Minimallösung für Live Stacking?

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Bei meinen EAA-Experimenten konnte ich übrigens diverse Klick-Zeit im Interface einsparen, wenn meine Capture-Software einen CLAHE-Filter benutzt (contrast limited adaptive histogram equalization). Als Operateur/Vorführer aber auch als Besucher käme mir das sehr entgegen, weil ich nicht die Vorstellung eines Computer-Kurses haben mag. Ein paar erklärende Worte zu EAA während man stackt sind sicherlich informativ, aber nicht so gerne etwas das aussieht wie die Visualisierung der SAP Jahrensendabrechnung.
 
Hallo,
Wir machen an der VSW München EAA seit mehreren Jahren an einem 16" SC mit ca 2m Brennweite. Wenn alles nur automatisch liefe, sich automatisch einstellen und calibrieren würde dann würde auch ein Teil des Erlebnisses fehlen.
Während die Bilder langsam hereinpurzeln etwas an der Visualisierung zu schrauben und dabei über die benutzte Technik und das Zielobjekt zu erzählen kommt bei unserem Publikum gut an. Wenn es zu einfach / automatisch wäre könnten wir auch fertige Bilder aus dem Web zeigen, da würde was fehlen.

Grüße, Martin
 
Hallo Martin,

Wenn es zu einfach / automatisch wäre könnten wir auch fertige Bilder aus dem Web zeigen, da würde was fehlen.

da sehe ich überhaupt nicht so denn der Live Charakter der Beobachtung ist das Entscheidende und der Grund warum man überhaupt eine Sternwarte besucht und nicht ob etwas einfach oder kompliziert ist.
Und dieses Live Beobachtungserlebnis hat man auch wenn die dahinterstehende Technik der Sternwarte einfach zu handhaben ist.
Das entscheidende Live Erlebnis kann man aber nicht mit dem zeigen irgendwelcher fertigen Bilder aus dem Web erreichen.

Ich halte es für einen gewaltigen Trugschluss zu glauben es müsse alles möglichst kompliziert sein. Gerade für Laien also die meisten Sternwarten Besucher sollte man es eben möglichst einfach gestalten. Schließlich macht man die Vorführung ja für die Besucher und nicht für sich selbst und auch nicht um dem Publikum nur zu zeigen was man so alles drauf hat.
Die Besucher kommen normalerweise in eine Sternwarte um zu beobachten und nicht um einen Computerkurs zu belegen.
Dafür geht man nämlich üblicherweise in die Volkshochschule, die bieten da Kurse an.

Wenn ich ins Kino gehe dann tue ich das nur um einen Film zu sehen und nicht um zu lernen wie man die Filmrolle in den Projektor einlegt, und für gutes Bild und guten Ton sorgt.
Diese Nebentätigkeiten sollten im Hintergrund stattfinden ohne das Filmerlebnis unnötig zu stören.

Außerdem bin ich der Meinung das man Leute die man für das Hobby Astronomie begeistern möchte nicht mit unnötig komplizierten Abläufen verschrecken sollte.
Wenn da ne Schulklasse mit 10 Jährigen steht und ich verliere mich da in unnötig komplizierten Vorbereitungen dann sagen die sich nee das ist mir alles viel zu kompliziert mit der Astronomie, das lass ich mal lieber.
Wenn ich denen aber zb. mit dem Revolution Imager zeige dass es ganz einfach sein kann und man so DS Objekte sogar farbige sehen kann dann kann man sie auch dafür begeistern es selber zu probieren.

Grüße Gerd
 
Hi Gerd,

er sagt doch nicht dass es ganz kompliziert sein muss.
Meine Interpretation ist, dass die Technik eine gewisse Authentizität (Glaubwürdigkeit?) ausstrahlen sollte, zB wenn man mit eigenen Augen sieht dass beim Live-Stacking ein Bild aus den echten Daten der Kamera entsteht (ganz im Gegensatz zu so etwas wie dem eVscope ;) ). Oder wenn man das Objekt erst suchen, finden muss. Das ist nicht zu kompliziert.

Ich kenne ja zB SharpCap und das ist wirklich einfach zu bedienen, wenn man da am Gain oder der Belichtungszeit dreht sieht man auch als Laie sofort was das bewirkt.
Oder wenn man beim Live-Stacking die Markierung der Alignment-Sterne einschaltet. Das ist "faszinierend" und lehrreich und so soll es auch sein.

Der Besuch einer Sternwarte hat etwas mit Wissenschaft und Technik zu tun ist kein VHS Kochkurs. ;)

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo!

Ihr beide habt sicher jeder für sich recht, aber ich tendiere auch eher zu Gerds Ansicht. Es macht mich selbst schon ganz fickerig, wenn ich einem Vortragenden dabei zuschauen muß, wie der versucht sein Powerpoint irgendwie auf den Videoprojektor zu bekommen, und wohlmeindende Zuschauer dazu noch gute Tips geben, mit welchen Kombination aus "Strg" und "Fn" das am besten gehen müsste... Da wünscht man sich dann doch, dass er das vielleicht zehn Minuten vorher gemacht hätte als noch keine Besucher da waren.

Wenn ich mir jetzt vorstelle dass der Sternführer unter der Kuppel unix-Kommandos in die Raspberry-Konsole eingibt um die abgebrochende Kommunikation mit der Kamera neu zu starten was dann erst gelingt, wenn er den Rechner zwischendrin auch nochmal neu startet und bei der Gelegenheit vielleicht das neueste Python Update gleich mitinstalliert, weil es an dem vielleicht auch gelegen haben könnte, dann wird kein Besucher mehr da sein, wenn endlich ein Bild am Schirm erscheint. Und ich selber mag mich bei der Sternführung auch lieber mit den Sternen beschäftigen und zu denen etwas sagen. Wenn viel Intersse aus dem Publikum an der elektronischen Bildverarbeitung erkennbar sein sollte, dann können diejenigen gerne länger bleiben oder wir machen zu dem Thema eine extra Veranstaltung.

Ein bisschen Einstellmöglichkeiten dürfen natürlich schon sein, die Belichtungszeit der Kamera wird man wohl ans jeweilige Objekt und die Himmelshelligkeit anpassen müssen, vielleicht auch ein paar Bildparameter, aber das sollte ohne viel Interaktion mit einem Rechner stattfinden, die nur vom wesentlichen ablenkt.

Ich habe jetzt ein bisschen Software und Anleitungen gesammelt und bin so weit, dass ich auf dem Raspberry ein Bild von einer beliebigen Webcam (bzw. USB Videokamera) anschauen kann. Als nächstes werde ich mit gPhoto2 versuchen, meine Canon 6D zu bedienen und die Bilder zu übertragen. Dann brauche ich eigentlich nur noch eine Schleife, die alle x Sekunden ein Bild aufnimmt und es mit den bereits vorhandenen zum live stack verrechnet und diesen Anzeigt.
Im Internet habe ich ein schönes Raspberry Projekt in Python gefunden (pibooth) bei dem es um einen Fotoautomaten für Hochzeiten und ähnliche Events geht. Man kann ein Photo von sich aufnehmen, mit ein paar einfachen „controls“ ein bisschen verfremden, einen Text hinzufügen und auf Knopfdruck einen Ausdruck erstellen. Aufstellen, Stecker in die Steckdose und das Ding ist betriebsbereit. Statt den Bildbearbeitungsroutinen brauche ich „eigentlich nur“ eine Stackingroutine und dann wäre das schon ein Anfang.

Grüße
Maximilian
 
Hallo!
Der Besuch einer Sternwarte hat etwas mit Wissenschaft und Technik zu tun ....
Wir haben ganz viele Besucher, vielleicht sogar eine Mehrheit, die mit (Natur-)Wissenschaft und Technik sehr wenig am Hut haben. Die Hälfte der Bevölkerung hat irgendwas mit der Universität und den Kliniken (dem größten Arbeitgeber hier) zu tun und die Universität wiederum hat mehr geisteswissenschaftliche als naturwissenschaftliche Fakultäten. Da gibt es Besuchergruppen mit Krankenpflegerinnen und Altphilologinnen, ein paar Botanikern, Juristen und Sportstudenten. Die wollen einen Abend lang den Sternen nah sein, nicht dem Betriebssystem oder den Kameraeinstellungen :) Wenn ich da in zwei Minuten die Geschichte von Perseus und Andromeda erzähle stehe ich viel besser da, als wenn ich Begriffe wie „Megaparsec“ und „Bedeckungsveränderlicher“ gebrauche...

Viele Grüße
Maximilian
 
Hallo!

Wir haben ganz viele Besucher, vielleicht sogar eine Mehrheit, die mit (Natur-)Wissenschaft und Technik sehr wenig am Hut haben. Die Hälfte der Bevölkerung hat irgendwas mit der Universität und den Kliniken (dem größten Arbeitgeber hier) zu tun und die Universität wiederum hat mehr geisteswissenschaftliche als naturwissenschaftliche Fakultäten. Da gibt es Besuchergruppen mit Krankenpflegerinnen und Altphilologinnen, ein paar Botanikern, Juristen und Sportstudenten. Die wollen einen Abend lang den Sternen nah sein, nicht dem Betriebssystem oder den Kameraeinstellungen :) Wenn ich da in zwei Minuten die Geschichte von Perseus und Andromeda erzähle stehe ich viel besser da, als wenn ich Begriffe wie „Megaparsec“ und „Bedeckungsveränderlicher“ gebrauche...

Viele Grüße
Maximilian
Ah, verstehe.
Da bin ich wohl doch zu sehr Physiker.

Das ist ja auch wirklich toll, dass es Menschen gibt, die nicht wissenschaftlich angehaucht sind, und sich für die Sterne und was das für ein Raum ist in dem wir leben interessieren.

Gruß
Peter
 
Youtube, Google Bilder, Instagramm etc. wäre gut für die Leute die nichts mit dieser ganzen komplizierten Technik am Hut haben. Es gibt auf Youtube tolle Dokumentationen die einem die Sterne nach Hause liefern. Warum in einer kalten Sternwarte auf einen Bildschirm starren, wenn man das doch bequem im warmen Wohnzimmer zu Hause haben kann? :unsure:

Gruß

*entfernt*

PS: Das ist Sarkasmus, für die die es nicht merken.
 
Youtube, Google Bilder, Instagramm etc. wäre gut für die Leute die nichts mit dieser ganzen komplizierten Technik am Hut haben. Es gibt auf Youtube tolle Dokumentationen die einem die Sterne nach Hause liefern. Warum in einer kalten Sternwarte auf einen Bildschirm starren, wenn man das doch bequem im warmen Wohnzimmer zu Hause haben kann? :unsure:

Ich würde mal sagen man geht lieber in die Sternwarte und schaut eben nicht auf YouTube aus dem gleichen Grund warum man lieber in ein Fußballstadion geht und sich das Spiel nicht auf YouTube anschaut. Es geht in beiden Fällen um das Live dabei Erlebnis und das kann kein YouTube bieten.

Es reicht aber trotzdem auch im Stadion vollkommen aus wenn man nur zuschaut.
Man muss nicht gleich mitspielen und man braucht dafür auch kein Fußballprofi zu sein.

Genauso wenig muss man sich als Sternwarten Besucher mit komplizierter Technik auskennen um mithilfe der dortigen EAA Technik ein echtes Live Erlebnis zu erfahren das einem YouTube so niemals bieten kann.

Grüße Grerd
 
Hallo,
Vielleicht noch aus meiner mehrjährigen Praxis mit EAA und Laienpublikum: Ja, die Besucher merken das einiges an nicht trivialer, nicht optimiert-einfacher Tecnhnik im Einsatz ist. Dadurch ist die Authentizität unzweifelhaft und die Faszination über das was da live gesucht und gefunden und abgebildet werden kann sehr groß. Die Besucher kriegen parallel zum Einrichten und Stacken viele Infos zur Technik und dann zum Objekt. Der Vergleich mit visueller Beobachtung wird an anderen Teleskopen angeboten (meist aber einfachere Objekte) und es wird klar, wann welche Methode ihre Vorteile hat.
In der Praxis haben wir bei Großveranstaltungen das Problem das wir immer wieder den aktuelle Pulk von Besucher rauswerfen müssen, damit der nächste Schwung in die Rolldachhütte kann wo das alles passiert. Aber alle sind zufrieden und viele auch erstaunt und ggf. begeistert was da alles sichtbar wird.

Also mein Fazit: Es muß nicht perfekt einfach und smooth sein, muß auch nicht Alles rund laufen, die Besucher werden trotzdem zufrieden bis begeistert sein, kompetentes Personal vorausgesetzt. EAA stapelt halt deutlich mehr Komplexität auf als die visuelle Beobachtung.

Grüße, Martin
 
Hallo!
Youtube, Google Bilder, Instagramm etc. wäre gut für die Leute die nichts mit dieser ganzen komplizierten Technik am Hut haben. Es gibt auf Youtube tolle Dokumentationen die einem die Sterne nach Hause liefern. Warum in einer kalten Sternwarte auf einen Bildschirm starren, wenn man das doch bequem im warmen Wohnzimmer zu Hause haben kann? :unsure:
Da hast Du schon recht, Sarkasmus hin oder her. Ich selber war übrigens noch nie (wirklich nirgends, nie, nicht) als Besucher bei einer Sternführung.

Aber an einem Bildschirm in der in Sternwarte, wo wenigstens ein kleiner Spalt den Blick auf die Sterne (bei uns eher die aufgehellte Luftfeuchtigkeit) erahnen lässt, ist man ihnen immer noch näher als im Wohnzimmer. Und wenn 30 Besucher eine Stunde lang da sind, dann kann jeder vielleicht eine Minute lange durchs Okular schauen. Dazwischen muss man ja auch noch neue Objekte suchen. Finden leider nicht immer, denn wenn man von manchen Sternbildern gar keinen Stern mehr im Sucher sieht, kann das Einstellen manchmal etwas langwierig ausfallen - vielleicht würde ja alleine dafür ein elektronisch verbessertes Sucherbild helfen.

Grüße
Maximilian
 
Das ist unser anderes Problem. Wir haben zwar um die 100 Mitglieder, davon sind aber höchstens ein Viertel aktive Hobbyastronomen. Die anderen sind deswegen Mitglied, weil sich das ab dem dritten Vortragsbesuch pro Jahr finanziell schon lohnt. Und von den Aktiven sind keine 10 bereit oder in der Lage (meistens aus Altersgründen), sich am Führungsbetrieb zu beteiligen. Und unter den „keine 10“ verfügen keine drei über die notwendigen IT (oder was auch immer) Fähigkeiten, ein nicht vollautomatisches EAA System zu bedienen.
 
Hallo Maximilian,

jetzt Sarkasmus aus:
Natürlich kann ich nicht sagen, was die Besucher am meisten in eure Sternwarte lockt. Ihr müßt das den Besuchern natürlich irgendwie interessant darstellen. Aber ich stelle mir vor, daß ich, wenn ich in eine Sternwarte gehe, wissen will, was die Sternwarte macht und wie die funktioniert. Daß man da dann auch Vorträge im Saal oder im Planetarium über den Weltraum hält, versteht sich von selbst. Aber wenn ich unter der Kuppel neben der großen Montierung und dem Teleskop stehe, dann möchte ich ja vielleicht nicht Bilder am Bildschirm anschauen, was dann ausieht, als käme es aus dem Internet.
Ich möchte etwas darüber erfahren, was das Teleskop macht, welches da steht. Wie ist es aufgebaut, wie wird es gesteuert, wie wird aus dem, was der Sensor aufnimmt, ein Bild? Also wie hell/dunkel sieht ein Objekt tatsächlich aus und wie wird ein Bild daraus, welches die Wissenschaftler auswerten können oder was man schön im Internet zeigen kann? Was ist Schwierige daran? Und auch andere Dinge die damit zusammenhängen - vielleicht warum setzt man verschiedene Filter ein, wie sieht das aus und kann man da direkt das zeigen etc. Das ganze dann am besten in Aktion. Das wäre für mich ein Liveerlebnis.
In der Sternwarte nur Aufnahmen am Bildschirm zeigen, ohne Bezug dazu wie die dahin kommen, wäre für mich wie die Chance zu haben die Ferrari-Werkstatt zu besuchen und dann nur Videos der schönsten Ferrari-Siege gezeigt zu bekommen. Deswegen gehe ich da nicht hin. Das kann ich auch woanders haben. In der Ferrari-Werkstatt will ich das Bohröl schnuppern und den Motor auf dem Teststand röhren hören.

Gruß

*entfernt*
 
Ich selber war übrigens noch nie (wirklich nirgends, nie, nicht) als Besucher bei einer Sternführung.
...könnte natürlich nicht schaden, es da und dort aus "Kundensicht" zu erleben und Ideen zu holen.

Ich finde, es gibt in dieser Diskussion keine einzelne Antwort, die Sinn machen würde. Besuchergruppen sind heterogen in ihren Ansprüchen, Erwartungen und in ihrem Wissen, also kann man nicht sagen, mit einem bestimmten "Programm" befriedigt man alle. Auch wird es Unterschiede geben, ob man in einer historischen Sternwarte führt, oder in einer modernen Einrichtung - oder auch einer Rolldachhütte.

Sofern man also nicht dezidierte Tagesprogramme ausruft (heute ist EAA, nächste Woche Planetenfotografie, danach kommt visuelle Beobachtung des aktuellen Himmels...) kann es nur eine Mischform in der Präsentation sein. Und je nach Besuchergruppe kann dasselbe Programm mal als fad und mal als spannend empfunden werden.

Ich kenne sowohl die jungen Teilnehmer, die nach einem Blick auf M42 das iPhone aus der Tasche reissen und allen Teilnehmern dasselbe in Farbe zeigen - so eine Enttäuschung da im Fernrohr, schlimm - als auch diejenigen, die vor Faszination erstarrt am Okular kleben bleiben. Eines hat mich jedoch immer gestört: bei 20 oder mehr Besuchern stehen immer 19 teils gespannt und teils langsam genervt herum, weil nur einer durchs Rohr gucken kann. Deshalb erzählt der Führende unentwegt Geschichten und beantwortet Fragen, und nicht selten guckt der Beobachter nach einer Weile auch nicht mehr in den Himmel, sondern blockiert den Stuhl, während auch er ebenfalls den interessanten Ausführungen lauscht. Der Vortragende bemerkt das meist minutenlang gar nicht, und so verzögert sich das Erlebnis aller anderen Besucher, und das ist schade.

Man kann also nicht mehrere Besucher mit wenig Equipment - in der Regel ein Teleskop - gut unterhalten. Diese "Performance" hinkt weit hinter den heutigen Medien und Konsumgewohnheiten von Information hinterher. Was die Besucher allerdings vereint, ist die für sie ungewöhnliche Situation, zusammen mit anderen, fremden Menschen in der Nacht in einer Sternwarte zu stehen, eine Situation, die man sonst eigentlich nirgends so hat. das schafft m.E die besondere Atmosphäre.

Heute die EAA mit ins Boot zu holen erscheint mir nur logisch. Ein guter Vortragender erkennt, ob die aktuelle Gruppe eher technisch interessiert ist oder vorwiegend "nostalgisch" mal durchs Okular gucken will, und so würde ich es ihm überlassen, auf sein Publikum einzugehen. Aber die Optionen darf man ihm schon an die Hand geben. M42 mal visuell und zwischendurch auch mal mit Live-Stacking zu machen, ist sicher für viele ein absolutes Aha-Erlebnis. Es macht die Unterschiede Auge-Kamera greifbar, und wer künftig ein Astrofoto betrachtet, hat diesen inneren Vergleich, worum es geht und wie diese bunten Bilder zustande kommen.

Just my 2 pence. :coffee:

lg
Niki
 
Hallo!
In der Sternwarte nur Aufnahmen am Bildschirm zeigen, ohne Bezug dazu wie die dahin kommen

Davon war ja nie die Rede. Es geht drum, 19 Menschen etwas zum Anschauen zu geben während der Zwanzigste gerade am echten Fernrohr steht. Und wie so viele andere hier fände ich es blöd, ihnen während dieser Zeit Hubble Bilder zu zeigen. Aber ein Livebild vom selben Fernrohr (bzw. einem der anderen Fernrohre im selben "Bündel") erscheint mir schon sinnvoll. Man kann in Ruhe das erklären, was sie gleich selbst am Fernrohr sehen werden bzw. gerade gesehen haben. Eins zu Eins. Wenn jemand Fragen dazu hat wie das technisch möglich ist, werden die natürlich gerne beantwortet, sofern vom jeweiligen Sternführer diesbezüglich eine kompetente Auskunft gegeben werden kann. Aber ich finde nicht, dass die Besucher sehen müssen, mit welchen unix-Kommandozeilenbefehlen die Kamera dazu veranlasst wird, ihre Bilder auf den Monitor zu übertragen.

Grüße
Maximilian
 
Hallo!
...könnte natürlich nicht schaden, es da und dort aus "Kundensicht" zu erleben und Ideen zu holen.
Das waren immer dumme Zufälle, aus denen ich bisher nicht in den Genuß einer fremden Sternführung kam. Ich habe zwar schon viele Sternwarten besichtigt, dann aber entweder aus Zeitgründen tagsüber oder, wenn ich dann nachts gekonnte hätte, war das Wetter schlecht...

Da wir unsere Führungen nach Möglichkeit immer zu zweit machen bin ich natürlich schon oft Zuhörer beim jeweiligen Kollegen gewesen. Aber eben kein ausschliesslicher Besucher einer Führung.

Grüße
Maximilian
 
Wäre interessant, welche Erfahrungen da und dort mit der EAA und Publikum schon gemacht wurden. Ich wäre sicher selbst fasziniert, wenn ich live zusehen kann, wie ein Fernrohr und eine Kamera etwas aus dem Himmel zu mir holen, das ich mit freiem Auge gar nicht sehen kann, und das live. Ein wenig wie im alten Ägypen vielleicht, wenn jemand eine Finsternis voraussagte... Zauberei.

Live dabei zu sein, wie ein Fernrohr etwas aus dem Nichts extrahiert und farbige Nebel zaubert ist für mich also ebenso faszinierend, wie für andere Besucher. Ich hatte das auch bereits einer Sternwarte vorgeschlagen, das auf einen großen Bildschirm am Freigelände zu übertragen, aber da die alten Hasen nicht wussten wovon ich rede, muss ich das wohl einmal installieren und vorführen. Ich habe ja auch keine Erfahrung damit. Aber das wäre ein Teil der Zukunft. Es ist ganz sicher nicht nicht dasselbe, wie ein Bild aus dem Internet. Es ist ein wenig Zauberei dabei, wenn man zusehen kann, wie etwas entsteht. Ein Bilder-Urknall sozusagen... :saturn:

lg
Niki
 
mit welchen unix-Kommandozeilenbefehlen die Kamera dazu veranlasst wird, ihre Bilder auf den Monitor zu übertragen

Davon war auch nie die Rede. Aber erklären, warum die Bilder die der Knabe mit dem iPhone in die Runde zeigt, so nicht beim Durchschauen im Teleskop zu erwarten sind, sollte man schon grob können. Sonst schauen mehr Leute ins iPhone als ins Teleskop und deklarieren es als ungeeigneten Mist.
Ich gebe zu, etwas erklären zu können ohne sich in Details zu verlieren und das rechte Maß zu finden, ist eine Kunst die nicht jedem gegeben ist. Gerade Techniker und Wissenschaftler tun sich da schwer. Zwischen UNIX-Befehle Zeile für Zeile zu erklären oder einfach etwas hinzunehmen, was auf einem Bildschirm hochpoppt, gibt es ein weites Kontinuum an Erklärungstiefen. Das ist nicht "Alles oder Nichts".
Ich finde nicht, daß man populäre Präsentationen von Naturwissenschaft und Technik auf das Niveau der Knoff-Hoff-Show degradieren muß ("Instant Satisfaction"), weil man denkt, man bekommt sonst keine Besucher: "Uiiiii, noch ein buntes Bild!", ein Tusch, Hopp und weiter ...
Vermutlich stehe ich mit so einem Anspruch aber alleine da heutzutage.

Gruß

*entfernt*
 
Eine schöne und billige Lösung für LiveStacking ist ALS. Die Software läuft unter Windows, Mac, Linux und auf dem Raspberry Pi4.
Man sucht nur einen Ordner aus, in dem die Kamera (allerdings durch ein anderes Programm) die Bilder kontinuierlich ablegt.
In ALS kann man das gestackte Bild formatfüllend anzeigen und es hat einen kleinen Webserver eingebaut, damit jeder Besucher "sein" Bild auf dem Smartphone anschauen kann.

CS
Erik
 
Wäre interessant, welche Erfahrungen da und dort mit der EAA und Publikum schon gemacht wurden. Ich wäre sicher selbst fasziniert, wenn ich live zusehen kann, wie ein Fernrohr und eine Kamera etwas aus dem Himmel zu mir holen, das ich mit freiem Auge gar nicht sehen kann, und das live. Ein wenig wie im alten Ägypen vielleicht, wenn jemand eine Finsternis voraussagte... Zauberei.

Live dabei zu sein, wie ein Fernrohr etwas aus dem Nichts extrahiert und farbige Nebel zaubert ist für mich also ebenso faszinierend, wie für andere Besucher. Ich hatte das auch bereits einer Sternwarte vorgeschlagen, das auf einen großen Bildschirm am Freigelände zu übertragen, aber da die alten Hasen nicht wussten wovon ich rede, muss ich das wohl einmal installieren und vorführen. Ich habe ja auch keine Erfahrung damit. Aber das wäre ein Teil der Zukunft. Es ist ganz sicher nicht nicht dasselbe, wie ein Bild aus dem Internet. Es ist ein wenig Zauberei dabei, wenn man zusehen kann, wie etwas entsteht. Ein Bilder-Urknall sozusagen... :saturn:

lg
Niki

Hallo Niki,

du beschreibst hier sehr schön die Faszination die EAA auf einen ausüben kann.
Genau diese von dir beschriebene Faszination erfordert aber keine besonders umständliche und mühselige Handhabung.
Diese Faszination üben auch sehr einfach zu handhabende EAA Teleskope wie Stellina und eVscope aus weil auch sie genau das von dir als so faszinierend beschriebene Beobachtungserlebnis bieten können.

Wer das nicht sehen will und meint es müsse unbedingt deutlich umständlicher und mühseliger sein sonst fehlt ihm was dem geht es in seinem Hobby meiner Meinung nach dann wohl nicht nur um das Beobachtungserlebnis selbst und damit um Astronomie sondern dem geht es in Wahrheit um andere Hobbys wie Computer und Bildbearbeitung die er mit dem Hobby Astronomie unbedingt verbinden möchte.
Das kann natürlich Jeder so handhaben wie es ihm beliebt, es sind ja Hobbys und die kann man gestalten wie man will.
Problematisch wird es nur wenn diese Leute dann aber meinen das die Hobbys Computer und Bildbearbeitung untrennbar mit dem Hobby Astronomie verbunden wären, zumindest was EAA betrifft.

Und dem muss ich vehement widersprächen.
Man kann dem Hobby Astronomie inklusive EAA auch nachgehen ohne in die Hobbys Computer und Bildbearbeitung zwingend tiefer einsteigen zu müssen.
Smartteleskope und auch Systeme wie der Revolution Imager sind der Beweis und sie bieten genau das gleiche faszinierende Beobachtungserlebnis wie umständlich und mühselig zu handhabende Ausrüstung.
Sicherlich nicht immer in der gleichen Qualität aber dennoch mit der gleichen Faszination.

Grüße Gerd
 
Hallo Heiko,

Aber erklären, warum die Bilder die der Knabe mit dem iPhone in die Runde zeigt, so nicht beim Durchschauen im Teleskop zu erwarten sind, sollte man schon grob können.

das kann man durchaus auch erklären ohne umständlich und kompliziert zu handhabende Ausrüstung zu verwenden. Und natürlich spricht nichts dagegen zb. am Revolution Imager ein paar Worte zu seiner Funktionsweise zu sagen.

Ich finde nicht, daß man populäre Präsentationen von Naturwissenschaft und Technik auf das Niveau der Knoff-Hoff-Show degradieren muß ("Instant Satisfaction"), weil man denkt, man bekommt sonst keine Besucher: "Uiiiii, noch ein buntes Bild!", ein Tusch, Hopp und weiter ...

Selbstverständlich muss man das nicht.
Aber man benötigt dennoch keine umständlich und kompliziert zu handhabende Ausrüstung um den Vortrag interessant zu gestalten.
Ich würde mich in einer Vorführung mit Niveau vorrangig auf das Gebiet Astronomie konzentrieren und Felder wie Computer und Bildbearbeitung wenn dann nur am Rande streifen.

Wenn ich mithilfe von benutzerfreundlicher und einfach zu handhabender EAA Technik zb. die Andromeda Galaxie zeige dann würde ich mit dem Sternbild beginnen in dem sie sich befindet.
Ein paar Worte zur Mythologie des Sternbildes verleihern und anschließend einige Daten zu M31 erklären.
Beginnend mit der Herkunft der Bezeichnung M weiter über Entfernung, scheinbare und tatsächliche Größe, der Vergleich mit der scheinbaren Größe des Vollmondes damit der Besucher ein Gefühl für die wie ich finde gewaltige scheinbare Größe bekommt mit der M31 am Himmel steht. Weiter ein paar Worte zum Typ der Galaxie und ein paar weitere Details
Erklären wie man die Entfernung überhaupt bestimmen konnte usw.
Das würde schon eine hoch interessante Beobachtungsnacht mit auch intellektuell hohem Anspruch.

Allerdings würde ich den Schwerpunkt eben auf Astronomie legen und lieber darüber etwas erzählen und nicht über Computer und Bildbearbeitung weil ich der Meinung bin das Leute die in eine Sternwarte kommen und dann auch noch in die Kuppel zum Beobachten doch viel lieber etwas zum Thema Astronomie hören und sehen möchten.
Ich denke nicht das sie gekommen sind um lange Vorträge zu komplizierter Computer und Bildbearbeitungstechnik zu hören und auch nicht um den Vorführenden dabei zuzusehen wie er umständlich und mühselig zu handhabende EAA Technik zu Bändigen versucht.

Grüße Gerd
 
Zuletzt bearbeitet:
Dann brauche ich eigentlich nur noch eine Schleife, die alle x Sekunden ein Bild aufnimmt und es mit den bereits vorhandenen zum live stack verrechnet und diesen Anzeigt.
Es freut mich dass du einen guten Kandidaten für einen Lösungsweg gefunden hast. Andere hier vorgeschlagene Software passt ja offensichtlich nicht zu dem besonderen Anforderungsprofil, was stark in Sachen Video-Astronomie geht.
Ich begrüße es wenn du uns hier auf dem laufenden hältst wie einfach bzw. robust deine Lösung ist und wie die Ergebnisse bei nächtlichem Einsatz an verschiedenen Objekten aussehen. Vor allem auch wie die Rückmeldung von Vorführer und Gästen lautet.

Und wer weiß, vielleicht ist das der Beginn einer konkurrenzlos einfachen und dennoch leistungsfähigen Stacking-Software.

Einerseits fand ich noch auf http://www.astro-electronic.de/FFmpeg_Book.pdf auf Seite 64 einen schönen Filter um bei ffmpeg Dark-Frames abzuziehen, aber es fällt mir nicht leicht die Ansprüche und Erwartungen abzugrenzen zwischen dem was möglich und dem was gewollt ist bei euch.

Viel Erfolg
 
Schon in der Schule gab es schlechte und gute LehrerInnen, so wie es gute und schlechte AutofahrerInnen gibt... ich selbst fand manche Führungen oder Vorträge auf Sternwarten furchtbar und mache absolut gelungen. Neben den persönlichen Vorlieben und Erwartungen ist es halt auch das Talent des Vortragenden, sein Publikum zu fesseln. Mit oder ohne pädagogischer Ausbildung (die die wenigsten haben).

Es ist also sicher keine Sache von EAA oder nicht EAA, ob ein Besuch bei einer Sternwarte spannend ist. Es ist Sache des Führenden / Vortragenden. Aber EAA wird zusehends eingebaut werden, denke ich. Und das ohne großen technischen Aufwand. Kamera statt Oku und Doppelklick auf die Stackings-Software. Punkt. Das Bild kommt, das Raunen geht durch die Menge. :coffee:

Das gelingt ja schon ohne Stacking, einfach mal mit der Kamera kurz auf den Jupiter oder Saturn halten und "oohhhh..." :y:
Und nachher dann mit dem eigenen Auge sehen, dass es auch ohne Kamera geht, hat auch was. Umgekehrt sozusagen...

lg
Niki
 
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