Re: Schärfe
Hallo Frank,
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> Ich glaube daher nicht, dass sich da die Spreu vom Weizen trennt,
Dein Wort in Gottes Ohr. Ich wollte halt nur mal die fundierte Antwort eines Optikers hören.
Wenn Du der Meinung bist, daß die Oberflächengüte eine eher untergeordnete Rolle spielt
(d.h., daß sich ein Top Okular zuerst durch andere Eigenschaften als die Politur auszeichnet) [...]
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Mal abgesehen, daß Du mir da etwas zu viel der Ehre erweist - ich bin zwar Physiker und mach' auch beruflich
ab und an mit optischer Theorie 'rum, aber Berufsoptiker wie der Alois bin ich nicht.
Trotzdem will dir aber auch verraten, warum ich die "Rauheit" bei diesen kleineren Optiken nicht als den
Brecher vermuten würde:
Vermutlich hast Du Wolfgangs Bericht zu den Barlows (
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=1991 )
verfolgt.
Nun ist die Interpretation der Phasenkontrastgeschichten natürlich nicht so einfach (aber das Faß machen
wir jetzt mal nicht auf <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ), aber was da schon auffällt, ist, daß die Unterschiede in Sachen Oberflächenfinish
durch die Bank weg eigentlich relativ unspektakulär sind. Natürlich gibt es den oder anderen Ausreißer wie das
Ding von Antares, bei dem offensichtlich genau dein Katastrophenszenario passiert ist:
> Na dann will ich mal hoffen, daß preiswerte Okulare das Werk nicht nur rohpoliert verlassen.
> Aber heutzutage sollte es eigentlich kein Problem sein, bei maschineller Politur ein nötiges Mindestmaß
> für die Oberflächengüte einzuhalten.
Einige verlassen das Werk ganz offensichtlich tatsächlich "rohpoliert" und ob da dann ein Plössel
von denen besser poliert ist, ist dann die Frage. Die Fabrikation der Linsen für eine Barlow oder etwa einen
Plössel sollte ja ziemlich identisch sein. Vermutlich bauen die Jungs asphärische Linsensysteme, ohne es zu wissen ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Trotzdem - immerhin sind bei den Barlows auch schon Dreilinser dabei, bei denen man in Sachen Oberflächengüte
dann ähnliche Probleme wie bei einem vierlinsigen Planetenokular erwarten würde (aufaddieren der Wirkung der
Oberflächenfehler).
Das diese beim überwiegenden Teil der Barlows nicht als das dominierende Problem auftauchen, ist für mich schon
irgendwo ein Indikator, daß auch die Chinesen eine sauber polierte Oberflächen abliefern können und auch die
Billigheimer da gegenüber den teuren Optiken vergleichsweise gut da stehen können.
Wesentlich erschreckender ist, daß einige Barlows - auch sehr teure - trotz einer offensichtlich ausreichend
homogenen Oberfläche einen saftigen Farbfehler abliefern.
Nun haben ja z.B. viele kurzbrennweitige Okulare mit gutem Einblick eine eingebaute Barlow
(Pentax, Vixen LV, usw...). Denken wir mal einen Schritt weiter:
Ich sehe jetzt keinen Grund, warum da z.B. bei diesen Okularen grundsätzlich andere Probleme auftreten sollten,
als bei einzelnen Barlows. Man wird sich also bei der Konstruktion von solchen Dingern primär mit den klassischen
Öffnungs und Farbfehlern herumschlagen müssen und zwar von beidem - der integrierten Barlow und eigentlichem Okular,
allerdings weniger mit der mangelhaften Politur der Oberflächen.
Da wird ja auch bei den besseren Modellen schon viel mit Lanthan, Barium oder SD-Gläsern herumgemacht, da sieht
man schon was für ein Gewürge es ist, die Farben gerade bei Weitwinkeln noch zusammenzukriegen.
Und irgendwo da ist vermutlich auch tatsächlich der Vorteil der einfacheren Okulartypen, wie z.B. einem Ortho zu
suchen. Man beschränkt sich freiwillig z.B. in Sachen Feld und Einblick, weil man dann weniger Parameter korrgieren
muß (Koma, Astigmatismus, usw.) und so weniger neue Fehlerquellen einbringt.
Übrigens - Themensprung - ist ja z.B. gerade am Planeten ein anderer Trend schon beliebig doof, der diese ganze Jagd
nach dem absoluten Planetenokular ja irgendwie sowieso in ein recht seltsames Licht rückt:
Man baut ja auch immer mehr kurzbrennweitige Objektive (Allrounder verkaufen sich halt besser) mit allen damit
verbundenen Problemen - Farbfehler bei den Achromaten, Koma beim Newton, usw ...
und weil's dann trotz kurzer Brennweite trotzdem an den Planeten ran soll, muß man zu extrem kurzbrennweitigen
Okularen greifen, die in Sachen Farbfehler und Öffnungsfehler auch immer schwerer zu beherrschen sind.
Und bei denen sucht man dann das absolute Okular?
Ob das überhaupt Sinn macht ist ja eher fraglich - Könnte man natürlich auch einen klassischen F12er nehmen und ein
Kellner dran und die Sache wäre erledigt ...
Was soll's ...
Tja, woher die von dir beschriebenen Streulichthöfe kommen, ist eine interessante Frage. Vermutlich wäre es beinahe
wesentlich einfacher, einen klar entdeckten faulen Apfel dann mal auf die optische Streckbank zu legen und
zu analysieren, was es denn nun letztendlich ist, als die Sache andersherum aufzuziehen und über alle möglichen
Parameter (Oberfläche, Vergütung, geschwärzte Linsenkanten, usw) zu spekulieren.
Mit den Mikroskopen hast Du wohl Recht, da hat sich viel getan. Wo ich gerade weiter unten sehe, Du bist auch mit Mikroskopen im geschäft: Ich hatte hier noch ein altes Zeiss Mikroskop
herumfliegen (~1955) mit UV-Fluoreszens Lampe und integrierter Kamera. Lag in der Mülltonne hinter der
Molekularbiologie mit einem durchgebranntem Beleuchtungstrafo. Hat jetzt unsere Grundschule hier. Da sag nur mal einer man macht nur Schnäppchen
bei ebay ....
Mario