Hallo Manfred,
Hi Michael,
zu Deinen Ausführungen nur eine Anmerkung:
Schau Dir mal h & chi oder M 35 im 4" Apo unter dunklem Himmel an bzw. staune über den lehrbuchmäßigen Anblick von Epsilon Lyrae. So etwas Schönes kann Dir kein Newton zeigen.
Gruß von einem, der sich nicht rechtfertigen muss.
Manfred
also ich weis nicht.
Epsilon Lyra ist doch ein total einfaches Objekt, was soll da ein Apo für Vorteile haben?
Ich habe ihn beim diesjährigen ATB mit vielen Teleskopen gesehen, mal schlecht, mal gut.
Und das war definitiv unabhängig vom Teleskop-Typ.
Am schlechtesten in einem dermaßen dejustierten 10" Meade Lightbridge daß dieser
die Sterne nicht "trennen" konnte, nur andeuten, daß es wohl 2 sein mögen, so ausgedehnt
waren die Komaschweife.
Am besten in einem 10" katadioptischen Kutter nach Dittie, meinem Silberdobby, einem
12" Birkmaierdobson, einem TMB Apo. Aber ich habe durch viele Teleskope
am Platz ja gar nicht durchgesehen, Zeitmangel.
Bei h+chi sieht das schon schwieriger aus. Man muß unbdingt mit etwa gleicher Öffnung
und Brennweite vergleichen. Mein 1200mm Teleskop kann den Doppelhaufen so gerade
im 40mm XL zeigen, aber es dürfte mehr Platz drumherum sein.
Also zu meinem 200/1200mm Newton einen 175/1200mm Apo nehmen, das wäre ideal.
Gleiche Helligkeit, gleiche Vergrößerung. Und da das Öffnungsverhältnis fast gleich ist
reagieren die Okulare ebenfalls fast gleich (Okularastigmatismus).
Da gewinnt der Apo ganz sicher wegen seiner weniger schlechten Randabbildung.
Der 2 oder 3-Linsen-vorne-Apo hat Bildfeldwölbung und off-axis-Astigmatismus.
Der Newton hat (zwar weniger) Bildfeldwölbung, aber auch off-axis-Astigmatismus
und ganzheftige off-axis Koma.
Aber erst wenn das Okular gut genug ist sieht man diese Koma, sonst überwiegt sogar
noch der Okularastigmatismus.
Beim Apo ist es ähnlich:
Der 115/800mm vom Jürgen H zeigte mit dem 30mm Widescan eine ziemlich
schlechte Randabbildung. Mit meinem 40mm XL war das besser, ohne aber ideal zu sein.
Für große Felder würde ich mittlerweile sogar einen bildfeldgeebneten Apo anstreben,
ich bin einfach zu pingelig.
Der Newton hat also bei gleicher Brennweite und minimal größerer Öffnung (um den
Lichtverlust durh die Verspiegelungen und die Obstruktion auszugleichen) bei der
Verwendung von sehr guten Okularen den Nachteil der off-axis Koma.
Und das sieht man auch wenn man hinschaut!
Allerdings könnte der Newtonbesitzer einen Parakorr einsetzen, der die off-axis- Koma
weitestgehend kompensiert. Dann hat der Newton keine schlechtere Abbildung über das Feld
als ein nicht-geebneter Apo, eher im Gegenteil.
Allerdings bleiben Spikes an hellen Sternen. Bei h+chi sicher eher nicht, wenn du einen
(fiktiven, denn in der Größe gib es nichts gutes von der Stange) 130mm Newton mit einem
115mm Apo vergleichst, denn der 130mm Newton zeigt da visuell wohl noch keine Spikes.
Bei helleren Objekten aber doch, allerdings könnte man dort ebenfalls etwas tun:
Eine gebogene Spinne einsetzen.
Zusammenfassend würde ich sagen:
Bei kleinen Öffnungen steht der Apo immer besser da. Vor allem auch deshalb, weil es in dem
Öffnungsbereich keine guten Newtons gibt, mit 2" Auszug, mit Komakorrektor für große Felder.
Bei großen Öffnungen sieht das anders aus. Da gibt es Newtons zu kaufen die in Bezug auf die
Abbildung mit einem um (ca) die Obstruktion kleineren Apo mithalten können, wenn man für
große Felder einen Komakorrektor einsetzt.
Man könnte auch ein Pretoria-Okular einsetzen, das kompensiert die off-axis Koma bei Newtons
bis hinunter zu f/4.
Die Okularfrage ist übrigens eine zenrale Frage: Alle erhältlichen Okulare wurden für komafreie
Teleskope entwickelt, mit Ausnahme des Pretoria-Okulares.
Zusätzlich gibt es kaum Okulare die für lichtstarke (= "schnelle") Systeme tauglich sind.
Wenn man nun einen lichtschwachen (= "langsamen") Apo mit einem lichtstarken Newton
unter verwendng von einfachen (Kellner, Ortho, Plössl, ... Okularen) vergleicht, dann benachteiligt
man den Newton gleich in mehrfacher Hinsicht:
1) die Okulare bringen es nicht am Newton
2) Abbildungsfehler, auch und vor allem off-axis Abbildungsfehler, nehmen mit der lichstärke des Systems zu
3) die Okulare wurde konstruiert in Hinsicht auf Teleskope wie Refraktoren
Mein Plädoyer:
Immer möglichst Vergleichbares vergleichen, sonst macht das keinen Sinn.
Viele Grüße, Karsten