Hallo Mischa,
auch mir drängt sich der Eindruck auf, dass Du das Thema Teleskop noch nicht ganz strukturiert hast. Wenn man eine solche Anschaffung vom Budget her plant und nicht vom Bedarf her, macht man einen Fehler. Für maximal 1000 EUR bekommt man, um die Spannweite einmal zu verdeutlichen, einen kleinen ED-Apo-Refraktor von 80 oder 90 mm Öffnung, oder aber einen zehnzölligen Newton. Was besser zu Dir passt, hängt nicht von zehn EUR mehr oder weniger ab. Also vergiss erst mal den Preis. Kein Mensch würde, weil beides um die fuffzichtausend EUR kostet und je vier Räder hat, sich ernstlich fragen ob das nächste Auto ein Landrover Defender oder eine E-Klasse werden wird.
Dann: wofür interessierst Du dich wirklich, und welche Mühe bist Du bereit, dafür aufzubringen:
"Nebel" und Galaxien einerseits, Sonne und Mond andererseits liegen an entgegengesetzten Enden einer Skala. Für die ersteren kannst Du gar nicht genug Licht sammeln, bei den anderen hältst Du Dir den größten Teil davon vom Leib. Sehr respektable Sonnenteleskope kommen mit 40 bis 60 mm Öffnung daher. Galaxienjäger akzeptieren so was allenfalls als Sucher.
Kannst Du von zu Hause aus sinnvoll beobachten, oder musst Du rausfahren? Es macht keinen Sinn, aus der Stadt heraus Nebel und Galaxien betrachten zu wollen. Wenn Du fahren müsstest: bist Du dazu ernstlich willens? Es geht darum, im Stockfinsteren aufzubauen, stundenlang (oft mutterseelalleine) fast bewegungslos in der Kälte zu hocken und dann alles da draußen wieder einzupacken, allenfalls mit ein paar Notizen oder Skizen in der Hand, für die sich zu Hause kein Mensch interessiert. Deep Sky ist ein hartes Brot, und nirgendwo ist der Frust-Faktor so hoch wie hier, gerade bei Einsteigern, Gelegenheitsbeobachtern oder gar Gästen. Objekt nicht gefunden, erwartete Details oder Farben nicht gesehen, und, und, und,...und dann sagt auch noch einer: "na und?".
Es ist legitim, das nicht auf sich nehmen zu wollen. Dann braucht dem aber auch das Equipment nicht zu entsprechen, und damit engt sich die Wahl ein. Jedenfalls wenn Sonne ernsthaft dabei ist, würde ich Schärfe über Lichtsammelleistung stellen und in Richtung höherwertiger Refraktoren denken. Sie sind auch weniger aufwändig zu montieren (wenn man von einer Dobson-Lösung absieht - bei der mit Komfort erst mal nichts stattfindet, vor allem keinerlei GoTo-Hilfe). Sonne, Mond und Planeten, dazu immerhin die hellsten und fasslichsten Deep-Sky-Objekte einschließlich vieler hübscher Doppelsterne, sind dann jedenfalls drin. Auch ein SCT oder Mak hätte hier Platz, selbst mit weniger als acht Zoll. Bei unbeschränkter Leidensfähigkeit würde ich eher in Richtung Lichtsammelvermögen, also großer Öffnung und damit in Richtung Newton denken.
Ich denke, mit so einem ernsthaften Check, um was es Dir eigentlich geht und wie tief Du wirklich einsteigen willst, kommst Du nachvollziehbaren Kriterien näher. Dann kann man auch sinnvoller raten. Und Du selbst wirst vermeidbare Fehlinvestitionen vermeiden.