Mein astronomischer Jahesrückblick 2021

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Uwe65

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So: Alle bisherigen Berichte aus meinen Beobachtungsaufzeichnungen sind gesichtet und ich komme auf 39 nächtliche Beobachtungseinsätze und ergänzende Blicke zur Sonne, deren Flecken ich bei gutem seeing gerne mal aufs Papier bringe.

Die Spannbreite meiner Aufzeichnungen geht vom schnellen Blick auf Merkur bis hin zu längeren deepsky Nächten.

Ich würde mich als visuellen, astronomischen „Allesfresser“ bezeichnen, so dass ziemlich alles sein Licht durchs Okular senden darf, das interessante Anblicke verspricht. Grundsätzlich bleibe ich dabei, dass mein Schwerpunkt die deepsky-Beobachtung ist.

Mein Arbeitstier ist ein 10“ Dobson auf einer Rockerbox von Dieter Martini mit ArgoNavis digitalen Teilkreisen (die aktuell aber ein wenig „rumzicken“ – Diagnose steht noch aus). Die Sonne schaue ich mit dem 90/600 Apo an, der auch an Doppelsternen ein kristallklares Bild punktfeiner Sterne liefert. Ansonsten ist auch mal schnell das 10x42 Fernglas zur Hand (und das seit diesem Jahr immer öfter).

Rund 40% meiner Beobachtungen verbringe ich mit den Objekten aus den M-, NGC-, IC-Katalogen und den anderen gebräuchlichen Verzeichnissen der Herren Trümpler, Collinder, Stock usw.. Auf die einzelnen Objekte gehe ich hier nicht ein, das eine oder andere hat im Jahresverlauf seinen Weg in Foreneinträge gefunden.

Zwei Dinge sind mir aber sehr in Erinnerung geblieben. Das ist einmal das „Augen verbiegen“, bis ich mit Hilfe des h-Beta-Filters die helle, kleine Spitze des Konusnebels gefunden hatte. Apropos Filter: Eine Zeit lang habe ich an verschiedenen Galaxien Blaufilter und UHC-Filter eingesetzt. Nur gelegentlich und nur bei hellen Galaxien kommen da entweder die Sternentstehungsgebiete, bzw. die Wasserstoffbereiche mehr zur Geltung. Allerdings ist das eher die Ausnahme als die Regel, aber ein nettes Experiment, wenn die Galaxien im Dobson unregelmäßig hell wirken. Ansonsten bin ich oft froh, wenn ich von dem „lichtscheuen Gesindel“ was zu sehen bekomme, das Strukturen zeigt. Ich bin mit den Augen im Herbst rund um den Galaxienzoo des Pegasusvierecks gewandert. Das sind schon schwache Flusen, sofern ich überhaupt was gefunden habe. Schon bei geringem Streulicht sind die wirklich schnell beleidigt, aber wem sage ich das.

Im Frühjahr hat mich oft der Mond beschäftigt, deepsky taugt dann bekanntlich nicht. Dabei habe ich aber weniger die Krater als solche im Blick, sondern suche immer gerne nach „Kleinzeug“. Ungeplant stieß ich im Januar auf das Mond-X; Glück muss man haben. Ich bin immer auf der Suche nach dem kleinsten sichtbaren Krater und bleibe oft an den Strukturen von Rillen und Tälern hängen. Insbesondere Dome und flache Rücken haben es mir angetan, wie z.B. das vulkanische Schild Darney C3 im Mare Cognitum. Weiterhin Gebirge wie ein unbenanntes Vorgebirge der Mond-Apenninen oder Montes Riphaeus. Auch Durchbrüche an Kraterringen, die zufällig mehr oder minder kurzlebige Lichtereignisse finde ich reizvoll, weiterhin das Erscheinen von Bergspitzen am dunklen Teil des Terminatorrandes (z.B. Montes Harbinger). Am Teleskop ist der „Reiseatlas Mond“ eine gute Hilfe. Im warmen Wohnzimmer bei heißem Kakao (wahlweise mit oder ohne Amaretto) darf dann auch der „Rükl“ zur Identifizierung des Gesehenen ran.

Außer des Mars habe ich alle Planeten von Venus bis Neptun ins Visier genommen. Jupiter fand ich in diesem Jahr mit seinen gelb-braun-rotbraun bis ocker gefärbten Wolkenbändern recht farbreich, vermisst habe ich die Vielzahl von Strukturen, die ich in 2019 beobachten konnte. Wobei sich die Region um den GRF immer wieder wandelte und Aufmerksamkeit verdiente, sofern die Luft ruhig genug war. D.h. ganz ohne Mars ging es doch nicht, da im Januar die Konjunktion von Uranus und Mars noch prima ins Gesichtsfeld des kleinen Apo passte.

Ein bisher vernachlässigtes Feld waren Planetoiden. Ceres, Vesta, Juno, Davida und Nysa haben es in meine Aufzeichnungen geschafft. Bei Ceres hätte ich gerne die Wanderung durch die Hyaden zeichnerisch dokumentiert. Leider konnte ich ihn wetterbedingt nur am Rand des Haufens zweimal sichten.

Ein weiteres, für mich neues, Gebiet war die Beobachtung von Doppelsternen. Früher habe ich das als wenig interessant abgetan, korrigiere mich hier aber gerne. Hervorheben möchte ich hier SHJ 282 mit einem gelb/blauen Farbkontrast, die beiden Doppelsterne Struve 2470 und 2474, die nebeneinanderstehend eine schöne symmetrische Figur bilden. In einem schicken orange-blauen Kontrast kommt auch Omikron1 Cygni daher.

In dem Zuge habe ich auch angefangen ein Interesse für Kohlenstoffsterne und rote Riesen zu entwickeln. Farbe wird einem so selten am Nachthimmel angeboten.

Das von mir im wesentlichen ungeliebte homeoffice sorgte dafür, dass ich in einer (verlängerten) Mittagspause die partielle Sonnenfinsternis am 10.06. genießen konnte. Überrascht war ich, wie sich das Profil des Mondrandes vor der Sonnenscheibe darstellte. Erhebungen und Kraterränder waren gut zu erkennen.

Und dann war da noch die Nova V1405 Cas, die ich einige Male beobachtete sowie der Helligkeitsausbruch von RS Ophiuchi.

Zu guter letzte seinen noch zwei Wanderer erwähnt: C/2020 T2 (Palomar), den ich als opaken Fleck, teils auch mit Kernbereich sichten konnte und leider nur eine Sichtung von C/2021 A1 (Leonard), der schon im kleinen Apo mit swan-Filter einen guten Eindruck machte und visuell einen Schweifansatz und ausgedehnte Koma bot.

Dann ist da noch die neu entdeckte Leidenschaft für die „schnelle low-tech Astronomie“ zu erwähnen, die zu sechs Beobachtungsabenden mit dem 10x42 Fernglas führte. Ich war überrascht, was sich bei kartengestütztem Aufsuchen alles aus dem NGC-Katalog sichten lässt. Für mich bringt es mehr „Ortskenntnis am Himmel“, da mir mehr Sternmuster durch den Weitfeldblick vertraut geworden sind, wie z.B. die geschwungene Sternkette um Gamma Cygni.

…und dann konnte ich noch zwei Neu-Sternfreunde begleiten, die nun mit einem 8“ Newton auf EQ5, bzw. mit einem 100/500 SemiApo Bino durchs Weltall spechteln. Das sind solide optische Ausrüstungen, die viele Stunden Freude bieten werden.

In diesem Sinne eine gute Weihnachtszeit und einen schönen Jahreswechsel. Mir würde für 2022 Omikron1 Cygni reichen und das, im griechischen Alphabet folgende, Pi sollte nur als Kreiszahl in Erinnerung bleiben.

Immer schön am Okular bleiben

Uwe
 
So! Jetzt lies es mir keine Ruhe und ich wollte es genau wissen. Ich habe folgende - ausschließlich visuelle - "Beobachtungsmengen" vermerkt:
  • 20 Planetensichtungen
  • 39 Messierobjekte
  • 54 Deepskyobjekte (NGC, IC und div. Kataloge)
  • 7 Asteroidensichtungen
  • 14 Doppelsternbeobachtungen
  • 1 Nova
  • 1 Veränderlicher
  • 2 Kohlenstoffsterne
  • 3 Kometensichtungen
  • 7 Fernglasbeobachtungen mit Sternfeldern und Asterismen
  • 13 Abende mit dem Mond und seinen zahlreichen Formationen
sowie rd. 2-3 Dutzend Blicke zur Sonne (das wird nicht notiert und gelegentlich zeichne ich Flecken).

Hat noch jemand seine Sichtungen mitgezählt. Das würde mich einfach mal interessieren, ohne hier einen "Wettbewerb" zu starten, denn mir ist aus 2020 eine Nacht im Virgohaufen erinnerlich, in der ich alleine rd. 40 Objekte abgewandert bin. Das ist dann aber eher "grüßen und weiter" als intensiv beobachten, macht aber ob der Vielfalt auch Spaß. Da sind noch einige Objekte zum Nachbeobachten offen. Das hat in 2021nicht geklappt.

Viele Grüße
Uwe
 
Hi Uwe,

naja, ich habe mir zumindest notiert, was ich mindestens einmal gesehen habe, aber nicht wie oft ich es wiedergefunden bzw. erneut beobachtet habe. Bin ja erst seit August mit bescheidenen Equipment wieder am Start (ausschließlich visuell) und konnte manchmal an drei vier Abenden in Folge lange beobachten. Leider war auch bei mir witterungsbedingt fast zwei Monate von Ende Oktober bis vorgestern Pause. Folgendes habe ich mir notiert:
  • Bis auf Mars konnte ich alle Planeten sichten, am häufigsten natürlich Jupiter und Saturn.
  • Ceres als Kleinplanet
  • 27 versch. Messierobjekte, am häufigsten M15 und M31
  • 7 versch. Caldwellobjekte, am häufigsten C14 (H & χ Persei)
  • 10 weitere NGC-Objekte
  • 1 Kometensichtung
  • 1 Doppelsternbeobachtungs-Abend (Albireo + Almach + 6 im Sternbild Widder)
  • 1 Beobachtungs-Abend ausschließlich mit Fernglas (Offene Sternhaufen, Wintermilchstraße)
  • Etliche Beobachtungsabende am und mit dem Mond
Auch bei mir ist natürlich einiges "liegen geblieben", da kann man nur auf gutes Wetter in 2022 hoffen.

Viele Grüße,
Andreas
 
Hallo,
Gestern Abend zeigte ich einigen Arbeitskollegen vor Betreten eines Restaurants am Himmel die Planetenparade Jupiter, Saturn, Venus und den "angenommenen" Merkur.
Einer fragte, "den Jupiter beobachtet du mit deinem Teleskop? Und dann? Schaust du immerwieder darauf? Iss doch langweilig, immer das gleiche Ding im Teleskop zu sehen!".
Da bemerkte ich, daß man so eine Frage nicht beantworten kann, wenn die Leute keinen Bezug dazu haben. Ich könnte mir den Jupiter, oder alle anderen, für uns Hobbyastronomen sichtbaren Objekte, immer wieder ansehen und wäre immer wieder angetan und begeistert von der Pracht.

Kurz, selbst als Anfänger zähle ich nicht nach, wie oft ich welches Objekt schon gesehen hab.
Vielleicht werdet ihr mich auslachen, aber wenn ich hoch schaue und die Plejaden sehe, greife ich mir das Fernglas, sehe die Plejaden und bekomme feuchte Schlieren in den Augen von der Schönheit und der Pracht, was man da oben sieht.
Gruß Klaus
 
Da bemerkte ich, daß man so eine Frage nicht beantworten kann, wenn die Leute keinen Bezug dazu haben.
Hallo Klaus,
also der Jupiter hat schon merkbare Veränderungen der Oberfläche. Ich vergleiche das - bei ähnlichen Einwänden - gerne mit anderen Naturbeobachtern (z.B. Ornithologie). Denn es wundert sich niemand darüber, wenn jemand mit Fotoausrüstung und Spektiv ins Feld zieht und das x-te mal Graureiher, Milane, Rotkehlchen und andere Vögel beobachtet oder fotografiert. Astronomie ist auch nichts anderes als Naturbeobachtung, aber eben keine Vögel oder Waschbären oder Pilze oder oder oder.
Wer dann keinen Bezug zur Vogelbeobachtung oder Natur hat, der würde auch sagen, das ein Pirol wie der andere Pirol aussieht und fragen, warum man den mehr als einmal fotografieren will.
Also kurzum: Mit meiner Erläuterung, es sei eben auch nur eine Form Naturbeobachtung, habe ich die Erfahrung gemacht, dass das oftmals nachvollzogen wird und den Nimbus des "eigenartigen" verliert.

Viele Grüße
Uwe

P.S.: Stichwort Beobachtungsberichte: Ich empfehle immer, das zu machen und es ist nie zu spät damit anzufangen. Erstens verliert man ansonsten über die Jahre den Überblick und verwuselt sich mglw. ein wenig. Aber der benefit dabei ist, dass man beim Vergleichen der Beobachtungen feststellt, wie sich die eigene Beobachtungserfahrung entwickelt hat. Gelegentlich mache ich mir auch nur eine Strukturskizze von Sternketten bei bestimmten STernhaufen (z.B. beim kleinen Roslundkatalog). Viele Objekte wirken in unterschiedlichen Geräten anders. M34 habe ich im 10x42 FG als dreieckig beschrieben, im 10" ist davon nichts mehr zu sehen und man hat den Haufen aufgelöst mit anderen Charakteristiken vor sich.
 
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