joetaiga
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
auf kleine Guides bekommt man ja nie besonders viel Resonanz. Mit Siril arbeiten sicher auch die wenigsten Mono Benutzer. Ich hoffe aber, dass es für den ein oder anderen trotzdem hilfreich ist. Ist dann auch etwas lang geworden...
Wer kennt das nicht? Man macht schön mit der Mono seine Bildchen, stackt das, bearbeitet es und ist voll stolz auf das Ergebnis.
Sieht echt gut aus bzw. würde echt gut aussehen, wenn da...wenn da nicht diese alte Aufnahme von früher gewesen wäre mit der OSC. Selbe Pixel, selbe Belichtungszeit, beides mal Neumond und die von der OSC ist tiefer und genauso gut aufgelöst. Trotz der vermeintlichen Überlegenheit der Mono. Ok, damals war super Seeing, dieses mal nicht. Aber trotzdem. Und außerdem waren die Sterne nicht komplett in Deckung beim LRGB. D.h. es war ein kleiner Restversatz da, sodass die Sterne kleine rotblaue Ohren hatten.
Da in der Luminanz die Tiefe da war und im in Siril mit dem RGB Composition Tool erstellten LRGB nicht, bin ich dem ganzen mal nachgegangen.
Als erstes wollte ich komplett deckungsgleiche Abbildungen in allen Kanälen. Dazu habe ich die einzelnen Kanäle ganz normale in Sequenzen zusammen gefasst und kalibriert. Aus dem Grünkanal nimmt man ein Bild als Referenz. Jetzt nimmt man die Bilder der pp_-Sequenzen der anderen Kanäle und macht daraus eine neue Sequenz, in die man das Referenzbild aus dem Grünkanal einfügt. Dieses wählt man wieder als Referenz aus, schließt es aber gleichzeitig von der Registierung aus. Jetzt registriert man die neuen Sequenzen und stackt sie ganz normal. Das Referenzbild aus dem Grünkanal wird so vom Stacken ausgeschlossen. Wenn man nun ein LRGB erstellt, sind alle Kanäle komplett deckungsgleich. Keine Ohren, keine Farbränder. Auch in den Ecken.
Nun kommt das Problem mit dem Verlust der Tiefe. Wenn man LRGBs mit Siril erstellt hat man HSL, HSV und Cie lab als Auswahlmöglichkeit. HSL und HSV führen zu einem deutlichen Verlust an Tiefe. Das LRGB sieht praktisch genauso aus wie das RGB. Unabhängig davon wie und ob man die Kanäle vorstreckt. Cie lab liefert zwar die Tiefe, aber dafür kriegt man keine Farbe in das Bild. Mit Siril alleine habe ich das Problem nicht gelöst bekommen und in Gimp habe ich keine Autostretch oder Histogramm Preview.
Als Lösung ist mir leider nur eingefallen ein kalibriertes RGB aus linearen Daten zu erstellen und das dann mit asinh vorzustrecken um die Farben für die Weiterverarbeitung in Gimp zu erhalten. Die Luminanz habe ich dann auf ein ähnliches Level wie das RGB gestreckt und bin nach Gimp gewechselt.
Dort hat man zwei Möglichkeiten eine Luminanz auf ein RGB anzuwenden: Bildschirm und Leuchtkraft. Beide liefern ähnliche Tiefe, mit Bildschirm hat das Rohbild etwas blassere Farben, mit Leuchtkraft bleiben die Farben besser erhalten. Mit Leuchtkraft muss man die Farben eher etwas zurücknehmen, damit in den hellen Bereichen nicht die Farbkanäle ausbrennen. Farben und Leuchtkraft kann man einfach steuern in dem man die jeweilige Ebene mit dem Werte oder Kurventool streckt bzw. den Schwarzpunkt verschiebt.
Mit "Neu aus sichtbarem" erstellt man das LRGB und kann ab da normal weiter arbeiten.
Nun zu M33. Zur Galaxie muss man, denke ich, nicht mehr viel sagen, da es ja eins der Paradeobjekte am Herbsthimmel ist. Aufgenommen habe ich wie immer mit meinem TS 125mm SD Apo @f/6,24 auf einer EQ6-R und mit einer 2600KMA von Touptek. Als Filter habe ich den Deepsky RGB Satz von Astronomik mit dem entsprechenden L2 für die Luminanz verwendet. Die Aufnahme war gleichzeitig das Firstlight für die 2600KMA. Belichtungszeit war nur 5h28m bei sehr mauem Seeing. Wegen der geringen Integrationszeit habe ich entschieden trotzdem alle Bilder zu verwenden, auch die Kröten mit >4,5" FWHM. Als Material hatte ich 81x1min L, 25x3min R, je 27x3min L und B. Gearbeitet habe ich mit einer Superluminanz, d.h. ich habe die Luminanz aus allen Bildern erstellt inklusive den RGB Daten.
Hier ist das Ergebnis, dass ich in Gimp dem Material mit der "Leuchtkraft" Methode entlocken konnte.
Sieht in der Übersicht nicht viel anders aus als der erste Versuch, an einem Crop von NGC 604 sieht man dann aber doch einen deutlichen Unterschied bei den HA Gebieten. Rechts vorher, links nachher. Im ersten Versuch ich noch die Sterne etwas stärker geschärft, darauf habe ich in der Nachbearbeitung verzichtet.
Ansonsten ist M33 natürlich noch ein Fundus. Es sind alleine über 100 HII Regionen zu erkennen. Man kann in der Aufnahme stundenlang herumsurfen.
Auch interessant fand ich den Kernbereich. Die Galaxie wird normalerweise ohne signifikante Konzentration zum Kern beschrieben. Das ist so allerdings nicht ganz richtig. Der etwas diffuse milchige Stern in der Mitte der Aufnahme IST der Kern der Galaxie. D.h. der Kern ist schon konzentriert, nur aber extrem klein. Bei einem weiteren milchigen Stern links neben der Mitte am unteren Rand sieht man eine diffuse Struktur. Ich vermute daher, dass die meisten schwächeren milchigen Sterne im Bildfeld Kugelsternhaufen sind. Nachgeprüft habe ich es nicht, aber in der Aufnahme fällt auf, dass sich diese Sorte "Sterne" gegen das Zentrum der Galaxie verdichtet. Das würde dann aber bedeuten, dass der Kern von M33 nicht viel größer und heller als ein Kugelsternhaufen ist.
Um den Kern herum alleine finden sich locker mehre Dutzend HII Regionen. In der ganzen Aufnahme sind es sicher mehrere 100. In den Außenbereichen finden sich in der Aufnahme auch mehrere angedeutete blaue Reflexionsnebel mit weitläufigen schwachen HA Ringen drum herum. Das lässt mich träumen, dass ich im Oktober nochmal klare zwei Nächte mit halbwegs gutem Seeing bekomme und so eine Aufnahmen nicht mit 5h sondern mit 20h machen kann, sodass man alles was hier nur anzudeuten war, klar herausarbeiten kann. Aber das Wetter sagt hier leider allzu oft "nein" zu solchen Träumen.
Viele Grüße und klare Nächte,
Joachim
auf kleine Guides bekommt man ja nie besonders viel Resonanz. Mit Siril arbeiten sicher auch die wenigsten Mono Benutzer. Ich hoffe aber, dass es für den ein oder anderen trotzdem hilfreich ist. Ist dann auch etwas lang geworden...
Wer kennt das nicht? Man macht schön mit der Mono seine Bildchen, stackt das, bearbeitet es und ist voll stolz auf das Ergebnis.
Sieht echt gut aus bzw. würde echt gut aussehen, wenn da...wenn da nicht diese alte Aufnahme von früher gewesen wäre mit der OSC. Selbe Pixel, selbe Belichtungszeit, beides mal Neumond und die von der OSC ist tiefer und genauso gut aufgelöst. Trotz der vermeintlichen Überlegenheit der Mono. Ok, damals war super Seeing, dieses mal nicht. Aber trotzdem. Und außerdem waren die Sterne nicht komplett in Deckung beim LRGB. D.h. es war ein kleiner Restversatz da, sodass die Sterne kleine rotblaue Ohren hatten.
Da in der Luminanz die Tiefe da war und im in Siril mit dem RGB Composition Tool erstellten LRGB nicht, bin ich dem ganzen mal nachgegangen.
Als erstes wollte ich komplett deckungsgleiche Abbildungen in allen Kanälen. Dazu habe ich die einzelnen Kanäle ganz normale in Sequenzen zusammen gefasst und kalibriert. Aus dem Grünkanal nimmt man ein Bild als Referenz. Jetzt nimmt man die Bilder der pp_-Sequenzen der anderen Kanäle und macht daraus eine neue Sequenz, in die man das Referenzbild aus dem Grünkanal einfügt. Dieses wählt man wieder als Referenz aus, schließt es aber gleichzeitig von der Registierung aus. Jetzt registriert man die neuen Sequenzen und stackt sie ganz normal. Das Referenzbild aus dem Grünkanal wird so vom Stacken ausgeschlossen. Wenn man nun ein LRGB erstellt, sind alle Kanäle komplett deckungsgleich. Keine Ohren, keine Farbränder. Auch in den Ecken.
Nun kommt das Problem mit dem Verlust der Tiefe. Wenn man LRGBs mit Siril erstellt hat man HSL, HSV und Cie lab als Auswahlmöglichkeit. HSL und HSV führen zu einem deutlichen Verlust an Tiefe. Das LRGB sieht praktisch genauso aus wie das RGB. Unabhängig davon wie und ob man die Kanäle vorstreckt. Cie lab liefert zwar die Tiefe, aber dafür kriegt man keine Farbe in das Bild. Mit Siril alleine habe ich das Problem nicht gelöst bekommen und in Gimp habe ich keine Autostretch oder Histogramm Preview.
Als Lösung ist mir leider nur eingefallen ein kalibriertes RGB aus linearen Daten zu erstellen und das dann mit asinh vorzustrecken um die Farben für die Weiterverarbeitung in Gimp zu erhalten. Die Luminanz habe ich dann auf ein ähnliches Level wie das RGB gestreckt und bin nach Gimp gewechselt.
Dort hat man zwei Möglichkeiten eine Luminanz auf ein RGB anzuwenden: Bildschirm und Leuchtkraft. Beide liefern ähnliche Tiefe, mit Bildschirm hat das Rohbild etwas blassere Farben, mit Leuchtkraft bleiben die Farben besser erhalten. Mit Leuchtkraft muss man die Farben eher etwas zurücknehmen, damit in den hellen Bereichen nicht die Farbkanäle ausbrennen. Farben und Leuchtkraft kann man einfach steuern in dem man die jeweilige Ebene mit dem Werte oder Kurventool streckt bzw. den Schwarzpunkt verschiebt.
Mit "Neu aus sichtbarem" erstellt man das LRGB und kann ab da normal weiter arbeiten.
Nun zu M33. Zur Galaxie muss man, denke ich, nicht mehr viel sagen, da es ja eins der Paradeobjekte am Herbsthimmel ist. Aufgenommen habe ich wie immer mit meinem TS 125mm SD Apo @f/6,24 auf einer EQ6-R und mit einer 2600KMA von Touptek. Als Filter habe ich den Deepsky RGB Satz von Astronomik mit dem entsprechenden L2 für die Luminanz verwendet. Die Aufnahme war gleichzeitig das Firstlight für die 2600KMA. Belichtungszeit war nur 5h28m bei sehr mauem Seeing. Wegen der geringen Integrationszeit habe ich entschieden trotzdem alle Bilder zu verwenden, auch die Kröten mit >4,5" FWHM. Als Material hatte ich 81x1min L, 25x3min R, je 27x3min L und B. Gearbeitet habe ich mit einer Superluminanz, d.h. ich habe die Luminanz aus allen Bildern erstellt inklusive den RGB Daten.
Hier ist das Ergebnis, dass ich in Gimp dem Material mit der "Leuchtkraft" Methode entlocken konnte.
Sieht in der Übersicht nicht viel anders aus als der erste Versuch, an einem Crop von NGC 604 sieht man dann aber doch einen deutlichen Unterschied bei den HA Gebieten. Rechts vorher, links nachher. Im ersten Versuch ich noch die Sterne etwas stärker geschärft, darauf habe ich in der Nachbearbeitung verzichtet.
Ansonsten ist M33 natürlich noch ein Fundus. Es sind alleine über 100 HII Regionen zu erkennen. Man kann in der Aufnahme stundenlang herumsurfen.
Auch interessant fand ich den Kernbereich. Die Galaxie wird normalerweise ohne signifikante Konzentration zum Kern beschrieben. Das ist so allerdings nicht ganz richtig. Der etwas diffuse milchige Stern in der Mitte der Aufnahme IST der Kern der Galaxie. D.h. der Kern ist schon konzentriert, nur aber extrem klein. Bei einem weiteren milchigen Stern links neben der Mitte am unteren Rand sieht man eine diffuse Struktur. Ich vermute daher, dass die meisten schwächeren milchigen Sterne im Bildfeld Kugelsternhaufen sind. Nachgeprüft habe ich es nicht, aber in der Aufnahme fällt auf, dass sich diese Sorte "Sterne" gegen das Zentrum der Galaxie verdichtet. Das würde dann aber bedeuten, dass der Kern von M33 nicht viel größer und heller als ein Kugelsternhaufen ist.
Um den Kern herum alleine finden sich locker mehre Dutzend HII Regionen. In der ganzen Aufnahme sind es sicher mehrere 100. In den Außenbereichen finden sich in der Aufnahme auch mehrere angedeutete blaue Reflexionsnebel mit weitläufigen schwachen HA Ringen drum herum. Das lässt mich träumen, dass ich im Oktober nochmal klare zwei Nächte mit halbwegs gutem Seeing bekomme und so eine Aufnahmen nicht mit 5h sondern mit 20h machen kann, sodass man alles was hier nur anzudeuten war, klar herausarbeiten kann. Aber das Wetter sagt hier leider allzu oft "nein" zu solchen Träumen.
Viele Grüße und klare Nächte,
Joachim