Hallo,
interessante Diskussion.
In der Tat waren fertige Teleskope nicht nur relativ, sondern auch absolut teurer vor 10-30 Jahren.
Als ich noch jung und huebsch war (80er Jahre), kostete mein Traumrefraktor 60/900 mm auf "Kaufhausmontierung" (heute EQ2) um 700 DM. Ein 60/700er war auf azimutaler Monti bereits fuer 290 DM zu haben, der 114/900er kostete zwischen 500 und 700 DM. Die Ausstattung war karg, die 24.5mm-Okulare waren unverguetete Huygens-Wellensittichaugen und die Barlowlinsen Einlinser.
Aber immerhin war damals fast alles auf Metall, die Instrumente machten einen edleren und dauerhafteren Eindruck als die Billigfernrohre von heute.
Traeume waren damals ein 80/1200er Refraktor, der bei Tasco (Modell 10K) um 1700 DM kostete. Oder der Bresser "Blue line" Catatiopt 153/1300 fuer schlappe 4600 DM. Oder das 20 T, ein 108mm-Refraktor auf Saule von Tasco, der fuer 10000 DM uebern Ladentisch ging.
Nicht zu vergessen die Amerikaner, Mitte der 80er Jahre kostete ein C8 auf Standardgabel um 7000 DM - Dollarkurs!
Nun, inzwischen setzt eine Art Rueckkopplung ein. Die Fernrohre werden hauptsaechlich durch den Preisdruck aus China immer billiger. Dadurch vergroessert sich der Markt. Ein 80mm-Refraktor gilt halt heute als Anfaengergroesse, ebenso wie ein Sechszoll-Newton. Auch das Zubehoer hat sich drastisch veraendert. Selbst die billigen Synta-Kellner-Widefield sind um Groessenordnungen besser als die alten Huygens, und waehrend man frueher 300 DM fuer einen Synchronmotor fester Geschwindigkeit hinblaetterte. War super - man brauchte einen Netzanschluss und fuer Fotografie einen suendhaft teuren Frequenzwandler. Heute, dank Preisverfall in der Elektronik, ist eine Schrittmotorsteuerung schon fuer deutlich unter 100 Euro zu haben, inklusive Motor.
Interessant wird die Zukunft. Ich koennte mir vorstellen, dass sich in den naechsten 10-20 Jahren Replikationstechniken in der Optik durchsetzen. Schon heute gibt es vollautomatische Figuringmaschinen, die eine Optik selbststaendig pruefen und korrigieren koennen. Wenn sich erstmal eine Abformtechnik aehnlich der Mandrelltechnik fuer Roentgenteleskope in der Optikfertigung etabliert, sollten die Spiegel wesenlich guenstiger werden. Solche Techniken werden heute fuer ELTs (Riesenteleskope bis 100 m Durchmesser) diskutiert, ein Projekt wie OWL koennte eine solche Technik zur Marktreife entwickeln lassen ...
Ein Caveat allerdings bleibt - der Markt fuer den Selbstbau hat in den letzten Jahren deutlich gelitten. Insbesondere der Spiegelschliff - nachdem Spiegelrohlinge in Deutschland sehr teuer wurden und kaum ein Haendler welche aus dem Ausland importieren will, kam es hier lange zu einem Stillstand, der sich durch das Engagement Einzelner langsam aufloest. Eine bessere Lobby fuer den ATM waere wuenschenswert, denn kaufen kann jeder ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />