Ehemaliges Mitglied
Ahoi,
schlechtes Wetter hat auch 'was gutes, die Natur braucht sowieso den Regen, und man kommt dazu, endlich das Material zu sortieren und aufzubereiten, was man die letzten Tage und Wochen zusammengeklaubt hat. Dass der Mars eine dünne Atmosphäre hat, war mir klar, dass es darin jedoch nennenwerte Wolken und Dunstschichten geben kann, wusste ich noch nicht so lange. Als ich dann entdeckt habe, dass man diese auch mit eher bescheidenen 6" Öffnung (Refraktor) schon ablichten kann, war ich quasi angefixt. Unten habe ich jetzt mal mn. bisherigen Resultate zusammengestellt. Für die alten Hasen mit den grossen Eimern ist das natürlich nix neues aber es mag eine Anregung für andere sein, auch bei geringer Öffnung geht da was!
Aktuell sind wenn, dann wohl nur kleine Wolken (siehe ganz unten) unterwegs, im Okular sind die mit mn. Equipment nicht sichtbar. Was man dagegen erkennt ist eine Dunstschicht um den Nordpol, aber auch da brauchts schon genaues Hinschauen (indirektes Sehen). Im Stream einer Videoaufnahme erkennt man den Dunst aber schon deutlich im Blaukanal (bei separaten R,G,B Aufnahmen), und natürlich erst recht in Stack und im geschärften Bild. Mit einer ColorCam wird es mit Refraktoren schwierig, es sei denn, man hat einen echten 3-Linser Apo. Bei meinen ED-Apo sind die Farben visuell zwar sehr ausgeglichen, beim Recording merkt man jedoch deutlich die Unterschiede in den Fokuslagen für R,G und B. Bei Reflektoren gibts das Problem nicht, jedoch wird der blaue Spektralbereich in der Bayer-Matrix i.d.R. nur von einem Pixel abgedeckt (2 für grün, 1 für rot, 1 für blau), was bei der genrerell schwächeren Intensität im blauen Bereich auch nicht optimal ist.
Die erste Zusammentstellung zeigt Bilder aus der Nacht vom 22.09. Neben 2 RGB Composites sind auch die Blaukanal-Bilder dazugestellt (um Platz zu sparen etwas kleiner). Letztere sind dabei in 2 Varianten gezeigt, einmal minimal geschärft, mit etwas Kontrasterhöhung über den Gamma-Wert (obere Reihe), und deutlich geschärt (untere Reihe). Alle Zeiten in UT.
Mit der Schärfung lassen sich in der Dunstschicht am Nordpol sogar Dichteunterschiede herauskitzeln, dafür geht u.U. die Gesamtausdehnung etwas unter. "The Fog" wabert scheints hauptsächlich im Mare Acidalium. (kommt wahrscheinlich von den Nebelmaschinen der grossen Open-Air Clubs, bei Marsianern ist das Mare Acidalium ja bekannt als *der* Hotspot für ausschweifende Acid-House-Parties. Ibiza kann da einpacken dagegen). Man sieht auch, wie der Dunst sich mitdreht, wobei natürlich auch perspektivische Effekte mit reinspielen, man schaut ja gerade unter recht flachem Einfallswinkel auf die Nordhalbkugel. Und die deutlich bläuliche Färbung passt für Streulicht eigentlich auch.
Schwieriger wirds dagegen, die Situation auf der Morgenseite (linker Rand) zu interpretieren. In den minimal geschärften Blaukanal-Bildern hat es zeitweise den Eindruck, als würde ein grosser Teil der vormittäglichen Marshemisphäre von einer Dunstschicht bedeckt sein, aber nicht alles, was im Blaukanal-Bild hell aussieht, sind Wolken/Dunst
. Mit der Schärfung zeigt sich, dass die Aufhellung weitgehend mit der Oberflächenalbedo korrespondiert. Allerdings sind hier die Lichtverhältnisse auch anders, während sich auf der Nordhemisphäre "The Fog" von der nur noch streifend beleuchteten Oberfläche gut abhebt, knallt vormittags weiter südlich die Sonne voll 'rein, was es viel schwieriger macht, etwaige Wolken/Dunst von der Oberfläche zu trennen. Aber irgendwie ist die Helligkeit der Region um Solus Lacus und nordwestlich davon auffällig. Zum Test habe ich auch mal eine UV Aufnahme versucht. UV mit Refraktoren, ich weiss, das ist schwierig, da kommt das meiste schon gar nicht durchs Objektiv, aber es kommt trotzdem noch was durch! Man erkennt sogar Solis Lacus im UV Bild, also kanns nicht nur pure Random Noise sein
. Und auch im UV ist die Helligkeit der genannten Region aufällig. Evtl. ist die Gegend ja die Schweiz des Mars, und da hängen doch Wolken in den Bergen?? Ein Hinweis darauf kann man auch hier erkennen --> Bild-Post von Thomas Aber da ist schon auch viel Spekulation dabei...
"The Fog" auf der Nordhemisphäre ist dagegen deutlich, die 2. Zusammenstellung zeigt Bilder aud den Nächten davor (20. und 21.09). Sieht ziemlich ähnlich aus, aber mit viel Willen zur Interpretation lassen sich sogar leichte Veränderungen erkennen, es hat den Anschein, als ob "The Fog" sich in der Zeit 20 bis 22. etwas dünner wird und sich leicht anders verteilt.
Der Dunst ist auch auf vielen Bildern in der Galerie präsent, ein besonders hoch aufgelöstes Bild ist übrigens hier zu sehen --> Bild von tklemmer, , wobei auch da u.U. die hohe Schärfung etwas von der Ausdehnung nimmt??
Die dritte Zusammenstellkung zeigt jetzt mal 'richtige' Wolken, wenn auch sehr kleine. Interessanterweise fielen sie mir am 13. und 14. September sogar schon im Stream auf, manchmal blitzten da im Noise ein paar hellere Pixel auf, entsprechend gespannt war ich schon auf die Auswertung des Streams. Und siehe da, die hellen Punkte im geschärften Blaukanal-Bild sind eindeutig erkennbar. Und entgegen meiner ersten Befürchtung liessen sie sich sogar in ein RGB Composite 'hinüberretten', ohne dass es ein separates B-RGB braucht.
Gut, im RGB Composite springen sie einem nicht direkt ins Auge, aber sie sind spätestens beim 2. Blick erkennbar. Daher ist es immer interessant, neben RGB Composites sich den Blaukanal extra anzuschauen, wenn man auf Wolkenjagt geht. (Das betrifft ColorCam Aufnahmen, bei separaten R, G, B Streams mancht man das ja sowieso). Auch bei den kleinen Wolken sieht man mit den nötigen Interpretationswillen Unterschiede zwischen den Aufnahmenm mit 1 Tag Unterschied. Und auch hier besteht wd. das Problem, dass sie im prallen Sonnenlicht schwer von der 'ground-albedo' zu unterscheiden sind, und erst nachmittags hervortreten, wenn sie dem Terminator näherrücken. Mit grösseren Equipment lässt sich das alles natürlich viiiel schöner zeigen, siehe hier --> Bild-Post von Torsten
Aber ich finde es interessant, dass es eben auch mit 6" schon 'was geht in de rRichtung, vielleicht habe ich damit ja dem/r einen od. anderen Mut gemacht, sich auch mit weniger grossem Equipment mal auf Wolkenjagd zu begeben.
-cb
PS: alle Aufnahmen entstanden mit einen 6" f/7.9 ED Apo Refraktor mit Okularprojektion, ZWO ASI 178 MM & Astronomik RGB Filtern. Als Software kam Firecapture, AS3, SIRIL, Registax, WinJupos, IMPPG und Gimp zum Einsatz.
schlechtes Wetter hat auch 'was gutes, die Natur braucht sowieso den Regen, und man kommt dazu, endlich das Material zu sortieren und aufzubereiten, was man die letzten Tage und Wochen zusammengeklaubt hat. Dass der Mars eine dünne Atmosphäre hat, war mir klar, dass es darin jedoch nennenwerte Wolken und Dunstschichten geben kann, wusste ich noch nicht so lange. Als ich dann entdeckt habe, dass man diese auch mit eher bescheidenen 6" Öffnung (Refraktor) schon ablichten kann, war ich quasi angefixt. Unten habe ich jetzt mal mn. bisherigen Resultate zusammengestellt. Für die alten Hasen mit den grossen Eimern ist das natürlich nix neues aber es mag eine Anregung für andere sein, auch bei geringer Öffnung geht da was!
Aktuell sind wenn, dann wohl nur kleine Wolken (siehe ganz unten) unterwegs, im Okular sind die mit mn. Equipment nicht sichtbar. Was man dagegen erkennt ist eine Dunstschicht um den Nordpol, aber auch da brauchts schon genaues Hinschauen (indirektes Sehen). Im Stream einer Videoaufnahme erkennt man den Dunst aber schon deutlich im Blaukanal (bei separaten R,G,B Aufnahmen), und natürlich erst recht in Stack und im geschärften Bild. Mit einer ColorCam wird es mit Refraktoren schwierig, es sei denn, man hat einen echten 3-Linser Apo. Bei meinen ED-Apo sind die Farben visuell zwar sehr ausgeglichen, beim Recording merkt man jedoch deutlich die Unterschiede in den Fokuslagen für R,G und B. Bei Reflektoren gibts das Problem nicht, jedoch wird der blaue Spektralbereich in der Bayer-Matrix i.d.R. nur von einem Pixel abgedeckt (2 für grün, 1 für rot, 1 für blau), was bei der genrerell schwächeren Intensität im blauen Bereich auch nicht optimal ist.
Die erste Zusammentstellung zeigt Bilder aus der Nacht vom 22.09. Neben 2 RGB Composites sind auch die Blaukanal-Bilder dazugestellt (um Platz zu sparen etwas kleiner). Letztere sind dabei in 2 Varianten gezeigt, einmal minimal geschärft, mit etwas Kontrasterhöhung über den Gamma-Wert (obere Reihe), und deutlich geschärt (untere Reihe). Alle Zeiten in UT.
Mit der Schärfung lassen sich in der Dunstschicht am Nordpol sogar Dichteunterschiede herauskitzeln, dafür geht u.U. die Gesamtausdehnung etwas unter. "The Fog" wabert scheints hauptsächlich im Mare Acidalium. (kommt wahrscheinlich von den Nebelmaschinen der grossen Open-Air Clubs, bei Marsianern ist das Mare Acidalium ja bekannt als *der* Hotspot für ausschweifende Acid-House-Parties. Ibiza kann da einpacken dagegen). Man sieht auch, wie der Dunst sich mitdreht, wobei natürlich auch perspektivische Effekte mit reinspielen, man schaut ja gerade unter recht flachem Einfallswinkel auf die Nordhalbkugel. Und die deutlich bläuliche Färbung passt für Streulicht eigentlich auch.
Schwieriger wirds dagegen, die Situation auf der Morgenseite (linker Rand) zu interpretieren. In den minimal geschärften Blaukanal-Bildern hat es zeitweise den Eindruck, als würde ein grosser Teil der vormittäglichen Marshemisphäre von einer Dunstschicht bedeckt sein, aber nicht alles, was im Blaukanal-Bild hell aussieht, sind Wolken/Dunst
"The Fog" auf der Nordhemisphäre ist dagegen deutlich, die 2. Zusammenstellung zeigt Bilder aud den Nächten davor (20. und 21.09). Sieht ziemlich ähnlich aus, aber mit viel Willen zur Interpretation lassen sich sogar leichte Veränderungen erkennen, es hat den Anschein, als ob "The Fog" sich in der Zeit 20 bis 22. etwas dünner wird und sich leicht anders verteilt.
Der Dunst ist auch auf vielen Bildern in der Galerie präsent, ein besonders hoch aufgelöstes Bild ist übrigens hier zu sehen --> Bild von tklemmer, , wobei auch da u.U. die hohe Schärfung etwas von der Ausdehnung nimmt??
Die dritte Zusammenstellkung zeigt jetzt mal 'richtige' Wolken, wenn auch sehr kleine. Interessanterweise fielen sie mir am 13. und 14. September sogar schon im Stream auf, manchmal blitzten da im Noise ein paar hellere Pixel auf, entsprechend gespannt war ich schon auf die Auswertung des Streams. Und siehe da, die hellen Punkte im geschärften Blaukanal-Bild sind eindeutig erkennbar. Und entgegen meiner ersten Befürchtung liessen sie sich sogar in ein RGB Composite 'hinüberretten', ohne dass es ein separates B-RGB braucht.
Gut, im RGB Composite springen sie einem nicht direkt ins Auge, aber sie sind spätestens beim 2. Blick erkennbar. Daher ist es immer interessant, neben RGB Composites sich den Blaukanal extra anzuschauen, wenn man auf Wolkenjagt geht. (Das betrifft ColorCam Aufnahmen, bei separaten R, G, B Streams mancht man das ja sowieso). Auch bei den kleinen Wolken sieht man mit den nötigen Interpretationswillen Unterschiede zwischen den Aufnahmenm mit 1 Tag Unterschied. Und auch hier besteht wd. das Problem, dass sie im prallen Sonnenlicht schwer von der 'ground-albedo' zu unterscheiden sind, und erst nachmittags hervortreten, wenn sie dem Terminator näherrücken. Mit grösseren Equipment lässt sich das alles natürlich viiiel schöner zeigen, siehe hier --> Bild-Post von Torsten
Aber ich finde es interessant, dass es eben auch mit 6" schon 'was geht in de rRichtung, vielleicht habe ich damit ja dem/r einen od. anderen Mut gemacht, sich auch mit weniger grossem Equipment mal auf Wolkenjagd zu begeben.
-cb
PS: alle Aufnahmen entstanden mit einen 6" f/7.9 ED Apo Refraktor mit Okularprojektion, ZWO ASI 178 MM & Astronomik RGB Filtern. Als Software kam Firecapture, AS3, SIRIL, Registax, WinJupos, IMPPG und Gimp zum Einsatz.