Kugelsternhaufen Tour: Erste Beobachtungsnacht mit dem Takahashi Mewlon 210 am 26.04.2025

Bochumer1981

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

Vor drei Tagen konnte ich über den Marktplatz im Astronomie.de-Forum einen gebrauchten Takahashi Mewlon 210 mit Baader Steeltrack Okukarauszug erwerben. Vor der ersten Beobachtung habe ich das Gerät bei einem Sternenfreund auf einer optischen Bank sorgfältig justieren lassen – ein wichtiger Schritt, der sich beim Einsatz unter dem Sternenhimmel sofort bezahlt machte.

Gestern Abend konnte ich zusammen mit zwei Sternenfreunden vom Stammtisch meinen neuen Takahashi Mewlon 210 auf der Vixen SX2 erstmals unter dem Sternenhimmel testen. Nach etwa 1,5 Stunden Auskühlzeit starteten wir die Beobachtung bei gutmütigem Seeing und kaltem Wind.

Mit dabei waren ein APM 140 ED und ein Vixen VMC 200, sodass wir die Abbildungen der Geräte direkt vergleichen konnten. Kugelsternhaufen sollten den Beobachtungsschwerpunkt bilden. Besonders auffällig war, dass der Mewlon für einen Reflektor eine sehr feine Sternabbildung zeigte, was bei hoher Vergrößerung richtig Freude machte.

Beobachtet wurde mit Baader Morpheus Okularen, wobei bis zu einer Brennweite von 6,5 mm genutzt wurde.

Wir begannen mit dem Kugelsternhaufen M53 im Sternbild Coma Berenices, der sich schön in Einzelsterne auflöste. Auch M3 im Sternbild Jagdhunde zeigte eine eindrucksvolle Sternauflösung.
Anschließend nahmen wir den Doppelstern Izar (Epsilon Bootes) im Bootes ins Visier: Bei 372-facher Vergrößerung trennte der Mewlon die beiden Komponenten in feine, seeingbegrenzte Sternabbildungen, wobei die Farben – ein bläulicher und ein gelblicher Stern – deutlich zu erkennen waren.

Weiter ging es mit dem prächtigen Kugelsternhaufen M13 im Herkules, der trotz der Stadtbeleuchtung am Horizont beeindruckend viele Einzelsterne zeigte. M5 im Sternbild Schlange stand dem kaum nach und war ebenfalls ein Highlight des Abends.
Am APM 140 ED wurde zwischenzeitlich ein Binoansatz installiert, wodurch die Kugelsternhaufen ein wunderschön "räumliches" Seherlebnis boten – ein ganz besonderer Eindruck.

Zum Abschluss richteten wir unsere Teleskope auf den Ringnebel M57 in der Leier. Dort probierten wir sowohl den Baader OIII-Filter als auch den Lumicon Deep Sky Filter aus. Ästhetisch gefiel uns jedoch der Anblick ohne Filter am besten – der Ringnebel zeigte sich klar und natürlich.

Gegen 00:30 Uhr haben wir drei dann zufrieden abgebaut.

Der Abend bestätigte mir: Das Mewlon 210 ist ein hervorragendes Instrument – gerade auch im direkten Vergleich zu anderen hochwertigen Geräten.

Clear Sky

Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
wie bereits erwähnt, meinen Glückwunsch und Dank für die ersten Eindrücke, die der TAK Mewlon 210 bietet. Sicherlich eine hervorragende Ergänzung zu einem Gerätepark, der einen 3-4 Zöller APO beherbergt. Ein kleine Ausweitung des ersten Erfahrungsschatzes im Bezug auf das Kontrastverhalten wäre interessant, auch wenn es ggf. ein wenig früh für eine Abschlussbeurteilung ist. Als früherer C8 Besitzer vermute ich ein besseres Niveau in dieser Disziplin.
Ergänzend frage ich auch nach der Kombi SX2 + Mewlon 210, zufriedenstellend?

Weiterhin viel Freude mit der Premiumoptik und schöne erlebnisreiche Beobachtungen!
 
Dein Eindruck im Vergleich zum 140er APM hätte mich noch interessiert. Das 210er Mewlon sollte etwas mehr aufgelöste Sterne der Kugelsternhaufen und etwas hellere Bilder als der 104er zeigen, traf dies zu ?
Meine Erfahrung mit dem APM 120 SD Bino ist, dass dem Bino bei M13 mit 165x Bortle-4 das Licht ausgeht. Dies sollte bei einem 140er mit Bino ebenso sein.
 
Hallo zusammen,

Zur Frage nach der Abbildungsqualität der Geräte im Vergleich möchte ich im Vorfeld erwähnen: Wir haben an diesem Abend ausschließlich Sterne beobachtet. Aussagen zum Kontrast bei ausgedehnten Objekten wie Planeten oder Nebeln lassen sich daher auf Basis der gemeinsamen Beobachtung (noch) nicht wirklich treffen. Beim Blick auf den Ringnebel kamen unterschiedliche Filter zum Einsatz, was einen direkten Vergleich des Kontrasts ebenfalls unmöglich machte. Insgesamt lag der Schwerpunkt der Beobachtung ohnehin weniger auf einem streng objektiven Vergleich der Abbildungsleistung, sondern vielmehr auf dem gemeinsamen Beobachtungserlebnis. Es kamen auch unterschiedliche Okulare und Vergrößerungen/Austrittspupillen zum Einsatz und wir haben nicht immer gleichzeitig am selben Objekt beobachtet. Auch der Binoansatz beim APM hat sicher seinen Teil zur subjektiven Bildwirkung beigetragen. Zu guter Letzt hatte mein Mewlon First Light und ich war etwas "fixiert" auf die Qualität meines eigenen Neuerwerbs und sicherlich auch etwas "emotional aufgeladen". Insofern gab es keinen "standardisierten" Vergleich der Geräte.
Meine ganz subjektiven (!) Eindrücke sahen für den Abend wie folgt aus:

Der APM 140 hat, wie immer bei unseren gemeinsamen Beobachtungen, eindrucksvoll gezeigt, warum hochwertige Refraktoren so geschätzt werden. Die Sterne erschienen gestochen scharf und punktförmig, fast wie feine Lichtnadeln am Himmel. Auch schwächere Sterne waren klar abgegrenzt sichtbar. Besonders angenehm war die Bildruhe – das Bild stand stabil und flackerte kaum. Teilweise wurde mit Binoansatz beobachtet, was das Seherlebnis zusätzlich positiv beeinflusst hat. Ich hatte ein anderes Mal Jupiter mit dem Bino bei mäßigem Seeing durch den Refraktor beobachtet und es zeigten sich deutlich auch die feineren Bänder getrennt und sehr ästhetisch.

Auch der Takahashi Mewlon 210 wusste zu überzeugen. Nach etwa 1,5 Stunden Auskühlzeit zeigte er eine sehr saubere Sternabbildung mit gut definierten Beugungsringen. Die Auskühldauer war im Vorfeld meine "Sorge", da ich vor dem Kauf auch über Auskühlungsprobleme und Tubus-Seeing gelesen hatte. Nach der heute dritten Beobachtungsnacht kann ich aber festhalten, dass nach 90 Minuten Auskühlzeit eine Beobachtung gut möglich ist (im Frühjahr!). Im Vergleich zum Refraktor war das Bild naturgemäß etwas unruhiger, etwas "schwimmend" – typisch für Reflektoren mit grösserer Öffnung. Dennoch war die Abbildung der Sterne für mich überraschend sehr klar. Außerhalb der Bildmitte zeigte sich im defokussierten Sternbild Koma, die aber visuell und im Fokus nicht störte und das insgesamt sehr hochwertige Bild nicht wirklich beeinträchtigte. Die Beugungsringe waren, bei 360x, am Doppelstern Izar gleichförmig und die Sternabbildung punktförmig, klar getrennt und mit seeingbedingter leichter Unruhe, so dass einzelne Teile des Beugungsringes unruhig "tanzten". Inwieweit der Mewlon auch schwächere Sterne als der Refraktor zeigte kann ich im Nachhinein nicht beurteilen, darauf werde ich zukünftig achten und gerne berichten, gehe aufgrund der Öffnung und der Herstellerangaben aber mal davon aus.

Der VMC 200L lieferte insgesamt ebenfalls eine gute Leistung, konnte aber im direkten Vergleich bei höherer Vergrößerung nicht ganz mithalten. Beim Trennen des Doppelsterns Izar fiel auf, dass die Sterne etwas aufgeweitet wirkten. Die Trennung war weniger fein, und die Abbildung des Doppelsterns schien mir bei meinem Durchblick etwas "verwaschen" und m.E. nicht ganz so punktförmig wie bei den beiden anderen Teleskopen. Ich kann mich hierbei aber auch nicht mehr an die eingesetzte Okularbrennweite/Vergrößerung erinnern, weshalb ich meine Einschätzung hier vorsichtig und unter Vorbehalt tätigen möchte. Der Abstrich in der Hochvergrößerung könnte ggf. an der größeren Obstruktion des VMC liegen, kann diese doch für größere Beugungsringe und eine erhöhte Anfälligkeit für atmosphärisches Seeing sorgen, was dann die Trennung des engen Doppelsternes insgesamt verschwommener erscheinen lässt. Auch hier war das Bild im Vergleich zum Refraktor schwimmend und bewegter.

Soweit meine subjektiven Eindrücke, eventuell melden sich ja meine zwei Mitbeobachter (@Bastler63 ; @CaptainKirk) hier auch noch mit Ihren Eindrücken...

Liebe Grüße

Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
Nachtrag:


Ergänzend frage ich auch nach der Kombi SX2 + Mewlon 210, zufriedenstellend?

Für die visuelle Beobachtung ist die SX2 absolut ausreichend, benötigt dann das 1,9kg zusammen mit dem 2,8 kg Gegengewicht. Auf der Säule montiert wackelt da nichts. Fotografisch sieht das bei 2400mm Brennweiten sicherlich anders aus. Für das Berlebach habe ich mir sicherheitshalber eine zweite Klemmung für die drei Auszugbeine bestellt...
Liebe Grüße

Stephan
 
Hallo zusammen,

Ich hatte in den letzten drei Nächten Gelegenheit, den Mond intensiv zu beobachten , die Bedingungen waren mäßig, das Seeing wechselhaft, aber nutzbar. Ich konnte dabei auch gezielt auf die Frage nach dem Kontrast achten. Kurz gesagt: in der Bildmitte liefert das Mewlon 210 erwartbar einen sehr hohen Flächenkontrast. Feine Helligkeitsabstufungen in den Maria, Übergänge zwischen Hochland und Tiefebenen sowie Strukturen in den Schattenbereichen lassen sich sehr gut differenzieren. Auch zarte Graustufen in den Halbschatten oder leicht unterschiedliche Lavaböden waren visuell klar erkennbar – das spricht nach meiner Einschätzung für eine hohe Kontrastleistung (auf der optischen Achse).

1000105993.jpg


Ich habe visuell mit einem Everbrite Zenitspiegel und Baader Morpheus bis ca. 193x vergrößert, mit Binokularansatz und Baader BBHS Amici Prisma / Classic Orthos auch bis 228x. Trotz des nicht ganz stabilen Seeings zeigte sich das Bildzentrum für Momente scharf und sehr detailreich. Im Vergleich zu einem Refraktor wirkt das Bild im Mewlon allerdings insgesamt etwas unruhiger oder „schwimmender“, was bei wechselhaftem Seeing noch mehr auffällt. Dennoch: die Detailtiefe im Zentrum war beachtlich. Außerhalb der Bildmitte zeigt sich eine zunehmende leichte Unschärfe, vermutlich durch die Koma, das war für die rein visuelle Nutzung aber nicht störend und so hatte ich die Abbildung eines Cassegrain ohne Korrektor auch erwartet. Die Orthos wirkten am Bino sicherlich ebenfalls auf diesen Bildeindruck mit ein.

Neben dem Mond habe ich ein weiteres Mal mehrere Kugelsternhaufen aus dem Stadtgarten heraus beobachtet. Der Himmelshintergrund war allerdings gegen 23 Uhr noch deutlich aufgehellt, dazu die städtische Lichtverschmutzung, was die ästhetische Wirkung der Objekte spürbar eingeschränkt hat. Die Auflösung im Zentrum der Haufen war dennoch gut zu erkennen, die Gesamtwirkung blieb aber aufgrund des hellen Himmels begrenzt.

Zuletzt habe ich testweise den Fokussierknopf zur Hauptspiegelverstellung genutzt, wobei sich ein Spiegelschifting im, für mich bei diesen Vergrößerungen nicht störendem Rahmen, zeigte. Allerdings ist der Fokussierknopf von Takahashi eher stramm angelegt und trotz Säule und Vixen SX2 zitterte der Bildausschnitt, so dass es etwas dauert bis die Fokuslage sicher getroffen war. Beim Kauf des Mewlon hatte ich aus Kostengünden noch versucht das Gerät ohne den Baader Steeltrack Okularauszug zu erwerben, da das Gerät vom Vorbesitzer mit Motorfokus fotografisch genutzt wurde. Nun bin ich rückblickend doch froh den Okularauszug zu haben, denn die butterweiche Fokussierung mit Mikrountersetzung bei gleichzeitig bombenfestem Halt des Zubehörs macht da doch wesentlich mehr Spaß!

Die Schönwetterlage ist nun vorerst beendet, ich freue mich auf die nächsten Eindrücke!

Clear Sky

Stephan
 
Im Vergleich zu einem Refraktor wirkt das Bild im Mewlon allerdings insgesamt etwas unruhiger oder „schwimmender“, was bei wechselhaftem Seeing noch mehr auffällt
Hallo Stephan,
danke das du deine Beobachtungen mit uns teilst.

Hier vielleicht ein Tipp, ich würde eine Taukappe mit einem schräg gestellten Lüfter bauen, welcher dann in das Mewlon bläst.

So ähnlich wie hier zu sehen:

Auch würde ich das Mewlon mal mit "Climapor Dämmtapete Graphit alukaschiert" isolieren.

Temperaturgleichgewicht ist meist nicht zu erreichen und somit eine Illusion, vor allem bei größeren Öffnungen.
Ein nackter Blechtubus erzeugt quasi immer Tubusseeing und durch die offene Bauweise kann Kaltluft direkt auf den warmen Hauptspiegel fallen, was ebenfalls zu wabernder Luft im Sterntest führt.

Die größeren Mewlon 250 u. 300 haben z.B. Lüfter verbaut.

Der Vergleich zum "Athmosphärischen Seeing" mit dem Refraktor kann auch an der Öffnung hinken, da der kleinere Refraktor das Seeing naturgemäß auch weniger auflöst.
Im gleich großen Refraktor kann das nach der Temperaturanpassung auch anders aussehen.
LG
 
Hallo zusammen,
Hallo @Quanten

Vielen Dank für deinen Hinweis.

Tatsächlich wollte ich mich diese Woche an das Basteln einer Taukappe/Streulichtkappe setzen. Climapor hatte ich dafür noch nicht bedacht, werde ich mir im Baumarkt mal anschauen. Zwei Lüfter habe ich hier ebenfalls, einen habe ich mit einem 3D Drucker so adaptiert, dass er vor der Beobachtung über den OAZ Luft von hinten einbläst, den habe ich aber dann tatsächlich noch nicht benutzt. Der andere Lüfter ist noch funktionslos, die Idee einer belüfteten Taukappe werde ich mal Ausprobieren.

Liebe Grüße

Stephan
 
Zurück
Oben