Re: Unterdrückung von Tatsachen ?
Hallo Gerd, hallo Frank,
wenn ich mir schon die Zeiss Geschichte habe durchlesen müssen, darf ich wohl auch mal das Thema überziehen, solange Ihr für Eure subjektive Astrogeräte-Ideologie sorgt.
2 Beispiele:
Ohne hier durch eine Nickelbrille zu schauen, habe ich das doch selbst bei meiner EQ 6 erlebt. Trotz aller Warnungen zum Trotz, habe ich mir seinerzeit sogar eine gebrauchte EQ 6 zugelegt, weil ich es einfach habe wissen wollen. Und was war?
Der Vorbesitzer führte mir die EQ 6 vor. Dass die Polsuchereinstellung nicht ganz klappte, war mir vorher schon klar. Beim Durchschauen bemerkte ich ein leichtes Zittern in De. Die Polsucherbeleuchtung glänzte ebenfalls durch Abwesenheit. Also was sollte ich machen? Die Flinte ins Korn werfen und wieder 150 km zurück nach Hause ohne Montierung fahren? Ich glaubte dem Vorbesitzer dass das alles sehr leicht zu beheben sei. Ich wunderte mich nur, warum er das dann nicht selber vor dem Verkauf gemacht hatte. Egal. Wenn er unbedingt soviel Geld zwischen Neukauf und Wiederverkauf loswerden wollte, hatte ich schon etwas gespart. Also nahm ich sie, und der Verkäufer war überglücklich mir beim Einladen behilflich zu sein. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Zuhause angekommen probierte ich sie und stellte fest, dass nur minimale Fehler bzw. Einstellarbeiten vorzunehmen waren. Gleich beim ersten Mal sind mir dann gute Fotos mit 1800mm Brennweite gelungen, wenn auch die Nachführarbeit ziemlich anstrengend war. EQ 6 Bericht und Tips dazu nachzulesen unter
www.astroluchs.de/EQ6.htm. Das erste Bild von M42 mit der EQ6 zur Probe ist gleich bei mir vom Garten aus entstanden und das gehört immerhin noch zur Stuttgarter Gemarkung.
Was anderes ist mir dann mal bei einem Teleskoptreffen passiert, wo ich die Gelegenheit hatte durch einen Chinarefraktor mit 150/1200 mm zu gucken. Auch da habe ich vorher meine Nickelbrille abgenommen! Was ich sah? Ich sah sehr feine, nadelpunktartige Sterne. Das Bild war gestochen scharf.
Wir haben dann das Bild mit meinem 10" Dobson verglichen. Sicherlich war M 13 heller und besser aufgelöst, aber schärfer war der Refraktor auf jeden Fall. Wir haben dann noch etliche andere Objekte aufgesucht und ich war immer wieder von der Schärfe beeindruckt.
Jetzt hätte mich eigentlich nur noch der Farbfehler interessiert, aber ich getraute mich nicht so recht danach zu fragen, ohne den Kollegen womöglich zu vergrätzen. Also schauten wir abwechselnd, er durch den Dobson und ich durch den Refraktor, nach der Suche nach dem Farbfehler. Bei Deep Sky war da aber nichts auszumachen. Stunden später kam der Kollege auf die Idee, doch mal den Mond anzupeilen, wahrscheinlich weil er das Bild im Dobson so hell sah und zeigen wollte, dass das in seinem Refraktor auch heller ginge. Nun schlug also die Stunde der Wahrheit.
Dass mein Dobson farbrein war wusste ich, aber ich wollte zu gern mal auch den Mond und seinen berühmten farbigen Rand sehen. Jetzt war ich gespannt. Zeigt er mir wirklich den Farbsaum, den ich schon immer einmal selber habe in Augenschein nehmen wollen?
Ich hatte bis dato den Mond immer nur durch meinen kleinen Pentax Apo 75/500 beobachtet, weil das mein erstes Teleskop war. So war mir der Farbsaum, von dem immer mal wieder die Rede war, bisher vergönnt geblieben. Jetzt sollte ich endlich auch in den Genuß des Farbsaumsehens kommen?
Der Typ machte ewig rum, und ich fragte mich, was er nur einstellte. Na wie sieht's denn aus, fragte ich den Kollegen. Der meinte nicht schlecht. Also wenn's nicht schlecht aussieht, meinte ich, dann könnte er mich ja mal durchschauen lassen. Der Mond stand noch etwas tief, weil er erst vor ein paar Stunden aufgegangen war.
Sonst hätten wir ja nicht zuvor Deep Sky Objekte beobachten können. Das mußte doch schiefgehen. Tief stehender Mond, mit dem Refraktor! Weiß der Typ denn nicht, dass man einen solchen Refraktor bei tief stehendem Mond nicht vorführen sollte, ohne sich womöglich zu blamieren? Eine EQ6 hatte er auch noch drunter.
Typischer Anfänger dachte ich. Keine Ahnung von Tuten und Blasen und läuft jetzt ins offene Messer. Und er Kerl guckt und guckt! Um das Schlimmste zu verhindern holte ich vorsorglich mal meine Pentaxokulare, die ich noch vom kleinen Apo 75/500 hatte. Entweder hatte mich da seinerzeit jemand geritten oder ich hatte zuviel Geld
und wollte eben alles schön vom gleichen Hersteller haben, sonst wäre ich wohl nicht in den Besitz von fünf Pentaxokularen gelangt. Der Verkäufer hatte sich jedenfalls riesig für mich und meinen Kauf gefreut. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Am liebsten wollte ich fragen, wo nun der Farbfehler sei. Jetzt bloß keine falsche Frage stellen, sonst lässt er dich womöglich nicht mehr durchschauen und packt noch alles in der Nacht zusammen. Ich traute meinen Augen nicht! Er gab den Blick durchs Okular frei. Ich malte mir schon alles in den schönsten Farben aus. Oben blau und unten gelb oder was? Oder blau und gelb zusammen?
Ich drückte mein Auge gegen das Okular. Ich war geblendet. Alles war so hell und weiß. Ich drückte mein Auge gleich wieder zu. Sollte dass schon alles gewesen sein? Nein das war einfach zu hell. Da konnte ich den Farbfehler ja gar nicht erkennen. Ich fragte, ob ich mal ein Okular von mir, mit einer höheren Vergrößerung einsetzen dürfe.
Er sagte ja, wenn Du willst, kannste auch eines von Dir nehmen. Ich dachte der lässt's wirklich drauf ankommen. Ich verglich die eingesetzte Brennweite mit der meinen und wollte die Vergrößerung gleich mal etwas höher jubeln um das Bild dunkler zu bekommen. Jetzt gings also richtig los. 150 mm Refraktor mit meinen eigenen Pentax Okularen. Ob das gut geht?
Also erst mal den Adapterring eingesteckt, weil ich noch die kleinen 24,5 mm Okus habe. Dann irgendein Ding rein, weil ich eh schon zu nervös war und erst noch die Staubkappe abziehen musste. Durchgeschaut und was war?
Nichts? Kein Farbsaum weit und breit. Ich war enttäuscht. Das gibts doch nicht! Die reden doch immer alle vom großen Farbsaum und wo isser nun? Ich guck nach links, ich guck nach rechts. Endlich, wenn ich schräg ins Okular gucke, kann ich einen leichten Farbsaum ausmachen. Komischerweise ist der mir aber auch schon in einem C8 aufgefallen, wenn ich mit meinen Pentaxen durchgeschaut habe. Damals haben wir das auf die Schmidtplatte zurückgeführt und uns keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Ein C 8 ist schließlich farbrein!
Also wo war nun dieser ominöse Farbfehler, den ich so gerne gesehen hätte. Ich ließ den Kollegen noch mal ans Okular und hütete mich was von Farbfehler zu schwafeln. Wo nichts ist, ist nichts! Er sagte auch nichts, und ich hielt lieber meine Klappe. Wir waren einvernehmlich der Meinung dass das heute ein schöner Spechtelabend und ein schöner Mond gewesen sei.
Um uns herum hatten die anderen Teilnehmer auf dem Rossberg bei Reutlingen (Kreis Stuttgart) schon alle zusammengepackt und wir waren wohl die letzten. Ich stieg ins Auto und fragte mich ob ich nicht doch was versäumt hatte. Andreas hieß der Kerl, das hatte ich mir noch merken können, aber den Farbsaum hatte ich in dieser Nacht trotzdem versäumt.
Gruß astoluchs