M104 oder Wie ich zu träumen begann und wieder damit aufhörte

Cor_Francoli

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Damals, vor 40-50 Jahren, gab es für mich auf dem Dorf nicht viele Inspirationsquellen. Aus der Dorfbücherei lieh ich mir immer wieder ein schon damals uraltes "Werken für Jungen" aus, wahrscheinlich aus den 50ern. Das befriedigte zumindest meinen Basteltrieb. Aber ich brauchte auch etwas für den Kopf. Da gab es zum Beispiel zwei alte Schulbücher aus dem Keller der ehemaligen Volksschule, in der wir Anfang der Siebziger zwei Jahre wohnten. Meine Mutter hatte dort noch ihre ganze Schulzeit durchlaufen. Erste bis achte Klasse, alle in einem Klassenraum und von einem Lehrer unterrichtet. Die beiden dünnen Bücher, die ich im Keller fand, lehrten in zwei Bänden sehr praxisnah "alles" rund um Physik und Chemie: "Leben ringsum - Naturlehre" aus dem Diesterweg Verlag. Ich habe sie mehrfach hoch und runter gelesen. Aber was heißt schon "alles", wenn darin die Astronomie mit keinem Wort erwähnt wird. Im Keller fand sich noch ein drittes dünnes Naturlehre Buch eines anderen Verlags von 1960, in dem wird die Astronomie zumindest mit vier Sätzen gewürdigt. Der letzte davon lautet: "Das größte befindet sich auf dem Mount Palomar in Kalifornien und vermag noch Sterne sichtbar zu machen, die 1 Milliarde Lichtjahre von uns entfernt sind." Und schon richtet das Buch seine Aufmerksamkeit dem viel wichtigeren "Lichtbildwerfer".

Bis hierhin gab es also keinen Anstupser, mich näher mit Astronomie zu beschäftigen. Das kam erst mit dem großen Readers Digest Weltatlas, der sich auf vier A2 Seiten dem Weltall widmete. Da begann ich zu träumen.

In den 80ern kaufte ich mir schließlich mein erstes Astronomie-Buch: Steinbachs Naturführer "Die Sterne" von Joachim Herrmann. Darin gibt es ein Foto, das mich restlos begeisterte und meine Phantasie zum Fliegen brachte. Ein Foto der Sombrerogalaxie. Anders als die anderen zweidimensionalen Fotos eröffnete mir dieses Foto die dritte Dimension und ich flog über die Galaxie hinweg in die Unendlichkeit des Raums. Etwa zeitgleich legte ich mir mein erstes Teleskop zu, nachdem ich mir jahrelang bei dem einen oder anderen Optiker die Nase am Schaufester plattgedrückt hatte. Ich kaufte mir bei Neckermann einen Bresser 114/900 Newton. Mit dem versuchte ich mich an M104, aber offensichtlich wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Enttäuscht entstand in meinem Kopf der Glaubenssatz "Die Sombrerogalaxie liegt außerhalb Deiner Möglichkeiten. Träum weiter." Und so träumte ich 40 Jahre. Bis gestern.
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Taurus T500 (20'') + ASI294MC, 100 x 2s mit ASIStudio live gestackt und am Handy nur leicht nachbearbeitet.

Nun wundere ich mich, dass ich mich tatsächlich nie mehr an M104 herangetraut hatte, denn letztlich war es ein Kinderspiel.

CS Frank
 
... Von der Software ganz zu schweigen. Nicht, dass ich nicht IT-Fachmann wäre, aber selbst mich nervt es, weshalb ich einem Bild kaum Belichtungszeit geschweige Nachbearbeitung gönne
 
Hallo Stefan,

ich meinte den Unterschied visuell und EAA. Was mit EAA geht, kannst Du halt mit der visuellen Wahrnehmung nicht vergleichen. Visuell dürfte die Herausforderung heute durch die Lichtverschmutzung eher noch größer geworden sein.

Mir war visuelle Astronomie (bei Bortle 7) eh immer zu wenig und ich bin froh, dass ich mit EAA vieles am Himmel einfach entdecken kann, was visuell nicht drin ist und das, ohne mich gleich den Anforderungen der Astrofotografie stellen zu müssen.

CS.Oli
 
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