Guten Tag,
weil ich schon mindestens zwei Dutzend Einkäufe bei eBay oder Astromart (so etwas wie Astronomie.de in den USA) aus den USA und Kanada über PayPal abgewickelt habe, kann ich ein paar Infos und Tipps geben. Eigentlich sollte man das an anderer Stelle in diesem Forum mal so publizieren, daß es auch die finden, die nicht unter "Ferngläser" nachsehen.
1. Die Versandkosten sind äußerst unterschiedlich. Ich habe für jeweils etwa gleich große und schwere Teile (Größenordnung eines Fotoobjektivs, Okulars oder Zenitspiegels unter 1000 g) schon äußerst günstige 9,90$ bis zu teuren 59$ bezahlt (jeweils Air Mail). Es gibt mehrere Unternehmen in den USA wie US Postal Service (enstpr. der Post in Deutschland), UPS, Fedex oder andere, die sehr unterschiedliche Tarife haben. Offenbar hat im großflächigen Land der in diesem Falle eher beschränkten Möglichkeiten aber nicht jeder Zugang zu allen Unternehmen, sondern viele sagen, Sie könnten nur über Firma A oder B versenden. Übrigens verlangt mancher Verkäufer in den USA außer den Kosten fürs "shipping" auch noch solche fürs "handling" (Abwicklung und Verpackung), die nach meinen Erfahrungen 10 bis 20$ zusätzlich betragen können.
2. Der Zoll beträgt. wie schon weiter oben in einer anderen Antwort richtig genannt, für optische Teile (Objektive, Okulare, Binos, Prismen, Spiegel usw.) 4,2% und wird auf den Gesamtbetrag aus Kaufbetrag plus Versandkosten erhoben (genau genommen auf den Teil der Versandkosten, die bis an die deutsche Grenze anfallen, aber in der Praxis wurde das bei mir fast nie so genau gemacht).
3. Die MwSt. beträgt 16% und wird wiederum auf den Gesamtbetrag zuzüglich Zoll erhoben. Man kann einfacher für Zoll und MwSt. zusammen auf den Gesamtbetrag (Kaufpreis + Versandkosten) 20,872% aufschlagen (1,042 x 1,16 = 1,20872).
4. In vielen Fällen (hängt davon ab, über welches Unternehmen in den USA die Ware verschickt wurde und ob sie über den Flughafen Frankfurt/M eintrifft) wird die Ware dann in Deutschland nicht über die Post ausgeliefert, sondern z.B. über UPS (United Parcel Service), GLS (General Logistic Systems, hat einen Exklusivvertrag bei Luftftracht über Ffm) usw. Die Post berechnet keine zusätzlichen Kosten, aber UPS verlangt 5,93 Euro Vorlageprovision inkl. MwSt., und GLS gar 11,02 Euro, wenn man selbst beim Zollamt die Abwicklung erledigt und ca. 17 Euro (ich finde den Beleg im Moment nicht, daher keine genauere Angabe), wenn die Aufschrift SELBSTVERZOLLER auf dem Paket ignoriert und die Zollformalitäten durch GLS erledigt wurden. Die Rechnung von GLS kommt meistens erst nach 2 bis 3 Monaten und ist so "kundenfreundlich" formuliert, daß man erst lange suchen muß, bis man herausfindet, zu welchem Vorgang sie gehört (typisches Beispiel, wie miserabler Service und Wucherpreise oft zusammengehören). Ich muß gestehen, daß ich noch keine Möglichkeit herausfinden konnte, wie man GLS als Zusteller von vornherein ausschließen könnte.
Summa summarum also fürs erste: (Kaufpreis + Verandkosten) x 1,20872 + Gebühren des zustellenden Transportunternehmens.
5. Nun kommen noch die Kosten für die Währungskonvertierung und den Geldtransfer dazu. Bei der Währungskonvertierung darf man nicht vom aktuellen Wechselkurs aus den Nachrichten (Radio, TV, Zeitung) ausgehen, nach dem die Euro-Anzeige des deutschen eBay zusätzlich zum Dollarpreis berechnet zu werden scheint, denn die Banken, Kreditkartenunternehmen, PayPal usw. legen einen etwa 3% bis 5% ungünstigeren Kurs zugrunde. Es kann leider sogar zu mehrfacher Umrechnung ($ in Euro, wieder zurück in $ und erneut in Euro) kommen, wie es mir einmal bei einer Zahlung über PayPal passiert ist (siehe weiter unten), wobei jedesmal erneut ein Verlust in dieser Größenordnung eintritt.
6. Wenn man über PayPal zahlt, kommt es darauf an, ob man einen Private Account (Zahlung nur bei vorheriger Überweisung vom Bankkonto aufs PayPal-Konto möglich) oder einen Premium Account hat (höhere Gebühr, aber Abrechnung über Kreditkarte wird einfacher und vor allem schneller). Manche Verkäufer haben nur einen Private Accout, so daß dann keine Abrechnung über Kreditkarte möglich ist, auch wenn der Zahlende einen Premium Account hat (er muß in diesem Falle erst einen entsprechenden Betrag + Gebühren von seinem Bankkonto auf sein PayPal-Konto überweisen, sofern er dort nicht aufgrund zuvor erhaltener Zahlungen ein Guthaben hat). Einfacher ist es, wenn der Verkäufer einen Premium Account hat, was aber bei Privatleuten eher selten ist. Deshalb mein Tip: Unter einer zweiten eMail-Adresse einen Private Account zusätzlich zum Premium Account einrichten, der keine zusätzlichen Kosten verursacht und bei solchen Zahlungen Gebühren spart.
Ich hatte mal bei einem Kauf von jemandem, der nur einen Private Account bei PayPal hatte, einen $-Betrag von der Bank aufs PayPal-Konto überweisen, wobei die Bank erhebliche Gebühren berechnete (ich weiß es nicht mehr ganau, aber sicher um ca. 15 Euro inkl. Kursverlust). Dann hat PayPal den Geldeingang trotzdem als Euro-Betrag auf meinem Konto gutgeschrieben, was erneut einen Umrechnungsverlust brachte. Und schließlich hat PayPal den Betrag wieder als $-Betrag an den Verkäufer geschickt, was ein drittes Mal einen Umrechnungsverlust brachte. Mich hatte damals allein dieser Geldtransfer in der Größenordnung von 900 $ fast 60 Euro Gebühren und Kursverluste gekostet. PayPal hat allerdings inzwischen einige Änderungen im Zahlungsverkehr vorgenommen und akzeptiert inzwischen auch Einzahlungen durch Banklüberweisung in Euro, so daß möglicherweise jetzt etwas geringere Kosten anfallen.
Daher kann ich PayPal nur empfehlen, wenn der Verkäufer einen Premium Account hat (also Zahlungen über PayPal mit Kreditkartenabrechnung erlaubt). Die Kosten liegen dann in der Größenordnung von 3% bis 5%, was günstiger als jede Banküberweisung oder Zahlung durch Scheck ist.
Soviel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, aber es war zur vollständigen Klärung nötig. Ich kann nur abschließend noch als Faustregel sagen, daß man unter Berücksichtigung aller genannnten Kosten (Versand, Zoll, MwSt., Vorlageprovision oder ähnliche Gebühren und Geldtransferkosten) bei einem Kaufpreis von 500$ bis 1000$ zwischen 25% und 32% an zusätzlichen Gesamtkosten rechnen muß. Da wird manches vermeintliche Schnäppchen doch recht teuer. Und man darf auch das Risiko nicht übersehen, daß die Ware nicht einwandfrei ist. Ich habe neulich ein als in gutem Zustand beschriebenes Stereomikroskop in den USA gekauft, das sich dann als stark beschädigt erwies: Beulen im Gehäuse, die Vergütungen beider Okulare außen wie sogar innen von unsachgemäßem Putzen zerkratzt, die Dioptrienkorrektur eingerostet, der Trafo der Ringlicht-Stromversorgung nicht verschraubt, sondern lose im Gehäuse, Stecker und Buchse der Verbindungskabel unerschiedlich, so daß sie nicht zusammenpaßten). Als ich reklamiert, schickte mir der Verkäufer als bescheidenen "refund" einen Scheck über 60$, von dem nach Abzug der Bankgebühren 38 Euro übrig blieben. Sollte ich vor Gericht klagen und mir in den USA einen Anwalt nehmen? Das hieße, noch viel mehr Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Und ein andermal hatte ich als Geschenk eine Kinder-Uhr über eBay gekauft, die sich als total verrostet erwies. Da erhielt ich am Ende zwar alle Kosten zurück, aber der Zeitverlust für das Schreiben mehrerer eMails sowie das Fotografieren der Schäden und der Ärger waren doch sehr groß und wurmen mich noch heute.
Fazit: Manches kann man sehr günstig aus den USA erwerben, aber 25% bis 32% Zusatzkosten sollte man einkalkulieren und auch das Risiko nicht unterschätzen.
Mit besten Grüßen
Walter E. Schön