M33 und die LRGB Erstellung mit Siril und Gimp

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joetaiga

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Hallo zusammen,

auf kleine Guides bekommt man ja nie besonders viel Resonanz. Mit Siril arbeiten sicher auch die wenigsten Mono Benutzer. Ich hoffe aber, dass es für den ein oder anderen trotzdem hilfreich ist. Ist dann auch etwas lang geworden...

Wer kennt das nicht? Man macht schön mit der Mono seine Bildchen, stackt das, bearbeitet es und ist voll stolz auf das Ergebnis.
M33v1crop3.jpg

Sieht echt gut aus bzw. würde echt gut aussehen, wenn da...wenn da nicht diese alte Aufnahme von früher gewesen wäre mit der OSC. Selbe Pixel, selbe Belichtungszeit, beides mal Neumond und die von der OSC ist tiefer und genauso gut aufgelöst. Trotz der vermeintlichen Überlegenheit der Mono. Ok, damals war super Seeing, dieses mal nicht. Aber trotzdem. Und außerdem waren die Sterne nicht komplett in Deckung beim LRGB. D.h. es war ein kleiner Restversatz da, sodass die Sterne kleine rotblaue Ohren hatten.

Da in der Luminanz die Tiefe da war und im in Siril mit dem RGB Composition Tool erstellten LRGB nicht, bin ich dem ganzen mal nachgegangen.

Als erstes wollte ich komplett deckungsgleiche Abbildungen in allen Kanälen. Dazu habe ich die einzelnen Kanäle ganz normale in Sequenzen zusammen gefasst und kalibriert. Aus dem Grünkanal nimmt man ein Bild als Referenz. Jetzt nimmt man die Bilder der pp_-Sequenzen der anderen Kanäle und macht daraus eine neue Sequenz, in die man das Referenzbild aus dem Grünkanal einfügt. Dieses wählt man wieder als Referenz aus, schließt es aber gleichzeitig von der Registierung aus. Jetzt registriert man die neuen Sequenzen und stackt sie ganz normal. Das Referenzbild aus dem Grünkanal wird so vom Stacken ausgeschlossen. Wenn man nun ein LRGB erstellt, sind alle Kanäle komplett deckungsgleich. Keine Ohren, keine Farbränder. Auch in den Ecken.

Nun kommt das Problem mit dem Verlust der Tiefe. Wenn man LRGBs mit Siril erstellt hat man HSL, HSV und Cie lab als Auswahlmöglichkeit. HSL und HSV führen zu einem deutlichen Verlust an Tiefe. Das LRGB sieht praktisch genauso aus wie das RGB. Unabhängig davon wie und ob man die Kanäle vorstreckt. Cie lab liefert zwar die Tiefe, aber dafür kriegt man keine Farbe in das Bild. Mit Siril alleine habe ich das Problem nicht gelöst bekommen und in Gimp habe ich keine Autostretch oder Histogramm Preview.

Als Lösung ist mir leider nur eingefallen ein kalibriertes RGB aus linearen Daten zu erstellen und das dann mit asinh vorzustrecken um die Farben für die Weiterverarbeitung in Gimp zu erhalten. Die Luminanz habe ich dann auf ein ähnliches Level wie das RGB gestreckt und bin nach Gimp gewechselt.

Dort hat man zwei Möglichkeiten eine Luminanz auf ein RGB anzuwenden: Bildschirm und Leuchtkraft. Beide liefern ähnliche Tiefe, mit Bildschirm hat das Rohbild etwas blassere Farben, mit Leuchtkraft bleiben die Farben besser erhalten. Mit Leuchtkraft muss man die Farben eher etwas zurücknehmen, damit in den hellen Bereichen nicht die Farbkanäle ausbrennen. Farben und Leuchtkraft kann man einfach steuern in dem man die jeweilige Ebene mit dem Werte oder Kurventool streckt bzw. den Schwarzpunkt verschiebt.

Mit "Neu aus sichtbarem" erstellt man das LRGB und kann ab da normal weiter arbeiten.

Nun zu M33. Zur Galaxie muss man, denke ich, nicht mehr viel sagen, da es ja eins der Paradeobjekte am Herbsthimmel ist. Aufgenommen habe ich wie immer mit meinem TS 125mm SD Apo @f/6,24 auf einer EQ6-R und mit einer 2600KMA von Touptek. Als Filter habe ich den Deepsky RGB Satz von Astronomik mit dem entsprechenden L2 für die Luminanz verwendet. Die Aufnahme war gleichzeitig das Firstlight für die 2600KMA. Belichtungszeit war nur 5h28m bei sehr mauem Seeing. Wegen der geringen Integrationszeit habe ich entschieden trotzdem alle Bilder zu verwenden, auch die Kröten mit >4,5" FWHM. Als Material hatte ich 81x1min L, 25x3min R, je 27x3min L und B. Gearbeitet habe ich mit einer Superluminanz, d.h. ich habe die Luminanz aus allen Bildern erstellt inklusive den RGB Daten.

Hier ist das Ergebnis, dass ich in Gimp dem Material mit der "Leuchtkraft" Methode entlocken konnte.
M33_LRGB_v2crop.jpg

Sieht in der Übersicht nicht viel anders aus als der erste Versuch, an einem Crop von NGC 604 sieht man dann aber doch einen deutlichen Unterschied bei den HA Gebieten. Rechts vorher, links nachher. Im ersten Versuch ich noch die Sterne etwas stärker geschärft, darauf habe ich in der Nachbearbeitung verzichtet.
NGC604_vorher.jpg
NGC604.jpg

Ansonsten ist M33 natürlich noch ein Fundus. Es sind alleine über 100 HII Regionen zu erkennen. Man kann in der Aufnahme stundenlang herumsurfen.

Auch interessant fand ich den Kernbereich. Die Galaxie wird normalerweise ohne signifikante Konzentration zum Kern beschrieben. Das ist so allerdings nicht ganz richtig. Der etwas diffuse milchige Stern in der Mitte der Aufnahme IST der Kern der Galaxie. D.h. der Kern ist schon konzentriert, nur aber extrem klein. Bei einem weiteren milchigen Stern links neben der Mitte am unteren Rand sieht man eine diffuse Struktur. Ich vermute daher, dass die meisten schwächeren milchigen Sterne im Bildfeld Kugelsternhaufen sind. Nachgeprüft habe ich es nicht, aber in der Aufnahme fällt auf, dass sich diese Sorte "Sterne" gegen das Zentrum der Galaxie verdichtet. Das würde dann aber bedeuten, dass der Kern von M33 nicht viel größer und heller als ein Kugelsternhaufen ist.
Kern.jpg

Um den Kern herum alleine finden sich locker mehre Dutzend HII Regionen. In der ganzen Aufnahme sind es sicher mehrere 100. In den Außenbereichen finden sich in der Aufnahme auch mehrere angedeutete blaue Reflexionsnebel mit weitläufigen schwachen HA Ringen drum herum. Das lässt mich träumen, dass ich im Oktober nochmal klare zwei Nächte mit halbwegs gutem Seeing bekomme und so eine Aufnahmen nicht mit 5h sondern mit 20h machen kann, sodass man alles was hier nur anzudeuten war, klar herausarbeiten kann. Aber das Wetter sagt hier leider allzu oft "nein" zu solchen Träumen.


Viele Grüße und klare Nächte,
Joachim
 
Hallo Joachim,

deine Dreiecksgalaxie gefällt mir sehr gut. Die Bildbearbeitung ist dir in meinen Augen sehr gut gelungen, weil alles schön harmonisch ist. Nichts ist übertrieben :y:

Schönen Gruß
Karsten
 
Hallo Karsten,

vielen Dank! Genau das war meine Absicht. Keine übersättigten Blau- und Rottöne, keine übermäßig kontrastierten Staubwolken.

Hätte nur etwas mehr Belichtungszeit sein können. Aber vielleicht kommt im Oktober ja noch die ein oder andere klare Neumondnacht...

Grüße,
Joachim
 
Hi Joachim,

deine M33 gefällt mir sehr gut und auch der Bericht. Interessieren würde mich noch, mit welchem gain du fotografierst bzw. ob es so etwas wie der high gain Modus meiner ASI 2600mm ist.

Unsere Kameras und Filter sowie die Teleskope sind sehr ähnlich bis quasi gleich. Beim Lesen der Belichtungsdaten habe ich festgestellt, dass wir jedoch eine sehr unterschiedliche bzw. gegensätzliche Belichtungsstrategie haben. Im Verhältnis Luminanz zu RGB verwendest du die 3 x mehr Einzel- und auch Gesamtbelichtungszeit für RGB. Später arbeitest du dann mit einer Superluminanz-Integration.

Nach einigem Herumprobieren mache ich es seit längerem meistens genau umgekehrt. Due Luminanz gewinne ich aus langen L-Aufnahmen. Für die Farben reichen mir relativ kurze RGB Aufnahmen. Eine Superluminanz rechne ich meistens parallel mit und benutze sie hin und wieder auch, vor allem, wenn ich dünne Daten habe. Denn Rauschen und SNR sind dann meistens besser. Wenn ich sie benutze habe ich aber trotzdem immer Zweifel, denn eigentlich müssten beim Stacken ja eine Menge Informationen aus unterschiedlichen Farbkanälen der Ausreißereliminierung oder der Integrationswichtung zum Opfer fallen. Statt 81 x 1 min L und je 25 min bis 27 min RGB wären es für M 33 bei mir eher 81 x 2 min L und je 50 x 1 min RGB oder 100 x 2 min L und je 75 x 30 s RGB (alles mit high gain).

Wie gut, dass es nicht nur eine Wahrheit und viel Raum zum Herumprobieren gibt ;).
 
Hallo Joachim,

sehr interessanter Bericht, vielen Dank dafür. Das das RGB Alignment in Siril etwas tricky ist, habe ich auch schon festgestellt. Das liegt wohl daran, dass man dort lediglich noch um ganze Pixel verschieben kann. Das hilft einem natürlich nicht, wenn es zwischen den einzelnen Farbaufnahmen zu leichten Rotationen (oder gar Verzerrungen durch verschiedene Foki?) kam. Ich hatte mir dann nach langem Überlegen auch damit beholfen, die Kanäle einzeln zu bearbeiten und die fertig gestackten Bilder (bei mir R, G, B, Ha und Oiii) als eine neue Sequenz zu laden - also lediglich 5 Bilder im Stack - und diese neu zu registrieren und zu stacken. Da Siril dabei Kopien von jedem Bild anfertigt, die auf das Raster der Referenzdatei korrigiert waren, konnte ich mir die dann einfach schnappen und ins RGB Alignment Tool laden. Schade, dass das in Siril so umständlich ist.

Beste Grüße
Benjamin
 
Hallo Joachim,

vielen Dank für das Tutorial, ich verwende auch Siril mit Mono aber mit Siril-IC, dadurch hält sich der Aufwand in Grenzen.
Auf den ersten Blick in der Bildergalerie fand ich es nicht so toll, erst wenn ich den Schwarzpunkt um 10% erhöhe finde ich es sehr gelungen.
1664485227076.png

Warum beschneidest du diese Lücke links nicht? (Die Frage ist aus Neugier um was zu lernen, nicht das ich glaube dir irgendwelche Tipps geben zu können)

Grüße

Dietmar
 
Interessieren würde mich noch, mit welchem gain du fotografierst bzw. ob es so etwas wie der high gain Modus meiner ASI 2600mm ist.
Hallo Peter,

das Gain bei der Touptek wird anders gerechnet als das bei ZWO. Touptek verwendet eine lineare Skala, ZWO eine logarithmische. Verwendet habe ich den High Conversion Gain Mode bei Gain=100, was dem HCG ohne Verstärkung entspricht. Ich vermute, das entspricht Gain 100 bei der ASI, zumindest entspricht es dem bei meiner ASI533.
Im Verhältnis Luminanz zu RGB verwendest du die 3 x mehr Einzel- und auch Gesamtbelichtungszeit für RGB. Später arbeitest du dann mit einer Superluminanz-Integration.
Das mache ich wegen dem Farbfehler meines ED Apos, um von der etwas höheren Auflösung des RGB zu profitieren. Die Luminanz ist nicht so gut aufgelöst, wie die Farbkanäle. Bei Galaxien ist mir die Auflösung aber wichtiger als die Tiefe. Deshalb belichte ich auch die Luminanz relativ kurz. Das Verhältnis von 1:3 zu RGB entspricht in etwa dem gleichen SNR. Da ich da in beiden Fällten schon hintergrundlimitiert bin, macht es außer bei der Datenmenge keinen Unterschied. Von daher finde ich für Galaxien das Verhältnis von Superluminanz zu RGB recht ausgewogen. Außerdem ist das geringe Farbrauschen angenehm bei der Bearbeitung und für 5 1/2h bei f/6,24 ist die Tiefe auch akzeptabel. Ohne das Superluminanzverfahren fehlt der Luminanz allerdings an Tiefe. Bei Galaxien als Kontinuumsstrahler funktioniert die Superluminanz aber ganz gut. Bei Gasnebeln wird das nicht so optimal sein. Für Staubwolken werde ich auch deutlich mehr Luminanz machen. Da kommt es nicht so auf die Auflösung an.

Im Moment habe ich den L2 Filter von Astronomik. Evtl. wäre der L3 besser geeignet. Aber viel wird das nicht bringen, da die Filter eher gegen Blau als gegen Rot früher zu machen. Gegen Rot ist halt spätestens bei der SII Linie schluss. Für SII muss ich mit dem Fokus 80 Steps im Vergleich zu Grün zurück. Das sieht man dann schon.

Grüße,
Joachim
 
Das liegt wohl daran, dass man dort lediglich noch um ganze Pixel verschieben kann. Das hilft einem natürlich nicht, wenn es zwischen den einzelnen Farbaufnahmen zu leichten Rotationen (oder gar Verzerrungen durch verschiedene Foki?) kam.
Hallo Benjamin

Ja, genau. Das war auch mein Problem. Zum einen hat man durch den ganzzahligen Pixelversatz auch in der Mitte die Sterne nicht 100% zur Deckung gebracht zum Anderen war dann in den Ecken zusätzlich noch das Problem mit den Verzerrungen. Hochskalieren hilft nur gegen ersteres. Das Composition Tool kann mit den Verzerrungen nicht umgehen, das Registierungstool schon. Daher habe ich das Problem auch über die Registrierung gelöst.

Grüße,
Joachim
 
Warum beschneidest du diese Lücke links nicht?
Hallo Dietmar,

es gefällt mir einfach besser, wenn der Hintergrund nicht so schwarz ist. Dass das Bild etwas flau aussieht, empfinde ich als natürlicher.

Kommt vielleicht daher, dass ich nicht aus der Fotografie komme, sondern aus der Malerei und der visuellen Beobachtung. Bei der visuellen Beobachtung hat man nur weiche Kontraste und bei der Malerei ist schwarz eigentlich tabu. Bei der Version in der Galerie habe ich allerdings etwas übertrieben. Für die Version hier im Beitrag habe ich den Hintergrund noch etwas abgesenkt, für den Ausschnitt vom Kern deutlich.

Der hellere Hintergrund hat aber auch Vorteile. Ganz schwache Strukturen im Hintergrund wie Halos oder Hintergrundgalaxien kommen besser zur Geltung und der Hintergrund bleibt auch bei stärkerem Strecken sehr homogen ohne dass man mit Weichzeichner und Entsättigung zurückgreifen muss.

Da könnte man natürlich noch etwas rausholen. Aber das ist mir nicht so wichtig. Mir ist es wichtiger, dass das Bild natürlich aussieht.

Grüße,
Joachim
 
Hallo Joachim,

ein erstklassiger M33 und die Erläuterungen zur Bearbeitung habe ich auch mit Interesse gelesen, auch wenn ich selten Siril benutze.
 
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