Hallo faktor0a,
ich selbst stand vor einer ähnlichen Entscheidung wie du. Als Balkonhobbyastronom hatte ich einen bald 30 Jahre alten 8" Zoll Reflektor und habe mir dann den kleinen Lidl- Skylux zugelegt, der mich wieder "heiss" auf mein altes Hobby gemacht hat, aber nicht sooo viel zeigt.
Also: Ein neues Teleskop musste her, stadthimmeltauglich und mit Beobachtungskomfort. Ich wollte mir erst einen 128 mm Tal- Refraktor zulegen, aber die Wartezeit war zu lang (bis zum St. Nimmerleinstag). Dann habe ich mich weiter (nur) im Netz umgesehen, einen Händler konsultiert und mir einen Astroprofessional 152mm f8 Refraktor auf einer Standard Eq 6 Monti zugelegt. Einschließlich Zubehör sollte der ganze Spaß nicht mehr als 1500 Euronen kosten, ein paar Okulare hatte ich schon. Damit bin ich (fast) hingekommen und bereue meine Entscheidung keinesfalls.
Allerdings gibt es unleugbare Nachteile des Refraktors: Der Farbfehler. Ein Baader Fringe-Killer kann dabei aber (besoders am Mond) bedingt Abbhilfe schaffen. Und: Das Ding ist riesig, macht also bei Laien was her, ist aber auch lang und nur auf einem üppigen Balkon zu gebrauchen. Das Stativ der Eq 6 muss undingt mit einer Säule erhöht werden, damit bequemes Beobachten in Zenitnähe (auf dem Balkon wohl eher weniger) und Nachführen ohne Anecken möglich wird. In guten Nächten zeigt der alte 8 Zoll- Newton trotz Obstruktion und altersschwachem Spiegel an den Planeten und auch am Mond ein ganz kleines Bisschen mehr, aber insgesamt sind m. E. beide Geräte optisch auf einem Level.
Allerdings würde ich beim Refraktorkauf darauf achten, dass das Teleskop justierbar ist und vom Händler justiert ist und man einen Blick durch das Teil werfen kann. Ich habe beim Händler durch verschiedene Teleskope zum Vergleich auf ein weit entferntes terristrisches Ziel geschaut und mich von der Leistung meines Refraktors überzeugt. Bei Meade bin ich mir nicht sicher, ob man den 6 Zoll- Refraktor justieren kann.
Fazit: Wenn auch preiswertere Teleskope u. U. mehr zeigen, man selbst jedoch einen Refraktor haben will, dann soll man sich ihn eben besorgen. Sicherlich haben mich auch irrationale Überlegungen zu der Kaufentscheidung geführt, wie z. B. dass ich nun ein in meiner Jugendzeit unerschwingliches "richtiges" Fernrohr besitze, usw. Aber ich bin mit einem "Farbwerfer" glücklich und benutze ihn viel öfter als meinen Newton. Im Zweifelsfall aber gilt natürlich: Selbst durchsehen und dann entscheiden.
Ich hoffe, das war nicht zu lang und auch nicht ganz banal,
CS Martin