aber auf lange Sicht zahlt sich das aus ... muss ich ja sagen, schliesslich baue ich Instrumente <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> !





 
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