Hallo Jan,
deine Methode der verzeichnungsfreien Brennweitenreduktion kannte ich noch nicht. Sie klingt aber interessant, wenngleich zunächst nur für afokale Fotografie, also mit einem eigenen Objektiv vor der Kamera, was es ja bei echten Astro-CCD-Kameras in der Regel nicht gibt. Für die SLR-Besitzer dürfte das aber eine hoch interessante Sache sein.
Zu deiner Aussage bzgl Pixelgröße:
Natürlich gewinnst du mit einer großen Blende enorm an Lichtstärke und verkürzt die Belichtungszeit. Das ist für mich allerdings kein Punkt von erheblicher Bedeutung: Das Teleskop muss so oder so nachgeführt werden, alles läuft bei mir automatisiert, so dass ich mich theoretisch zwischendurch schlafen legen könnte. Es ist also zunächst einmal gleichgültig, ob ich eine Stunde oder fünf Stunden belichte. Anders sieht das natürlich aus, wenn man die Anzahl der klaren Nächte berücksichtigt, dann gebe ich dir Recht, kann die Belichtung nicht kurz genug sein. Mein Interesse gilt allerdings besonders der hochauflösenden Fotografie auch im DS-Bereich. Und dieses Ziel kann ich besser mit längeren Brennweiten erreichen (dazu sogleich).
Zum Abbildungsmaßstab kann ich nur sagen, dass die von dir angegebenen Werte mit der Theorie übereinstimmen. Nur bin ich der Ansicht, wie Cord offensichtlich auch - und wie es von vielen guten CCD-Fotografen mit ihren Bildern bestätigt wird -, dass die Theorie den Praxiskontakt nicht übersteht (das ist natürlich überspitzt ausgedrückt). Nimm als Beispiel die Planetenfotografie. Nach der Theorie dürfte auch dort eine Brennweite von 1-2 m ausreichend sein, um alle Details abzubilden. Denn die TouCam hat soweit ich weiß Pixel von ~5,7 my, und das Seeing ist auch dabei nicht besser als vielleicht 2". (Wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass die Bewegung während der 1/25 s der Belichtung geringer sein mag). Nehmen wir also großzügig einen Wert von 4 m an. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass man mit 4 m zwar interessante Planetenbilder erhalten kann, dass aber aus meiner Sicht schon 8 m im Grunde zu wenig sind. Ab 10 m aufwärts wird es richtig interessant. Der Detailzugewinn ist evident. Der Theorie nach dürfte das gar nicht sein.
Ebenso, wenngleich in geringerem Maße, ist meine Erfahrung bei der DS-Fotografie. Ein FWHM von ca. 4 px, wie ich ihn bei durchschnittlichem Seeing (2") mit der SXV am C11 erhalte, ist optimal geeignet, um noch feinste Strukturen zB in Galaxien wiederzugeben.
Du hast aber selbstverständlich völlig Recht, dass mit dieser Samplingrate das Bild erheblich! länger belichtet werden muss, als etwa im 2x2 Binning. Deshalb habe ich ja zB JnEr1 auch im 2x2bin aufgenommen.
Eins noch: Hinsichtlich der Brennweiten im DS-Bereich gibt es natürlich noch einen Parameter, der nicht außer Acht gelassen werden darf: Die Nachführung. Je kürzer die Brennweite, desto leichter und besser die Nachführung und desto geringer die durch Fehler hinzugefügte Abbildungsverschlechterung. Bei großen Brennweiten ist das ein Problem, das merke ich zT schon bei den 2,8 m. Meiner Ansicht nach dürfte unter unseren hiesigen Bedingungen knapp über 3m eine Grenze des Sinnvollen liegen. Aber das mag im Einzelfall und bei guten Bedingungen anders sein. Wenn ich mir die Bilder der Capella-Kollegen mit 4,8 m anschaue...
Meine Antwort ist etwas länger geworden, aber ich hoffe, meine Erfahrung (und genau das und nicht mehr ist es ja, die "praktische" Seite) ist deutlich geworden. Vielleicht hilft dir das in deinen Überlegungen und du kannst darauf aufbauend weiter kommen.
Beste Grüße