Hi grummel,
erstmal herzlich willkommen !
ich versuch mal einige Erklärungen, die vielleicht nützlich sind:
1.)Vorab - Bevor man mit Teilkreisen arbeiten kann, muß das Teleskop möglichst exakt auf den Himmelsnordpol ausgerichtet sein. Dies geht am Besten mit der Methode nach Herrn Scheiner ( sog. scheinern ). Soll jetzt hier nicht Thema sein.
2.) Betrachten wir kurz einen Erdglobus oder Atlas. Dort finden wir
geographische Breite für den Äquatorabstand u.
geographische Länge für den Bezugspunkt auf dem Äquator. Punkt Null der geographischen Länge ist Greenwich/London.
Dieses System übertragen wir auf die Himmelskugel.
Die Deklination entspricht der geo. Breite. Die Deklination ist also der Winkelabstand des Gestirns vom Himmeläquator. Die Dec. wird - wie auf der Erde - vom Äquator ( 0 Grad ) zum Himmelsnordpol ( +90 Grad ). Der Himmelsäquator ist die Projektion des Erdäquators an die Himmelssphäre.
Die Rektaszension entspricht der geographischen Länge. Auch für die RA brauchen wir einen Bezugspunkt. Nullpunkt ist der Schnittpunkt der aufsteigenden Eklptik ( Sonnenbahn ) mit dem Himmelsäquator. Die Sonne befindet sich am 21. März an diesem Punkt. Er wird deshalb Frühlingspunkt genannt.
Die Rektaszension ist die auf dem Himmelsäquator vom Frühlingspunkt aus bis zum Stundenkreis des Gestirns gezählte Koordinate ( Stundenkreise sind die Bahnen senkrecht zum Himmelsäqator ).
Da nun der (fixe) Frühlingspunkt an der täglichen Himmelsrotation teilnimmt, bleibt auch die RA-Koordinate unverändert. Jeder Stern/Planet hat also eine feste Dec. u. RA-Koordinate, ganz entsprechend einem Ort auf der Erdkugel.
Die Rektaszension wird in Stunden, Minuten, Sekunden gemessen, von 0h bis 24h.
Soweit klar ?
3.) Um nun ein Gestirn am Himmel aufzufinden bzw. mittels Teilkreise einzustellen, muß die tägliche Erdrotation in unser System miteinbezogen werden. Die Sterne wandern ja von Ost nach West. Dabei vergeht Zeit, genauer: Sternzeit.
Ein Sterntag ist der Zeitraum zwischen zweier aufeinanderfolgender Kulminationen des Frühlingpunktes. Die Sternzeit ist nichts anderes als die in Sterntagen gemessene Zeit.
Wir sind fast am Ziel.
Wir brauchen noch eine Größe: Den Stundenwinkel.
Der Winkel zwischen dem Stundenkreis eines Gestirns und dem Himmelsmeridian heißt Stundenwinkel t ( Verbindet man die Kulminationspunkte aller Sterne, so erhält man den sog. Meridiankreis ).
Dieser Stundenwinkel nun wird am RA-Teilkreis des Teleskop eingestellt.
Der Stundenwinkel wird ebenfalls inStunden,Minuten,Sekunden gezählt.
Ein Stern/Planet in seinem Kulminationszeitpunkt, er steht also im Meridian, hat den Stundenwinkel Null. Ein Teleskop, das den Stundenwinkel Null eingestellt hat, muß keineswegs "ganz gerade" sein.
Zwischen diesen Größen besteht eine einfache Beziehung:
Stundenwinkel t = Sternzeit - RA
Ein Gestirn, das den Meridian noch nicht erreicht hat, erhält ein negatives Vorzeichen.
Ein Gestirn, das den Meridian bereits Richtung Westen überschritten hat, erhält ein +
3.) Was zeigt nun die RA-Achse Deines Teleskopes an ?
Nun, das liegt ganz bei Dir. Rektaszension und Stundenwinkel werden ja identisch gemessen und gezählt in Stunden,Minuten, Sekunden (s.o.). Wenn Du den Stundenwinkel eines Gestirns eingestellt hast, dann zeigt es eben Stundenwinkel an, sozusagen.
4.) Bevor Du mit den Teilkreisen arbeiten kannst, müssen die Teilkreise "geeicht" werden. Dazu kann man jeden Stern oder auch Planeten nehmen, dessen Daten bekannt sind. Hast Du z.B. Saturn in Deinem Teleskop eingestellt und zwar zu seinem Kulminationszeitpunkt, weißt Du auch automatisch seinen Stundenwinkel.
t= 0,0
Also stellen wir am Teilkreis 0,0 ein.
Ebenso den Dec.-Wert auf der Dec.-Achse. Damit sind die Teilkreise justiert.
Wählt man einen Referenzstern, dessen Kulmination man nicht kennt oder nicht abwarten will, muß man halt nach obiger Formel den Stundelwinkel ausrechnen und dann am Teilkreis einstellen.
Der Referenzstern sollte wegen der Refraktion mehr als 20 Grad über dem Horizont stehen.
Ich hoffe, daß meine Erklärung einigermaßen verständlich ist ( ? ).
5) Anstatt mit Stundenwinkel zu arbeiten, kann man ein anderes Verfahren wählen, das mit den Dec. u. RA-Werten auskommt.
Es ist aber kein Schaden, wenn man sich das himmlische Koordinatensystem klar gemacht hat. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Mit freundlichen Grüßen
cs
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