Hallo,
gestern bot sich aufgrund der derzeitigen Wetterentwicklung wohl eine der letzten Gelegenheiten den kulminierenden Virgo-Haufen bei astronomischer Dunkelheit zu halbwegs bürgerlichen Zeiten zu besuchen. Also raus auf die Wiese hinterm Haus (ja, ich habe das große Glück mitten auf dem Land zu wohnen) mit meinem Vixen 114/900 auf NP. Die Luft hat sich nach dem Regen der letzten Tage gut geklärt. Aufgrund der vielen Feldarbeiten in dieser Jahreszeit war die Luft in den letzten Tagen recht staubig geworden. Ein kurzer Blick auf Saturn bei 180x zeigte allerdings eine eher mäßige Luftruhe (Seeing). Die Cassini-Teilung war jedoch sicher zu erkennen.
Dann ging´s mit Karkoschka zum eigentlichen Ziel: der Virgo-Haufen. Konnte allerdings nur 2 Galaxien ausmachen: Ich vermute es waren M 86 und M 84. Sicher bin ich jedoch nicht, denn da war anscheinend noch ein anderer Nebelfleck neben M 86 in gleichem abstand wie zwischen M 84 und M 86. Das passte jedoch nicht ins Bild, das der Karkoschka bot. Eine ähnlich Konstellation findet sich auch nirgendwo sonst im Virgo-Haufen. Ich suchte weiter mit meinem Selbstbau-7x50-Sucher und 32er Super-PL nach anderen Objekten im Virgo-Haufen. Nichts gefunden. Die Orientierung fällt trotz Karkoschka sehr schwer in dieser Gegend. Bin allerdings auch zum erstenmal da. Aber ich war zufrieden überhaupt was gefunden zu haben mit der kleinen Röhre.
Dann fiel mir dieser Fred ein. Also ab zu M 13. Den letzten Besuch habe ich ihm letzen Spätsommer abgestattet. Da war ich seit 3-4 Monaten am Himmel unterwegs. Immer bot sich nur ein Matschflecken, bei dem ich mir erst im 5er Skywacher LE wohl mehr einbildete einige Grissel zu sehen, als es tatsächlich zu tun.
Doch gestern Abend war es anders. Es war eine Offenbahrung. Im 32er M 13 zentriert, Nachführung an, noch einmal genau hinsehen. Es sah vielversprechend aus, also dierekt 9er Goldkante rein. Hammer! ich sah schon bei 100x fach Auflösungserscheinungen im Randbereich. Dann viel die Nachführung aus. Batterien leer! Egal, 5er HR rein und mit Hand am Tubus nachführen. Welle der RA-Achse war ja durch Motor belegt und ch hatte keinen Bock noch ´nen Schraubenzieher zu holen um den Motor abzukuppeln, denn der Anblick bei 180x war sagenhaft. Deutliche Auflösungserscheinungen bis hin zu Strukturen. Trotz noch lange nicht idealer Höhe von ca 45° Grad am Ost-Himmel. Das habe ich noch nie gesehen. Bin platt. Schon spät. Hab mich von M 13 losgerissen und M 57 angesteuert. Letzter Besuch: September '07. Schon bei 28x konnte ich die Ringstruktur erkennen. Bei 180x auch wieder ein Wahnsinn.
Vor einem Jahr gab´s für mich nur Matschflecken am Himmel, aber mittlerweile werden die Matschflecken immer differenzierter. 4,5" Öffnung sollte man nicht unterschätzen. Es kommt darauf an was wir draus machen.
Quintessenz:
1. Ein guter Himmel ist extrem wichtig für Detailreiche Beobachtung trotz kleinem Gerät. 2. Beobachtungspraxis wird grade vom Anfänger unterschätzt, ist aber wie ein guter Himmel im Gegensatz zur Öffnung des Teleskops durch nichts zu ersetzen!
Nun warte ich noch auf die Nebenprodukte des Abends. Denn meine Praktica Nova B auf Stativ sollte diese bei ihrem astronomischen Firstlight in Form von Strichspuraufnahmen der Polregion produzieren. So wird man von diesem Hobby gefressen. Jetzt bin ich auch noch (allen Unkenrufen zum Trotz) bei der (chemischen -noch mehr Unkenrufe-) Astrofotografie gelandet.
Zum Schluss:
Eigentlich gehört dieser Beitrag ins Forum "Beobachtung visuell". Aber ich denke hier ist auch ganz gut aufgehoben und wird eher von Anfängern aufgenommen, die er ermutigen soll unermüdlich auch -und gerade- mit kleinen Geräten zu Beobachten um ihr ganz (Körper-)eigenes Potenzial auszuschöpfen. Dann muss der nächste Kauf auch nicht gleich ein 10"+ Dobson-Monster sein.
Entschuldigt die Länge des Beitrages!
Klare Nächte
Werner