Uwe65
Aktives Mitglied
So: Alle bisherigen Berichte aus meinen Beobachtungsaufzeichnungen sind gesichtet und ich komme auf 39 nächtliche Beobachtungseinsätze und ergänzende Blicke zur Sonne, deren Flecken ich bei gutem seeing gerne mal aufs Papier bringe.
Die Spannbreite meiner Aufzeichnungen geht vom schnellen Blick auf Merkur bis hin zu längeren deepsky Nächten.
Ich würde mich als visuellen, astronomischen „Allesfresser“ bezeichnen, so dass ziemlich alles sein Licht durchs Okular senden darf, das interessante Anblicke verspricht. Grundsätzlich bleibe ich dabei, dass mein Schwerpunkt die deepsky-Beobachtung ist.
Mein Arbeitstier ist ein 10“ Dobson auf einer Rockerbox von Dieter Martini mit ArgoNavis digitalen Teilkreisen (die aktuell aber ein wenig „rumzicken“ – Diagnose steht noch aus). Die Sonne schaue ich mit dem 90/600 Apo an, der auch an Doppelsternen ein kristallklares Bild punktfeiner Sterne liefert. Ansonsten ist auch mal schnell das 10x42 Fernglas zur Hand (und das seit diesem Jahr immer öfter).
Rund 40% meiner Beobachtungen verbringe ich mit den Objekten aus den M-, NGC-, IC-Katalogen und den anderen gebräuchlichen Verzeichnissen der Herren Trümpler, Collinder, Stock usw.. Auf die einzelnen Objekte gehe ich hier nicht ein, das eine oder andere hat im Jahresverlauf seinen Weg in Foreneinträge gefunden.
Zwei Dinge sind mir aber sehr in Erinnerung geblieben. Das ist einmal das „Augen verbiegen“, bis ich mit Hilfe des h-Beta-Filters die helle, kleine Spitze des Konusnebels gefunden hatte. Apropos Filter: Eine Zeit lang habe ich an verschiedenen Galaxien Blaufilter und UHC-Filter eingesetzt. Nur gelegentlich und nur bei hellen Galaxien kommen da entweder die Sternentstehungsgebiete, bzw. die Wasserstoffbereiche mehr zur Geltung. Allerdings ist das eher die Ausnahme als die Regel, aber ein nettes Experiment, wenn die Galaxien im Dobson unregelmäßig hell wirken. Ansonsten bin ich oft froh, wenn ich von dem „lichtscheuen Gesindel“ was zu sehen bekomme, das Strukturen zeigt. Ich bin mit den Augen im Herbst rund um den Galaxienzoo des Pegasusvierecks gewandert. Das sind schon schwache Flusen, sofern ich überhaupt was gefunden habe. Schon bei geringem Streulicht sind die wirklich schnell beleidigt, aber wem sage ich das.
Im Frühjahr hat mich oft der Mond beschäftigt, deepsky taugt dann bekanntlich nicht. Dabei habe ich aber weniger die Krater als solche im Blick, sondern suche immer gerne nach „Kleinzeug“. Ungeplant stieß ich im Januar auf das Mond-X; Glück muss man haben. Ich bin immer auf der Suche nach dem kleinsten sichtbaren Krater und bleibe oft an den Strukturen von Rillen und Tälern hängen. Insbesondere Dome und flache Rücken haben es mir angetan, wie z.B. das vulkanische Schild Darney C3 im Mare Cognitum. Weiterhin Gebirge wie ein unbenanntes Vorgebirge der Mond-Apenninen oder Montes Riphaeus. Auch Durchbrüche an Kraterringen, die zufällig mehr oder minder kurzlebige Lichtereignisse finde ich reizvoll, weiterhin das Erscheinen von Bergspitzen am dunklen Teil des Terminatorrandes (z.B. Montes Harbinger). Am Teleskop ist der „Reiseatlas Mond“ eine gute Hilfe. Im warmen Wohnzimmer bei heißem Kakao (wahlweise mit oder ohne Amaretto) darf dann auch der „Rükl“ zur Identifizierung des Gesehenen ran.
Außer des Mars habe ich alle Planeten von Venus bis Neptun ins Visier genommen. Jupiter fand ich in diesem Jahr mit seinen gelb-braun-rotbraun bis ocker gefärbten Wolkenbändern recht farbreich, vermisst habe ich die Vielzahl von Strukturen, die ich in 2019 beobachten konnte. Wobei sich die Region um den GRF immer wieder wandelte und Aufmerksamkeit verdiente, sofern die Luft ruhig genug war. D.h. ganz ohne Mars ging es doch nicht, da im Januar die Konjunktion von Uranus und Mars noch prima ins Gesichtsfeld des kleinen Apo passte.
Ein bisher vernachlässigtes Feld waren Planetoiden. Ceres, Vesta, Juno, Davida und Nysa haben es in meine Aufzeichnungen geschafft. Bei Ceres hätte ich gerne die Wanderung durch die Hyaden zeichnerisch dokumentiert. Leider konnte ich ihn wetterbedingt nur am Rand des Haufens zweimal sichten.
Ein weiteres, für mich neues, Gebiet war die Beobachtung von Doppelsternen. Früher habe ich das als wenig interessant abgetan, korrigiere mich hier aber gerne. Hervorheben möchte ich hier SHJ 282 mit einem gelb/blauen Farbkontrast, die beiden Doppelsterne Struve 2470 und 2474, die nebeneinanderstehend eine schöne symmetrische Figur bilden. In einem schicken orange-blauen Kontrast kommt auch Omikron1 Cygni daher.
In dem Zuge habe ich auch angefangen ein Interesse für Kohlenstoffsterne und rote Riesen zu entwickeln. Farbe wird einem so selten am Nachthimmel angeboten.
Das von mir im wesentlichen ungeliebte homeoffice sorgte dafür, dass ich in einer (verlängerten) Mittagspause die partielle Sonnenfinsternis am 10.06. genießen konnte. Überrascht war ich, wie sich das Profil des Mondrandes vor der Sonnenscheibe darstellte. Erhebungen und Kraterränder waren gut zu erkennen.
Und dann war da noch die Nova V1405 Cas, die ich einige Male beobachtete sowie der Helligkeitsausbruch von RS Ophiuchi.
Zu guter letzte seinen noch zwei Wanderer erwähnt: C/2020 T2 (Palomar), den ich als opaken Fleck, teils auch mit Kernbereich sichten konnte und leider nur eine Sichtung von C/2021 A1 (Leonard), der schon im kleinen Apo mit swan-Filter einen guten Eindruck machte und visuell einen Schweifansatz und ausgedehnte Koma bot.
Dann ist da noch die neu entdeckte Leidenschaft für die „schnelle low-tech Astronomie“ zu erwähnen, die zu sechs Beobachtungsabenden mit dem 10x42 Fernglas führte. Ich war überrascht, was sich bei kartengestütztem Aufsuchen alles aus dem NGC-Katalog sichten lässt. Für mich bringt es mehr „Ortskenntnis am Himmel“, da mir mehr Sternmuster durch den Weitfeldblick vertraut geworden sind, wie z.B. die geschwungene Sternkette um Gamma Cygni.
…und dann konnte ich noch zwei Neu-Sternfreunde begleiten, die nun mit einem 8“ Newton auf EQ5, bzw. mit einem 100/500 SemiApo Bino durchs Weltall spechteln. Das sind solide optische Ausrüstungen, die viele Stunden Freude bieten werden.
In diesem Sinne eine gute Weihnachtszeit und einen schönen Jahreswechsel. Mir würde für 2022 Omikron1 Cygni reichen und das, im griechischen Alphabet folgende, Pi sollte nur als Kreiszahl in Erinnerung bleiben.
Immer schön am Okular bleiben
Uwe
Die Spannbreite meiner Aufzeichnungen geht vom schnellen Blick auf Merkur bis hin zu längeren deepsky Nächten.
Ich würde mich als visuellen, astronomischen „Allesfresser“ bezeichnen, so dass ziemlich alles sein Licht durchs Okular senden darf, das interessante Anblicke verspricht. Grundsätzlich bleibe ich dabei, dass mein Schwerpunkt die deepsky-Beobachtung ist.
Mein Arbeitstier ist ein 10“ Dobson auf einer Rockerbox von Dieter Martini mit ArgoNavis digitalen Teilkreisen (die aktuell aber ein wenig „rumzicken“ – Diagnose steht noch aus). Die Sonne schaue ich mit dem 90/600 Apo an, der auch an Doppelsternen ein kristallklares Bild punktfeiner Sterne liefert. Ansonsten ist auch mal schnell das 10x42 Fernglas zur Hand (und das seit diesem Jahr immer öfter).
Rund 40% meiner Beobachtungen verbringe ich mit den Objekten aus den M-, NGC-, IC-Katalogen und den anderen gebräuchlichen Verzeichnissen der Herren Trümpler, Collinder, Stock usw.. Auf die einzelnen Objekte gehe ich hier nicht ein, das eine oder andere hat im Jahresverlauf seinen Weg in Foreneinträge gefunden.
Zwei Dinge sind mir aber sehr in Erinnerung geblieben. Das ist einmal das „Augen verbiegen“, bis ich mit Hilfe des h-Beta-Filters die helle, kleine Spitze des Konusnebels gefunden hatte. Apropos Filter: Eine Zeit lang habe ich an verschiedenen Galaxien Blaufilter und UHC-Filter eingesetzt. Nur gelegentlich und nur bei hellen Galaxien kommen da entweder die Sternentstehungsgebiete, bzw. die Wasserstoffbereiche mehr zur Geltung. Allerdings ist das eher die Ausnahme als die Regel, aber ein nettes Experiment, wenn die Galaxien im Dobson unregelmäßig hell wirken. Ansonsten bin ich oft froh, wenn ich von dem „lichtscheuen Gesindel“ was zu sehen bekomme, das Strukturen zeigt. Ich bin mit den Augen im Herbst rund um den Galaxienzoo des Pegasusvierecks gewandert. Das sind schon schwache Flusen, sofern ich überhaupt was gefunden habe. Schon bei geringem Streulicht sind die wirklich schnell beleidigt, aber wem sage ich das.
Im Frühjahr hat mich oft der Mond beschäftigt, deepsky taugt dann bekanntlich nicht. Dabei habe ich aber weniger die Krater als solche im Blick, sondern suche immer gerne nach „Kleinzeug“. Ungeplant stieß ich im Januar auf das Mond-X; Glück muss man haben. Ich bin immer auf der Suche nach dem kleinsten sichtbaren Krater und bleibe oft an den Strukturen von Rillen und Tälern hängen. Insbesondere Dome und flache Rücken haben es mir angetan, wie z.B. das vulkanische Schild Darney C3 im Mare Cognitum. Weiterhin Gebirge wie ein unbenanntes Vorgebirge der Mond-Apenninen oder Montes Riphaeus. Auch Durchbrüche an Kraterringen, die zufällig mehr oder minder kurzlebige Lichtereignisse finde ich reizvoll, weiterhin das Erscheinen von Bergspitzen am dunklen Teil des Terminatorrandes (z.B. Montes Harbinger). Am Teleskop ist der „Reiseatlas Mond“ eine gute Hilfe. Im warmen Wohnzimmer bei heißem Kakao (wahlweise mit oder ohne Amaretto) darf dann auch der „Rükl“ zur Identifizierung des Gesehenen ran.
Außer des Mars habe ich alle Planeten von Venus bis Neptun ins Visier genommen. Jupiter fand ich in diesem Jahr mit seinen gelb-braun-rotbraun bis ocker gefärbten Wolkenbändern recht farbreich, vermisst habe ich die Vielzahl von Strukturen, die ich in 2019 beobachten konnte. Wobei sich die Region um den GRF immer wieder wandelte und Aufmerksamkeit verdiente, sofern die Luft ruhig genug war. D.h. ganz ohne Mars ging es doch nicht, da im Januar die Konjunktion von Uranus und Mars noch prima ins Gesichtsfeld des kleinen Apo passte.
Ein bisher vernachlässigtes Feld waren Planetoiden. Ceres, Vesta, Juno, Davida und Nysa haben es in meine Aufzeichnungen geschafft. Bei Ceres hätte ich gerne die Wanderung durch die Hyaden zeichnerisch dokumentiert. Leider konnte ich ihn wetterbedingt nur am Rand des Haufens zweimal sichten.
Ein weiteres, für mich neues, Gebiet war die Beobachtung von Doppelsternen. Früher habe ich das als wenig interessant abgetan, korrigiere mich hier aber gerne. Hervorheben möchte ich hier SHJ 282 mit einem gelb/blauen Farbkontrast, die beiden Doppelsterne Struve 2470 und 2474, die nebeneinanderstehend eine schöne symmetrische Figur bilden. In einem schicken orange-blauen Kontrast kommt auch Omikron1 Cygni daher.
In dem Zuge habe ich auch angefangen ein Interesse für Kohlenstoffsterne und rote Riesen zu entwickeln. Farbe wird einem so selten am Nachthimmel angeboten.
Das von mir im wesentlichen ungeliebte homeoffice sorgte dafür, dass ich in einer (verlängerten) Mittagspause die partielle Sonnenfinsternis am 10.06. genießen konnte. Überrascht war ich, wie sich das Profil des Mondrandes vor der Sonnenscheibe darstellte. Erhebungen und Kraterränder waren gut zu erkennen.
Und dann war da noch die Nova V1405 Cas, die ich einige Male beobachtete sowie der Helligkeitsausbruch von RS Ophiuchi.
Zu guter letzte seinen noch zwei Wanderer erwähnt: C/2020 T2 (Palomar), den ich als opaken Fleck, teils auch mit Kernbereich sichten konnte und leider nur eine Sichtung von C/2021 A1 (Leonard), der schon im kleinen Apo mit swan-Filter einen guten Eindruck machte und visuell einen Schweifansatz und ausgedehnte Koma bot.
Dann ist da noch die neu entdeckte Leidenschaft für die „schnelle low-tech Astronomie“ zu erwähnen, die zu sechs Beobachtungsabenden mit dem 10x42 Fernglas führte. Ich war überrascht, was sich bei kartengestütztem Aufsuchen alles aus dem NGC-Katalog sichten lässt. Für mich bringt es mehr „Ortskenntnis am Himmel“, da mir mehr Sternmuster durch den Weitfeldblick vertraut geworden sind, wie z.B. die geschwungene Sternkette um Gamma Cygni.
…und dann konnte ich noch zwei Neu-Sternfreunde begleiten, die nun mit einem 8“ Newton auf EQ5, bzw. mit einem 100/500 SemiApo Bino durchs Weltall spechteln. Das sind solide optische Ausrüstungen, die viele Stunden Freude bieten werden.
In diesem Sinne eine gute Weihnachtszeit und einen schönen Jahreswechsel. Mir würde für 2022 Omikron1 Cygni reichen und das, im griechischen Alphabet folgende, Pi sollte nur als Kreiszahl in Erinnerung bleiben.
Immer schön am Okular bleiben
Uwe