Ch. Lohuis schrieb:
>Wie Du schon richtig schreibst kann eine AP von 5mm bis 7mm
>aber nur unter wirklich gutem Himmel ausgenuzt werden. Ob
>der "typische Lidleinkäufer" die Kriterien große Nebel (mit
>geringer Flächenhelligkeit) als Zielobjekte definiert und
>für einen dunklen Himmel rausfährt, wage ich zu bezweifeln.
Immerhin sind das die bekanntesten Objekte. Möglichst dunklen Himmel sollte ein Käufer jedes Teleskops
aber dazu immer aufsuchen.
>Das kann man so nicht sagen, denn es kommt auf das
>Öffnungsverhältnis an.
Ich kann hier nur meine eigenen Erfahrungen schildern.
M8 und M20 kann ich selbst auf dem Land in der Nähe
von Städten (ca. gut 3-fache künstliche Himmelshelligkeit
im Vergleich zu natürl. Himmelshelligkeit) in jedem
Teleskop kaum sinnvoll beobachten. Selbst an einem 12.5"
Dobson nutzt da ein Nebelfilter wenig. Der Himmel ist
in Horizontnähe einfach zu hell.
In den Alpen hingegen konnte ich mit einem 70 mm Refraktor
in einer besonders klaren Nacht hingegen M8 etwa so gut
sehen, wie ich ihn sonst nur von Fotos kenne. M8/M20 sind
bei uns in der Gegend photographisch ebenfalls eine
Katastrophe.
In wenigen Minuten Belichtungszeit bekommt man mit
einer lichtstarken Optik ein Foto, das so schwarz ist, dass es als Sonnenfilter geeignet wäre. Ich muss weit fahren,
um überhaupt ein halbwegs sinnvolles Bild machen zu können und das ist sogar noch kaum zu vergössern und eher zu scannen (z.B. in Schwarz-Weiss -übrigens mit einem
150 mm-Teleskop aufgenommen:
http://www.geocities.com/amateurastronom/tmp/m8_m20.jpg ), weil es selbst ca. 100 km entfernt von grösseren Orten noch so dunkel wird.
>Ich bin der Letzte der einem Größenwahn verfallen ist . Mit
>jedem Fernrohr kann alles beobachtet werden. In einer
>detaillierten Betrachtung sollte man aber Vor- und
>Nachteile skizzieren. Ich würde auch niemanden ein Teleskop
>"mardig" machen (speziell wenn er dieses bereits sein eigen
>nennt). Wenn ich bei der Beratung aber informiere, nenne
>ich schon Vorzüge und Nachteile eines Gerätes.
>
>Selbstverständlich können mit 70mm Planeten beobachtet
>werden, wobei es meines Erachtens für 179 Euro bessere
>Alternativen gibt und hierzu kein "GoTo" nötig ist.
Für 179 Euro wird man angesichts der Preisgestaltung in
Deutschland vermutlich zur Zeit keine bessere Optik
finden. Man darf nicht vergessen: Dieses Fernrohr ist
regulär wesentlich teurer. Lidl verkauft hier scheinbar
etwa zum Selbstkostenpreis.
Ich will auch hier anfügen, dass ich gerne mit meinem
70 mm Refraktor (allerdings von Televue) Planeten beobachte,
da dieser im Unterschied zu einem SCT konsistent nach
kurzer Auskühlzeit eine vernünftige Bildqualität liefert,
die das 200mm-SCT leider nicht garantiert. So wenig sieht
man mit 70 mm gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass
bei durchschnittlichem Seeing nach wissenschaftlichen
Untersuchungen meist nur 70-100 mm, ab und zu 150 mm Öffnung, sehr selten mehr nutzbar sind.
Problem bei dem ETX 70 ist jedoch das sekundäre Spektrum.
>Nun speziell zum ETX-70. Mit 70mm Öffnung sind mit
>Sicherheit Planetenbeobachtungen möglich. Was ich viel
>kritischer sehe ist die Brennweite und das daraus
>resultierende Öffnungsverhältnis. Welches Okular möchtest
>Du mit 350mm Brennweite einsetzen, um eine adäquate
>Vergrößerung zu erzielen? Mit doppelt Barlow und einem 5mm
>wären wir bei 140fach. Damit können wir beginnen.
Beim Televue-Ranger mit 480 mm Brennweite benutze ich meist
ein 7.5 mm und 6 mm Okular mit einer 2-fach Barlowlinse.
Das ist also kein Problem. Als grosses Problem bei dem ETX
70 sehe ich jedoch das vermutlich zu grosse sekundäre
Spektrum an. Das behindert Planetenbeobachtungen vermutlich erheblich.