Lange Belichtung vs viele kurze Belichtungen

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Astro Steve

Aktives Mitglied
Hallo Leute,

mich würde interessieren ob jemand schon mal experimentiert hat mit einem direkten Vergleich von Belichtungszeiten?
Ich habe zb Andromeda fotografiert mit 20x 300 Sekunden = Gesamt 100 Minuten
Welcher Unterschied meint ihr wäre zu sehen wenn man selbes mit
60x 100 Sekunden = ebenfalls 100 Minuten belichtet? Ich bin ehrlich gesagt zu faul um es auszuprobieren ;)
 
Hi,

Du brauchst auch nicht 100 Minuten Andromeda zu fotografieren, in dem Du 20x 300 Sekunden oder 60x 100 Sekunden belichtest... Wenn Du die Frage konkret beantwortet haben möchtest, muss Du es allerdings schon messen. Dass kannst Du auch im Wohnzimmer machen, zumindest wenn Du eine gekülte Kamera benutzt.

Zwei Messpunkte hast Du, das BAIS für das Ausleserauschen und das Dark, für der thermische Rauschen. Das Gesamtrauschen ergibt sich aus der Wurzel(Ausleserauschen^2 + Thermisches Rauschen^2). Vergleiche die Werte und dann kannst du entscheiden, welche Belichtungsstrategie mit Deiner Kamera die beste Methode darstellt... ob das nun ein best practices Ansatz ist, weiss ich nicht, nur erscheint es mir pragmatisch ;-)

CS
Peter

www.pixlimit.com
 
Hi,

Vergleiche die Werte und dann kannst du entscheiden, welche Belichtungsstrategie mit Deiner Kamera die beste Methode darstellt... ob das nun ein best practices Ansatz ist, weiss ich nicht, nur erscheint es mir pragmatisch ;-)

Das geht eben genau nicht, da der entscheidende Faktor der Himmelshintergrund ist. Bei der Wohnzimmermessung ist der nicht berücksichtigt. In den beiden Videos dazu wird das schön aufgebröselt.
Man muss der Fairnisshalber sagen, dass der Vorteil von längeren, hintergrundlimitierten Aufnahmen im Bereich von einigen Minuten liegt. Sprich, ein versauter 10 Frame, kann den ganzen Vorteil ruinieren.

CS Frank
 
Hallo,

"Ich bin ehrlich gesagt zu faul um es auszuprobieren "

sagte der Sternfreund oben, den Ball habe ich aufgenommen um einen möglichst einfachen Weg zu skizzieren... Unter Laborbedingungen, also im Wohnzimmer, ist natürlich der Himmelshintergund ausgeschlossen, dennoch lassen sich Aussagen über Systemrauschen der Kamera feststellen: Wieviel Rauschen ist gegeben bei einer definierten Temperatur und einer einer definierten Frequenz von Downloads pro Sekunden. Das Rauschverhalten seiner Kamera läßt sich damit ziemlich gut bestimmten. Aussagekräftiger ist es logischerweise, Sequenzen unter seinen Bedingungen zu treffen... Nur, diese Umgebungsbedingungen sind in der Regel nicht fix und ändern sich ständig, auch unterschiedliche Helligkeiten in Abhängigkeit der Beobachtungsrichtung, die sich in Himmelshelligkeitsschwankungen niederschlagen. ... na ja, auf La Palma ist es vielleicht anders.

Der Faktor bei der Frage, Kurze - oder Lange Belichtungen, ist das Ausleserauschen der Kameras. Ungeschlagen sich die EMCCD-System, gefolgt von den CMOS-Kameras wie z.B. von ASI, danach kommen die "klassischen" CCD Kameras. Wo DSRL rangiert, weiss ich nicht, vermutlich zwischen CMOS und CCD.

Das Ausleserauschen läßt sich durch den GAIN Wert beeinflussen. Als Hilfestellung geben Kamerahersteller wie z.B. ZWO ASI, den unity gain als Orientierungswert an.

cs
Peter

www.pixlimit.com
 
Hallo Peter,

du hast Recht und doch fehlt etwas entscheidendes, dass ist immer wieder bei der Diskussion das Problem. Das Ausleserauschen ist nur dann DER entscheidende Faktor, wenn die Aufnahmen nicht hintergrundlimitiert sind. Und wie du richtig schreibst, kann man das im Wohnzimmerlabor nicht simulieren. Problem ist jetzt, wenn man das rauslässt kommt am Ende was ganz anderes raus.
Sprich, der Versuchsaufbau lässt tatsächlich Rückschlüsse auf das instrumentelle Rauschen zu (Ausleserauschen, Dunkelstrom), gibt aber leider nicht die Antwort auf die ursprüngliche Frage.

Fakt ist: Hintergrundlimitierte Aufnahmen sind nicht hintergrundlimitierten Aufnahmen im Vorteil. Eben wegen des Ausleserauschens. Sobald nämlich das Himmelshintergrundrauschen die Aufnahme dominiert, ist das Ausleserauschen ohne Einfluss. Das verändert die Spielregeln massgeblich. Auf Deutsch: Besser wenige, dafür länger belichtete Aufnahmen machen.

CS Frank
 
Hallo Frank,

Sobald nämlich das Himmelshintergrundrauschen die Aufnahme dominiert, ist das Ausleserauschen ohne Einfluss.
Hi Frank,

Dein Satz "Sobald nämlich das Himmelshintergrundrauschen die Aufnahme dominiert, ist das Ausleserauschen ohne Einfluss", gilt auch umgekehrt und Deine Schlussfolgerung ist daher nicht allgemeingültig... Ein Beispiel, belichtet man so kurz, ohne dass das Hintergrundrauschen die dominierende Rauschquelle ist, d.h. der Hintergrund nicht limitiert, kann das Ausleserauschen die dominierende Rauschquelle sein. Das macht ja auch die CMOS Kameras so interessant, die ein Ausleserasuchen von rms 1e- besitzen.

P.S. wir haben ja noch weitere Rauschquellen, die lassen wir mal ausser acht ;-)

CS
Peter

www.pixlimit.com
 
Hallo Peter,

Ein Beispiel, belichtet man so kurz, ohne dass das Hintergrundrauschen die dominierende Rauschquelle ist, d.h. der Hintergrund nicht limitiert, kann das Ausleserauschen die dominierende Rauschquelle sein

Ist, nicht kann! Richtig, das ist der logische Umkehrschluss:-) Ich wüsste jetzt nicht wo ich das Gegenteil behauptet habe!?

CS Frank
 
Hallo Peter,

verstehe.
Dann vielleicht so?
Besser länger belichtete, hintergrundlimitierte Aufnahmen machen als kurze, Ausleserauschenlimitierte. :-)

Wenn Du die Frage konkret beantwortet haben möchtest, muss Du es allerdings schon messen. Dass kannst Du auch im Wohnzimmer machen, zumindest wenn Du eine gekülte Kamera benutzt.

Diese Aussage ist aber leider auch falsch, das wollte ich zum Ausdruck bringen. Nichts für ungut.

CS Frank
 
Tach Zusammen.

Ein weiterer Aspekt des ganzen ist ja auch die Tiefe der Aufnahme.
Je länger ich belichten kann ohne das der Hintergrund zu hell wird, desto mehr fange ich vom Hintergrund selber
(schwache Sterne) usw. ein.

Sorry wenn das schon mit Fachchinesisch erklärt wurde xD.
Bin halt ein einfacher Mann mit einfacher Sprache :LOL:

Gruß
Markus
 
Hallo Markus,

in einfacher Sprache gesagt: Das ist leider falsch:)
Den Hintergrund ziehst du ab aus dem Bild und fertig. Dann bleibt das Signal (schwache und helle Sterne) übrig, das Rauschen dieser Objekte, und das Rauschen des Himmelshintergrunds. Es geht immer nur um eine Steigerung des Signal zu Rauschverhältnis. Entweder in dem du sehr lange belichtest und/oder dir einen sehr dunklen Standort suchst. Ich hab das aber auch erst wirklich (technisch) verstanden als ich das Manuskript für meine Videos erstellt habe.

Naja ganz falsch ist es nicht. Wenn dein Histogramm rechts anschlägt, dann ist natürlich alles zu spät. Das muss man aber erstmal schaffen:-)

CS Frank
 
Nun ... wie gesagt ... bin noch recht unbewandert mit der ganzen Sache.
Mehr wie ne halbwegs Andromeda, halbwegs Orion und halbwegs Plejadenaufnahme habe ich auch noch nicht zu stande gebracht.
Hapert da aber überwiegend an der Nachführung.

Aber um das auf mein Verständnis zu beschränken gibts für mich nur 2 Wege um schwache und noch schwächere Sterne einzufangen.
Entweder größere Öffnung, oder länger belichten.
Die technische grenze der Überbelichtung oder Überrauschung kenne ich da noch nicht so gut ^^

Und das mit dem dunklen Standort ist klar.
Das ist durch NICHTS zu ersetzen.

Gruß und CS
Markus
 
Das Ausleserauschen wird durch Gain nicht beeinflusst. Es gibt Kameras, wo Gain es nicht, bzw. in Bereichen nicht verstärkt, und es gibt Kameras, wo Gain Ausleserauschen und Signal beide verstärkt. Aber Gain verursacht kein Ausleserauschen und kann es auch nicht verringern.

Es ist vielmehr so, dass man bei gegebenen Belichtungsgrenzen Gain hoch genug wählen sollte, um das Signal zu verstärken, ohne dass das Histogramm rechts anschlägt.

Unity gain ist ein theoretisch interessanter Arbeitspunkt, weil man prinzipiell nicht genauer als 1 Elektron werden kann. Da es aber immer noch Rauschen gibt, war unity gain nur zu den Zeiten besonders interessant, wo man gerne so gut gewesen wäre. ;-)

Eigentlich müsste ein HDR-Histogramm bei bekannten Rauschparametern der Kamera die optimale Planung einer Aufnahme ermöglichen. Ich habe das aber noch nie probiert.

Michael
 
Hallo Frank,
Besser länger belichtete, hintergrundlimitierte Aufnahmen machen als kurze, Ausleserauschenlimitierte.
Mich würde interessieren: ab welchen Belichtungszeiten wird es hintergrundlimitiert und wovon hängt das ab, welche Faktoren spielen da in der Praxis eine Rolle, bzw. sind entscheidend? Ist ja auch eine Frage des Standorts - ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen wären 30 sec schon am Limit, stimmt das? Hintergrund der Frage ist auch, inwieweit teure Montierungen für stundenlange Belichtungen sich unter solchen Bedingungen (die ja auch nicht besser werden) noch auszahlen.

Gruß,
Mathias
 
Hallo zusammen,

ich sehe das Thema aus der Perspektive der Datennahme. Ich möchte mit einem Meßgerät (Kamera), schwache Signale eines Objekts aufzeichnen unter Bedingungen, die ich nur zum Teil kontrollieren kann (Seeing, Lichtverschmutzung etc.). Da wir keine Reinraumlaborbedinungen herstellen können, diese uns nur durch die Verlagerung des Standorts erreichen können (dunkler Himmel), müssen wir auf jeden Fall die Statistik erhöhen, um das Signal deutlich vom "Noise" unterscheiden zu können. Das Meßgerät kennen wir in der Regel, hierüber gibt es genug Literatur welche Parameter einzustellen sind, damit die Meßapparatur möglichst gut funktioniert und entsprechende Signale detektiert. Den Einfluß der Umwelt (Atmosphäre, Licht) kann man nicht so leicht kontrollieren und muss daher individuell mit meinem Meßgerät "ausgemessen" werden (Hintergrundlimitiert). Unter schlechten Bedinungen benötigt man daher insgesamt mehr integrierte Belichtungszeit als unter "Laborbedinungen" (z.B. im Weltall) um auf ein ähnliches Ergebnis zu kommen. D.h. unter schlechten Bedingungen erhöht sich mein Aufwand (je nach Erwartungshaltung). Auswege sind hier, die Umwelt entsprechend zu kontrollieren, in dem man sie "filtert". Z.B. über Schmalband oder andere "Lichtverschmutzungsfilter". Mit entsprechenden Datenprozessierungen kann man jedoch auch mit Daten, die unter schlechten Bedingungen gewonnen wurden, noch was anfangen. Deshalb 1.) Möglichst viele Daten sammeln und 2.) eine clevere Datenprozessierung im Anschluss.

Gruß
Matthias
 
Hallo,

für mich ist das von praktischer Bedeutung. Mein selbst gebasteltes Setup lässt einfach nicht so viel Belichtungszeit zu.
Bei 300mm Brennweite ca. 8 Sek. Um auf genügend Gesamtbelichtungszeit zu kommen sind also viel mehr Frames nötig. Das erhöht die Datenmenge und die Nachbearbeitungszeit. Eventuell vorteilhaft könnte es sein, dass die kürzeren Belichtungszeiten weniger seeinganfällig sind.

Aber wenn ich könnte würde ich eher auf ca. 30 Sek. hochgehen, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass z.B. bei 300 x 1 Sek. genauso viel vom Sensor erfasst wird wie bei 10 x 30 Sek.

Gruß,
Holger
 
Hallo Mathias

Hallo Frank,

Mich würde interessieren: ab welchen Belichtungszeiten wird es hintergrundlimitiert und wovon hängt das ab, welche Faktoren spielen da in der Praxis eine Rolle, bzw. sind entscheidend? Ist ja auch eine Frage des Standorts - ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, unter normalen mitteleuropäischen Bedingungen wären 30 sec schon am Limit, stimmt das? Hintergrund der Frage ist auch, inwieweit teure Montierungen für stundenlange Belichtungen sich unter solchen Bedingungen (die ja auch nicht besser werden) noch auszahlen.

Gruß,
Mathias

Das ist eben so ein Problem. Zwei Faktoren spielen hier eine Rolle, dein Himmel bzw. dessen Helligkeit und das Ausleserauschen deiner Kamera. Letzteres kann man aus Datenblättern erfahren oder tatsächlich selber messen. Den Himmel kannst du aus eigenen Aufnahmen bestimmen. In PixInsight gibt es dafür einen Kalkulator, ich meine sowas aber schonmal online gesehen zu haben.

So Pauschalaussagen wie 30s sind am Limit, sind sehr kritisch. Ich schätze mal, dass es unter gutem Landhimmel mit einer DSLR oder gängigen CCD einige Minuten braucht. In Stadtnähe entsprechend schneller.
Ich mache immer 10 Minuten Frames und bin damit sicher Hintergrundlimitiert. Die Filter spielen auch eine Rolle. Ich habe schon Aufnahmen mit Ha Filter bei Neumond in Namibia gemacht, da belichtet man sich dumm und dusselig bis man Hintergrundlimitiert ist. Binning würde dann helfen, aber verringert die Auflösung. Wer will das schon.

Die Montierungen sind IMHO eher bei kurzen, nicht nachgeführten Aufnahmen das Problem. Ich habe es bisher nicht geschafft nicht nachgeführte Aufnahmen mit 30s zu machen, ohne 50% Ausschuss zu produzieren. Und das mit sehr guten Mittelklasse Montierungen (Alt, Fornax etc.).

Aber nochmal, der Vorteil von hintergrundlimitierten Aufnahmen ist ein Vorsprung in einem Bereich von ca. 30 Minuten. 30 min hat man schnell mal aussortiert wenn man bei 10 minütigen Aufnahmen ein paar faule Eier drin hat.
Auf der anderen Seite hat man riesige Datenmengen wenn man kurz belichtet und das Dithering wird zum echten Zeitfresser.

Ihr müsst das selber für euch entscheiden. In der Theorie lässt sich der Vorteil gut erklären, in der Praxis sieht es manchmal anders aus. Die Entscheidung nimmt euch niemand ab.

CS Frank
 
Hallo Holger,

Hallo,

Eventuell vorteilhaft könnte es sein, dass die kürzeren Belichtungszeiten weniger seeinganfällig sind.

Aber wenn ich könnte würde ich eher auf ca. 30 Sek. hochgehen, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass z.B. bei 300 x 1 Sek. genauso viel vom Sensor erfasst wird wie bei 10 x 30 Sek.

Das Seeing spielt sich im Bereich einiger Sekunden ab, es kann durchaus mal sein, dass ein Bild still steht für 2,3,4 Sekunden. Dann müsste man aber diese Bilder raussortieren und nur diese stacken um den Vorteil zu bekommen. Nennt sich LuckyImaging und ist das was die Planetenfotografen machen. Mit extrem teuren Profikameras wäre das bei Deepskyobjekten auch möglich. Das sind die oben erwähnten EMCCDs wie sie z.Bsp. von Andor gebaut werden.

Es ist aber tatsächlich so, dass 10x30s das gleiche ist wie 300x1s IN DER THEORIE!!!! Denn darum geht es hier die ganze Zeit, sobald der Himmel dazu kommt, werden die Karten neu gemischt. Du kannst das aber tatsächlich im Wohnzimmerversuch selber testen und du wirst verblüfft sein! Aber im Wohnzimmer sind eben alle Bilder, lang und kurz belichtet, immer nicht Hintergrundlimitiert. Darum habe ich so empfindlich auf Peters Vorschlag reagiert.

CS Frank
 
Nochmal ich,

mann muss natürlich auch immer die Perspektive bewahren. Der eine bastelt sich seine Montierung aus dem 3D Drucker selber mit Tschibo Torpedo dauf, der andere hat eine Remotesternwarte in Chile mit vollrobotischer Ausrüstung. Dann über Hintergrundlimitiertheit zu diskutieren ist, naja, teilweise vielleicht am Thema vorbei:-) Also auch hier muss jeder für sich klären wohin sein Anspruch/Spaß an der Sache/Geldbeutel ihn führt und was ihm dann wichtig ist.

CS Frank
 
Hallo zusammen,

die theoretischen Zusammenhänge sind mir im Bereich des Rauschens klar: rauschen tuts immer und bei jedem Auslesen kommt noch was dazu. Darum tendenziell etwas länger belichten.
Aber das mit dem Hintergrund würde ich gerne besser verstehen.
Wenn ich nun also von einem Stern ein Signal bekomme, das - sagen wir - pro Minute 10 Photonen auf den Chip schickt, dann kommen dazu doch auch immer eine gewisse, gleichbleibende Anzahl von Photonen vom Hintergrund dazu, also meinetwegen 3 Photonen pro Minute (+ das Rauschen, aber das spielt für meine Frage keine Rolle). Da ist es doch ganz egal, wie lange der einzelne Frame belichtet wird, oder? Bei einer Minute sind es 10 gute und 3 böse Photonen und bei 10 Minuten eben 100 gute und 30 böse. Die ziehe ich eben hinterher ab und gut,oder? Wieso ist es da besser bei hellem Himmel kürzer zu belichten? Natürlich immer angenommen, dass ich nicht so lange belichte, dass die Hintergrundhelligkeit zusammen mit dem Signal die Pixel sättigt.
Ich glaube ja, dass es so ist, allein schon weil die Namibia-Fotos das ja deutlich zeigen, aber ich würde es gerne verstehen. Gibt es da gute Quellen? Mich würde auch interessieren, wie man den Hintergrund (mit PixInsight) bewerten kann. Ich kann dazu keine Anleitung finden.

Gruß
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

du lässt das Rauschen aussen vor, und genau darin besteht dein Denkfehler.
Du hast 10 gute Photonen, die rauschbehaftet sind und 3 schlechte die rauschbehaftet sind. Ziehst die drei schlechten ab, bleibt deren Rauschen im Bild. So verschlechtert sich dein Summen SNR durch die Rauschkomponente des Himmels. In meinen Videos erkläre ich das.

Astrophotocast Rauschen Teil I
Astrophotocast Rauschen Teil II

Es gibt echt gute Literatur zu dem Thema, leider alles auf englisch.
CS Frank
 
Genau so ist es. Darum ist auch der Offset wichtig: Die Kamera mag den Dunkelstrom verstecken, aber das Dunkelrauschen bleibt und um es mit Durchschnittsbildung zu entfernen, darf man nicht den negativen Anteil des Rauschens abschneiden. Man kann über das Dunkelrauschen den wahren Dunkelstrom der Kamera ermitteln.

Ich frage mich schon lange, ob es noch etwas zu gewinnen gibt, wenn man das Rauschen des guten Signals ermittelt, statt es nur mit Durchschnittsbildung zu reduzieren. Rauschen ist nicht nur lästig, sondern ein Bestandteil des Signals, und eigentlich müsste man auch Bildsignal gewinnen können, wenn man das Rauschen über viele Aufnahmen misst.

Michael
 
Wenn Du viele kurze Aufnahmen machst, dann bekommst Du als Ergebnis der Durchschnittsbildung das Signal, was eine lange Aufnahme liefert (sofern das Bildsignal jedes Bildes immer noch das Ausleserauschen dominiert).

Du kannst nun die Differenz jedes Bildes und des Durchschnitts bilden, und bekommst damit das Rauschen. Das durchschnittliche Rauschen aller Bilder sollte die Wurzel des Bildsignals sein. Da gibt's also indirekt noch etwas Bildsignal zu holen. Es könnte auch bei knapper Überbelichtung helfen, wenn ein Teil der Gausskurve abgeschnitten ist, noch ein wenig zu retten, wenn man noch einen Teil der Gausskurve hat, weil man damit erraten kann, wie hell der Pixel eigentlich war.

Das ist aber nur so eine Idee und vermutlich gibt's einen Grund, warum man das nicht macht. Auf diese Weise kann man immerhin aus dem Dunkelrauschen den Dunkelstrom ermitteln, wenn man ihn nicht sehen kann.

Michael
 
Hallo Frank,
danke für die Antwort. Deine Videos kenne ich natürlich alle. Dennoch scheint speziell dieser Aspekt für mich zu hoch zu sein. Besser: ich würde es gerne plastischer begreifen. Ich habe eine Ahnung, was du meinst. Das muss für den Augenblick wohl genügen. Irgendwann werde ich schon eine Quelle finden, die sich bis auf mein Niveau herablässt. :ROFLMAO: Mir übrigens egal, obs englisch ist.
In diesem Video sieht man bei etwa 10:20 die rohen DSLR-Frames eines Sternenfreundes, der offenbar einen grauenhaften(!) Standort hat. Dennoch bekommt er ein recht ansprechendes Ergebnis.
Ich würde eben gerne wissen, wie schlimm im Bezug auf den Hntergrund "schlimm" ist und wie man das fassen kann um sich ganz praktisch zu verbessern.

Gruß
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

ich würde es ja gerne aufmalen, aber das geht hier nicht:-) Ein gutes Buch ist The Deep-Sky Imaging Primer von Charles Bracken. Es gibt auf YouTube ein Video wo er als Gast beim Astroimaging Chanel ist.

Ansonsten, einen Versuch mach ich noch:

Du hast Sterne und Objekte die auf deinen Sensor prasseln. In einer idealen Welt sind das Photonen und das sog. Schrotrauschen oder Shotnoise. Aus dem Signal und diesem Shotnoise bildest du einen Bruch, der heißt dann Signal to Noise Ratio, kurz SNR. Selbst in der Idealwelt musst du jetzt relativ lange belichten, bis du ein gutes, rauscharmes Bild bekommst. Beispiel Hubble Deep Field. -83°C Chiptemperatur, 2,4m Spiegel und im Schnitt 37h Belichtungszeit pro Filter!
So, wir sind aber auf der Erde, da kommt der Himmel hinzu. Auch der hat ein Signal und ein damit verbundenes Shot Noise. Das Signal kann ich einfach abziehen, aber das Rauschen nicht. D.h. im Endergebnis bleibt das im Bild zurück und addiert sich zum Rauschen des Objektsignals. Dadurch wird der Quotient aus Objektsignal und Rauschen schlechter. Also musst du länger belichten als in der Idealwelt um wieder alleine auf das relativ gute SNR zu kommen was du in der Idealwelt hättest. Du hast also einen Kühlschrank am Bein beim laufen:-) Je heller dein Himmel, desto schwerer der Kühlschrank. LaPalma, Namibia, Chile=Sorgenfreies Leben fast ohne Klotz am Bein, dafür mit Loch im Portemonaie.

CS Frank
 
Hallo Frank,
das ist sehr gut erklärt. Es ist auch schon viel klarer als vorher. Von hier aus komme ich jedenfalls schon mal weiter.
Vielen Dank!
Gruß
Sebastian
 
Hallo zusammen,

wie ich lese, werden hier weiter Annahmen getroffen.... Dann lasse ich einmal Bilder sprechen, und daraus lassen sich ziemlich relativ genau das Rauschen "errechnen", insgesamt ein Plädoyer für Kurzbelichtungen ;-)

1 x 1 s

Link zur Grafik: http://pixlimit.com/test/rgb1s2.jpg

16 x 1 s

Link zur Grafik: http://pixlimit.com/test/rgb16s2.jpg

240 x 1 s

Link zur Grafik: http://pixlimit.com/test/rgb240s2.jpg

die Aufnahme war eine Testaufnahme und ist ungeschärft, ein RAW nach dem debayern, beliebige Aufnahmesequenz, ohne Guiding, C11 bei f/10 (2800 mm Brennweite) auf Skywatcher NEQ6, Vorgarten

CS
peter
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben