Ich selber war übrigens noch nie (wirklich nirgends, nie, nicht) als Besucher bei einer Sternführung.
...könnte natürlich nicht schaden, es da und dort aus "Kundensicht" zu erleben und Ideen zu holen.
Ich finde, es gibt in dieser Diskussion keine einzelne Antwort, die Sinn machen würde. Besuchergruppen sind heterogen in ihren Ansprüchen, Erwartungen und in ihrem Wissen, also kann man nicht sagen, mit einem bestimmten "Programm" befriedigt man alle. Auch wird es Unterschiede geben, ob man in einer historischen Sternwarte führt, oder in einer modernen Einrichtung - oder auch einer Rolldachhütte.
Sofern man also nicht dezidierte Tagesprogramme ausruft (heute ist EAA, nächste Woche Planetenfotografie, danach kommt visuelle Beobachtung des aktuellen Himmels...) kann es nur eine Mischform in der Präsentation sein. Und je nach Besuchergruppe kann dasselbe Programm mal als fad und mal als spannend empfunden werden.
Ich kenne sowohl die jungen Teilnehmer, die nach einem Blick auf M42 das iPhone aus der Tasche reissen und allen Teilnehmern dasselbe in Farbe zeigen - so eine Enttäuschung da im Fernrohr, schlimm - als auch diejenigen, die vor Faszination erstarrt am Okular kleben bleiben. Eines hat mich jedoch immer gestört: bei 20 oder mehr Besuchern stehen immer 19 teils gespannt und teils langsam genervt herum, weil nur einer durchs Rohr gucken kann. Deshalb erzählt der Führende unentwegt Geschichten und beantwortet Fragen, und nicht selten guckt der Beobachter nach einer Weile auch nicht mehr in den Himmel, sondern blockiert den Stuhl, während auch er ebenfalls den interessanten Ausführungen lauscht. Der Vortragende bemerkt das meist minutenlang gar nicht, und so verzögert sich das Erlebnis aller anderen Besucher, und das ist schade.
Man kann also nicht mehrere Besucher mit wenig Equipment - in der Regel ein Teleskop - gut unterhalten. Diese "Performance" hinkt weit hinter den heutigen Medien und Konsumgewohnheiten von Information hinterher. Was die Besucher allerdings vereint, ist die für sie ungewöhnliche Situation, zusammen mit anderen, fremden Menschen in der Nacht in einer Sternwarte zu stehen, eine Situation, die man sonst eigentlich nirgends so hat. das schafft m.E die besondere Atmosphäre.
Heute die EAA mit ins Boot zu holen erscheint mir nur logisch. Ein guter Vortragender erkennt, ob die aktuelle Gruppe eher technisch interessiert ist oder vorwiegend "nostalgisch" mal durchs Okular gucken will, und so würde ich es ihm überlassen, auf sein Publikum einzugehen. Aber die Optionen darf man ihm schon an die Hand geben. M42 mal visuell und zwischendurch auch mal mit Live-Stacking zu machen, ist sicher für viele ein absolutes Aha-Erlebnis. Es macht die Unterschiede Auge-Kamera greifbar, und wer künftig ein Astrofoto betrachtet, hat diesen inneren Vergleich, worum es geht und wie diese bunten Bilder zustande kommen.
Just my 2 pence.
lg
Niki