Minox HG 8x33 Test

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micktheodor

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Hallo Fernglasfreunde!

Anfang August steht mir ein Minox HG 8x33 BR asph Fernglas zum ausgiebigen Testen zur Verfügung. Es handelt sich hierbei um das "kleinste" Glas aus der Top Fernglas-Linie des Wetzlarer Optik-Spezialisten Minox. Falls irgendjemand einen speziellen Wunsch/Hinweis hat worauf ich bei meinem Test achten soll, so möge er dies innerhalb der nächsten Tage hier schreiben. Mein Testbericht folgt dann hier in spätestens 14 Tagen.

Hier schon mal die technischen Daten des Minox HG 8x33 BR asph:

* Vergößerung: 8x
* Eintrittspupille: 33 mm
* Austrittspupille: 4,1 mm
* Augenmuscheln: vier rastbare Stufen
* Dioptrienausgleich: +-2
* Sehfeld: 130,9 m / 1.000 m, 7,5°
* Pupillenschnittweite: 15 mm
* Nahbereich: ca. 2 m
* Dämmerungszahl: 16,2
* Geometrische Lichtstärke: 17
* Gehäuse: gummiertes Magnesium, Argon-Füllung
* Funktionstemperatur: -10°C bis +50°C
* Wasserdicht: bis 5 m
* Abmessungen: 125 x 127 x 50 mm
* Gewicht: 605 g
* Besonderheiten:
- Fokussierrad mit Distanzskala
- Metall-Stativgewinde

Bis die Tage
Mick
 
Hallo Mick,

bitte richte Dein Augenmerk auf das von Minox folgendermaßen beschriebene "Quick-Close-Focus":

"Bei dem von MINOX entwickelten und patentierten Quick-Close-Focus (QCF) genügt eine einzige Umdrehung, um das Glas von Nah bis Unendlich scharf zu stellen. Diese eine Drehung ermöglicht eine sehr schnelle Fokussierung im Nahbereich und eine präzise Einstellung bei größeren Entfernungen".

Mit der ziemlich schnellen Fokussierung des Pentax 8x32 DCF-SP habe ich nicht so tolle Erfahrungen gemacht; jede kleinste Berührung des Fokussierrades bewirkt, dass die Schärfe weg ist und das Scharfstellen dann Zehntelmillimeterarbeit ist. Eigentlich ist man immer mit dem Fokussieren beschäftigt, auch weil die optimale, von mir gewohnte Schärfe (Fujinon 7x50 FMT-SX) nie zu erreichen ist.

Beschreib bitte auch das Einblickverhalten dieses Glases!

Viel Spaß beim Testen wünscht

Bernhard Loos
 
Hallo Freunde!

Hier nun endlich mein Testbericht zum Minox HG 8x33 BR Fernglas. Es hat etwas länger gedauert als ich zunächst dachte, aber man benötigt schon mindestens eine Woche um einen Eindruck von einem optischen Instrument zu bekommen.

Die technischen (Hersteller-)Daten stehen weiter oben in meinem ersten Posting und sind bis auf zwei Ausnahmen anscheinend korrekt. Zu den beiden Ausnahmen komme ich später, aber soviel sei schon jetzt verraten - die Wirklichkeit ist besser als die Daten auf dem Papier.

1) Was ist im Karton?
Eine hübsche schwarze, recht dünne, ungepolsterte, lederne (riecht zumindest nach echtem Leder, aber ohne Gewähr) Schutztasche mit Gürtelschlaufe, wo das 8x33 sowohl quer als auch längs hinein passt. Nach oben hin verbleibt mehr als zwei Zentimeter Luft in der Tasche. Ein wirklich erstklassiger Tragegurt aus Neopren-Material, der sich angenehm tragen lässt und weder zu breit noch zu schmal ist. Ein dünnes (stinkendes) gummiartiges Ding, welches auf die oberen Okulare passt, besser gesagt aufliegt und gleich abfällt wenn man es nur schief anguckt. Eine kurze verbesserungswürdige Anleitung in vier Sprachen, eine Garantiekarte (5 Jahre Garantie/30 Jahre Gewährleistung) und natürlich das Fernglas selbst.

2) Verarbeitung und Haptik (=Anfassqualität)
Die Verarbeitung kann man mit einem Wort beschreiben - tadellos. Man hat den Eindruck das dieses Fernglas für die Ewigkeit gebaut wurde - einfach extrem robust (nichts wackelt oder klappert). Das Gehäuse besteht aus dick gummiertem Magnesium und das Fokussierrad respektive Dioptrienrad ist aus Aluminium(?) jeweils mit Kreuzriffelung für griffige und einfache Handhabung. Die Abdeckung für den Stativanschluß ist aus Kunststoff und besitzt ein ausreichend langes Gewinde um es gut fest ziehen zu können.
Das Glas liegt sehr gut in den Händen und lässt sich notfalls auch mit einer Hand bedienen (selbst mit Handschuhen). Das Gewicht des Fernglases ist sogar geringer als von Minox angegeben, statt 605 Gramm zeigte die geeichte Laborwaage 593 Gramm. Die Gummierung ist sehr angenehm und äußerst griffig, wobei eine leicht Daumenmulde auf der Unterseite den Tragekomfort merklich erhöht. Die Ösen für den Tragegurt sind da wo sie hingehören und stören beim Halten des Glases in keinster Weise. Vom äußeren Eindruck her macht das Minox HG 8x33 BR einen erstklassigen Eindruck. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann ist es die silberne Farbe des Fokussierades bzw. Dioptrienrings. Es sieht zwar elegant und todschick aus (designed by Porsche, wenn ich mich recht entsinne), aber unauffälliges Beobachten dürfte etwas schwer fallen, sofern Sonnenlicht auf das Fernglasgehäuse fällt.

3) Praktische Bedienung
Die Okulare besitzen vier rastbare Stufen und verbleiben auch bei stärker ausgeübten Druck in ihrer Position wie ein Fels in der Brandung. Der Einblick fällt leicht und man hat schnell den richtigen Augenabstand eingestellt. Ein Rätsel (zumindest für Fehlsichtige, die ohne Brille schauen wollen) ist zunächst die Bedienung des Dioptrienausgleichs. Der Dioptrienring wird hochgeschoben und dann dreht man in die eine oder andere Richtung um im Bereich von plus/minus Zwei Dioptrien die Anpassung an seine Sehschwäche vorzunehmen. Die Skalierung besteht nur aus ein paar Strichen und wie deren Unterteilung ist bleibt das Geheimnis von Minox. Ob man für Plus nach links oder rechts drehen muss steht gar nirgends, weder in der Anleitung noch am Fernglas. Hat man schlussendlich die korrekte Position gefunden schiebt man den Dioptrienring wieder runter und er wird sich von alleine wohl sein Leben lang nicht mehr verstellen.
Zur Fokussierung zunächst ein Zitat der Minox Marketing-Abteilung "Bei dem von MINOX entwickelten und patentierten Quick-Close-Focus (QCF) genügt eine einzige Umdrehung, um das Glas von Nah bis Unendlich scharf zu stellen. Diese eine Drehung ermöglicht eine sehr schnelle Fokussierung im Nahbereich und eine präzise Einstellung bei größeren Entfernungen." Nun, in der Praxis funktioniert das Ganze wirklich erstaunlich gut, obwohl man ein paar Tage braucht um sich daran zu gewöhnen. Anfangs schießt man gerne mal über den optimalen Schärfepunkt hinaus, aber da das Fokussierrad die perfekte Kombination aus Leichtgängigkeit und genügend Widerstand hat (klingt komisch, aber ich hoffe man kann es verstehen) hat man schnell den richtigen Dreh raus. Als Gimmick kann man an der Fokussierwalze sogar die Entfernung ablesen, was bis 50m Entfernung recht gut funktioniert. Die kürzeste einstellbare Entfernung beträgt nicht 2m wie von Minox angegeben, sondern nachgemessene 1,45m - im Stehen kann man sich (eine gewisse Mindestgröße vorausgesetzt) folglich seine eigenen Füße mit achtfacher Vergrößerung anschauen, aber wer will das schon. Ameisen sind sicherlich interessanter.
Bei einer Entfernung unterhalb von 2,5m hatte ich persönlich allerdings Probleme das ständig ein Art Schatten in der Bildmitte war, was vermutlich darauf zurückzuführen ist das ich die beiden Bilder nie richtig zur Deckung bringen konnte. Ab 2.5m hatte ich allerdings keinerlei Probleme.

4) Optische Qualtäten (oder "Butter bei die Fische" wie man hier sagt)
Beim ersten Blick durch das Minox HG 8x33 BR fällt sofort auf wie gut das Fernglas optisch ist. Das Sehfeld von über 130m gibt einen viel zu gucken und die Farbwiedergabe ist neutral ohne jeglichen Farbstich. Für ein Dachkantglas ist der Bildeindruck erstaunlich plastisch und nicht so flach wie bei manch anderem Konkurrent. Warum dies so ist kann ich leider auch nicht erklären, aber es ist nur mein persönlicher Seheindruck. Das Bild ist fast bis zum Rand scharf, lediglich im äußersten Bereich kann man eine leichte Unschärfe und verminderten Kontrast ausmachen. Der klassische Sternentest (ab wo diese nicht mehr punktförmig abgebildet werden) bestätigte den Eindruck vom Tage - etwa 90 Prozent sind scharf und die restlichen 10% am Rand eben nicht. Die Brillianz (Kontrast) des Minox ist nicht so hoch wie bei einem Zeiss Victory FL (der Referenz in dieser Disziplin meiner Meinung nach), aber liegt fast(!) auf dem selben hohen Niveau wie beim (letzten) Leica Trinovid 8x32, welches mir freundlicherweise zum Vergleich vom Nachbarn zu Verfügung gestellt wurde. Eine Gesichtsfeldkrümmung (sind gerade Linien wirklich gerade) konnte ich erfreulicherweise in keinster Weise feststellen. Hingegen konnten chromatische Aberration (Farbsäume) ausgemacht werden. Allerdings nur wenn man intensiv nach Ihnen suchte konnte man hin und wieder ganz leichte violette Farbsäume ausmachen. In der normalen Praxis sind diese mir allerdings sehr selten aufgefallen. Bei direktem Gegenlicht machen sich recht starke Störungen (Reflexe) im Bild bemerkbar. Auch bei starkem Licht von der Seite sind Reflexe sichtbar, aber in solch einem Fall nimmt man einfach die Hände (Daumen an die Schläfe und einen Schirm bilden) zu Hilfe und kann im Gegensatz zum Gegenlicht die Reflexe komplett ausschalten. Insgesamt ist das Minox was die optischen Eigenschaften angeht sehr gut und bietet viel für sein Geld.

5) Was kostet der Spaß?
Im Webshop bei Minox soll man Euro 749,00 plus Versandkosten berappen, wobei man mindestens 100 Euro sparen kann wenn man einen freundlichen Fachhändler in seiner Umgebung aufsucht.

6) Fazit
Von der Verarbeitung und Mechanik braucht sich das Minox HG 8x33 BR hinter keinem Glas der Welt zu verstecken. Selbst für mehr Geld bekommt man in dieser Disziplin nicht mehr geboten. In dieser Hinsicht ist das Minox konkurrenzlos. Beim mitgelieferten Zubehör sollte Minox dringendst nachbessern, da die Okularabdeckung ein schlechter Witz ist und die Ledertasche zu dünn und ungepolstert ist. Die optischen Eigenschaften des Fernglases sind (ich wiederhole mich) sehr gut und nicht allzu weit von den (mehr als) doppelt so teuren Spitzen-Ferngläsern entfernt. Lediglich gegenüber Streulicht ist das Minox ein wenig empfindlich. Es ist schlicht eine Freude das Minox HG 8x33 BR zu benutzen, und ich kann nur jedem empfehlen einen Händler aufzusuchen um es selbst mal zu testen. In seiner Leistungs- (mind. 130m Sehfeld) und Preisklasse (ca. 650 Euro) ist nur wenig vergleichbares auf dem Markt. Um ehrlich zu sein fällt mir spontan nur das österreichische Kahles 8x32 ein (www.kahles.at). Erstaunlicherweise ähnelt es dem Minox sehr stark, sozusagen ein Zwillingsbruder aus Österreich. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Vielleicht schaffe ich es ja mal ein Exemplar des Kahles zu organisieren um es mit dem Minox direkt zu vergleichen.

7) Wichtig!!!
Ein Anmerkung zum Schluss: Dieser Test gibt lediglich die Meinung des Autors wieder, welcher über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit optischen Geräten aller Art auf den Buckel hat. Ein Fernglas MUSS man persönlich testen um einen Eindruck zu gewinnen, ob es zu einem passt oder nicht. Testberichte sind (manchmal) schön und gut, aber sollten stets nur als Anhaltspunkt gesehen werden. Vielen Dank!

Beste Grüße
Mick

P.S. In der Minox HG Reihe fehlt eigentlich noch ein Glas mit 7-facher Vergrößerung....
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Mick,

Danke für Deinen Bericht! Es scheint sich ja um ein interessantes Fernglas zu handeln - übrigens findet man dafür im Internet leicht auch Preise unter 600 Euro. Es scheint dem Kowa 8x32 BD ähnlich zu sein, ist aber etwas edler aufgemacht. Solche Variationen in Gummierung und Ausstattung wie Fokussierrad oder Augenmuscheln werden von den Herstellern in Fernost standardweise angeboten.

Was mich wundert ist: Warum gelingt es in diesem Preisbereich den Herstellern so selten, das Streulicht erfolgreich zu unterdrücken? Sind diese Streulichtblenden und eine vernünftige Innenlackierung so teuer, dass das nur bei den Topherstellern klappt? Ich könnte mir vorstellen, dass die Qualität einer Top-Vergütung teuer zu erkaufen ist, weil viele aufwändige Bedampfungsschritte nötig sind. Aber dieses Streulicht ist doch meistens keine Folge von mangelnder Vergütung, sondern einfach von diffusen Reflexionen am Innentubus oder Prisma, oder auch an den Linsenrändern.

Auf jeden Fall haben wir hier scheinbar ein ordentliches Fernglas im mittleren Preissegment, und das ist ja sehr erfreulich!

Viele Grüsse,
Holger
 
Hallo Mick, hallo Holger,

ich besitze dieses Glas seit ca. 3. Monaten und bin auch sehr zufrieden, auch die Tasche findet meine Zustimmung. Streulicht findet man nach meiner Erfahrung bei allen Gläsern. Ich besitze u.a. noch das Nikon 10x42SE und das Zeiss 15x60, hatte auch zeitweise ein Zeiss 8x56DS, ich weis also von was ich schreibe.

Auch was Farbsäume in extremen Situationen (hoher Kontrast und im Randbereich)betrifft, gilt das gleiche, Unterschiede zwischen guten Gläsern gibt es nur in Nuancen.

Inbezug auf den Nahbereich ist nach meiner Erfahrung nur die Korrektur des Augenabstandes erforderlich, um die Bilder wieder zusammenzubringen.

Ansonsten finde ich deinen Bericht sehr gründlich, umfassend und treffend, also Glückwunsch!

Gruß Manfred
 
>>>>>Streulicht findet man nach meiner Erfahrung bei allen Gläsern.


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Hallo Manfred,

sicher kann man unter extremen Bedingungen in jedem Fernglas Streulicht erzeugen. Die Frage ist nur: Wie oft passiert so etwas im Alltag, und wie stark ist dabei der Kontrastverlust. Hier verhalten sich die teuren Spitzenmodelle meist deutlich besser als die der Mittelklasse. Vielleicht gibt man sich einfach mehr Mühe bei der Entwicklung, inklusive Feldtests der Prototypen, und das schlägt sich dann auch auf den Preis nieder.

Viele Grüsse,
Holger
 
Hallo Mick,

schöner Bericht, deckt sich bis auf weniges mit meinen Erfahrungen vor 3 Jahren mit dem Minox 10x40 BRasp (das habe ich wegen der extrem störenden Reflexe zurückgeschickt), nur daß das 10x40 auch noch ziemlich brutale Bildfeldwölbung hatte (was Wunder bei 3 linsigen Retro-Kellner Okularen) und die Augenmuscheln falschkonstruiert waren (zu kurz, daher die Reflexe bei Seitenlicht). Bericht siehe Suchfunktion.
Ich möchte noch erwähnen, daß das Canon 10x30 IS praktisch keine Reflexe hat, es also durchaus möglich ist, auch bei preisgünstigeren Gläsern sowas zu erreichen. Ich jedenfalls finde so starke Reflexe bei Seiten- und Gegenlicht schlicht untragbar, auch wenn die sonstige Qualität gut ist.

Gruß und Anerkennung für den schönen, objektiven Bericht.
Endlich mal wieder ein positives Beispiel hier im Forum.
 
Hallo!

Danke für all die Blumen und Lobeshymnen bzgl. meines Testberichts des Minox HG 8x32 BR. Ging runter wie Öl;-)

Hier nun ein paar Antworten bzw. Kommentare zu eurem Feedback.

zu Holger:
> Warum gelingt es in diesem Preisbereich den Herstellern so
> selten, das Streulicht erfolgreich zu unterdrücken? ...
> Aber dieses Streulicht ist doch meistens keine Folge von
> mangelnder Vergütung, sondern einfach von diffusen
> Reflexionen am Innentubus oder Prisma, oder auch an den
> Linsenrändern.
>
Ich glaube es sind exakt deine aufgeführten Details die ein Fernglas der oberen Mittelklasse (wo ich das Minox einordnen würde) und eines der Spitzenklasse unterscheidet. Bei Leica (da habe ich es im Werk persönlich gesehen) geschieht noch sehr viel in Handarbeit und jedes(!) Fernglas wird von mindestens drei Personen getestet bevor es in den Verkauf gelangt. Das ist dann wohl der Unterschied zur "Fließbandware" im oberen Mittelklassebereich, wo am Ende der Kette lediglich ein Funktionstest vorgenommen wird.

zu Mapu:
> Streulicht findet man nach meiner Erfahrung bei allen Gläsern.
>
Bei vielen sogar schlimmer als beim Minox. Auch das Leica Trinovid 8x32 war etwas empfindlich, allerdings speziell bei Gegenlicht nicht so ausgeprägt wie das Minox. Beim Trinovid wurde das Bild nur merklich flauer und zeigte nicht solche "Lichthöfe" wie das Minox. Aber um dem Minox Glas mal etwas zu Gute zu halten...ein Nikon Monarch 8x36 (andere Preisklasse, ich weiß, aber das hatte ich auch mal kurze Zeit) ist noch eine Ecke mehr empfindlich gegenüber Streulicht. Letztendlich störte es mich beim Bergwandern so sehr, das ich es nach einer Tour wieder verkaufte.

> Auch was Farbsäume in extremen Situationen (hoher Kontrast
> und im Randbereich)betrifft, gilt das gleiche,
> Unterschiede zwischen guten Gläsern gibt es nur in Nuancen.
>
Die Farbsäume hat das Minox im praktischen Gebrauch sehr gut im Griff. Das hätte ich vorher in der Form, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Aber wenn ich dann doch mal einen Farbsaum im Minoxbild entdeckte (z.B. Metallbesatz auf einem Dachfirst gegen Himmel betrachtet) und dann das Leica Trinovid nahm, war er bei diesem nicht auszumachen. Nun ja, irgendwo muss sich der Preisunterschied ja auch mal bemerkbar machen.

> In Bezug auf den Nahbereich ist nach meiner Erfahrung nur
> die Korrektur des Augenabstandes erforderlich, um die
> Bilder wieder zusammenzubringen.
>
Genau das hatte bei mir NICHT funktioniert, weshalb ich es extra erwähnt hatte. Vielleicht liegt es an mir und meinen Augen (die seit mehr als 35 Jahren anstandslos funktionieren;-)

zu Hanz:
> Ich möchte noch erwähnen, daß das Canon 10x30 IS
> praktisch keine Reflexe hat, es also durchaus möglich ist,
> auch bei preisgünstigeren Gläsern sowas zu erreichen.
>
Mit dem "Tunnelblick" (ist ein wenig übertrieben, ich weiß) des Canon konnte ich mich leider nie anfreunden. Ist ansonsten ein schönes Glas zu einem fairen Preis.

Da mein Test des Minox von Euch so positiv willkommen geheißen wurde, werde ich in lockerer Reihenfolge im Laufe des Jahres noch ein paar schreiben.
Übrigens bin ich immer noch am überlegen, ob ich das Minox HG 8x33 BR behalte oder erstmal weiter suche....

Grüße
Mick
 
vielen Dank für den Bericht!

ich hätte noch zwei Fragen:
1. Sind die Gegenlichtreflexe so stark, dass beim Blick zb ins Dunkel unter einem Tannenbaum, wobei oben noch der Himmel sichtbar ist, die Sicht "eingemilcht" wird?
2. Da das Fernglas verzeichnungsfrei ist, zeigt es dann beim Schwenken den Globuseffekt (siehe den Artikel auf Holger Merlitz' homepage)?

Grüsse Tommy
 
Hallo Tommy!

Zwei sehr gute Fragen. Da ich das Minox dieses Wochenende noch bei mir habe, werde ich es mal überprüfen und dann beantworten. Wusste doch ich hatte irgendetwas vergessen zu testen;-)

Nochmal kurz zu Holger und seinem "Streulicht" Gedanken. Ich bin kein technischer Experte was Optik angeht, aber könnte es sein das die modernen Silberbeschichtungen im Inneren eines Fernglases die Übeltäter für Streulicht sind? Die Silberbeschichtungen erhöhen ja den Reflexionsgrad des Lichtes bzw. mindern den prismenbedingten Lichtverlust, so das das Bild heller ist als früher üblich (wo man noch Aluminiumbeschichtungen verwendete). Das ganze in den Griff zu kriegen scheint dann wohl doch eine Menge Know-How voraus zu setzen, von den Kosten ganz zu schweigen.

Bis die Tage
Mick
 
Hallo Mick,

Tunnelblick? irgendwie mußt Du da was verwechseln: das Canon 10x30 IS hat genauso 60° Sehfeld wie das Minox 8x33 (7,5°x8) - vielleicht hast Du es mit dem 8x25 verwechselt, das hat nur 55°? Oder meinst Du die etwas gewöhnungsbedürftigen (einige meinen unsäglichen) Gummiaugenmuscheln? Aber die sind wenigstens dicht gegen Seitenlicht!

Reflexe: wie auch schon oben erwähnt wurde, sind die durch die gesamte Konstruktion bestimmt und wirklich nicht ganz einfach wegzubekommen, deshalb hat ja auch das 8x30 Deltrintem von CZJ welche. Es ist eine Frage von Blenden, Innenbeschichtung und reflexverhindernden Strukturen der Bauteile - Rohre usw., aber auch Linsen- und Prismenkanten. Wer schon mal einen Billignewton mit Veloursfolie ausgekleidet und Okulare durch schwärzen der Linsenkanten verbessert hat, weiß was ich meine. Nur "Geisterbilder" lassen sich durch die Oberflächenvergütung der optischen Bauteile wesentlich reduzieren (aber auch nicht ganz entfernen, dafür muß die optische Konstruktion von Objektiven und Okularen schon entsprechend optimiert sein, manche Okulartypen sind bekannt für Geisterbilder).

Gruß
 
Hallo Hanz!

> Oder meinst Du die etwas gewöhnungsbedürftigen (einige
> meinen unsäglichen) Gummiaugenmuscheln? Aber die sind
> wenigstens dicht gegen Seitenlicht!
>
Du hast es exakt getroffen. Meine Formulierung "Tunnelblick" war vielleicht etwas unglücklich gewählt, aber ich hatte es extra in Klammern gesetzt da mir nichts besseres einfiel es zu beschreiben. Ich hatte beim Canon immer den Seheindruck einen kleinen (kurzen) schwarzen Tunnel zu haben und dann kam das Bild, aber ich hatte das Canon nur auf der letzten Photokina in der Messehalle ausprobiert wo man schlecht einen Streulichttest durchführen kann.

nochmal zu Tommy's Nachfragen:
> Sind die Gegenlichtreflexe so stark, dass beim Blick zb
> ins Dunkel unter einem Tannenbaum, wobei oben noch der
> Himmel sichtbar ist, die Sicht "eingemilcht" wird?
>
Nein, Gott sei Dank nicht. Meinen Streulichttest mit dem Minox hatte ich an einem Morgen bei wolkenlosem Himmel und strahlender (fast stechender) Sonne im Garten durchgeführt. Man könnte also sagen unter Extrembedingungen wie sie sonst nur im Hochgebirge und an der See vorkommen.

> Da das Fernglas verzeichnungsfrei ist, zeigt es dann beim
> Schwenken den Globuseffekt (siehe den Artikel auf Holger
> Merlitz' homepage)?
>
Einen ganz schwach ausgeprägten Globuseffekt konnte ich nachvollziehen, aber er ist mir vorher nie bewusst aufgefallen. Vermutlich hat das Minox wohl doch eine leichte Kissenverzerrung in der Optik, da der Globuseffekt sonst wohl extremer ausfallen müsste. Aber ehrlich gesagt ist mir eine Kissenverzerrung nicht aufgefallen (aus 10m eine sauber gemauerte Zeigelsteinmauer als Referenz). Bei normalen Objektivtests (für SLR-Kameras) war mir diese Mauer stets ein sicherer Indikator für Verzerrungen aller Art.

Ein Kuriosität am Rande:
Letzte Nacht bin ich noch über einen äußerst interessanten Bericht aus "Wild und Hund" 2/2006 gestolpert. Dort wird ein Leitz Trinovid 10x40 B (Jahrgang 1975) mit dem aktuellen Leica Ultravid 10x40 BL verglichen. Das PDF Dokument findet man hier:
http://www.leica-camera.de/assets/file/download.php?filename=file_999.pdf

Gruß
Mick
 
Alte Dachkantgläser

Vielen Dank,

der Bericht ist wirklich interessant. Der fehlende Kontrast dieser alten Dachkantgläser geht sowohl auf die einfache Vergütung als auch auf den fehlenden Phasenkorrekturbelag (P-Belag) zurück. Zusätzlich waren damals die Verspiegelungen der Prismen noch nicht so toll, so dass bei der Reflexion im Prisma noch weiteres Licht verloren ging (durchaus im 5% Bereich!). Man sieht im Vergleich sehr deutlich, wie schlecht diese alten Dachkanten im Vergleich zu neuen Modellen dastehen. Aber auch im Vergleich zu den damals verfügbaren Porro Ferngläsern war die Leistung der (seinerzeit 'modernen') Dachkanten nicht gerade berauschend. Das galt sowohl für die Schmidt-Pechan Prismen als auch für die Uppendahl Prismen, die damals in dem Leitz Trinovid verbaut waren. Etwas besser waren übrigens die Modelle mit Abbe-König Prismen: Diese Dachkanten arbeiteten mit Totalreflexion und hatten keine Verluste an den Verspiegelungen. Sie wurden in einigen der Hensoldt/Zeiss Dialyt Modellen verwendet. Aus diesem Grunde war das Zeiss 7x42 Dialyt damals der Leitz Konkurrenz in der Transmission sichtbar überlegen, allerdings auch weniger kompakt (das Abbe-König baute länger als die konkurrierenden Varianten).

Der Bericht gibt ja auch das Auflösungsvermögen des damaligen Ultravid (von 1975) als schlappe 9" an. Genau genommen war das Auflösungsvermögen dieser alten Dachkantgläser auch abhängig von der Richtung - senkrecht zur Dachkante war es geringer als parallel zur Dachkante. Dieser Defekt wurde dann später, ab 1988, durch den P-Belag weitgehend korrigiert. Nur zum Vergleich: In einem Labor in Kunming wurde einmal ein 10x50 Porro Fernglas von Zeiss (West, Oberkochen) aus den 60er Jahren durchgemessen. Man fand ein Auflösungsvermögen von 3.2" auf der einen Seite und unter 3.1" auf der anderen - der beste Wert, den man dort überhaupt gemessen hatte! Das gibt vielleicht einen Hinweis darauf, wie weit die guten Porrogläser damals den Dachkantgläsern überlegen waren. Das Marketing der Hersteller muss damals ganze Arbeit geleistet haben, um die Käufer davon zu überzeugen, dass die Dachkanten die moderneren und "besseren" Ferngläser waren, und dass sie das teure Geld auch Wert waren. Eleganter waren sie zwar, aber von der Leistung den Porros unterlegen.

Heute gilt das nicht mehr: Mit dem P-Belag und mit dielektrischen Verspiegelungen (die weniger als 1% Verlust erzeugen) erreichen die Dachkanten, auch die vom Schmidt-Pechan Typ, inzwischen dieselbe Leistung wie die besten Porros.

Viele Grüsse,
Holger
 
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