Hallo Freunde!
Hier nun endlich mein Testbericht zum Minox HG 8x33 BR Fernglas. Es hat etwas länger gedauert als ich zunächst dachte, aber man benötigt schon mindestens eine Woche um einen Eindruck von einem optischen Instrument zu bekommen.
Die technischen (Hersteller-)Daten stehen weiter oben in meinem ersten Posting und sind bis auf zwei Ausnahmen anscheinend korrekt. Zu den beiden Ausnahmen komme ich später, aber soviel sei schon jetzt verraten - die Wirklichkeit ist besser als die Daten auf dem Papier.
1) Was ist im Karton?
Eine hübsche schwarze, recht dünne, ungepolsterte, lederne (riecht zumindest nach echtem Leder, aber ohne Gewähr) Schutztasche mit Gürtelschlaufe, wo das 8x33 sowohl quer als auch längs hinein passt. Nach oben hin verbleibt mehr als zwei Zentimeter Luft in der Tasche. Ein wirklich erstklassiger Tragegurt aus Neopren-Material, der sich angenehm tragen lässt und weder zu breit noch zu schmal ist. Ein dünnes (stinkendes) gummiartiges Ding, welches auf die oberen Okulare passt, besser gesagt aufliegt und gleich abfällt wenn man es nur schief anguckt. Eine kurze verbesserungswürdige Anleitung in vier Sprachen, eine Garantiekarte (5 Jahre Garantie/30 Jahre Gewährleistung) und natürlich das Fernglas selbst.
2) Verarbeitung und Haptik (=Anfassqualität)
Die Verarbeitung kann man mit einem Wort beschreiben - tadellos. Man hat den Eindruck das dieses Fernglas für die Ewigkeit gebaut wurde - einfach extrem robust (nichts wackelt oder klappert). Das Gehäuse besteht aus dick gummiertem Magnesium und das Fokussierrad respektive Dioptrienrad ist aus Aluminium(?) jeweils mit Kreuzriffelung für griffige und einfache Handhabung. Die Abdeckung für den Stativanschluß ist aus Kunststoff und besitzt ein ausreichend langes Gewinde um es gut fest ziehen zu können.
Das Glas liegt sehr gut in den Händen und lässt sich notfalls auch mit einer Hand bedienen (selbst mit Handschuhen). Das Gewicht des Fernglases ist sogar geringer als von Minox angegeben, statt 605 Gramm zeigte die geeichte Laborwaage 593 Gramm. Die Gummierung ist sehr angenehm und äußerst griffig, wobei eine leicht Daumenmulde auf der Unterseite den Tragekomfort merklich erhöht. Die Ösen für den Tragegurt sind da wo sie hingehören und stören beim Halten des Glases in keinster Weise. Vom äußeren Eindruck her macht das Minox HG 8x33 BR einen erstklassigen Eindruck. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann ist es die silberne Farbe des Fokussierades bzw. Dioptrienrings. Es sieht zwar elegant und todschick aus (designed by Porsche, wenn ich mich recht entsinne), aber unauffälliges Beobachten dürfte etwas schwer fallen, sofern Sonnenlicht auf das Fernglasgehäuse fällt.
3) Praktische Bedienung
Die Okulare besitzen vier rastbare Stufen und verbleiben auch bei stärker ausgeübten Druck in ihrer Position wie ein Fels in der Brandung. Der Einblick fällt leicht und man hat schnell den richtigen Augenabstand eingestellt. Ein Rätsel (zumindest für Fehlsichtige, die ohne Brille schauen wollen) ist zunächst die Bedienung des Dioptrienausgleichs. Der Dioptrienring wird hochgeschoben und dann dreht man in die eine oder andere Richtung um im Bereich von plus/minus Zwei Dioptrien die Anpassung an seine Sehschwäche vorzunehmen. Die Skalierung besteht nur aus ein paar Strichen und wie deren Unterteilung ist bleibt das Geheimnis von Minox. Ob man für Plus nach links oder rechts drehen muss steht gar nirgends, weder in der Anleitung noch am Fernglas. Hat man schlussendlich die korrekte Position gefunden schiebt man den Dioptrienring wieder runter und er wird sich von alleine wohl sein Leben lang nicht mehr verstellen.
Zur Fokussierung zunächst ein Zitat der Minox Marketing-Abteilung "Bei dem von MINOX entwickelten und patentierten Quick-Close-Focus (QCF) genügt eine einzige Umdrehung, um das Glas von Nah bis Unendlich scharf zu stellen. Diese eine Drehung ermöglicht eine sehr schnelle Fokussierung im Nahbereich und eine präzise Einstellung bei größeren Entfernungen." Nun, in der Praxis funktioniert das Ganze wirklich erstaunlich gut, obwohl man ein paar Tage braucht um sich daran zu gewöhnen. Anfangs schießt man gerne mal über den optimalen Schärfepunkt hinaus, aber da das Fokussierrad die perfekte Kombination aus Leichtgängigkeit und genügend Widerstand hat (klingt komisch, aber ich hoffe man kann es verstehen) hat man schnell den richtigen Dreh raus. Als Gimmick kann man an der Fokussierwalze sogar die Entfernung ablesen, was bis 50m Entfernung recht gut funktioniert. Die kürzeste einstellbare Entfernung beträgt nicht 2m wie von Minox angegeben, sondern nachgemessene 1,45m - im Stehen kann man sich (eine gewisse Mindestgröße vorausgesetzt) folglich seine eigenen Füße mit achtfacher Vergrößerung anschauen, aber wer will das schon. Ameisen sind sicherlich interessanter.
Bei einer Entfernung unterhalb von 2,5m hatte ich persönlich allerdings Probleme das ständig ein Art Schatten in der Bildmitte war, was vermutlich darauf zurückzuführen ist das ich die beiden Bilder nie richtig zur Deckung bringen konnte. Ab 2.5m hatte ich allerdings keinerlei Probleme.
4) Optische Qualtäten (oder "Butter bei die Fische" wie man hier sagt)
Beim ersten Blick durch das Minox HG 8x33 BR fällt sofort auf wie gut das Fernglas optisch ist. Das Sehfeld von über 130m gibt einen viel zu gucken und die Farbwiedergabe ist neutral ohne jeglichen Farbstich. Für ein Dachkantglas ist der Bildeindruck erstaunlich plastisch und nicht so flach wie bei manch anderem Konkurrent. Warum dies so ist kann ich leider auch nicht erklären, aber es ist nur mein persönlicher Seheindruck. Das Bild ist fast bis zum Rand scharf, lediglich im äußersten Bereich kann man eine leichte Unschärfe und verminderten Kontrast ausmachen. Der klassische Sternentest (ab wo diese nicht mehr punktförmig abgebildet werden) bestätigte den Eindruck vom Tage - etwa 90 Prozent sind scharf und die restlichen 10% am Rand eben nicht. Die Brillianz (Kontrast) des Minox ist nicht so hoch wie bei einem Zeiss Victory FL (der Referenz in dieser Disziplin meiner Meinung nach), aber liegt fast(!) auf dem selben hohen Niveau wie beim (letzten) Leica Trinovid 8x32, welches mir freundlicherweise zum Vergleich vom Nachbarn zu Verfügung gestellt wurde. Eine Gesichtsfeldkrümmung (sind gerade Linien wirklich gerade) konnte ich erfreulicherweise in keinster Weise feststellen. Hingegen konnten chromatische Aberration (Farbsäume) ausgemacht werden. Allerdings nur wenn man intensiv nach Ihnen suchte konnte man hin und wieder ganz leichte violette Farbsäume ausmachen. In der normalen Praxis sind diese mir allerdings sehr selten aufgefallen. Bei direktem Gegenlicht machen sich recht starke Störungen (Reflexe) im Bild bemerkbar. Auch bei starkem Licht von der Seite sind Reflexe sichtbar, aber in solch einem Fall nimmt man einfach die Hände (Daumen an die Schläfe und einen Schirm bilden) zu Hilfe und kann im Gegensatz zum Gegenlicht die Reflexe komplett ausschalten. Insgesamt ist das Minox was die optischen Eigenschaften angeht sehr gut und bietet viel für sein Geld.
5) Was kostet der Spaß?
Im Webshop bei Minox soll man Euro 749,00 plus Versandkosten berappen, wobei man mindestens 100 Euro sparen kann wenn man einen freundlichen Fachhändler in seiner Umgebung aufsucht.
6) Fazit
Von der Verarbeitung und Mechanik braucht sich das Minox HG 8x33 BR hinter keinem Glas der Welt zu verstecken. Selbst für mehr Geld bekommt man in dieser Disziplin nicht mehr geboten. In dieser Hinsicht ist das Minox konkurrenzlos. Beim mitgelieferten Zubehör sollte Minox dringendst nachbessern, da die Okularabdeckung ein schlechter Witz ist und die Ledertasche zu dünn und ungepolstert ist. Die optischen Eigenschaften des Fernglases sind (ich wiederhole mich) sehr gut und nicht allzu weit von den (mehr als) doppelt so teuren Spitzen-Ferngläsern entfernt. Lediglich gegenüber Streulicht ist das Minox ein wenig empfindlich. Es ist schlicht eine Freude das Minox HG 8x33 BR zu benutzen, und ich kann nur jedem empfehlen einen Händler aufzusuchen um es selbst mal zu testen. In seiner Leistungs- (mind. 130m Sehfeld) und Preisklasse (ca. 650 Euro) ist nur wenig vergleichbares auf dem Markt. Um ehrlich zu sein fällt mir spontan nur das österreichische Kahles 8x32 ein (www.kahles.at). Erstaunlicherweise ähnelt es dem Minox sehr stark, sozusagen ein Zwillingsbruder aus Österreich. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Vielleicht schaffe ich es ja mal ein Exemplar des Kahles zu organisieren um es mit dem Minox direkt zu vergleichen.
7) Wichtig!!!
Ein Anmerkung zum Schluss: Dieser Test gibt lediglich die Meinung des Autors wieder, welcher über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit optischen Geräten aller Art auf den Buckel hat. Ein Fernglas MUSS man persönlich testen um einen Eindruck zu gewinnen, ob es zu einem passt oder nicht. Testberichte sind (manchmal) schön und gut, aber sollten stets nur als Anhaltspunkt gesehen werden. Vielen Dank!
Beste Grüße
Mick
P.S. In der Minox HG Reihe fehlt eigentlich noch ein Glas mit 7-facher Vergrößerung....