Re: Anwendung? Brillenträger?
Hallo Dominik,
danke für deine Rückmeldung bezüglich der Brillenunabhängigkeit.
Glückwunsch
Ob ich noch was wissen muss? Jaaa, welche Vögel?
Kleine flinke oder große Greife?
Zu welcher Tageszeit?
Für mich stellen beide eine unterschiedliche Anforderung an ein Fernglas. Aber, wir wollen es mal nicht auf die Spitze treiben. Ich bin kein Superspeziallist, aber ich versuche dir, ohne zu sehr in das Detail zu gehen, noch ein paar Informationen mit auf den Auswahlweg zu geben. Ich hoffe sie werden hilfreich sein.
Brillenträgertauglichkeit:
Auch wenn du keine Brille tragen musst, vll. gibt es ja noch einen Angehörigen, der das Glas mit nutzen möchte!
Einige Anmerkungen.
Alle Hersteller bewerben diese Brillenträgertauglichkeit. Jedoch unterscheiden sie sich in der Lage, also die Entfernung der AP hinter dem Okular. Ein Leica 10x32 z.B. hat diese bei 13,2mm, Zeiss FL 10x32 bei 15,2mm und ein Swarovision EL 10x32 bei 20mm. Das kann für den einen oder anderen Nutzer von großer Bedeutung sein. Sollten die o.a. 13,2mm vom Leica nicht ausreichen, wird auch dessen Sehfeld nicht vollständig überblickt. Und gerade Leica ist hier nach Aussage vieler Brillenträgern knapp bemessen. Brillenform, Lage auf dem Nasenrücken und die Gesichtsform sind hier ausschlaggebend. Achte auch auf Abschattungen beim Absuchen des Gesichtsfeldes. Die Swarovision haben m.E. hier die besten Eigenschaften und das beste Einblickverhalten. Also, unter den großen Supergläsern gibt es Unterschiede. Alles andere zu diesem Thema mal außen vor gelassen.
Vergrößerung:
Wie bist du auf die gewählte zehn fache (10x) Vergrößerung gekommen?
Ich kenne deine Auswahlkriterien nicht, möchte dich aber drauf hinweisen, dass z.B. ein Glas mit 8facher V eine größere Schärfentiefe besitzt. Grob um 40%. Dies kann ein Vorteil in der Beobachtung unterschiedlich weit entfernter Objekte in der Schäfenzone sein. Z.B. bei einer Vogelzählung. Außerdem kann sie dir helfen, in der Verfolgung eines fliegenden Vogels oder dem im Geäst hin und her hüpfenden-fliegenden, Richtungswechsel in Blickrichtung, weniger Nachfokusieren zu müssen. Die hält die Konzentration auf den Akteur aufrecht und übermittelt somit mehr Informationen. Ferner kann eine z.B. 8fache V die Bildruhe erhöhen, was in der Natur der Sache liegt. Jede kleine Bewegung wird eben um den Faktor V verstärkt und 8 ist nun mal weniger als 10. Schäfentiefe in Kombination mit Bildruhe ergeben in Summe evtl. einen größeren Sehgenuss und somit höhere Informationsdichten über das begehrte Vogeltier. Das eine 10x V auch von Anwendern ruhig genutzt werden kann bleibt unbestritten.
Auch hier, alle tieferen Details der Sachverhalte nicht vertieft.
Mitteltrieb:
Die einen benötigen 2, die anderen 1,5 und manche vll. nur eine Umdrehung um vom Nahbereich in den Fernbereich zu fokussieren. Die unterschiedlichen Übersetzungen sind nicht zu unterschätzen.
Die vorgenannte 10fach V = geminderte Schärfentiefe in Kombination mit zum Beispiel einen direkten, also schnell ansprechenden Fokus und einem flinken Vogel kann zum Nervenakt werden (Übertreibung)! Dies dann noch im Winter mit dicken Handschuhen kann mehr zu intrafokalen/extrafokalen Sehgenüssen führen

, schön ist das nicht. Verfolgung im Fokus sollte bestehen. Was ich sagen will, darauf achten.
Das Leica einen nicht ganz ruckfreien Trieb besitzt ist richtig, er ist aber auch schmiermittel-und wartungsfrei. Seine Temperaturbeständigkeit und mechanisch sehr hochwertige Ausführung bringt dies nun mal mit sich. Alles geht nicht, noch nicht.
Dafür kann der Zeiss Mitteltrieb auf seiner Anschlagscheibe mal zum Schleifen kommen. Wird auf Wunsch bei Zeiss mittels Distanzscheiben behoben. Ansonsten ist er ein vorzüglich mechanisch ausgeführter Trieb. Ferner bieten die Zeiss FG auf Grund der Anschlagscheibe des Triebes eine weitere Unterstützung der Einhandbedienung. Wenn dich die lose Nierenscheibe am Ende der Knickbrücke am Mitteltrieb der FL Zeiss Gläser und das Kunststoffgehäuse nicht stört, sind die Gläser in die engere Wahl zu ziehen. Persönliche Anmerkung, sie sei erlaubt: Zeiss, tolle Optik schlecht verpackt.
Der Mitteltrieb der Swarovski geht in gegensätzlicher Richtung unterschiedlich "schwer" (übertrieben). Es ist ein Unterschied zu verzeichnen, jedoch wie auch bei Zeiss ist er spielfrei. Er besitzt aber nicht wie die Leica Triebe einen spürbaren Endanschlag. Er verhakt auch nicht, doch macht sich an den Anschlägen beider Richtung ein "Anklemmen" bemerkbar.
Augenmuscheln:
Diese sind in Raststufen einstellbar, auf den Augenabstand den du benötigst, dass Sehfeld einwandfrei zu überblicken. Die Zeiss Hülsen können an der Armierung schleifen und mit der Zeit Spuren ästhetischer Natur hinterlassen. Sie sollten sauber ihre Position behalten. Bei plötzlichem Ansetzen des Glases an das Auge kann es vorkommen, im Eifer des Gefechts das FG an die Augenhöhle zu stoßen und die Augenmuscheln zu versenken, Swarovski. Die Leica Hülsen könnten in manchen Situationen zu laut sein. Dafür besitzen sie eine sehr gute Ergonomie. Allein die Pufferzone im oberen Rand der Muschel, Leersektor, ist sehr angenehm.
Aber, auch hier........... alles andere nicht erwähnt.
Armierung:
Die musst du, wie auch ALLES ANDERE, selbst erfühlen.
Achte bei Zeiss bitte auf eine einwandfreie Verarbeitung. Spaltmaße, Klebereste.
Beide, Leica und Zeiss sind meines Erachtens recht gut in der Handhabung. Die längsgerichtete Zeiss Armierung ist wie vieles Geschmackssache. Nimm diesbezüglich auch mal ein Swaro in die Hand. Und wie immer, alles weiterführende nicht erwähnt.
Auch Knickbrücke und Dioptrienwerte, Überhub und vll. für dich wichtiger Nahbereich........... außen vor.
Offnung:
Schwierig. Weil, zu welcher Zeit beobachtest du? Menschen, die in Arbeit und Brot stehen kommen ab und an auch spät nach Haus. Im Winter mit fortgeschrittener Tageszeit benötigt man evtl. für dein Nachfeierabendhobby Reserven für die Dämmerung. Diese Reserve kann aber auch notwendig werden, wenn du z.B. am gut Licht durchzogenen Taghimmel Vögel im Wald, im Dickicht beobachten möchtest. Da kann sich die Eintrittspupille des Auges schon auf 3-4mm öffnen. Da weitläufig die 4mm für die Tagbeobachtung mit Dämmerungsreserve anerkannt sind, kämen wir also bei die von dir gewählten 10fach auf ein Fernglas mit den Daten 10x40, sprich 42mm. Oder bei 8x entsprechend 32mm.
Nun soll das Fernglas auch noch leicht sein.
Das Swaro z.B. 8x32, kann mit 580gr bei den Abmessungen 138 x 110 x 57 nicht mit den Maßen des Leicas 535gr und 116 x 116 x 56mm mithalten. Zeiss 550gr mit 117 x 116mm.
Vergleiche am besten selbst. Das Leica ist sehr kompakt und kann für große Hände zu klein sein. Das Swaro ist fast so groß wie das 8x42 von Leica. Kompakt ist anders, große Hände mögen es aber.
Sollte es unbedingt ein 10fach sein, sollte es dann wohl auf Grund von einer Dämmerungsreserve das 10x42 sein.
Was nun?
Das sind zum 32er ca. 200-250gr und die sind meines Erachtens nicht zu unterschätzen. Sie wiegen nach langer Tragezeit auf.
Um es ein wenig abzukürzen:
Ich empfehle dir ein 8x32 Glas, da ich selber 8x20 / 8x32 / 10x42 / 10x50 der Oberliga besitze. Das 8x32 ist für die Vogelbeobachtung mit das universellste Glas in Kombo mit den Leistungsdaten und dem Gewicht/Packmaß mit Beobachtungskomfort. Vor allem im Urlaub auf langen Touren. Da kann ein 42er Glas nach 3h Fußmarsch das Gefühl von Zentnern vermitteln.
Optische Leistung:
Die brutale Schärfe der Zeiss Gläser ist wohl sprichwörtlich, doch ich mag das Wort brutal nicht. Zeiss ist sehr konturentreu. Die Fähigkeit der Mittenschärfe zu beurteilen obliegt wem wie? Aber wie erwähnt kühler in der Farbe. Randscharf sind sie alle nicht, außer Swaro und Nikon EDG. Leicabilder sind "dunkler", wenn man das so sagen möchte. Zeigen auch den etwas stärkeren Tick Farbsaum.
Nur keiner erwähnt auch in diesem Zusammenhang, dass dieser eben auch durch den stärkeren Kontrast hervorgerufen wird (????)
Die sehr ausgewogene Farbsättigung der Leicagläser kann in der Vogelbestimmung große Freude bereiten. Die Randschärfe der Swaros ziehen aber den Globus-/Zylindereffekt mit sich. Dieser kann beim Abglasen, Verfolgen für den eine oder anderen als unangenehm empfunden werden.
So, Futter für die Zellen und sortiert hoffe ich dir ein paar Hilfen zur Verfügung gestellt zu haben.
Fazit:
Alle 3 Luxusgläser haben in ihren Disziplinen ihre Stärken und Nachteile. Wie auch aufgeführt wurde, du musst die Gläser selber in die Hand nehmen und nach deinem Ermessen beurteilen.
Meine oberflächlichen Anregungen sollten nur nochmals eine Hilfestellung sein. Man kann die Angelegenheit noch tiefer betrachten, verwirrt vll. mehr als sie hilft. Hoffe mich nicht verstrickt zu haben und erlaube dir anzuraten:
Überdenke bitte nochmals deine Vergrößerung und die somit in Anhängigkeit stehende Öffnung. Und die aufgeführten Unterschiede der Leistungen sind wirklich gering aber sichtbar.
Und mit deinem Einverständnis füge ich den Favoriten Leica Ultravid HD 8x32, bei erweiterten Dämmerungswunsch das HD 8x42 auf.
(Kowa 8x33 Prominar / Nikon Porro SE 8x32 / Nikon Porro 8x30 EII, andere Baustelle, betreten erlaubt)