Hi Zusammen,
ich habe gerade mal Lust, nur mit einigen Worten auf den Zusammenhang einzugehen. (Anstelle stupider Formeln.)
Wer also wissen möchte, warum die "Maximalvergrößerung" so unterschiedlich ist, der möge hier weiter lesen.
Zunächst mal sollte man nicht von der Vergrößerung an sich sprechen, sondern von der AP. Die AP ist direkt von der Vergrößerung abhängig. AP bedeutet Austrittspupille und sie errechnet sich, indem man die wirksame Teleskopöffnung durch die gewählte Vergrößerung teilt.
Ungefähr ab einer AP von 1mm (also genau wenn die Vergrößerung der Teleskopöffnung in Millimetern entspricht) kann man die Sterne im Bild als kleine, flächige Figuren ausmachen. Man sieht das Beugungsbild des Sterns. Das passiert aus physikalischen Gründen, ganz einfach, weil das Teleskop bedingt durch die Öffnung den Stern als ein Airy-Scheibchen darstellt. Das ist bei jedem Teleskop so, kein Teleskop kann die Sterne "feiner" machen, nur schlechte Optiken können die Sterne so "matschig" machen, dass sie schon bei größerer AP "flächig" wirken.
Ab dieser AP von 1mm also werden die Sterne flächig, das heißt wenn das Okular so stark nachvergrößert, dann kann unser Auge gerade eben erkennen, was das Teleskop an kleinsten Pünktchen zeigen kann. Vergrößert man noch etwas stärker, dann kann man sicher sein, dass das Auge wirklich auch die feinsten Details im Bild des Teleskopes erkennen kann. Feinere Details können im Bild nicht enthalten sein, denn dazu bräuchte das Teleskop mehr Öffnung, um mehr Details auflösen zu können. Ein Teleskop mit mehr Öffnung hätte aber bei derselben Vergrößerung wieder eine größere AP. Man sieht also, dass für jedes Teleskop gilt, dass man im Vergrößerungsbereich ab 1mm AP an die Auflösungsgrenze des Teleskopes kommt.
Beobachtet man nun einen Doppelstern, so möchte man sehen, ob zwischen den beiden Beugungsfiguren der Sterne noch etwas Platz ist, ob der Doppelstern also Eindeutig getrennt ist. Kann man die Beugungsfiguren aber gerade eben als "nicht mehr Punktförmig" erkennen, dann kann es noch sehr schwer sein, zu entscheiden, ob die Scheibchen sich berühren, oder nicht. Deshalb lohnt es sich, für diese Objekte eine starke Übervergrößerung zu wählen, so dass die Beugungsbilder deutlich sichtbare Scheibchen werden. Da kommen APs von 0,5mm und sogar 0,3mm zum Einsatz. Dementsprechend liegt die Vergrößerung oberhalb der "Maximalvergrößerung nach Faustformel".
Beobachtet man nun keinen Stern sondern ein flächiges Objekt wie den Mond, so bemerkt man zunächst einmal gar nicht, ob man schon im Bereich der Übervergrößerung ist. Der Mond zeigt ja besonders im Bereich des Terminators harte Kontraste. Sonnenlicht wechselt mit Schatten, schwarz und weiß grenzen aneinander. Dort wo das der Fall ist, schafft die Übervergrößerung einfach nur einen kleinen Streifen Grau zwischen schwarz und weiß - es ist keine ganz harte Grenze mehr, sondern ein weicher Übergang. Der stört nichteinmal sofort, zumal die im Bild sichtbaren Details wie Berggipfel und schroffe Grate ja größer erscheinen und damit deutlicher wirken. Was man aber bemerken kann ist, dass die Strukturen mehr und mehr "glatt" wirken. Die Berge wirken eben wirklich wie "aus Zucker" gegossen, also leicht rundlich. Genau das ist die Wirkung der Übervergrößerung, weil man feine Details, die diese Bergstrukturen rau erscheinen ließen (wie sie in Wirklichkeit auch sind) vom Teleskop nicht mehr gezeigt werden.
Bei der Mondbeobachtung, und auch bei der Saturnbeobachtung wo die Kanten des Rings ebenfalls einen deutlichen Kontrast zwischen Hell und Dunkel bilden, wird daher eine moderate Übervergrößerung als nicht so störend empfunden. Daher wird hier allgemein die Grenze bei einer AP von etwa 0,5mm gesehen.
Die Pastelltöne auf Jupiters Oberfläche heben sich nur schwach voneinander ab, so dass der Helligkeitsverlust durch Übervergrößerung genauso störend wirkt, wie ein sanfter Übergang zwischen den unterschiedlichen Farben. Deshalb sollte die Vergrößerung nicht über eine AP von 0,7mm hinaus gesteigert werden. Das Auge ist insbesondere Empfindlich gegen Blendung, so dass es sogar sinnvoll ist, das Bild durch einen Graufilter leicht abzudunkeln, wenn wetterbedingt eine AP von 1mm nicht nutzbar ist.
Ähnliches gilt für Details auf Mars, die leicht rot in rot, oder orange in orange verschwimmen.
Es hat also gute Gründe, weshalb man unterschiedliche Maximalvergrößerungen je nach Objekt nennt.
Allgemein anerkannt ist es, beim Verkauf von Teleskopen die Vergrößerung für 0,5mm AP, also das doppelte der Öffnung in Millimetern anzugeben.
Clear Skies
Sven