Lacerta/ToupTek DSP2600c und die neue SPCC von PixInsight

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Bernd Limburg

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Hallo PixInsight-User,

seit kurzem gibt es ja die neue spektrale Farbkalibrierung SPCC, über die auch schon viel geschrieben und geYouTubed wurde. Die Methode ist das Genaueste, was es zur Zeit in Sachen Astro-Farbkalibrierung bzw. -Weißabgleich gibt, da sie auf den spektral aufgelösten Intensitätsdaten der Gaia-Mission beruht und man sich deshalb auch viele GB des Gaia DR3/SP-Katalogs runterladen muss dazu. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Hier geht es um die Filter, die man auswählen muss, damit das eigene Equipment bei der SPCC korrekt berücksichtigt wird.

Im Fall der Lacerta DeepSky Pro 2600c (bzw. der baugleichen ToupTek, TS, Omegon...) mit ihrem Sony IMX571-Farbsensor kann man als Filter die standardmäßigen "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut" angeben, die den R/G/B-Filtern des Bayerpatterns von Sony entsprechen. Übrigens beinhalten diese Filtercharakteristiken bereits die spektrale Quanteneffizienz der darunter liegenden CMOS-Pixel, so dass man in SPCC als QE curve die "Ideal QE curve" angeben muss und NICHT "Sony IMX411/455/461/533/571" (sonst würde die QE-Kurve doppelt berücksichtigt und zu abweichenden Ergebnissen führen).

Die bei PI mitgelieferten "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut" schneiden die Kurven hart unter 400 und über 700 nm ab, was eine Näherung für "UVIRcut" darstellt, aber an den Rändern doch abweicht. Ich habe mir deswegen modifizierte Kurven erzeugt, bei denen ich den Roll-Off bei 400 nm und bei 700 nm bedingt durch das Fenster der Lacerta DSP2600c berücksichtige (gemäß Fensterdurchlass, der von @tommy_nawratil hier bereits präsentiert wurde). Die modifizierten Filter kann man sich hier als gezippte CSVs runterladen (hoffe, dass der Link funktioniert).

In PixInsight der SPCC hinzufügen kann man sie einfach durch Öffnen von SPCC, dann "Filter Management" und dort den Ordner mit den ausgepackten CSVs importieren ("Merge with current filters" anwählen), s. Screenshot:

Bildschirmfoto 2022-12-11 um 14.02.30.png


Danach stehen sie im Filter-Dropdown zur Verfügung:
Bildschirmfoto 2022-12-11 um 14.06.06.png


Was die ebenfalls weit verbreitete ASI2600MC angeht: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Kamera auch ein UV/IR-Sperrfenster hat und ob es vergleichbar mit dem der DSP2600c ist. In Foren heißt es an vielen Stellen "ja", auf der ZWO-Seite sind aber die R/G/B-Kurven bis 1000 nm angegeben, was für einen freien IR-Durchlass sprechen würde. Etwas widersprüchlich. Andererseits: Wenn sie ein reines AR-Window ohne UV/IR-Blocking hat, sollte man sowieso einen eigenen UV/IR-Sperrfilter bzw. L-Filter benutzen, und dann passen auch wieder die "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut". Genauer wäre es hier allerdings, wenn man die Filterkurve des verwendeten L-Filters mit der "Sony Color Sensor R/G/B" (ohne UVIRcut) kombinieren würde, so wie ich es für die Lacerta gemacht habe. Gleiches gilt natürlich für jede andere Kamera auch, z. B. die ASI294MC, die definitiv kein UV/IR-Sperrfenster hat und die auf jeden Fall mit einem L-Filter kombiniert werden sollte.

Noch ein Wort zum Schluss: Natürlich ist diese Korrektur der spektralen Empfindlichkeit der Kamera bei 400 bzw. 700 nm nur gering und wirkt sich nur minimal auf die Farbkalibrierung aus (tatsächlich habe ich noch keinen ohne/mit-Vergleich gemacht). Die SPCC führt auch mit nur näherungsweise passenden Filterkurven schon zu sehr guten Ergebnissen.

Fröhliches Farbkalibrieren und viele Grüße
Bernd
 
Hallo Bernd,

ich habe die ASI294MC und sollte wenn ich es richtig verstanden habe die "Sony Color Sensor R/G/B" Option wählen. Ist das richtig?
Danke und CS,
Dieter
 
Hallo Dieter,

ja, aber nur, wenn du keinen UV/IR-Cut-Filter (oder L-Filter oder nur IR-Filter) benutzt. Aber du solltest auf jeden Fall das IR blocken, denn im IR werden alle Farbkanäle wieder sensitiv, so dass das (nicht geblockte) IR-Signal gleichmäßig auf alle Farben R, G, B verteilt wird, was man natürlich nicht will. Es sei denn, man möchte gezielt im IR aufnehmen, aber dann sollte man wiederum einen IR-Pass-Filter benutzen, um das sichtbare Licht zu blocken. Aber hier geht es ja um Farbaufnahmen im Sichtbaren.

Und wenn UV/IR geblockt ist, dann gilt auch für die ASI294MC, dass man die "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut"-Option wählen sollte (+ Ideal QE curve).

CS
Bernd
 
Hallo Bernd,

das heißt ASI294MC ohne zusätzliche Filter wie UV/IR, L-eNha oder L-pro - "Sony Color Sensor R/G/B". Mit diesen Filtern jedoch "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut".

Vielen Dank für die Antwort und Deinen Beitrat

LG 6 CCS
Dieter
 
Hi Dieter,

ohne jegliche Filter nimmst du die Option "Sony Color Sensor R/G/B", ja, aber mit dem genannten Effekt der IR-Einmischung nicht nur in den Rotkanal, sondern auch in G und B.

Wenn du einen UV/IR oder L-Filter nimmst, dann "Sony Color Sensor R/G/B UVIRcut".

Beim Optolong L-Pro erzeugst du dir im Curve Explorer eine Kombination aus "Sony Color Sensor R/G/B" und dem "Optolong L-Pro" und speicherst die resultierende Filterkurve z. B. unter "ASI294MC+L-Pro R" (...G, ...B analog) ab. Dazu musst du im Curve Explorer beide Filter gleichzeitig anwählen und dann das Combine-Icon unten (2. von links) drücken. Das Ganze musst du jeweils für R, G und B separat machen, und immer den gleichen "Optolong L-Pro" anwählen.

Beim Optolong L-eNhanced (oder anderen Duobandfiltern) musst du in SPCC auf "Narrowband Filters Mode" gehen und für R die Breite des Filters im Halpha-Band eintragen (musst du in der Spec nachschauen) und für G und B jeweils die Breite für das OIII-Band. Die jeweiligen Wellenlängen sind schon eingetragen. G und B bekommen die selben Einträge, weil G- und B-Kanal beide für OIII empfindlich sind. Halpha sehen G und B nicht, und umgekehrt sieht R kein OIII.

VG
Bernd
 
Hallo Bernd,

das ist sehr hilfreich, damit sind meine Filter abgedeckt (UV/IR, Optolong L-eNha und Optolong L-Pro).
Ich wüsste nicht wo ich diese Informationen sonst bekommen hätte.

Vielen Dank und CS
Dieter
 
Hallo Bernd!
saubere Arbeit! Habs grad ausprobiert. Allerdings mit einer QHY268C und Baader CMOS L-Filter. Das Ergebnis sieht besser aus als mit der Sony-Vorgabe. Ich hatte damit schon den Verdacht, dass da irgendwas nicht stimmt. Bei mir machts allerdings keinen Unterschied, ob Ideal QE Curve oder IMX 571 ausgewählt ist.
 
Hallo Christian,

demnach funktioniert der Downloadlink also. :):y:

Dass Ideal QE oder Sensor QE so wenig ausmacht, wundert mich auch, war bei mir auch. Muss ich mir aber nochmal in Ruhe anschauen. Eigentlich müsste es sich vor allem im Roten schon auswirken.

VG
Bernd
 
Übrigens beinhalten diese Filtercharakteristiken bereits die spektrale Quanteneffizienz der darunter liegenden CMOS-Pixel, so dass man in SPCC als QE curve die "Ideal QE curve" angeben muss und NICHT "Sony IMX411/455/461/533/571"

Hallo Bernd,

danke für diese Info die sicher viele interessieren wird. Auf der anderen Seite liest man vielerorts dass die Unterschiede eh nicht signifikant sind, da die meisten Sensoren ohnehin der ideal curve folgen.
Dennoch im Sinne einer richtigen Verwendung des Tools ein wichtiger Hinweis.

CS Frank
 
Hallo Frank,

ich dachte auch erst, die Ideal QE curve wäre die "Lehrbuch"-CMOS-Charakteristik. Aber tatsächlich ist die hinterlegte Kurve eine konstante 1 über den gesamten Wellenlängenbereich, schau mal im Curve Explorer. Deswegen wundere ich mich, dass es so wenig ausmacht.

CS
Bernd

Edit: Hier ein Screenshot "Ideal QE vs. IMX571"
Bildschirmfoto 2022-12-12 um 22.12.20.png
 
ergibt es Sinn dann die Konstante zu verwenden.
Ja, das muss dann so sein.

Aber warum man fast keinen Unterschied sieht... mal im PixInsight-Forum nachhören, aber da muss ich mir erst noch zwei "belastbare" Beispiele generieren.

Viele Grüße (und wenn ich dich gerade "dran" habe, vielen Dank für deinen klasse YouTube-Channel!!)
Bernd
 
Den wesentlich grösseren Unterschied macht die Whitereference. Da bin ich mir nicht so ganz sicher, was zu verwenden ist. Klassisch kalibriert man auf einen G2V-Stern. In der Dokumentation steht aber die Average Spiral Galaxy wär der Standard.... Bei mir ergeben Photonflux und G2V die ansehnlichsten (oder gewohnten?) Ergebnisse.
 
Die Whitereference entscheidet letztlich über die Farbkalibrierung. Ist ja wie bei der Digitalkamera die Modi "Sonniger Tag", "Bewölkter Tag", "Glühlampenlicht" etc.

Die PixInsight-Leute sagen halt, dass Average Spiral Galaxy so ziemlich alles an existierenden Lichtquellen mittelt und deswegen sowas wie eine natürliche oder universelle (im wahrsten Sinne) Weißreferenz darstellt. Auf der Erde ist es das Sonnenspektrum bzw. der G2V-Stern und diese Referenz ist man auch gewohnt.

In der SPCC-Doku in Kap. 7.3 stehen ein paar Beispiele, bei denen verschiedene Weißreferenzen (und warum) genommen wurden.

VG
Bernd
 
Hallo Bernd,
vielen Dank für die Filterkurven. Hab sie mir gleich runtergeladen.
Was mich bei der Auswahlliste der Kameras wundert, ist dass die Canon 6D nicht dabei ist, obwohl das vielleicht die gebräuchlichste DSLR im Astrobereich ist. Welche Kamera wähle ich stattdessen aus?
Canon Full Spectrum?
Meine 6D ist modifiziert.

Danke und Grüße
Ulli
 
Hallo Ulli,

Canon Full Spectrum macht auch in meinen Augen am meisten Sinn. Hat (relativ betrachtet) merklich mehr Sensitivität bei Halpha als die anderen Canon-Kurven. Wenn du irgendwo her Sensitivitätskurven für deinen Canon-Sensor inkl. Modifizierung bekommst, kann man eine eigene Filtereinstellung für PI daraus erstellen.

VG
Bernd
 
Moin,

das dürfte das Hauptproblem sein, ich kenne keine Quelle für die Originalkurven, und die müßte man ja gegen die Transmission des OWB-Filters rechnen. Das dürfte schwierig werden, zumal es Mod's mit und ohne Ersatzfilter gibt.

CS
Jörg
 
Ja, vermutlich schwierig. Deswegen ist Canon Full Spectrum wohl die zweitbeste Alternative. Ulli, kannst ja mal Farbkalibrierungen mit verschiedenen Canon-Kurven inkl. Full Spectrum machen und vergleichen. Werden sich wahrscheinlich nicht sehr unterscheiden.

VG
Bernd
 
Ulli, kannst ja mal Farbkalibrierungen mit verschiedenen Canon-Kurven inkl. Full Spectrum machen und vergleichen. Werden sich wahrscheinlich nicht sehr unterscheiden.
Hallo Bernd,
ich habe jetzt mal SPCC mit den Standardeinstellungen (Ideal QE + SonyColorSensor UVIRcut-RGB) ausprobiert. Alternativ dazu statt Sony die Canon Full Spectrum RGB. Visuell sehe ich keinen Unterschied. Daher bleibe ich bei den Standardeinstellungen.
Grüße
Ulli
 
Bleibt nur noch die Frage, warum PI die neuen Filterkurven nicht im Verzeichnis behält..... Müssen jedesmal neu geladen werden.
 
Hallo Christian,

du musst nach dem Laden der neuen Kurven im Filtermanagement-Dialog die Filterdatenbank als XML exportieren (ergibt eine *.xspd-Datei). Dann im Preferences-Menü von SPCC (Schraubenschlüsselsymbol) statt der Standard-xspd-Datei deine exportierte anwählen. Danach lädt er bei erneutem Öffnen von PI dauerhaft die eigene Datei.

VG
Bernd
 
Schon gemacht. Dacht mir doch gleich, dass es nicht mit einfachem Laden abgetan ist. Ich hab die neue Datenbank gleich in den ursprünglichen Ordner exportiert. funktioniert auch.
 
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